Vor vielen Jahrhunderten ankerte ein Wikingerschiff vor einer bis dahin unentdeckten Insel. Beim Spaziergang auf der Insel stieß ein Wikinger namens Nils kurze Zeit später auf ein schwarz-weiß geschecktes Geschöpf, das „Muuh!“ machte und ohne Unterlass mit dem Kiefer malmte. Das Tier war Nils völlig fremd. Nachdem er es eine Weile betrachtet hatte, folgte Nils einer unerklärlichen Eingebung und stellte verdutzt fest, dass man dieses seltsame Lebewesen melken kann.
Nils brachte den Vierbeiner, den er „Muh“ getauft hatte, in die Wikinger-Siedlung. Was dann passierte, sorgte in der Wikinger-Gemeinde schnell für viel böses Blut: Nils erklärte nicht nur die Muh zu seinem Eigentum, sondern auch die Milch, die die Muh produzierte. Ein paar Wochen später war aus dem schmächtigen Nils der dickste Wikinger der ganzen Siedlung geworden.
Die Freude und Erleichterung bei den anderen Wikingern war groß, als sie entdeckten, dass es noch viel mehr Mühe auf der Insel gab. Aber so schnell ließ sich Nils die Butter nicht vom Brot nehmen: „Alle Mühe gehören mir, weil ich die erste Muh gefunden habe!“ erklärte er mit drohendem Zeigefinger und fuhr fort: „Ich habe herausgefunden, dass man die Mühe melken kann! Ihr dürft die anderen Mühe nur melken, wenn ich das auch erlaube!“
Verrückt, aber das europäische Patentamt hätte diesem durchgeknallten Wikinger wahrscheinlich recht gegeben.
Heute hat das Amt in München einen Einspruch abgewiesen, der sich gegen die Vergabe eines Patents auf besonders leistungsfähige Kühe richtete. Greenpeace hatte zusammen mit anderen Organisationen vor drei Jahren einen Sammeleinspruch gegen das „Turbokuh“-Patent eingereicht.
Neuseeländischen und belgischen Biotechnologen war 2007 die Identifizierung und Isolierung einer bestimmten Form des sogenannten DGAT 1-Gens geglückt. Das Gen hat die wünschenswerte Eigenschaft, Kühe besonders milchgebefreudig zu machen. “Identifizierung und Isolierung” bedeutet, dass die Forscher das Gen lediglich entdeckt haben, sie haben es nicht erfunden. Trotzdem hat das europäische Patentamt der Forschergruppe das Patent EP 1330552 erteilt. Offenbar hatte das Amt an jenem Tag Spendierhosen an, denn das Patent umfasst neben dem Testverfahren zum Auffinden des Turbogens auch das Gen selbst. Sollten künftig Tiere per Genmanipulation mit diesem Gen ausgestattet werden, würde das Patent also auch diese Tiere miteinschließen.
Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wozu das Patent theoretisch genutzt werden kann. Das Greenpeace-Factsheet „Patentierte Turbokühe“ führt dazu aus:
Die Patentinhaber können so für jedes untersuchte Tier eine Gebühr erheben. Sie können die Bedingungen, zu denen entsprechende Tests – eine Art Gen-Diagnose – angeboten werden, in Lizenzverträgen diktieren. Möglicherweise darf ohne die Erlaubnis der Patentbesitzer auch nicht weiter gezüchtet werden – der Patentschutz ließe sich somit indirekt auch auf die Nachkommen der Kühe ausweiten.
Neben diesen Befürchtungen gibt es noch weitergreifende ethische Bedenken: Die Erfahrung zeigt, dass Gen-Manipulation bei Tieren zu einer hohen Rate von kranken und nicht lebensfähigen Tieren führt. Unverständlich, dass auch dieses Argument beim Patentamt auf gründlich zugewachste Ohren stieß. Offensichtlich hat man dort völlig vergessen, dass man es mit Lebewesen zu tun hat und nicht mit Zapfsäulen auf Beinen. Für Greenpeace-Berater Christoph Then ist daher klar, dass das Patentrecht umfassend reformiert werden muss:
Wenn Tiere zu technischen Erfindungen erklärt werden, ist grundsätzlich etwas falsch im System. Die derzeitige Praxis des Amtes gefährdet die Interessen von Landwirten, Züchtern und Verbrauchern und macht Tiere zu Produktionsmaschinen.
Man sollte es so machen wie damals die Wikinger: Die setzten den dicken Nils und seine Muh kurzerhand in ein Boot und verbannten die beiden von der Insel. Dann beschlossen sie, die Muh fortan Kuh zu nennen, damit niemand auf die Idee käme, die Mühe und ihre Milch würden ihm gehören.
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Dreessen Rolf
da hat mal wieder der Amstsschimmel gewiehert !!
schade dass da Leute für so ein KWATSCH Gehalt beziehen.
mit freundlichen Grüssen
22.3.2010 um 16:17 Uhr ·