Ein Treffen, so exklusiv wie umstritten. Auf Einladung des kanadischen Außenministers trafen sich gestern in Chelsea (Quebec, Kanada) die fünf Anrainerstaaten der Arktis: Kanada, USA, Russland, Norwegen und Dänemark. Laut offizieller Presseerklärung wollten sie die Möglichkeiten der ökonomischen Entwicklung in der Arktis und ihren Schutz diskutieren.
Doch es stellt sich die Frage: Warum findet diese Diskussion nur unter den fünf Anrainerstaaten statt? Warum sind die anderen Staaten, die im Arktischen Rat Mitglieder oder Beobachter sind, ausgeschlossen? Der Arktische Rat ist derzeit das einzig existierende Gremium, das die Belange der Arktis regelt. So haben zu Recht die indigenen Völker der Arktis und auch Island bereits vorab öffentlich gegen dieses Treffen protestiert. Auch Greenpeace hat seinen Protest in einem Brief an die Außenminister der fünf Staaten deutlich gemacht.
Und gestern waren meine Kollegen vor dem Konferenzgebäude, um auch dort noch einmal sehr deutlich zu machen, dass eine Arktis-Politik hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss der Betroffenen nicht akzeptabel ist. Die Arktis geht uns alle an!
Das Treffen der fünf Anrainer in Kanada folgt einem ähnlichen Treffen in Illulissat auf Grönland 2008, aus dem die „Illulissat Deklaration“ hervorging. Diese Deklaration wurde von Greenpeace, aber auch zahlreichen indigenen Gruppen und anderen NGOs stark kritisiert. Vor allem die deutliche Blockade gegen die Entwicklung neuer rechtsverbindlicher Instrumente zur Regulierung der Nutzung und des Schutzes des Arktischen Ozeans steht dabei in der Kritik.
Mit dem Treffen in Kanada brechen die fünf Anrainerstaaten mit einer langen Tradition der Offenheit und Transparenz in der Entscheidungsfindung zu Maßnahmen in der arktischen Region. Desweiteren führt ein solches Treffen der Fünf den Arktischen Rat und seine Rolle „ad absurdum“. Der Ausschluss der Mitglieder des Arktischen Rates gerade während laufender Diskussionen um die Ausdehnung von Territorien lässt vermuten, dass diese fünf Staaten den Kontinetalschelf und damit die dortigen Öl- und Gasreserven unter sich aufteilen möchten.
Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es in der Arktis um weit mehr geht als um die möglichen Öl- und Gasreserven: Die Arktis ist eine Region von außerordentlichen Bedeutung für diesen Planeten. Sie bietet Lebensraum für Millionen von Menschen und spielt eine unerlässliche Rolle für den Erhalt des Lebens auf der Erde. So treibt sie beispielsweise die biochemischen Kreisläufe unserer Erde in Luft und Wasser an und hält sie am Laufen. Die Einflüsse des menschengemachten Klimawandels sind besonders dramatisch in der Arktischen Region, wie wir zusammen mit Wissenschaftlern während unserer Expedition 2009 dokumentieren konnten. Und: die Auswirkungen bleiben nicht auf die Arktis beschränkt, sie beeinträchtigen auch den Rest der Welt.
Greenpeace wird es nicht hinnehmen, daß die fünf Anreinerstaaten die Zukunft der Aktis hinter geschlossener Tür unter dem Außschluss des Rests der Welt planen. Die Zukunft der Arktis ist für uns alle lebenswichtig – für die Indigenen in der Arktis ebenso wie für die Menschen der Pazifischen Inselstaaten, die ihre Heimat verlieren werden wenn die Arktis abschmilzt und der Meerespiegel steigt. Vor uns liegt die einmalige Chance ein einzigartiges Ökosystem zu bewahren und zu zeigen wie man nachhaltige Nutzung und Schutz vereinbaren kann! Um zu einem solchem Regime zu gelangen ist ein offener, transparenter und fairer Prozess nötig.
Greenpeace fordert daher ein Moratorium für alle industriellen Aktivitäten in dem Bereich des arktischen Ozeans, der bisher natürlicherweise von Eis geschützt war. Dieses Moratorium ist ein notwendiger Zwischenschritt, um weiteren Schaden von der Arktis abzuwenden. Das Moratorium sollte solange bestehen bleiben bis ein übergeordnetes, rechtsverbindliches Abkommen für die Arktis, ähnlich wie es für die Antarktis bereits gibt, verabschiedet ist. Und um sehr deutlich zu ein: Greenpeace fordert ein Moratorium für alle industriellen Aktivitäten. Dieses Moratorium bezieht sich nicht auf die Subsistenzwirtschaft der indigenen Völker in der Arktis.
Unsere Expedition in die Arktis im letzten Jahr war einer der Anfänge unserer Arbeit. Der Protest in Kanada ist ein weiterer Schritt. Und wir werden dranbleiben bis unser Ziel erreicht ist.
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