Heute ist mein zweiter Tag in Indonesien, genauer gesagt: in Jakarta. Mit meiner Kollegin Nur habe ich ein Gespräch mit dem deutschen Botschafter geführt. Herr Dr. Baas ist erst seit einem Monat hier in Jakarta und deshalb noch nicht sehr involviert in die Umweltthematik. Ein guter Zeitpunkt, ihm von der Problematik der Urwälder zu berichten, von der Bedeutung der Torfböden für das globale Klima und von den Machenschaften der großen Unternehmen wie Sinar Mas oder April, die eng mit der Regierung verlinkt sind.
Herr Baas war sichtlich geschockt von den Erzählungen und Bildern der Zerstörung. Er hatte zwar von der Palmölexpansion gehört, doch die Hintergründe waren ihm nicht klar. Ich berichtete auch von der Kreditvergabe der DEG an Sinar Mas und bat ihn, sich für eine vorzeitige Rückzahlung des Kredites einzusetzen. Die deutsche Botschaft ist involviert in die internationalen Verhandlungen hier zum Thema REDD (reduced emissions from deforastation and degradation). Wir haben sehr deutlich gemacht, dass nur Naturwälder aus den REDD-Geldern finanziert werden dürfen. Sobald es um Geld geht, steigen bekanntlich die Begehrlichkeiten. Und ganz vorn sind dann die großen Konzerne.
Der Konzern April zum Beispiel, einer der ganz großen Player im Zellstoff- und Papierbusiness, besitzt die weltgrößte Papierfabrik in der Provinz Riau, auf Sumatra. Für seine Akazienplantagen will er REDD-Gelder erhalten. Für diese Monokulturen werden Torfwälder vernichtet und trockengelegt, weil die Akazien genau wie die Ölpalmen die Feuchtigkeit der Torfböden nicht vertragen. Bei der Trockenlegung werden Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Nach sieben Jahren wird das Holz geerntet und die Fläche wieder neu bepflanzt.
Akazie wird ausschließlich zu Papier verarbeitet, die Produkte werden also bald verbraucht. Von einer langfristigen Speicherung des Kohlenstoffs im Produkt kann also keine Rede sein. Akazienplantagen sind genau wie jede andere Art von Plantagen und Monokulturen kein Beitrag zum Klimaschutz und dürfen deshalb keine finanziellen Unterstützungen erhalten.
Ich denke, wir konnten all diese Punkte sehr deutlich machen. Es bleibt die Frage, welchen Einfluss die deutsche Botschaft auf die internationale Politik hat. Das bestätigte Herr Baas auch zum Schluss, als er sagte, er werde sich in seinen Gesprächen mit der indonesischen Regierung für Klimaschutz und Waldschutz einsetzen, aber die großen Entscheidungen werden halt auf internationaler Ebene gemacht, zum Beispiel beim Klimagipfel in Kopenhagen.
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