Jurassic Cotton – Monsanto gibt Versagen zu

10. März 2010 · von Benjamin Borgerding

Erinnert sich noch jemand an „Jurassic Park“,  den Spielberg-Streifen über geklonte Dinos, die in einem Vergnügungspark auf einer Insel Touristen bespaßen sollen, aber vor der Eröffnung anfangen, das Personal aufzuessen?

Um zu verhindern, dass die ausgesetzten Riesenechsen sich unkontrolliert vermehren, wurden in dem Film vorsorglich nur Weibchen geklont. Es kommt deswegen zu einem Schlagabtausch zwischen zwei Figuren, einem Wissenschaftler und dem Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm, gespielt vom wunderbar derangierten Jeff Goldblum:

Wissenschaftler: You’re implying that a group composed entirely of female animals will… breed?

Malcolm: No, I’m simply saying that life, uh… finds a way.

Ob man die Bosse des Agro-Konzerns Monsanto wohl irgendwie dazu verdonnern kann, „Jurassic Park“ zu sehen? Monsanto hat nun bekannt gegeben, dass in Indien der Rote Baumwollkapselwurm mancherorts eine Resistenz gegen BT-Baumwolle entwickelt habe. Das ist die nonchalante Art und Weise der Natur, den Gentechnikern zu sagen: „Ätsch, ich bin klüger als ihr!“

Der Rote Baumwollkapselwurm ist „weltweit der wichtigste Schädling an Baumwolle“. Monsanto hat in die DNA von Baumwolle daher das Gen eines Bakteriums eingesetzt. Die genmanipulierte Pflanze produziert ein Protein, das für die Larven des missliebigen Wurms giftig ist. Nun bestätigt das Unternehmen, was indischen Bauern und Wissenschaftlern schon länger deuchte: Der Wurm hat wieder Geschmack an der Wolle gefunden. Dr. Ian Malcolm würde sagen: Life, uh… finds a way.

Seitdem BT-Baumwolle angebaut wird, machen sich auch andere, bisher ungekannte Plagegeister auf den Feldern breit: Hallo, Herr Schmierlaus- Soso, das erste Mal in Indien- Ach, wegen dem Essen… Und die Verwendung von Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung ist nicht zurückgegangen, sondern… ja genau, gestiegen.

Während sich am Ende von Jurassic Park sogar der Parkbesitzer geläutert zeigt, wäre Monsanto nicht Monsanto, wenn der Konzern die Flinte jetzt schon ins Genkorn schmeißen würde. Stattdessen nimmt der Agro-Riese den widerspenstigen Kapselwurm mit einem noch größeren Schießeisen ins Visier, einer Neuauflage der BT-Baumwolle. Die Monsanto-Milchmädchen haben anscheinend ausgerechnet, dass doppelt so viele Toxine auch doppelt so gut wirken müssen. Es ist, als habe das Unternehmen der Natur den Krieg erklärt.

Leidtragende dieser Aggression sind in erster Linie die indischen Bauern. Die müssen immer tiefer in die Tasche greifen, um Monsantos Saatgut zu kaufen und um sich die Pestizide zu leisten. Pestizide, die die BT-Baumwolle eigentlich überflüssig machen sollte. Pestizide, die ihre Gesundheit ruinieren.

Aus Indien hat bereits gestern Lisa Reyes über das plötzliches Eingeständnis von Monsanto geschrieben. In ihrem Beitrag für das Greenpeace-Blog Making Waves macht sie auch deutlich, dass es Alternativen gibt, und erzählt von ihren Begegnungen mit indischen Biobauern und deren Anbaumethoden (meine Übersetzung):

Indien hat auch das Glück, dass der Niembau, reich ausgestattet mit natürlichen Anti-Insektiziden und anderen medizinischen Eigenschaften, ganz natürlich auf fast jeder Farm wächst.. die Früchte des Baums sind umsonst und sehr wirksam gegen Plagen … Biodiversität ist die Antwort: Man muss Sorten mit verschiedenen natürlichen Stammlinien züchten und Methoden nutzen, die nachhaltig mit Plagen umgehen und keine hohen Investitionen verlangen (und damit weniger Schulden für die Bauern verursachen), wie zum Beispiel die Früchte des Niembaums.

Noch einmal zurück zu “Jurassic Park”, wo Ian Malcolm den Millionär John Hammond, den Verantwortlichen für das urzeitliche Treiben, eindringlich warnt:

Genetic power is the most awesome force the planet’s ever witnessed, yet you wield it like a kid that’s found his dad’s gun.

In den Monsanto-Konferenzzimmern stehen doch bestimmt riesengroße Fernseher, oder?

Kommentare

  • Amflora

    Warum soll in Indien nicht funktionieren, was in den USA schon lange geht? Diese Resistenzen sind nun wirklich nix neues, in Arizona bereits 1997 aufgetreten. Trotzdem wird dort weiterhin mit Erfolg Bt-Baumwolle angebaut, durch Refugien sind die Resistenzen zurückgegangen.

    Indische Bauern sind schlau genug, moderne Technik zu adaptieren. Sie sind ja sogar so schlau, europäischen Gläubigen Gv-Baumwolle als “Bio” unterzujubeln…

    Außerdem wird Bt-Technologie auch im Ökolandbau eingesetzt. Und auch bei der Ausbringung als Spray haben sich schon Resistenzen entwickelt, z.B. gegen die Kohlmotte.

    11.3.2010 um 08:35 Uhr · Antworten

    • Madalin Truica

      Du bist genauso wie dieser Telematik2. Keine Ahnung haben, aber mitreden wollen. Vor allem mit solchen schwachsinnigen Argumenten.
      “Indische Bauern sind schlau genug, moderne Technik zu adaptieren.” Was soll das für ein Spruch sein. Die Inder hatten noch nie solch einen Misserfolg wie mit der Bt-Baumwolle. Monsanto versprach ihnen höheren Ertrag und weniger Einsatz von Pestiziden. Diese Versprechen konnten nicht mal 1 Jahr halten. Die Baumwollkapseln waren kleiner und zugleich war die Fasern dünner, d.h. die Qualität war viel schlechter.
      Mit der Bt-Baumwolle sind die Suizide der Baumwolle-Bauern extrem gestiegen, weil sie sich hoch verschuldet haben um das Saatgut zu kaufen und diese Schulden nicht zurückzahlen konnten. Sie müssen auch noch mehr Pestizide etc. spritzen, was noch mehr Geld kostet.

      11.3.2010 um 14:15 Uhr · Antworten

      • Telematik2

        Ein Konzern der Bauern verarscht kann kein Argument gegen Gentechnik sein…
        Wenn eine gentechnisch modifizierte Baumwollsorte nichts taugt wird der Markt sie beseitigen, ohne Ihre Proteste.
        Ihre Unterstellung meiner Ahnungslosigkeit finde ich sehr unfreundlich, aber diese aggressiven Ausfälle sind hier öfter zu beobachten, wenn Menschen mit konformer Gensinnung hier bei ihrer selbstbeweihräucherung gestört werden. Aber Sie brauchen nichts zu befürchten, sichtbar geahntet wurde es bisher nur wenn die Teilnehmer “ohne Ahnung” ihren “schwachsinnigen Argumenten” mit impertinenten Methoden Nachdruck zu verleihen versuchen :-)

        11.3.2010 um 14:59 Uhr

      • Amflora

        Da bist Du ja schlauer als die APAARI, eine Forschungsorganisation von 20 Staaten, wow (http://www.apaari.org/publications/apaari-success-stories/bt-cotton-in-india-a-status-report-2nd-edition.html). Vielleicht solltest Du die mal informieren, damit sie nicht weiter im ganzen asiatisch-pazifischen Raum für das indische Erfolgsmodell werben…
        Und auch noch schlauer als das IFPRI, welches die Farmerselbstmorde für ein Schauermärchen hält (http://www.guardian.co.uk/environment/2008/nov/05/gmcrops-india) und “massive increases in yield and a 40% decrease in pesticide use” durch Bt-Cotton feststellt. Auch diese seit 1975 arbeitende Forschungsorganisation kann dann ja noch was von Dir lernen. Wow.

        12.3.2010 um 11:47 Uhr

      • Madalin Truica

        Dann ist das alles gelogen, was Marie Monique Robin, in ihrem Buch “Monsanto-Mit Gift und Genen”, schreibt?

        12.3.2010 um 19:31 Uhr

      • Amflora

        Sehr wohlwollend ausgedrückt könnte man sagen, daß sie einfach nur schlecht recherchiert hat. Das zieht sich ja wie ein roter Faden durch den Film und ist mit dem gleichen Mittel zu überprüfen, das sie auch verwendet: Google. Ein Großteil ihrer “Enthüllungen” sind schlicht überholt oder sie hat Details unterschlagen, die ihr nicht in den Kram passten.

        13.3.2010 um 18:14 Uhr

  • Madalin Truica

    Musst du immer ein Smiley ans Satzende machen, wenn du meinst etwas Tolles gesagt zu haben.

    Du sagst: “Wenn eine gentechnisch modifizierte Baumwollsorte nichts taugt wird der Markt sie beseitigen,ohne Ihre Proteste.”
    Wenn du etwas höher schaust, wirst du sehen, dass die Bt-Baumwolle seit 1997 angebaut wird und trotz der Proteste noch auf dem Markt ist.

    11.3.2010 um 15:29 Uhr · Antworten

    • Telematik2

      Ja, also, wenn sie noch auf dem Markt ist, gibts wohl eine Nachfrage….
      Siemens-Handys, Telefunken-Radios und Grundig-Fernseher sind jedenfalls verschwunden, weil sie keiner mehr bezahlen wollte, nur die Namensrechte werden teilweise noch zum Kundenveräppeln genutzt.
      Ich verteidige keine mafiösen Konzerne, aber Produkte, die sich verkaufen aus ideologischen Gründen zu verbieten, finde ich auch nicht so toll…
      und…
      ich kann auch ohne Smiley

      11.3.2010 um 15:44 Uhr · Antworten

      • Telematik2

        Und klar kämpfen wir immer gegen die Natur, unser ganzes leben, auch wenn das der eine oder andere in seinem Plüschsessel nicht mehr so mitbekommt….
        Und selbstverständlich ist auch jede “gentechnische” Resistenz genauso befristet bis sich der Schädling angepasst hat, wie die chemischen “Waffen” die wir haben mit der Zeit Stumpf werden….

        11.3.2010 um 15:48 Uhr

  • N.

    Bitte,STOP GMO!!!
    STOP Pandora!

    12.3.2010 um 23:52 Uhr · Antworten

  • gugg

    Gibt es eigentlich ein Logo für Textil-Produkte aus Baumwolle, die garantiert ohne Gentechnik angebaut wurde? Kalr Bio-Baumwolle ist hier immer ein Garant, aber gibt es auch unabhängig von Bio-Logos eines, das sich ausschließlich auf diesen Aspekt der GVO bezieht?

    19.3.2010 um 21:35 Uhr · Antworten

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