Spekulation um MON810

26. Februar 2010 · von Benjamin Borgerding

Was passiert mit dem Gen-Mais MON810 von Monsanto?

In der letzten Woche hatte der Agrar-Konzern Monsanto im Einvernehmen mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) seine Klage gegen den von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) verfügten Anbaustopp ruhen lassen.

Nach den Gründen für dieses juristische Manöver fragt nun auch die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Elvira Drobinski-Weiß. Auf ihrer Homepage hat Drobinski-Weiß am Donnerstag eine Presseerklärung veröffentlicht. Darin stellt die Politikerin folgende gute Frage:

Verhandelt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ohne Wissen des Verbraucherministeriums mit dem Agrarkonzern Monsanto über eine Aufhebung des Anbauverbotes für genveränderten Mais?

Nach Angaben von Monsanto soll beim BVL nämlich eine “Würdigung der positiven Stellungnahmen” zum MON 810-Mais erreicht werden. Diese nebulöse Äußerung weist meines Erachtens relativ eindeutig darauf hin, dass zwischen BVL und Monsanto ein irgendwie gearteter Austausch stattfinden muss. Auch wenn bei Monsanto nicht auszuschließen ist, dass der Konzern das BVL mit Hilfe telepathisch begabter Gen-Schafe ins Boot holen will, liegt doch die Vermutung nahe, dass er sich auf die gute alte verbale Kommunikation verlässt. Schön abseits irgendwelcher Gerichtshöfe, wo alles vor den Augen der Öffentlichkeit ablaufen würde.

Es ist anzunehmen, dass wie Drobinski-Weiß befürchtet, die

anscheinend eilfertig gegenüber Monsanto signalisierte Bereitschaft zur “außergerichtlichen Lösung” möglicherweise auf Interessensvermengungen zurückzuführen sind.

Das BVL ist als Behörde dem Landwirtschaftsministerium unterstellt. Es sieht ganz danach aus, als wolle Monsanto das BVL bis zum Urteil der EU-Kommission über eine Neuzulassung von MON810 auf die Konzern-Linie bringen, damit Ministerin Aigner nicht noch einmal auf die Idee kommt, die Gen-Pflanze zu verbieten.

Klare Sicht auf die Verhältnisse traut sich trotz all dem nach wie vor das Bundeslandwirtschaftsministerium zu: Agrarstaatssekretärin Julia Klöckner hat versichert, das Ministerium befinde sich in keinen Gesprächen mit Monsanto.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten, die diese Diskrepanz erklären könnten. Entweder flunkert Frau Klöckner oder sie weiß ganz einfach nichts von den Gesprächen. Offenbar gibt es im Bundeslandwirtschaftsministerium einiges an Klärungsbedarf, was die Befugnisse der einzelnen Behörden angeht.

Auch wir fordern Ministerin Aigner auf, sich nicht auf der Nase herum tanzen zu lassen, und klar zu machen, dass auch nach 2010 kein MON810 auf deutschen Äckern wächst.

Kommentare

  • Günther Schäfer

    Sehr verehrte Frau Ministerin Aigner, lassen Sie sich nicht von den Genfood-Konzernen “auf der Nase herum tanzen”! Ich persönlich lehne jegliche Art von Menschen gemachter Genmanipulation ab. So lange nicht eindeutig erwiesen ist, dass Genfood – in jeglicher Hinsicht – keine schädlichen, vor allem gesundheitlicher Art, Auswirkungen hat, sollten auch Sie dies tun. Dafür haben Sie als Ministerin die Verantwortung übernommen.
    Mit freundlichen Grüßen!
    Günther Schäfer

    28.2.2010 um 13:26 Uhr · Antworten

  • Denise Bernhard

    Ich finde auch man sollte den umweltlichen Aspekt nicht aus den Augen verlieren. Schließlich wird unser traditionelles Saatgut so mehr und mehr verunreinigt und wir haben bald nur noch die genmanipulierte Variante auf unseren Äckern stehen, siehe Mexiko wo die vielen traditionellen Maissorten immer mehr verschwinden weil diese Verunreinigung stattgefunden hat.
    Es wird sonst so kommen das wir, bzw. die Landwirtschaft nur noch von diesen großen Konzernen wie Monsanto abhängig sind.
    Ich lehne die Genmanipulation ab und finde es sollte dafür gekämpft werden dass wir auf den Teller bekommen was uns Mutter Erde schenkt und nicht die Labore.

    28.2.2010 um 13:51 Uhr · Antworten

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