Am 8. Dezember 1953 – 33 Jahre vor der Katastrophe in Tschernobyl – hielt der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower vor der UN-Vollversammlung in New York City eine Rede mit dem Titel “Atoms for Peace”: Ein flammendes Plädoyer für die friedliche Nutzung der Kernenergie. Es hätte mich nicht gerade vom Hocker gehauen, wenn der Gentechnik-Report, den die Lobbygruppe ISAAA letzte Woche in Peking vorgestellt hat, den Titel “Gene against Hunger” getragen hätte. Wie zu erwarten war, strotzt der Report auch in diesem Jahr vor Jubelarien, die das Riesenpotential der GVO (gentechnisch veränderten Organismen) zur Bekämpfung des Welthungers besingen:
The most promising technological strategy at this time for increasing global food, feed and fiber productivity (kg per hectare) is to combine the best of the old and the best of the new, by integrating the best of conventional crop technology (adapted germplasm) and the best of crop biotechnology applications including novel traits.
Das Versprechen, mit Hilfe der Gentechnik den Welthunger zu beseitigen, gehört zur Rhetorik der Befürworter wie die radioaktive Strahlung zur Atomenergie. Auf der Homepage des Agro-Konzerns Monsanto findet sich gar ein Beitrag, der die Überschrift “Building a World Without Hunger” trägt. Derselbe Konzern, der Agent Orange produziert hat und nicht ohne Schuld am Massenselbstmord hunderter verzweifelter Bauern in Indien war, erklärt unverhohlen Altruismus zur Unternehmensphilosophie.
Authentizität geht anders.
Man sollte – finde ich – eher denen zuhören, um die sich hier scheinbar alles dreht: Den asiatischen Bauern, denen ISAAA und Monsanto angeblich zu höheren Erträgen und einem Leben ohne Hunger verhelfen wollen.
Organisiert von der FAO, der Food and Agriculture Organization der UN, findet seit heute eine Konferenz im mexikanischen Guadalajara statt, die sich mit “agricultural biotechnologies” in Entwicklungsländern beschäftigt, also mit GVOs. Der philippinische Bauer Isidoro Ancog hat auf der Konferenz eine Rede gehalten, die bei GMWatch in Gänze, allerdings auf Englisch, nachzulesen ist.
Ancog erzählt, dass er sich vor der ersten Plenarsitzung mit dem martialischen Titel “Targeting biotechnologies to the poor” regelrecht fürchte:
I do not believe that the poor people are well represented in this room especially from Asia where I came from. As a poor farmer in a remote province of Bohol, Philippines, I am extremely threatened rather than happy. … Why am I a target to technologies that are designed without my knowledge? That I do not really need? Are there any poor in this room that is not with me?
Vermutlich vorgetragen in einem randvoll mit wohlhabenden und -genährten Gentechnik-Lobbyisten angefüllten Saal, ist für mich das, was Ancog zu sagen hat, diese einzelne Stimme, tausendmal glaubwürdiger als der ISAAA-Report und alle schönen Versprechen der Agro-Riesen zusammen.
As an organic farmer, I am against GMO; my province Bohol, by law, rejects GMO; my organization PAKISAMA – AFA fights against GMO. Why? Because we firmly believe it is not the solution to poverty and hunger, but rather a cause of more food deprivation in the future – especially on seeds. It is very clear that GMO is an attack to life; it is an insult to the most ancient culture, which is agriculture; it runs against ecology; it violates the law of nature; it is the ultimate in genetic pollution; and above all, it is a disrespect to the integrity of creation.
Menschen wie Ancog können selbst keine Politik machen. Es wird für sie und über sie entschieden. Wenn wir verhindern wollen, dass es in dreißig Jahren ein Tschernobyl der Gen-Technik gibt, müssen wir ihren Stimmen Gehör schenken – und Gehör verleihen.
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trailblazer
Leider scheinen auf diese Heuchelei Regierungen auf der ganzen Welt hereinzufallen, indem Sie die entsprechenden Getreidesorten etc. zulassen…da die weltweite Überproduktion kein Geheimnis ist, kann man sich nur an den Kopf fassen bei diesen Vorgängen und vermuten, was da in den Hinterzimmern abläuft.
01.3.2010 um 18:52 Uhr ·
Carolus Magnus
Das Problem liegt bei der FDA!
Solange diese weiterhin anerkennt, daß veränderte Gene noch immer DNA und somit völlig natürlich sei und hier keine Abgrenzung für unabhängige, nicht-monsanto-eigene Studien deklariert und verlangt, hat Monsanto weiterhin freie Bahn zum Monopolisten der Agrarbranche zu werden – und über Leichen zu gehen.
Diese FDA-Sauerei erinnert stark an den Hoax der Schädlichkeit von Passivtabakrauch. Die Chancen stehen gut, daß Monsanto, nachdem sie die Patente auf Tabak hat, nur noch nikotinfreien Tabak anpflanzt, um hernach das Nikotin teuer an die Konsumenten zu verkaufen.
Von einem CEO der Pharma ist eine Aussage aus den 1970ern dokumentiert, die da lautete: «Das beste Szenario für uns wäre natürlich, wenn Tabak keinen Nikotin enthielte und wir ihn an die Raucher verkaufen könnten.» (sinngemäß aus dem Englischen)
Liebe Grüße
Carolus Magnus
13.3.2010 um 12:20 Uhr ·
Pairs
Ich denke, dass man mit der genetsich manipulierten Nahrung aufpassen muss. Die Folgen der Anbau und dann des Verbrauchs der genetisch modifizierten Nahrung können zu dauerhaftn Änderungen im Ökosystem führen und die jetzt nicht vorhergesehen werden können.
17.3.2010 um 10:14 Uhr ·