Seit geraumer Zeit schwelt zwischen Verbrauchern und weiten Teilen der Lebensmittelindustrie ein Konflikt: Die einen wollen keine Gentechnik im Essen, die anderen würden sie uns am liebsten intravenös verabreichen.
Jahrelang hat die Industrie erfolgreich Versuche abgewehrt, die zu einer besseren Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Gentechnik geführt hätten. Irgendwann jedoch hatte der Druck der Verbraucher soviel atü, dass neue Ventile einen Rohrbruch verhindern mussten und die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Zutaten aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verpflichtend wurde. Neue Regeln für die Kennzeichnung von Gentechnik in Lebensmitteln und Tierfutter wurden zuletzt im April 2004 beschlossen.
Seit einem Jahr können Lebensmittelproduzenten ihre Produkte darüber hinaus mit dem Label „Ohne Gentechnik“ des Landwirtschaftsministeriums versehen, freiwillig und nur wenn in den Zutaten nullkommanull Gentechnik steckt. Immer lauter werden außerdem die Stimmen, die fordern, dass künftig auch die Verwendung von GVO-Tierfutter bei der Herstellung auf der Verpackung vermerkt werden muss.
Um das zu verhindern, ist der Bundesverband der deutschen Ernährungsindustrie neuerdings auf eine andere Strategie umgeschwenkt und fordert lautstark, die Gentechnik-Kennzeichung noch viel weiter auszudehnen: Sie solle auch noch jene Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln umfassen, die ihrerseits mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt worden sind. Bis zu achtzig Prozent aller Lebensmittel müssten gekennzeichnet werden. Ein gewiefter Schachzug: Man schlägt die Gentechnik-Gegner mit ihren eigenen Mitteln und bricht scheinbar noch eine Lanze für mehr Transparenz im Supermarktregal.
Den Verbrauchern wird suggeriert, dass Widerstand im Grunde zwecklos sei, da wir längst am Tropf der Gentechnik hängen. Der Genlobby-Hofschreiber Michael Miersch bezeichnet Essen ohne Gentechnik dementsprechend als „Schein und Illusion“, die weltfremde Volksverdummung fortschritthassender Ökos. Und die freiwillige Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ wurde von Verbäden wie dem Deutschen Raiffeisenverband, dem Deutschen Bauernverband und dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) schon vorher als „Verbrauchertäuschung“ und „Etikettenschwindel“ diffamiert.
Man könnte all das als systematische Desinformierung bezeichnen.
Es stimmt, dass eine Vielzahl von Zusatzstoffen, Vitaminen und Aromen mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wird, auch wenn sie selbst nicht gentechnisch verändert worden sind. Zwischen diesen Mikroorganismen und der Verwendung von GVO-Tierfutter gibt es dennoch gravierende Unterschiede.
Wer sich gegen Gentechnik im Essen entscheidet, tut dies nicht nur aus Sorge um die eigene Gesundheit oder weil er Abstriche beim kulinarischen Genuss fürchtet. Die Entscheidung gegen Gentechnik im Essen ist in erster Linie eine Entscheidung gegen ein System. Es ist die Entscheidung gegen Machtstrukturen, die dafür sorgen, dass eine Handvoll Agro-Konzerne kontrollieren, was auf dem Teller landet – auf Kosten von Mensch und Natur
Wegen dieses Systems geraten Bauern in existenzielle Abhängigkeit von Agro-Konzernen, bilden sich Superunkräuter, die zu steigendem Pestizideinsatz führen, bedrohen Monokulturen aus Gen-Pflanzen die Biodiversität und sind – einmal in die Natur entlassen – nie wieder rückholbar.
Eben weil ein Großteil der weltweit angebauten genmanipulierten Pflanzen zu Tierfutter verarbeitet wird, ist GVO-Tierfutter integraler Bestandteil dieses kranken Systems. Die GVO-Mikroorganismen, die in geschlossenen Anlagen Vitamine und Aromen produzieren, sind es nicht. Die Verbraucher wissen, dass eine Unterscheidung sinnvoll ist. Das wiederum weiß die Industrie. Deshalb verlegt sie sich jetzt aufs Nebelwerfen, statt wirkliche Transparenz zuzulassen.
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Gambrinus
Vor der Einführung der Gentechnik als moderne und fortschrittliche Methode der Pflanzenzüchtung gab es unzählige, ja wahrscheinlich sogar Millionen von Saatgutherstellern, von denen kein einziger absichtlich Gewinne abzielte…
Schöne heile Greenpeace-Welt!
22.3.2010 um 12:35 Uhr ·
Irma
“Den Verbrauchern wird suggeriert, dass Widerstand im Grunde zwecklos sei, da wir längst am Tropf der Gentechnik hängen.” Nachdem ich die Stellungnahme von Allos in der Märzausgabe von „Schrot&Korn“ gelesen hatte: „In der jetzigen Situation gibt die Firma Allos ihren Kunden aus den oben genannten Gründen keine Zusicherung über Gentechnikfreiheit des Honigs,…..“, stelle ich mir die Frage: Ist diese Kampagne auch bereits im Biobereich angekommen? Mir ist zwar bekannt, dass die Firma Allos nicht mehr dem Gründer Walter Lang gehört, sondern Teil eines Großkonzerns ist. Ich hoffe jedoch, dass meine Befürchtungen bezüglich Allos unbegründet sind. Im Internet sind mir einige Artikel aufgefallen, die obiges Zitat von Benjamin Borgerding bestätigen. Die Meldung: „Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nimmt zu“ macht die Runde, so auch auf der Internetseite von was-wir-essen.de: http://www.was-wir-essen.de/news/newsletterarchiv2010_05_2010.php. Hier wird vorwiegend über Zahlen und Aussagen zu den Erfolgen des gentechnisch veränderten (gv) Anbaus berichtet, (wie viel Hektar, wie viel Bauern). Ausserdem kann man dort zwei Links finden. Der eine verweist auf die Zusammenfassung eines Berichtes der ISAAA. Dort werden „Rekordzahlen“ genannt. Wer es jedoch nötig hat, alle jährlichen Flächen, auf denen jemals auf der Welt gv Anbau stattfand aufzuzählen, der kann nicht wirklich Erfolge nachweisen. Der zweite Link , TransGen ist eine Internetseite von Lobbyverbänden. Hier schließt sich der Kreis wieder, denn dort im Impressum ist wahrscheinlich der/die Verfasser/in des o.g. Artikels von was-wir-essen zu finden und zwar auf der Internetseite von http://www.i-bio.info. Unter „wer wir sind“ steht, dass eine Heike Kreutz Journalistin für was-wir-essen ist. Außerdem schreibt sie für die Zeitschrift „GEO“. Ich frage mich immer wieder: Welchen Informationen kann ich vertrauen?
26.3.2010 um 14:33 Uhr ·
Amflora
Letztlich mußt Du das für Dich selbst entscheiden. Aber nur der “Church of Greenpeace” zu vertrauen und alles andere als “von der Industrie gekauft” abzutun, ist reichlich naiv.
Die Hinweise, daß sich Landwirte – gerade in Schwellenländern – wirklich massiv für HT/IR-Technologie entscheiden, und zwar frei und aktiv, sind überwältigend. Die “existenzielle Abhängigkeit von Agro-Konzernen” ist ein urbanes Märchen. In Indien und Brasilien haben die Bauern zur Selbsthilfe gegriffen und transgene Pflanzen in Eigenregie vermehrt (s.a. R Herring, Whose numbers count? http://government.arts.cornell.edu/assets/faculty/docs/herring/WhoseNumbersCountWarangal_RH_IJMRA.pdf)
Es wird für Europa nicht nur faktisch immer schwieriger werden, auf Grüne Gentechnik zu verzichten, sondern auch politisch. Man kann auf Dauer den Import aus den anderen Regionen nicht verweigern, schon gar nicht, wenn man selbst auf Export angewiesen ist.
28.3.2010 um 21:21 Uhr ·
Meike
Interessanter Beitrag! Danke dafür!
21.4.2010 um 10:50 Uhr ·
Francy
Das denke ich auch Danke und weiter so
22.4.2010 um 13:50 Uhr ·
Wende
Hallo!
Könnte sich Greenpeace mehr gegen die täglichen Giftstoffe einsetzen?
Ich weiß zwar, dass alles darauf hinausläuft, den Staat von dem Einstehen für ihm zuzurechnendes Unrecht freizustellen (vgl. http://www.hoerbuchkids.de/hu/mr/homepage/justiz/info.php?id=134), aber ich halte das nicht für richtig, weil dann keine Kontrolle funktionieren kann.
Das Gesundheitswesen bzw. der Verbraucherschutz scheinen auch
Das Quecksilber von den Amalgamplomben und die Palladiumkronen sind sehr gesundheitsschädlich. Quecksilber ist ein schweres Nerven- und Zellgift.
Vielen Nahrungsergänzungsmitteln (Vitamin- und Mineralstoffpräparaten) und Arzneimitteln, aber auch Süßwaren, Kaugummi und Sonnenschutzmitteln ist der Farbstoff Titandioxid (E171) zugesetzt. Schon unseren Kindern wird somit auch Titandioxid zugemutet. Titandioxid gilt offiziell (von staatlicher Seite) als ungiftig (vgl. http://das-ist-drin.de/glossar/e-nummern/e171-titandioxid/ ). Das scheint nicht der Wahrheit zu entsprechen! Im Internet habe ich das Sicherheitsdatenblatt http://www.carl-jaeger.de/PDF/SD/TITAN.PDF gefunden und gelesen: „Titandioxid ist ein potenzielles Humankarzinogen (Gruppe 2b).“ Titandioxid ist demnach krebserregend. Es soll nach dem Sicherheitsdatenblatt http://www.carl-jaeger.de/PDF/SD/TITAN.PDF getrennt von Nahrungs- und Genussmitteln gehalten werden. Nach Hautkontakt soll man die Haut mit viel Wasser und Seife abwaschen und nach Verschlucken soll man bei Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
Was meint Ihr/ meinst Du, funktioniert die staatliche Kontrolle zu Gunsten der Allgemeinheit?
Mit freundlichen Grüßen
26.5.2010 um 10:54 Uhr ·
Wende
Habe noch das Sicherheitsdatenblatt gemäß 1907/2006/EG Artikel 31, über den Lebensmittelzusatz Titandioxid gefunden. Darin ist unter “Mögliche Gefahren” u.a. angegeben: “Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten”. Als
Erste-Hilfe-Maßnahme ist u.a. angegeben: Nach Verschlucken: sofort ärztlichen Rat einholen (vgl. http://www.silbermann.de/download/SDB/49278200.pdf).
Wie soll das bei einem Lebensmittelzusatz funktionieren? Was machen eigentlich die weltweiten staatlichen Lebensmittelkontrollen?
31.5.2010 um 12:31 Uhr ·
Amflora
FYI: der Bundesrat hat sich in seiner 874. Sitzung unter Top 52 für eine umfassende Kennzeichnung ausgesprochen.
26.9.2010 um 11:41 Uhr ·
Martin Weber
Ich denke es gibt kein zentrales Mittel gegen die “Genlobby”. Die Sensibilisierung der Einkäufer beim Produzenten und der Endverbraucher hat immer noch die größte Wirkung. Denn die vom Bundesrat ausgesprochene umfassende Kennzeichnung bringt nur etwas, wenn so wenig wie möglich Produkte den Weg in den Einkaufskorb finden. Und das von der Kartoffel,Mais bis zum Kräuterlikör. Wie steht unser Bildungspolitik dazu ? Wird die GenProblematik
05.10.2010 um 13:10 Uhr ·