Open Ship und verheerende Aussichten für Kopenhagen

05. November 2009 · von Viktoria Thumann

Nass schreckt ab. So zumindest ließe sich der eher verhaltene Andrang von gestern interpretieren. Heute meint es Petrus schon wesentlich besser mit uns. Immer mal wieder scheint die Sonne und Regen kommt kaum noch runter. Dementsprechend haben wir heute auch schon wesentlich mehr Besuch auf der Beluga II. Schön ist, dass wir jetzt nicht nur durch den Innenraum sondern auch über Deck führen können. Gestern war es dafür echt zu glatt. Wenn ich mir vorstelle, dass die Besatzung bei unruhiger See und ungemütlichem Wetter da oben nicht selten arbeiten muss – Respekt.

Glücklich bin ich trotz des guten Wetters und der freundlichen Besucher nicht so ganz. Es wird ja schon länger gemunkelt, dass die Klimakonferenz in Kopenhagen nicht mit dem erwarteten Ergebnis – einem Nachfolgeprotokoll für Kyoto – enden wird. Diesen Artikel hier vom Guardian hätte ich mir wohl lieber nicht schon vor dem Frühstück durchlesen sollen, danach war mir erstmal schlecht.

The US has given up hope of reaching a global climate change treaty at Copenhagen and is working towards a deal late next year, the Obama administration said today. The decision ends hopes of a legally binding deal being sealed next month.

Komm ich heut nicht, komm ich eben morgen – es scheint als hätten die Herren nichts aber auch gar nichts verstanden. Der Klimawandel ist kein Vorsorgetermin beim Zahnarzt, der sich bei zeitweiliger Bocklosigkeit einfach mal verschieben lässt. Er gleicht eher einer fauligen Karies, die besser früher als später entfernt werden muss, wenn der Zahn überhaupt noch im Mund bleiben soll.

Ein verbindliches Klimaschutzabkommen einfach mal um ein Jahr zu verschieben ist mehr als unverantwortlich, es ist gefährlich. Es gleicht dem Patienten, der sich erst einmal ordentlich mit Schmerzmitteln zudröhnt – statt den längst überfälligen Arztbesuch endlich hinter sich zu bringen. Bis der Zahn raus muss. Oder das Klima kippt.

Wie unangenehm es ist, sich einen Zahn ziehen zu lassen, das können sich die meisten von uns vorstellen. Was es heißt, wenn das Klima kippt, darüber könnt ihr euch zur Zeit auf der Beluga II erkundigen. Die ist auf dem Weg nach Kopenhagen und hat derzeit in Berlin gegenüber vom ARD-Hauptstadtstudio angelegt. Bis zum 14. November ist hier zwischen 13 und 17 Uhr Open Ship in dieser Zeit könnt ihr außerdem die Beluga II während einer Schiffsführung kennen lernen.

Daneben gibt es verschiedene Vorträge und Filme. Morgen zum Beispiel wird um 17 Uhr Energieexperte Andree Böhling Plan B vorstellen. Plan B zeigt, wie Deutschland bis zum Jahr 2050 fast CO2-frei und gleichzeitig unabhängig von Energieexporten und Atomkraft sein kann.

Wir sind auf jeden Fall hier und freuen uns auf euch.

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