Alternativer Nobelpreis für meinen Kollegen

04. Dezember 2009 · von Andrea Cederquist

Heute erhält ein besonderer Mensch einen besonderen Preis: mein Kollege René Ngongo wird in Stockholm mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Seit vielen Jahren kämpft René Ngongo in der Demokratischen Republik Kongo für Urwaldschutz und für soziale Gerechtigkeit – als Gründer der Organisation Concertee des Ecologistes et Amis de la Nature (OCEAN) und seit 2008 für Greenpeace Afrika. Heute ist daher nicht nur ein großer Tag für René, sondern auch für die Zivilgesellschaft im Kongo, die für ein gerechteres und nachhaltigeres Land kämpft.

Treffen mit René Ngongo in Bumba © Greenpeace/Oliver Salge CC-Lizenz BY-NC-ND

Treffen mit René Ngongo in Bumba

René Ngongo stammt aus Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Er studierte an der Kisangani-Universität Biologie und forschte nach dem Abschluss an unterschiedlichen Universitäten des Landes. Heute lebt er mit seiner Frau und vier Kindern in der Landeshauptstadt Kinshasa. Er ist viel unterwegs, sowohl im Kongo als auch international. Er informiert und berät regelmäßig Gemeinden und Dorfvertreter im Kongo über Ihre Rechte bei den Verhandlungen der sogenannten Cahier de charge – das ist ein soziales Plichtenheft der Holzkonzessionäre gegenüber den lokalen Gemeinden -, über Waldschutz und über die Wichtigkeit des Waldes für das Klima.

Ich habe René vor zwei Wochen getroffen, als er in Bumba zusammen mit lokalen Nichtregierungsorganisationen ein zweitägiges Seminar organisiert hatte. Ziel war, den Vertretern der vom Holzeinschlag betroffenen Gemeinden ein Forum zu schaffen. Dort konnten sie sich austauschen und auch ihre Visionen für die Zukunft formulieren.

Beim Seminar wusste René schon, dass er heute den Alternativen Nobelpreis erhalten würde. Und es wurde immer wieder deutlich, wie wichtig diese Auszeichnung nicht nur für René, sondern auch für die lokale Bewölkerung ist. Der Preis bedeutet aber auch, dass René durch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ein Forum bekommt, um die Situation der betroffenen Menschen im Kongo zu schildern und ihre Position zu stärken. Auf meiner Frage, was der Preis für ihn persönlich bedeute, meinte er lachend, dass seine Frau es jetzt eher akzeptieren würde, dass er so viel unterwegs sei.

Die Menschen, die ich beim Seminar in Bumba getroffen habe, wollen einen gerechteren und besseren Kongo. Und dafür kämpfen sie! Ein Beispiel: Eine Gruppe von Menschenrechtlern und Umweltschützern aus Bumba hat 2006 mit einer Petition gegen die Firma Danzer/Siforco und andere Holzunternehmen protestiert. Sie zitierten unter anderem die Nichteinhaltung von Verträgen mit der lokalen Bevölkerung, Waldzerstörung durch unkontrollierten Holzeinschlag und gewaltsame Unterdrückung von Protesten durch die lokale Polizei. Siforco hat daraufhin die 29 Personen, die die Petition unterschrieben haben, vor Gericht gezerrt, die Holzfirma fürchtet offensichtlich um ihre Glaubwürdigkeit bei Geldgebern wie der deutschen KfW. Die Menschenrechtler von Bumba bestehen auf ihrem Recht, aber der Fall ist bis heute nicht abgeschlossen. Das gab es vorher noch nie im Kongo. Bisher ist es den Holzunternehmen immer gelungen, solche Menschen einzuschüchtern und mundtot zu machen. Im Juni 2009 haben Dorfbewohner in der Region Aketi dann die Bulldozer und die Sägen von Danzer blockiert und den Holzeinschlag der Firma gestoppt, da diese sich über mehrere Jahre nicht an die Abmachungen, die in den Cahier de charge mit den Gemeinden vereinbart waren, gehalten hatte.

Es gibt mehrere Beispiele, wie die lokale Bevölkerung versucht, sich gegen die großen Holzfirmen zu wehren. Aber ohne die Unterstützung der Staatengemeinschaft wird es keine Veränderungen geben. Denn die Abholzung der Regenwälder für den internationalen Holzmarkt schreitet fort.

Kommentare

  • Gerhard Kisch

    Ich finde es ganz toll das es solche Menschen gibt die sich von solchen Konzernen und korupten Politikern (Versager) nicht einschüchtern lassen.Überlebenswichtig für alle Lebewesen ist es auch das es immer mehr Schutzgebiete geben muß.Nachdenklich stimmt mich das es überhaupt Schutzgebiete geben muß.Aber da wir uns vor uns selber schützen müssen kann es nicht genug davon geben.Gruß Gerhard.

    06.12.2009 um 11:55 Uhr · Antworten

  • Perry Taschenberg

    Mein Respekt zu dieser Reise und diesen vorbildlichen Einsatz an der “Klima-Front”. Dieser Mann ist wirklich aussergewöhnlich – völlig zurecht hat er nun diesen wichtigen Preis erhalten. Ich hoffe, dass ihm das im täglichen Kampf vor Ort behilflich sein wird. Jedenfalls wird man ihn jetzt auch im Kongo nicht mehr ignorieren können. Danke für diesen Beitrag.
    Gruß Perry

    07.12.2009 um 18:18 Uhr · Antworten

  • Uwe Hartewig

    Auch meinen Respekt und meine Anerkennung zu der Sache. Es ist wirklich toll, dass sich heute noch Menschn dafür einsetzen. Neben dem Frieden hat es auch noch einen anderen Vorteil: es werden wieder mehr Leute den Kongo bereisen. Das kann ich nämlich nur befürworten, da ich das Land vor vielen Jahren einmal bereist habe und es echt toll fand!

    25.12.2009 um 00:04 Uhr · Antworten

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