Den Schwaben unterstellt man gerne, besonders fleißig zu sein. Und wenn es ums An-der-Nase-Herumführen des Bürgers geht, sind Politik und Wirtschaft im Musterländle auch gerne mal gemeinsam besonders eifrig. Wie Günther Oettinger, der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, sich zum willigen Handlanger des Atomstromkonzerns EnBW gemacht hat, liegt jetzt nicht nur schwarz auf weiß vor – es wurde heute sogar von dem Karlsruher Energiekonzern offiziell bestätigt.
Im Kern geht es um die Tricks des Energieversorgers, die im gültigen Atomausstiegsgesetz festgelegten Fristen zur Abschaltung von Uralt-Reaktoren zu umgehen. Diese Fristen werden nach der im Normalbetrieb im Meiler produzierten Strommenge berechnet. Sind die vorgesehenen Kilowattstunden erzeugt, muss das Kraftwerk abgeschaltet werden.
Für sein AKW Neckarwestheim, das normalerweise schon im Juli 2009 vom Netz gegangen wäre, fand EnBW einen Dreh, um es auch über den Termin der Bundestagswahl hinaus am Laufen zu halten – die Hoffnung war: Dann kommt Schwarz-Gelb, und der Atomausstieg ist Geschichte. Also fing man schon im Jahr 2007 damit an, die Stromerzeugung in Neckarwestheim zu drosseln um die Laufzeit zu strecken. Greenpeace veröffentlichte interne EnBW-Dokumente, die das Getrickse des Unternehmens beweisen, im Oktober 2009. EnBW behauptete wieder einmal, dieser Schritt sei notwendig, um den Kraftwerkspark „wirtschaftlich optimal“ fahren zu können.
Was EnBW wirklich dachte, stand aber nicht nur in Unternehmenspapieren. Es findet sich auch im Atom-Strategiepapier wieder, das von Günther Oettinger gemeinsam mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch im August 2009 erarbeitet wurde, und kurz nach der Bundestagswahl an Kanzlerin Merkel geschickt wurde. Unter dem Punkt “5.2.1 Betriebsweise der Kernkraftwerke“ ist dort auf Seite 14 zu lesen:
Lediglich als ultima ratio ist eine Drosselung der Leistung der Kernkraftwerke mit dem Ziel ins Auge zu fassen, den Zeitpunkt des Inkrafttretens einer Änderung des Atomgesetzes zu erreichen.
Dieses „äußerste Mittel“ wendet EnBW nun also schon seit drei Jahren an. Und weil es nun mit dem Ausstieg aus dem Atomaustieg nach der Wahl doch nicht so schnell geht wie eigentlich erwartet, wird die Leistung von Neckarwestheim jetzt weiter gedrosselt. Ein Sprecher von EnBW war sich heute nicht zu schade, gegenüber der Deutschen Presse Agentur zuzugeben:
Unsere bisherige betriebswirtschaftlich optimierte Fahrweise wird durch einen zeitlichen Aspekt ergänzt. [...] Wir bleiben mit reduzierter Leistung länger am Netz.
Statt möglicher 840 MW werden nur mehr 250 MW erzeugt. Die Optimierung der Atomenergie liegt also im Absenken der Stromproduktion über einen längeren Zeitraum. Wenn EnBW weiter so optimiert, nähern sie sich bald der Null-Produktion. Dann schließt sich der Kreis: Eine Null-Produktion, also die Stilllegung hält auch Greenpeace für die optimierte Fahrweise des alten Atomreaktors.
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Jonas
Ich denke aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist ein Weiterbetrieb durchaus optimal. Von daher ist die Aussage, dass der Reaktor betriebswirtschaftlich optimiert gefahren wird, durchaus korrekt.
26.2.2010 um 13:57 Uhr ·
Titus
Ist doch super…so kann man auch als AKW-Betreiber die eigenen Argumente “ad absurdum” führen…bin gespannt, wie EnBW das Märchen von der Stromlücke erklären möchte, wenn man die Reaktorleistung mal eben um 70% drosseln kann, ohne das das Licht ausgeht.
28.2.2010 um 10:12 Uhr ·
Boh Ey
Wie war das noch mit der Aussage, dass AKWs nicht regelbar sind???
Jetzt läuft Block 1 also mehr als ein Halbes Jahr mit 250 Megawatt, was 1/3 der Vollast ist. Eure Ideologie zerschlägt sich gerade selber
28.2.2010 um 13:16 Uhr ·
Simon Brücken
Nein, du hast es nur offenbar nicht verstanden: Natürlich kann ich ein AKW drosseln, aber eben eher schwerfällig und langsam und nicht flink und flexibel, wie für die Kombiation mit Erneuerbaren nötig. Zwar kann ich einen Reakor auch schnell runterfahren, nur hoch geht’s dann nicht so rasch. Zudem sind solche Maßnahmen nicht sonderlich gesund für den Reaktor, sprich es gibt ein erhöhtes Risiko für Stör- und Unfälle, höhere Wartungskosten und wirtschaftlich ist es auch nicht.
28.2.2010 um 14:00 Uhr ·
Boh Ey
Jajaja sie können reguliert werden aber eben doch nicht nur manchmal aber das ist auch total schlecht und so weiter… ich glaub Dir nix, du weisst nix, das RWE sagt, es geht, das Atomforum sagt es geht, ich glaube auch dass es geht, sonst würde Neckarwestheim nicht mit 25% durchlaufen können.
28.2.2010 um 22:31 Uhr
Simon Brücken
Okay, nochmal langsam und ganz verständlich:
Ich kann einen Reaktor auf 25% Leistung (oder quasi jede beliebige andere Zahl) über eine lange Zeit (wochen, Monate, Jahre) fahren (ist halt nicht sonderlich wirtschaftlich, aber geschenkt). Betonung liegt auf LANGE ZEIT. Flinke Lastwechsel (innerhalb weniger Stunden) funktionieren nicht. Das macht den Unterschied. Kannste mir glauben oder nicht, ich hab nur nicht verstanden warum du es inhaltlich nicht verstehen willst, ob du’s glaubst ist mir wurst…
02.3.2010 um 18:08 Uhr
Carlo
Hallo Simon. Wenn du schon sowas behauptest, dann nenne bitte auch Gründe wieso das nicht gehen soll. Leider ist es mir verwehrt hier Lastspiele von KKW’s aufzulisten. Eine schnelle Regelung ist selbst für alte Anlagen kein Problem und es gibt sogar KKW’s, die mit den Gezeiten geregelt werden müssen. Selbst wenn das ein Problem wäre, dann leitet man den Dampf, je nach Bedarf, an den Turbinen vorbei. Die Brennstoffkosten haben hier eine relativ kleine Bedeutung.
02.3.2010 um 20:13 Uhr
Tobi
Dann erklär doch bitte, warum es nicht gemacht wird. Hier wird niemandem etwas verwehrt.
02.3.2010 um 21:07 Uhr
carlo
Ok, einen Teil der Erklärung habe ich schon gegeben.
Hier ein Ausschnitt aus dem Bericht, der Periodischen Sicherheitsüberprüfung vom KKW Gösgen-Däniken.
Kapitel Normalbetrieb:
http://www.ensi.ch/fileadmin/deutsch/files/psu_kkg.pdf
“Die Anlage ist für schnelle rampenförmige Laständerungen mit einer Geschwindigkeit bis zu 10%/min, wie auch für sprungförmige Laständerungen bis zu 10% ausgelegt.”
02.3.2010 um 21:57 Uhr
Tobi
Der zitierte Abschnitt sagt doch nur aus, daß es technisch möglich ist.
Er sagt nichts darüber aus, wie oft und in welcher Abfolge das hintereinander geschehen kann und wie gut die Anlage das weg steckt. Und inwiefern das auf andere Reaktoren übertragbar ist, wird auch nicht ersichtlich.
Selbst Hersteller Siemens spricht davon, daß diese Lastwechsel den Kraftwerken “zu schaffen machen” und eine Nachrüstung erforderlich ist.
Unter dem darunter aufgeführten Link findet sich eine Studie des Fraunhofer Instituts, die Probleme von Grundlastkraftwerken in Zusammenhang mit Windeinspeisungen untersucht.
Zitat: “Da für thermische Kraftwerksblöcke zeitliche Grenzen wie Anfahrzeiten, Mindestbetriebsdauern, Abfahrzeiten sowie Mindeststillstandszeiten zu berücksichtigen sind, ist aus technischen und wirtschaftlichen Gründen eine rechtzeitige und möglichst genaue (Vor-)planung notwendig. ” Weiter ist von “z.Z. nicht abschätzbaren Konsequenzen für die Spannungshaltung und Stabilität des Betriebes” die Rede und es wird eine “nennenswerte Reduzierung der Kernenergieerzeugung in Schwachlastzeiten” empfohlen.
Ich möchte ja auch garnicht behaupten, daß dieses Problem durch eventuelle Nachrüstung nicht abgemildert oder teilweise vielleicht sogar beseitigt werden könnte; da es aber nicht das Hauptargument gegen Kernkraft/Atomkraft ist, und einige der Kraftwerke in Deutschland auch andere gravierende Mängel aufweisen, würde ich in der Summe dafür plädieren, die ältesten Meiler (die zudem nicht zur Deckung der Versorgungssicherheit benötigt werden) alsbald vom Netz zu nehmen und den Rest friedlich zum Ende der gesetzlich vereinbarten Laufzeit auslaufen zu lassen.
http://www.siemens.com/innovation/de/publikationen/6099_pof_fruehjahr_2009/produkte/optimierung_kraftwerke.htm
http://www.iset.uni-kassel.de/public/kss97/6.html
02.3.2010 um 23:53 Uhr
Simon Brücken
Wenn die Dinger ach so toll regelbar sind, warum müssen die Franzosen Regelenergie aus dem Ausland beziehen unnd nachts Nachtspeicherheizungen laufen lassen? An der Strombörse gab’s negative Strompreise weil die AKW durchgelaufen sind, warum, wenn man sie schnell hätte Regeln können?
Die folgen übermäßiger Lastwechsel können zur Überhitzung von Brennelementen mit Materialversprödung oder zu Rissbildungen (etwa in Rohrleitungen) führen. Ebenso möglich ist ein ungleichmäßiges Abbrennen der Brennelemente. Das alles führt im günstigsten Fall zu höheren Wartungs- und Reparaturkosten, weshalb Drosselungen i.d. Regel vermieden werden und ein erhöhtes Risiko bergen.
03.3.2010 um 10:03 Uhr
Carlo
Die Vorgänge um ein Stromnetz stabil zu halten, sind mir nicht geläufig. Fakt ist aber, das es gängige Praxis ist die Werke zu regeln. Die Brennelemente brennen sowieso ungeleichmäßig ab, von innen nach außen. Das wird aber vor jeder Revision neu berechnet und die BE neu verteilt (Ausgleich). Materialversprödung tritt nur durch Bestrahlung auf, das wird dann in Vollastjahre umgerechnet, was der RDB verträgt (Lifetime). Risswachstum stellt nur ein Problem dar, wenn die Anlage nicht nach den spezifizierten Vorgaben geregelt wird. Aber diese werden sowieso mit etlichen Programmen überwacht, ob sie da sind oder nicht. Wenn du Quellen hast, wo man diese schlechte Regelung nachlesen kann, wäre ich sehr dankbar. Vielleicht kann ich mich auch eines Besseren belehren.
03.3.2010 um 11:20 Uhr
Carlo
@Tobi: Laständerungen, sprich Transienten. Diese werden von Anfang an mit eingeplant. Ohne ein KKW zu nennen, können diese 100 000 Transienten über 40 Jahre ohne Probleme ertragen. Da steckt aber noch genügend Sicherheit darin. Das doppelte ist da schon wahrscheinlicher. Und dann kann man immer noch die gefährdeten Komponenten überholen. Das ist nur Pfennigkram im Vergleich zum Gewinn.
03.3.2010 um 11:33 Uhr
Neckarwestheimer
Die meisten Bürger von Neckarwestheim können die Meinung von Greenpeace leider nicht nachvollziehen….über 800 Arbeitsplätze schaff das Kraftwerk direkt…viele Millionen fließen in die Gemeindekasse…und ist es mir Niemand bekannt der einen Nachteil durch das Kraftwerk hat. Das Abschalten von Neckarwestheim führt zum wirtschaftlichen Niedergang der Region…und am Ende baut die EDF ein Kernkraftwerk an der Deutschen Grenze, 800 Arbeitsplätze sind weg….Steuereinnahmen auch….dafür wird Abhängigkeit geschaffen.Ich hoff hier darf Jeder seine Meinung äussern…es denken halt nicht alle gleich, das wäre ja auch Langweilig;)
28.2.2010 um 21:21 Uhr ·
Tobi
Um keine Langeweile aufkommen zu lassen:
Auf jeden einzelnen der (je nach Zählweise) 30.000 – 40.000 bundesdeutschen Arbeitsplätze im Bereich der Kernenergie kommen (ungefähr) 10 Arbeitsplätze im Sektor der Erneuerbaren Energien. Tendenz steigend.
Dafür können sich die Betroffenen natürlich nichts kaufen, aber die isolierte Betrachtung der Gemeinde Neckarwestheim ist hier nicht angebracht. Sicher herrscht an großen Industriestandorten aus der Abhängigkeit heraus auch immer eine gewisse Solidarität mit dem Arbeitgeber, aber als Gesellschaft können wir keine sterbenden Industriezweige mitschleppen, weil einige Einzelschicksale daran hängen. Nach der Logik würden wir heute noch Kutschen bauen. (Der Automobilindustrie wird es mittelfristig wohl ähnlich ergehen…)
Steuereinnahmen entstehen in Deutschland durch Kernkraftwerke übrigens nicht. Im Gegenteil, sie sind eine enorme finanzielle Belastung für den Staat, da die Betreiber weder das finanzielle Risiko im Unglücksfall tragen, noch für eine sichere Endlagerung des radioktiven Mülls sorgen. Diese Kosten trägt zum größten Teil die Bundesrepublik, also wir.
28.2.2010 um 22:40 Uhr ·
Boh Ey
Die Arbeitsplätze, die beim Rückbau der Kernkraft verlorengehen, werden nicht zur Kernkraft gezählt, beispiel KKW Stade: es wurde eine Aluhütte geschlossen: Strointensiv, ohne KKW nicht mehr rentabel (mach mal Alu mit ner Solarzelle buahuahua), und eine Saline wurde zu gemacht (Heissdampf weg, aus mit Salzgewinnung). Wird krümmel stillgelegt, ist die Kupferhütte in Hamburg dran, die ist dann auch weg, weil der billige Industriestrom da weg, ist – an der Kernkraft hängen 10 bis 100x soviel Industriearbeitsplätze wie die 38.000 direktbeschäftigten, bitte nicht vergessen, ebenso nicht vergessen, die EE-Arbeitsplätze sind subventioniert, in der Solarindustrie DOPPELT so hoch wie im Kohlbergbau, das heisst, dass die leute da arbeiten und nicht kleben gehen, kostet die Allgemeinheit mehr, und ist keine Entlastung unserer Volkswirtschaft!
28.2.2010 um 22:45 Uhr
Tobi
PS: Den wirtschaftlichen Niedergang der Region nach Abschaltung des AKW möchte ich übrigens arg bezweifeln. Der Stuttgarter Raum gehört zu den wirtschaftsstärksten in Deutschland und auch die starke Rhein/Main Region ist nicht fern. Das ist weder die Eifel noch Brandenburg. Lediglich die Gemeindekasse des Dorfes selber würde auf Normalmaß schrumpfen…
28.2.2010 um 22:54 Uhr
Tobi
Mensch Boh Ey, da warst du ja mal wieder schnell wie der Teufel und hast mir glatt noch dazwischengefunkt;-)
Wie gesagt: Wir sollten Abstand davon nehmen, hier Einzelfälle für Grundsatzentscheidungen heranzuziehen.
Wenn eine Aluhütte ihre Rentabilität aus der Nähe zum AKW zieht, hat der Betreiber ein Problem. Allerdings ist dieses Problem nicht in unserer Energieversorgung zu suchen. Bitte lass hier nicht den Eindruck entstehen, Schwerindustrie wäre nur mit AKW machbar.
Das wäre nämlich grob irreführend.
Ich habe übrigens gerade heute im Magazin der Bahn noch eine Anzeige von BMW gesehen, in der sie sich damit brüsten eines ihrer Werke zu einem Großteil mit EE zu betreiben. Ganz unabhängig vom “Greenwashing”-Aspekt zeigt es doch sehr schön, daß die Realität weiter zu sein scheint, als manche Skeptiker das vermuten mögen.
Was es mit diesem Kupferwerk auf sich hat weiß ich zwar nicht, waß ich aber ganz sicher weiß, ist, das das AKW in Krümmel in den letzten 2,5 Jahren nur ein paar Tage am Netz war und den Rest der Zeit kaputt.
Solltest du da also einen wie auch immer gearteten Kausalzusammenhang zwischen Kernspaltung und Kupferproduktion vermuten, wäre es spätestens jetzt Zeit, diesen noch einmal auf Stichhaltigkeit zu überprüfen.
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Die (nach deiner Rechnung dann ja) 3,8 Millionen Arbeitsplätze die angeblich von Atomkraft abhängen sollen, würde ich dann doch gerne belegt haben, ansonsten sage ich dazu nämlich: Grober Unfug.
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Zu den Subventionen der Solarbranche möchte ich anmerken, daß dort nicht die Arbeitsplätze subventioniert werden, sondern die Technologie eine Anschubförderung erhält, da ja nun auch (im Zuge des Erfolges berechtigter Weise) stetig abgebaut wird. Hochqualifizierten Ingeneuren im Dunstkreis von AB-Maßnahmen zu verorten ist im Übrigen auch kein schöner Zug von Dir.
Die Atomkraft hat in den Jahrzehnten ihrer Existenz eine mit “vielfach” nur äußerst euphemistisch beschriebene Subvention (durch: Steuerfreiheit, Beiträge für internationale Interessenverbände, Freistellung von Haftung, usw, usw…) erhalten. Hatte wir aber auch schon ausdiskutiert.
28.2.2010 um 23:29 Uhr
Boh Ey
Tobi- ein Industriestromvertrag wird nicht unterbrochen wenn das Kraftwerk, welches der Lieferant dafür vorgesehen hat, temporär ausser Kraft gesetzt wurde, diese Vorstellung ist naiv. Steht das KKW still, muss der Betreiber weiter liefern und draufzahlen. Wird das KKW abgeschaltet, steigt der Betreiber aus der Vertrag aus, da kein Land mehr in Sicht ist – so einfach ist das.
Kernkraft ist auch “Greenwashing” weil z.B. Aluminium mit Atomstrom CO2-frei erzeugt wird, die Aluproduktion ist übrigens heute in China und produziert heute, dank Kohlestrom gewaltig CO2…. In Solarzellen ist übrigens auch viel Aluminium – und Kupfer
28.2.2010 um 23:43 Uhr
Bruno Straub
Arbeitsintensive Technologien bedingen/schaffen Arbeitsplätze. Das ist trivial. Genauso trivial ist, dass (menschliche) Arbeit Geld kostet. Dass in “EE” 10 mal soviel Arbeitsplätze stecken sollen, wie in “Konventionellen”, glaube ich gerne, denn EE sind ja nun mal drastisch teurer. Aber ob man darauf stolz sein sollte?
28.2.2010 um 23:46 Uhr
Tobi
@ Boh Ey:
Bitte – ich habe nicht von Veträgen gesprochen sondern von technischer Machbarkeit!
Veträge sind Verhandlungssache – technische Zwänge nicht.
Veränderte Gegebenheiten erfordern veränderte Verträge. So einfach ist das.
Ach übrigens: “Greenwashing” bezeichnet einen Vorgang, der eine Umweltverträglichkeit VORTÄUSCHEN soll. das ist ja grade der Witz dabei.
@ Bruno: Nun – das Arbeitsplatzargument kommt in der Regel von verunsicherten Menschen, die Neuerungen skeptisch gegenüberstehen. Ich wollte die Fakten infach nur nochmal auf den Tisch legen.
Und ja, ich denke man kann stolz darauf sein, wenn wir in unserer arbeitsteiligen Gesellschafft dafür sorgen können, daß unser Wohlstand gleichmäßiger verteilt ist, anstatt sich in wenigen großen Töpfen zu sammeln.
Wenn du mit “drastisch teurer” die Kosten für die bisherigen Großerzeuger meinst, hast du recht. Mit den volkswirtschaftlichen Gesamtkosten sieht es anders aus.
Somit sind die Erneuerbaren nicht nur ein technischer Fortschritt, sondern auch ein sozialer, der uns wegführt vom Denken Shareholder-Value orientierter Technokraten.
01.3.2010 um 00:15 Uhr
Telematik2
Lieber Tobi, physikalisch sind Arbeit und Energie dasselbe.
Macht man also die Energie billig (Kernenergie) kann man sich teurere Arbeit leisten. Ist die Energie teuer (EE) muss die Arbeit subventioniert werden, wass nicht unbegrenzt geht, oder sie verschwindet nach woanders, das hat “Boh Ey” doch klar und deutlich dargestellt, wie das läuft. Deine Hilflosen Versuche verändern leider weder physikalische noch ökonomische Grundlregeln… Wir werden wohl noch etwas mit der Kernenergie leben müssen, wenn wir uns den EE-Kram CO2 arm denn leisten wollen…
01.3.2010 um 01:42 Uhr
Tobi
Ein kleiner Hinweis zum Märchen “billiger Atomstrom/teurer EE-Strom”:
Die Subventionen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und seinem Vorläufer dem „Stromeinspeisungsgesetz“ dienen als „Anschubfinanzierung“ für neue Technologien.
Sie sind im übrigen (wie gerne unterstellt wird) eine ideologisch motivierte Erfindung der rot/grünen Regierung sondern stammen noch aus Kohls Zeiten.
Die Subventionen für Windräder zum Beispiel sind seit 1991 um mehr als 65% abgebaut worden, weil sie inzwischen rentabel arbeiten können; die Solarbranche steht vor einer ähnlichen Entwicklung.
Seit bestehen der Bundesrepublik haben die deutschen Steuerzahler rund 165 Milliarden Euro für den ach so billigen Atomstrom zusammengerafft. Hinzu kommt, daß Atomstrom bis 2006 noch nichteinmal versteuert werden musste. Die AKW-Betreiber sind im übrigen von der Haftpflicht befreit. Marktübliche Versicherungskosten würden den Preis nach ARD-Recherchen für die Kilowattstunde Atomstrom auf 2,70 € treiben. Die Kosten der (bislang völlig unklaren) Entsorgung sind da noch garnicht mit drin…
Entgegen den gesetzlichen Regelungen, nach denen EE-Strom vorrangig behandelt werden muss, werden zu Stoßzeiten Windräder abgeschaltet, weil die Kohlekraftwerke und Atommeiler das Netz blockieren und eben nicht flexibel geregelt werden können (auch wenn manche User hier hartnäckig das Gegenteil behaupten).
(alle Zahlen sind nachzulesen in Broschüren des BMU)
01.3.2010 um 21:33 Uhr
Tobi
Da gehört natürlich ein “k” vor das “eine” im dritten Satz. Kommt davon, wenn man Sätze hin und her schiebt;-)
Den nun folgenden Spott ertrage ich mit Demut und Gelassenheit…
01.3.2010 um 21:37 Uhr
Bruno Straub
Die ARD hat nochmal nachrecherchiert und kommt jetzt auf 27,42 Euro pro kWh Atomstrom.
Die Quelle für die 165 Milliarden Förderung für die AKW aus Steuermitteln ist enttarnt: Die Zahlungen erfolgten aus einem Geheimtitel des BMU-Haushaltes. Herr Röttgen will das jetzt aber abstellen.
Beide Aussagen sollte man aber nochmal bei der GEZ (Gerüchte Entwicklungs Zentrale) hinterfragen!
01.3.2010 um 23:01 Uhr