Lebenshilfe mit dem Greenpeace-Blog, erste Folge. Thema heute: Wie verfahren mit ungebetenen Gästen, die man schnell wieder loswerden möchte?
Es gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
1) Zimperliche Gemüter greifen zumeist zur Strategie der sozialen Isolation und ignorieren die Störenfriede so offensiv, dass diese früher oder später das Weite suchen.
2) Zupackende Zeitgenossen tendieren dem gegenüber dazu, die unliebsamen Eindringlinge ohne Umschweife einfach vor die Tür zu setzen.
3) Die dritte Möglichkeit, just am gestrigen Montag mustergültig von der Schweiz demonstriert, ist die mit Abstand eleganteste und klügste: die Tür einfach nicht aufmachen.
Gestern hat der Schweizer Nationalrat ein seit fünf Jahren bestehendes Gentechnik-Moratorium verlängert: Seit einem Volksbegehren im November 2005, bei dem alle 26 Schweizer Kantone mit einem Nein gegen den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) stimmten, dürfen in der Alpenrepublik keine Gen-Pflanzen angebaut werden. Jetzt ist klar: Das wird bis mindestens 2013 auch so bleiben.
Chapeau, Nachbar!
Wie das Beispiel der BASF-Stärkekartoffel Amflora dieser Tage deutlich macht, ist die Schweizer Methode im Falle von GVO die sauberste und praktikabelste Lösung. Der ungebetene Gast kommt so erst gar nicht in die Lage, hässliche Rückstände zu hinterlassen (Weinflecke auf der neuen Sofagarnitur, Auskreuzungen mit gentechnikfreien Saaten, Kontamination von Lebensmitteln).
Als völlig wirkungslos im Umgang mit der Amflora hat sich dagegen Methode 1) erwiesen: Seit EU-Kommissar John Dalli die Amflora letzte Woche zugelassen hat, wird die Gen-Knolle von den führenden Stärkeherstellern zwar konsequent ignoriert, aber anbauen will sie der Chemiekonzern trotzdem. Auch Kommissionspräsident Manuel Barroso schert sich nicht darum, dass die europäischen Verbraucher mehrheitlich keine GVO wollen. Die EU-Kommission will die Freigabe für GVO per Änderung des Zulassungsprozesses sogar noch erleichtern.
Gut zu wissen: Die EU-Länder sind keinesfalls verpflichtet, den Kurs der EU-Kommission stillschweigend abzunicken. Sechs EU-Länder – darunter Italien, Frankreich und Österreich – haben angekündigt, den Anbau der Amflora landesweit zu verbieten. Landwirtschaftsministerin Aigner täte gut daran, sich ein Beispiel daran zu nehmen. Da für die Gen-Kartoffel leider schon ein Acker im Müritzkreis feststeht, sei ihr an dieser Stelle mit Nachdruck Methode 2) empfohlen:
Ministerin Aigner, schmeißen Sie die Amflora wieder raus!
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Amflora
Da gibt es noch mehr über die Schweiz zu berichten. In Basel kann man Bier bekommen, gebraut aus getechnisch verändertem Mais. Und im Rahmen des NFP59 wurde mal wirklich getestet, wie Verbraucher auf Gv-Produkte reagieren. Es wurden zusätzlich Maisbrote aus Mon810 auf verschiedenen Märkten zu verschiedenen Zeiten angeboten. Mit ausdrücklichem Hinweis selbstverständlich. Immerhin 20% haben das Gv-Brot gekauft; wenn es preiswerter war als die anderen sogar über 26%. Zum Vergleich: der schweizer Bio-Markt kommt so auf 6%…
Interessant war noch, daß an einem Stand mit Gv-Brot 30% mehr verkauft wurde als an einem mit nur konventionellem und Bio.Also grundsätzlich 30% mehr Umsatz, egal welche Sorte. Offenbar honorieren Verbraucher echte Wahlfreiheit. Wozu also immer nur Meinungsumfragen? Man kann die Leute doch selbst entscheiden lassen.
14.3.2010 um 21:39 Uhr ·