Amflora: Mit dem Brecheisen aufs Feld

12. April 2010 · von Benjamin Borgerding

Inmitten der sanft geschwungenen Hügel Mecklenburg-Vorpommerns steht er: der hässlichste Schuppen der Welt. Wenn er plötzlich neben der Landstraße zwischen gerade ergrünenden Feldern auftaucht, glaubt man unversehens dem Versteck eines Schwerverbrechers auf die Spur gekommen zu sein – und möchte gleich wieder umkehren. Augenkrebs in Grau.

Umkehren kam für die etwa 25 Greenpeace-Aktivisten aber nicht in Frage, die sich heute früh auf den Weg hierher gemacht hatten. Nicht Diebesgut oder Leichenteile lagern in dem Schuppen, sondern ein Übel ganz anderer Art: Amflora-Knollen. Von dieser abgrundtief hässlichen Baracke aus will die BASF mit der genveränderten Stärkekartoffel die ganze Welt erobern. Schwer vorstellbar, aber so lautet tatsächlich der Plan.

Ein Bestimmungsort für die eingelagerten Kartoffeln ist ein zwanzig Hektar großes Feld, das Bauer Niehoff, dem der umliegende Gutshof samt Schuppen gehört, für den Anbau der Laborknolle beantragt hat. Ein weiterer Teil des Inventars soll wohl auf Laster geladen und ins europäische Ausland gebracht werden.

Die Halle selbst wird sich über den Besuch morgens um sieben freuen: Die gelben Jacken der Aktivisten bringen ein paar auffrischende Farbtupfer vor ihre trostlose Fassade. Das bitter nötige Make-Up besteht auch aus zwei großen Schildern auf den beiden Toren zum Lager, darauf steht: „EU Gen-Kartoffel Depot geschlossen“.  Einige Aktivisten haben sich mit schweren Ketten an dem Schild festgemacht, andere entschlossen die Hände in Stahlröhren gesteckt, die im Boden festzementiert sind. Ihre Botschaft ist unmissverständlich: Das Zeug, das in dieser Halle gelagert wird, darf nicht aufs Feld. Schließlich verstößt die Zulassung der Gen-Kartoffel gegen die EU-Freisetzungsrichtlinie – wie Greenpeace mit einem kürzlich veröffentlichten Rechtsgutachten zeigen konnte.

Das zweite Tor ist von der Straße aus nicht einsehbar und führt unmittelbar in eine anliegende, zweite Halle. Auch hier haben sich Aktivisten festgekettet und –zementiert: an dem Schild, an Arbeitsgerät und im Boden. Ruckzuck haben sich ungefähr zwanzig Hofarbeiter zusammengezogen und strömen zu der zweiten Halle. Die Zufahrtstore fallen knarrend ins Schloss und sperren den Weg ab. Vor dem dunkel verhangenen Himmel wirkt das alles mehr als bedrohlich.

Es dauert nicht lange bis der Patriarch auftritt. Bauer Niehoff, ein knorriger Gesell in grünem Bundeswehr-Anorak, schreitet missmutig über den Hof und delegiert in feinster Ciriaco Sforza-Manier die Hofarbeiter. Man beneidet die Leute nicht, die hier arbeiten – Niehoff hat augenscheinlich ein straff geführtes Regiment installiert. Man merkt deutlich, dass ihm die Situation gewaltig stinkt und er sie schnellstmöglich beseitigen will.

Wie aus einem Detlev Buck-Film mutet eine bizarre Szene kurze Zeit später an: Ein feister Arbeiter in mintgrünem Overall zieht eine Aktivistin an einer Kette hinter sich her. Währenddessen ordnet Niehoff die Räumung an. Die Polizei ist angerückt und schleppt die ersten Aktivisten über den Hof. Dabei geht sie nicht gerade zimperlich vor.

Wie das Land so die Leute, sagt man ja. Harmonisch zu den klirrend kalten zwei Grad passt jedenfalls die ruppige Mentalität der Arbeiter vor Ort. In Bütow räumt der Bauer noch selbst: Es dauert nicht lange und ein Hofarbeiter stolziert mit einer Flex über den Hof. Das Gerät lässt er locker in Hüfthöhe am Kabel baumeln. Den Aktivisten werden noch schnell ein paar Decken zum Schutz übergeworfen und schon sprühen die Funken. Unter den Hofarbeitern entwickelt sich ein gewisser sportlicher Ehrgeiz beim „Befreien“ der Aktivisten. Als das Brecheisen nicht mehr ausreicht, wird sogar ein Presslufthammer ausgepackt, um die Stahlrohre aus dem Betongrund zu lösen.

Die Brachialität, mit der der Protest hier aufgelöst wird, ist beredtes Sinnbild für die Art und Weise, mit der BASF die ungeliebte Kartoffel aufs Feld bringen will: Wenn nötig, mit dem Brecheisen. Und das alles mit dem Segen von Schwarz-Gelb. Hier kannst auch Du dagegen aktiv werden und eine Protestmail an die verantwortlichen Politiker schicken!

Kommentare

  • Theo Düllmann

    Hallo,
    zunächst Dank und Respekt an die Greenpeacer, die hier viel gewagt und viel gewonnen haben – nämlich für die Verbreiterung des Protests gegen die unselige Amflora-Zulassung, die mit dem Brecheisen unter Ausnutzung von Seilschaften zwischen Politik und Agrochemiekonzernen zustande gekommen ist – gegen den erklärten Willen der Bevölkerung. Hoffentlich kommt es noch zu einem Prozess, in dem die Tatsachen auf den Tisch gelegt werden können, wer hier der Täter und wer das Opfer ist.
    Theo Düllmann

    12.4.2010 um 16:40 Uhr · Antworten

  • Viktor

    Und wieder einmal hat sich die Polizei für den Schutz einer rechtswidrigen Handlung von offensichtlich kriminellen Wirtschaftsbossen, Politikern und ihren Handlangern instrumentalisieren lassen- wer wird da wohl bestraft werden?
    Ob es überhaupt Sinn macht, Anzeige zu erstatten?? Gute Lust dazu hätte ich…

    13.4.2010 um 16:35 Uhr · Antworten

  • Bastian Voigt

    Auch wenn die Aktion toll war und ich die Kampagne absolut richtig und unterstützenswert finde, und auch wenn Herr Niehoff sich sicherlich mehr als ungeschickt aufgeführt hat, um mich mal vorsichtig auszudrücken.

    Dieser Blog-Beitrag stößt mir irgendwie sauer auf. Wenn wir die Leute aus Mecklenburg-Vorpommern auf unsere Seite ziehen möchten, sollten wir Überheblichkeit und Pauschaldiskriminierungen vermeiden.

    Den Schwerverbrecher und das “Wie das Land, so die Leute” hättest du dir lieber sparen können.

    13.4.2010 um 18:34 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      @Bastian, du hast recht: Pauschalisierungen bringen nichts. Ich möchte mich deshalb bei allen Mecklenburgern entschuldigen, die sich von “Wie das Land, so die Leute” angesprochen fühlten. Gemeint war lediglich das ruppige Auftreten der Arbeiter vor Ort. Ich dachte, der nächste Satz würde das deutlich machen. Der “Schwerverbrecher” war nur meine unwillkürliche Assoziation aufgrund der Tristesse vor Ort. Die Lagerhalle sieht tatsächlich wie aus einem Tatort aus. Ich würde Herrn Niehoff auch nicht als Schwerverbrecher bezeichnen. Mir ging es darum, die Atmosphäre vor Ort einzufangen und ganz sicher nicht darum, irgendwen unberechtigt zu diffamieren. Ich bedaure daher sehr, dass dir der Beitrag sauer aufstößt.

      14.4.2010 um 08:11 Uhr · Antworten

  • Jeanny

    Herrlich! Ich habe sehr lange über diesen echt total kritischen, super recherchierten und gar nicht pauschalisierenden Text gelacht und mich wirklich amüsiert. Da ließe sich doch glatt Stoff für ein neuer Thriller finden. Herr Niehoff und Mitarbeiter helfen sicher gern.

    Mich würde übrigens mal interessieren was passiert, wenn sich BASFler vor der Greenpeace-Zentrale einzementieren würden. Wären bestimmt alle von Euch irre tolerant und würden die “Demonstranten” noch mit lustigem Biogemüse füttern.
    Eins möchte ich noch zu denken geben. Habt ihr schon mal recherchiert, ob im Beton vielleicht gefährliche Gene sind? Seid bloß vorsichtig! Naja, Ihr seid ja schon groß…

    Herr Niehoff – Ihnen gebührt mein Respekt. Machen Sie weiter so. Es kann gar nicht genug Landwirte geben, die Amflora auf ihren Acker lassen.

    So, und nun zensiert diesen Kommentar schnell und nehmt ihn von der Seite. Das ist wirklich tolerant.

    13.4.2010 um 21:39 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Ein Thriller über Genkartoffeln als Kollaboration zwischen Greenpeace und Dr. Niehoff?
      Einzementierte BASFler vor der Greenpeace-Zentrale?
      Gene im Beton?
      Alles mindestens genauso unwahrscheinlich, wie dass wir deinen Kommentar löschen würden!

      14.4.2010 um 08:22 Uhr · Antworten

    • Jan Haase

      Hallo Jeanny, warum sollten wir diesen Beitrag von der Seite nehmen. Er steht mit unserem Verhaltenskodex (http://blog.greenpeace.de/verhaltenskodex/) im Einklang und belebt die Diskussion in diesem Blog. Schade nur, dass du so Vorurteilsbeladen in den Diskurs gehst. Wann und Wo hast du entsprechende Erfahrungen mit Greenpeace gemacht, dass du Zensur bei uns vermutest?

      14.4.2010 um 08:52 Uhr · Antworten

      • Bruno Straub

        Jan Haase, ich habe das nicht so richtig mitbekommen. Was hatte zum Ausschluß von Heinz Haber geführt?

        14.4.2010 um 22:14 Uhr

  • Sven-Oliver

    Auch wenn ich nicht Jenny bin: Zensiert wird bei Greenpeace zum Beispiel auf der Pinwand, wo man seine Statements zur GGT posten konnte. Kritische wurden da entfernt.

    Zur Aktion: Ich find die Aktion unnütz und doof. Das ist die eine Seite! Dennoch lass ich Euch gerne die Freiheit zu demonstrieren, das ist eines der höchsten Güter, die wir in Deutschland nach langen und schweren Prozessen gelernt haben. Ich habe allerdings kein Verständnis für das Rechtsbewusstsein hier:

    1. Die Polizisten, die die Bande abgeführt und “betreut” haben, sind gebunden an das deutsche Recht. Und danach hat z.B. Herr Niehoff, egal was er macht das Recht auf seinem Grund und Boden zu machen was er möchte (immer im rechtlichen Rahmen) und zu dulden wen er möchte. Ihr habt sein Recht bewusst verletzt, jetzt stellt Euch nicht als beleidigte Leberwurst hin, sondern tragt die Konsequenzen. Die Polizei hat so gehandelt, wie sie handeln musste, das ist ihr Job. Ihr würdet Euch auch freuen, wenn kriminelle Einbrecher, die in Eurer Wohnung hocken und sich weigern zu gehen entfernt werden.

    2. Ich weiß, Ihr habt eine “Studie” die belegt, dass der Anbau angeblich nicht rechtens sei. Prima, wenn die Studie ok ist wird es doch kein Problem sein diese in geltendes Recht umzuwandeln. Da ich aber ganz stark bezweifele, dass irgendein Gericht der Welt (ich weiß, die sind wahrscheinlich alle geschmiert) Euch Recht geben wird, müssen solche Aktionen her.

    Warum muss noch volkswirtschaftlicher Schaden entstehen -nichts anderes verursacht Ihr durch die Aktionen- wenn es EU-Beschlüsse usw. gibt? Wie gesagt, das Recht zu demonstrieren, zu lobben oder irgendwelche spektakulären in Städten zu machen will ich Euch damit nicht nehmen.

    Warum gibt es stattdessen nicht mehr Dialog auf öffentlichen Plattformen, wo mehr als ein Gentechnikbefürworter zu Wort kommen darf?

    14.4.2010 um 11:22 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      @Sven-Oliver

      Auch wenn ich nicht Jenny bin: Zensiert wird bei Greenpeace zum Beispiel auf der Pinwand, wo man seine Statements zur GGT posten konnte. Kritische wurden da entfernt.

      Die Pinnwand, die du “zum Beispiel” anführst, war kein öffentliches Forum, sondern eine Protestaktion, und als solche ausdrücklich deklariert. Kritische Statements waren deshalb fehl am Platz. Wortwörtlich. Wenn man in einer Badehose in die Kirche geht und ins Taufbecken springt, wird man auch rausgeschmissen. Kritik stellen wir uns überaus gerne an Orten wie diesem.

      Ihr habt sein Recht bewusst verletzt, jetzt stellt Euch nicht als beleidigte Leberwurst hin, sondern tragt die Konsequenzen.

      Machen wir doch! Hast du Greenpeace-Aktivisten mal ins Gesicht gesehen? Du wirst dort viele verschiedene Gefühle entdecken, aber ganz sicher nicht Beleidigtsein. Wenn es Menschen gibt, die sich Konsequenzen stellen, dann sind das diese Damen und Herren.

      Prima, wenn die Studie ok ist wird es doch kein Problem sein diese in geltendes Recht umzuwandeln.

      Das wäre prima. Es läuft in der Welt aber leider nicht alles so, wie es laufen sollte. Traurig, aber wahr. Auch EU-Beschlüsse sind – es ist leider so – nicht der Weisheit letzter Schluss, Proteste deswegen notwendig.

      Warum gibt es stattdessen nicht mehr Dialog auf öffentlichen Plattformen, wo mehr als ein Gentechnikbefürworter zu Wort kommen darf?

      Du bist herzlich eingeladen, alle Freunde und Gentechnikbefürwörter, die du kennst, auf diese Seite aufmerksam zu machen. Wir würden sehr gerne mit ihnen diskutieren.

      14.4.2010 um 13:15 Uhr · Antworten

    • Sven-Oliver

      Ok habs verstanden: Greenpeace möchte vermeiden, dass Befürworterstimmen an die Politiker kommen… Hab nirgendwo gelesen, dass es verboten war positive Kommentare abzugeben. Ein Denkzettel muss nicht negativ ausgerichtet sein.
      Aber ist schon ok, dann zensiert mal weiter!

      Und entschuldige, Du hast mich falsch verstanden. Ich finde es klasse so oft und so öffentlich seine Meinung zu äußern zu protestieren usw. Und es ist auch ok, dass man in einer Demokratie nicht alles gut heißt, was entschieden wird. Aber man hat eine Demokratie, weil es einen rechtlichen Rahmen gibt in dem man seine (Grund-) Rechte ausübt und ausüben kann. Und genau diesen Rechtsrahmen verletzt Ihr. Und genau das finde ich nicht in Ordnung.

      14.4.2010 um 15:01 Uhr · Antworten

  • Icke

    Hui ui ui… die bösen GenKartoffeln… Schon mal eine Kartoffel ohne Gene gesehen? Und zum Thema Genmanipulation, was hier whrscheinlich gemeint war, ohne Genmaipulation gäbe es weder unsere Kartoffeln, noch Kühe und deren Milch in ihrer heutigen Form.
    Genmanipuliert hat der Mensch bereits seit Jahrtausenden, das nennt man dannn Zucht, falls das hier jemandem was sagt.
    Das Hauptproblem ist doch nicht die Manipulation von Genen, welche, wie gesagt, bereits seit Jahrtausenden, wenn auch mit anderen Mitteln, praktiziert wird, sondern das sich große Konzerne ihre “Zuchtergebnisse” patentieren lassen und versuchen, die Bauern Von ihren Produkten abhängig zu machen.
    Wenn ihr dagegen vorgehen wollt, prima Sache, bin der erste, der dabei ist.
    Aber solche kindischen Geschichten mit den bösen manipulierten Genen… Ne ne!

    14.4.2010 um 11:58 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Das Wort “Gen-Kartoffel” ist die Kurzform für “Gentechnik-Kartoffel”. Es ist so ähnlich wie mit dem Wort “Klimaskeptiker”. Die bezweifeln auch nicht das Klima. Sowas passiert manchmal mit Sprache und funktioniert wunderbar, weil jeder weiß, was gemeint ist. Trotzdem müssen ein paar Schlaumeier immer wieder darauf hinweisen, dass alle Kartoffeln Gene haben.

      Zwischen Zucht und Gentechnik gibt es ein paar ziemlich gewaltige Unterschiede, die kein Gentechniker ernsthaft in Frage stellen würde. Mais- oder Baumwollsorten etwa hat man mit einem Gen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis ausgestattet. Bacillus thuringiensis hat die Eigenschaft, ein bestimmtes Protein (bzw. BT-Toxin) zu produzieren, das für unliebsame Schädlinge tödlich wirkt. Weil in die Pflanze auf diese Weise das Gen einer anderen Art eingebaut wird, spricht man von einem Transgen. Man kann Maissorten noch so verzweifelt kreuzen und verpaaren, ihnen noch soviel Mozart vorspielen oder gut zureden: Ein Transgen lässt sich nicht herbeizüchten.

      Das Hauptproblem ist [...], dass sich große Konzerne ihre “Zuchtergebnisse” patentieren lassen und versuchen, die Bauern Von ihren Produkten abhängig zu machen. Wenn ihr dagegen vorgehen wollt, prima Sache, bin der erste, der dabei ist.

      Dann würde ich schon fast sagen: Willkommen an Bord! Gegen das Patentrecht kämpft Greenpeace nämlich schon seit einiger Zeit: http://www.greenpeace.de/themen/patente/

      14.4.2010 um 13:47 Uhr · Antworten

  • Dafür

    Hallo,
    ein weiterer Glückwunsch zu diesem fundierten und sachlichen Artikel. Dass die BASF die Weltherrschaft an sich reißen möchte, ist ja weithin bekannt und sicher auch sehr realistisch, besonders mit dem Anbau von 20 ha Stärkekartoffeln. Gut, wenn Ihr das so seht, Eure Meinung.
    Allerdings finde ich ziemlich krass, dass hier Leute so diffamiert werden.

    “Es dauert nicht lange bis der Patriarch auftritt. Bauer Niehoff, ein knorriger Gesell in grünem Bundeswehr-Anorak, schreitet missmutig über den Hof und delegiert in feinster Ciriaco Sforza-Manier die Hofarbeiter. Man beneidet die Leute nicht, die hier arbeiten – Niehoff hat augenscheinlich ein straff geführtes Regiment installiert.”

    Ist richtig zum Amflora-Thema, nicht wahr?? Und meint Ihr nicht, dass die “ruppige Mentalität der Arbeiter vor Ort” vielleicht damit zusammenhängt, dass sie am Montag Morgen nicht einfach ihre Arbeit tun konnten, wie eigentlich die meisten Menschen, sondern sich mit Aktivisten rumärgern mußten? Ich bin aus dem Müritzkreis, und als das letzte Mal hier Gentechnik-Gegner eingefallen sind, gab es hinterher in einem Ort in der Gegend weniger Gartenzäune, da das Holz geklaut und für die Blockaden verwendet worden ist. War nicht Greenpeace, aber auch Ihr zerstört Eigentum. “Festzementiert” ist nämlich leider für Eure Aktion das falsche Wort. Die richtige Beschreibung lautet: Löcher in einen Hallenboden gebohrt, der dann natürlich aufgemeißelt werden und jetzt wieder repariert werden muss.

    Und auch mit dem Wort Brachialität wäre ich vorsichtig. Es war ein Eingriff in persönliches Eigentum. Bei Euch setzt sich auch keiner vor die Haustür und schraubt die zu, und alle sind mehrfach von der Polizei aufgefordert worden, den Platz zu räumen. Wer das nicht macht, bekommt dann eben die Konsequenzen. Ihr beschwert Euch über einen Verstoß gegen die EU-Freisetzungsrichtlinie und beachtet selber noch nicht einmal die persönlichen Grundrechte. Und startet hinterher noch solche Hetzkampagnen. Großartig!

    Wohlgemerkt, ich finde es gut, wenn man sich für Sachen einsetzt und protestiert, keine Frage. Das ist richtig, und wir brauchen in einer Gesellschaft auch solche Organisationen wie Greenpeace, die sich für Sachen einsetzen, die sich selber nicht wehren können, wie z.B. die Natur. Aber die Frage ist wie. Und ich bin nach diesen Aktionen und nach diesen Artikeln hier auf Euren Seiten nicht mehr der Meinung, dass wir tatsächlich Greenpeace selbst brauchen, denn das hier finde ich absolut daneben.

    15.4.2010 um 13:12 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Dieser Blogbeitrag ist ein komplett subjektiver Erfahrungsbericht von vor Ort. Natürlich klingt das nicht nett, was ich über Herrn Niehoff schreibe, aber es war nunmal mein persönlicher Eindruck von der Situation. Von Hetzkampagne kann keine Rede sein, schon gar nicht von Diffamierung. Ich finde, ein gewisses Augenzwinkern ist durchaus spürbar: Es gibt Leute, die würden sich freuen mit Ciriaco Sforza verglichen zu werden. Und zur Netiquette: Wenn sich Herr Niehoff in diesen Blog begeben würde, um zu diskutieren, kann er sich sicher sein, höflich behandelt zu werden.

      Wichtig ist: Es ging bei der Aktion überhaupt nicht um Herrn Niehoff. Es ging um die Amflora. Greenpeace steht für den Schutz eines hohen Guts: eine intakte Natur. Deshalb ist Greenpeace der Meinung, dass die Freisetzung dieser gentechnisch veränderten Kartoffel verhindert werden muss – zumal sie komplett überflüssig ist. Das war der Grund für die Aktion. Dieser Eintrag ist ein Erlebnisbericht von vor Ort, deshalb enthält er tatsächlich keine sachliche Erörterung, warum Greenpeace dieser Überzeugung ist. An anderer Stelle, auf der Homepage und auch in diesem Blog, geht es dagegen viel sachlicher zu: http://blog.greenpeace.de/page/2/?s=laborknolle

      15.4.2010 um 15:07 Uhr · Antworten

  • Dafür

    und jetzt ich nochmal, hab mir grad mal Euren Verhaltenskodex für den Blog durchgelesen:

    “Dass dabei kein anderer beleidigt, verunglimpft oder in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt werden soll, ist selbstverständlich.

    Netiquette, Höflichkeit und Taktgefühl beachten

    Keine….beleidigende, verleumderische, überhebliche Beiträge etc..

    10. Missbrauch
    Jeder Missbrauch oder Verletzung der Regeln führt zum Ausschluss der Person und der von ihr veröffentlichten Inhalte.

    Schade, dass das nur für die Blog-Nutzer gilt und nicht für Euch selbst!

    15.4.2010 um 14:08 Uhr · Antworten

  • dafür

    da zitiere ich nochmal den Blog-Verhaltenskodex:

    “Dazu gehört auch, dass man seinen Beitrag durchaus noch einmal kritisch überprüft und dabei bedenkt, dass Ironie oder Sarkasmus schriftlich meist anders ankommen, wie in einer direkten mündlichen Kommunikation. Hier können leicht Missverständnisse entstehen.”

    und ich kann -wie im übrigen auch andere s. Bastian Voigt- kein Augenzwinkern in diesem Artikel erkennen. Ich empfinde ihn daher trotzdem als Diffamierung. Und die von Dir zitierte Stelle im Blog ist auch nicht sachlicher. (“Gebete der BASF” uvm.) Und mir ist auch klar, dass es hier nicht um Herrn Niehoff ging, sondern um die Amflora, trotzdem lese ich diesen Artikel anders. Und andere scheinbar auch, lies mal die ersten 6 Einträge, da steht nicht BASF oder Amflora, sondern der Name Niehoff. Und ich bin über Eure Praktiken echt entsetzt. Auch von der Aktion am Montag. Die Geschichte von der anderen Seite her betrachtet sieht nämlich so aus, dass dabei die beschriebenen Tore stark beschädigt wurden, der Hallenboden sowie der Boden vor der Halle aufgemeißelt werden mußten und ein ganzer Betrieb für mehrere Stunden lahm gelegt wurde. Schutz der Natur ist richtig, wichtig und gut, trotzdem geht es um das Wie. Und da muss man sagen, dass man eher Euch als kriminell bezeichnen muss, denn die BASF hat sich an geltendes Recht gehalten, Ihr in keinster Weise. Und auch hier in diesem Blog gibt es ja keine sachliche Diskussion um Amflora.

    15.4.2010 um 16:14 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Das hier ist kein Wissenschaftsmagazin, sondern das Blog einer Umweltschutzorganisation, das Themen naturgemäß auf andere Weise – auch in einem anderen spachlichen Code – anpackt. Deshalb stößt du auf Wendungen wie “Gebete der BASF”. Da dir diese blogtypische Tonalität offenbar per se zu unsachlich ist, schlage ich vor, du informierst dich hier: http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/anbau_genpflanzen/artikel/die_gen_kartoffel_von_basf/

      Desweiteren: Mir scheint, dass du von der Aktion persönlich betroffen warst. Das macht deine Empörung zwar ein Stück weit nachvollziehbar, dennoch war die Aktion notwendig. Ich habe zum besagten Beitrag von Bastian bereits Stellung bezogen und meinen Standpunkt dargelegt. Außerdem: Der Name “Niehoff” taucht in den ersten beiden Kommentaren gar nicht auf, danach wird er nur zweimal von anderen Usern erwähnt. Wenn du und ich nicht die ganze Zeit über “Niehoff” schreiben würden, wäre von dem Namen hier gar keine Rede mehr. Ich könnte mir vorstellen, dass dir die Formulierung “straffes Regiment” misshagt… Ich möchte erneut darauf hinweisen: Das war mein subjektiver Eindruck vor Ort, der mit dem Ausdruck “augenscheinlich” auch als solcher gekennzeichnet ist. Wenn das schon Diffamierung ist, dann ist jeder zweiter Artikel in einer Tageszeitung Diffamierung.

      15.4.2010 um 16:54 Uhr · Antworten

  • dafür

    Das hier ist kein Wissenschaftsmagazin, sondern das Blog einer Umweltschutzorganisation, das Themen naturgemäß auf andere Weise – auch in einem anderen spachlichen Code – anpackt.

    Und grade da finde ich, liegt das Problem. Das naturgemäß andere Anpacken von Greenpeace, das leider nicht immer mit einem Rechtsstaat zu vereinbaren ist. Wie gesagt, ich fand Greenpeace mal richtig, aber mittlerweile hat sich das geändert, da die Methoden echt krass sind. Und da nützt auch ein einziger sachlicher Artikel nicht viel.

    Und nein, ich bin nicht persönlich betroffen, zumindest nicht direkt und mir hat auch nicht die Formulierung straffes Regiment nicht behagt, das finde ich noch eine der eher positiv interpretierbaren Aussagen. Mein Missbehagen beginnt schon gleich in Satz eins. Aber diese Diskussion ist scheinbar müßig, da kann man wohl nur auf den Verstand der Blog-Nutzer hoffen und deren Interesse, sich eine fundierte Meinung zu bilden und nicht eine grün-gefärbte. Und zum Abschluss: vielleicht sollte das “peace” in Eurem Namen nochmal überdacht werden, kommt mir eher wie “war” vor.

    15.4.2010 um 20:03 Uhr · Antworten

  • Dafür

    Eigentlich wollte ich ja nicht mehr schreiben, aber es läßt mir keine Ruhe. Wer sehen möchte, wie sich die Sache mit der Amflora wirklich verhält und auch wieweit es mit den Greenpeace-Argumenten her ist, sollte lieber den anderen blog besuchen http://blog.greenpeace.de/amflora-aus-dem-verkehr-ziehen/ “Augenscheinlich” war und ist da jemand nicht so richtig informiert…

    16.4.2010 um 11:47 Uhr · Antworten

  • Mertens

    @”Dafür”:
    Entschuldigung, ich kann deine Aussage gerade nicht nachvollziehen. Beziehst Du Dich auf diesen Krakeeler “Telematik2″? Ich finde die Greenpeace-Argumente äußerst schlüssig.
    MfG

    16.4.2010 um 12:31 Uhr · Antworten

  • telematik2

    verstösst “Krakeeler” nicht gegen die Netiquete?
    Wesentliche Hinweise über den Zustand der Kartoffel kommen in dem verlinkten Blog ja wohl von “Amflora”!

    16.4.2010 um 15:12 Uhr · Antworten

  • telematik2a

    verstösst “Krakeeler” nicht gegen die Netiquete?
    Wesentliche Hinweise über den Zustand der Kartoffel kommen in dem verlinkten Blog ja wohl von “Amflora”!
    Oh nun wurde ich sogar auch ausgesperrt?

    16.4.2010 um 15:13 Uhr · Antworten

  • Knolle

    Ob eure Kartoffel-Aktion in Mecklenburg ein Erfolg oder ein Schuss nach hinten war bleibt abzuwarten.
    Viele meiner Berufskollegen kämpfen im Wendland Seite an Seite mit Euch bei der Verhinderung von Gorleben als Endlager.
    Aber wir wissen natürlich alle, dass die Waxy-Kartoffeln Eliane und Henriette nicht gehandelt werden dürfen. Jeder von uns hat unterschrieben, keine Kartoffeln abzugeben. Das heißt sie haben die Kartoffeln entweder geklaut oder einen Berufskollegen zum Klau aufgefordert. Beides ist kriminell.
    Sind die Kartoffeln in MV schon gepflanzt ?
    Wollt ihr davon auch welche entwenden und auf andere Äcker oder in Lebensmittelmärkten verteilen ?

    17.4.2010 um 20:49 Uhr · Antworten

    • Bruno Straub

      Wenn ich nicht wüßte, dass Greenpeace keine Spenden von Firmen annimmt, würde ich glauben, dass die Saatguthersteller die Kartoffeln “gesponsert” haben. Die kostenlose Reklame, die Greenpeace hier abzieht, ist sicher ein Vielfaches wert…

      18.4.2010 um 17:44 Uhr · Antworten

  • Christian

    Daumen Hoch!
    Schön das es so Organisationen wie Greenpeace gibt, die skrupellose Geschäftsgebahren aufdeckt und anprangert.
    Weiter so!

    Gentechnik gehört weder auf den Acker noch auf den Teller. Wäre die Poltik ehrlich und konsequent, dann würde sie endlich auch entsprechende Maßnahmen treffen. Die Genlobby muss gestoppt werden. Schluss mit dem Filz! Auch wenn die Seite nicht super gelayoutet ist, ist der Inhalt einfach top: http://www.projektwerkstatt.de/gen/filz.htm

    18.4.2010 um 23:23 Uhr · Antworten

  • Christian

    Ich weiß gar nicht, was so toll sein soll an Hausfriedensbruch & Sachbeschädigung. Die Kosten für den Polizeieinsatz sollten die sog. “Aktivisten” übernehmen und auch die Anstifter zu solchen Straftaten sollten “ihr Fett wegkriegen”.

    Viele Grüße,
    Christian

    19.4.2010 um 16:05 Uhr · Antworten

    • Tobi

      Darüber entscheiden hierzulande Gerichte. Und wenn diese zu der Ansicht gelangen, daß die Aktivisten zahlen sollen, tun sie das natürlich auch.

      19.4.2010 um 17:16 Uhr · Antworten

  • Ilse

    apropos “häßlich” und “Augenkrebs”…Greenpeace hat die “häßlichsten” Aktivisten der Welt – über Geschmack lässt sich ja streiten, aber im übertragenen Sinne gilt dies allemal. Hauptsache immer dagegen sein und die “Sau des Tages” durchs Dorf treiben. Skandal! Skandal! Hat schon Bild-Niveau, nur dass die Bild Charakter hat, Greenpeace hingegen nur einen Selfmade-Heiligenschein. Aber was tut man nicht alles für Spendengelder! Und für Greenpeace zu arbeiten, ist ja auch ach so nobel!… “Augenkrebs in Grau”? wohl eher “Scheinheiligkeit in Grün”.

    17.5.2010 um 23:55 Uhr · Antworten

  • Simon Brücken

    Ilse bilse, keiner will ‘se
    kam ‘nen Koch
    nam ‘se doch
    Ofenloch

    (Janosch)

    Inhaltlich ungefähr genau so wertvoll wie Dein Beitrag.

    18.5.2010 um 07:21 Uhr · Antworten

  • Unkown

    Ist euch jemals in den Sinn gekommen das diese Kartoffel
    nur für die Industrie ist, d.h. niemand wird diese Kartoffel jeh essen,
    denn die Stärke in dieser Knolle ist für den Menschen nicht zu
    verdauen deshalb wäre der Einsatz als Nahrungsmittel sinnlos
    aber egal ….

    30.5.2010 um 12:23 Uhr · Antworten

    • Jan Haase

      Hallo Unknown,

      du findest überall in unserer Berichterstattung den Hinweis, dass die Amflora für die industrielle Stärkeherstellung bestimmt ist. Die Genehmigung für die Amflora sieht übrigens vor, dass sie bis zu einem Verschmutzungsgrad von 0,9 Prozent in Lebensmitteln vorkommen darf.
      BASF hat darüber hinaus dieses Jahr auch schon angekündigt, die Zulassung für “Fortuna” zu beantragen, einer gentechnisch veränderten Kartoffel speziell für die Chips- und Pommes frites-Herstellung.

      30.5.2010 um 18:44 Uhr · Antworten

  • Unknown

    Hm, dann stellt sich allerdings die Frage wieso ist das überhaupt wichtig?
    Denn wenn das was verändern würde, wäre die schlussfolgerung das wir
    durch das was wir essen eine ständige veränderung des erbmaterials hätten
    da dies aber nicht so ist müsste man sich deshalb nicht aufregen

    Selbst diese Beantratung ist iwie ein bischen hinfällig denn das wird ja wieder
    mindestens 13 Jahre dauern
    damit zerstört man meiner Meinung nach die möglichkeit das Deutsche Unternehmen
    andere (z.b. US-Konzerne) von dem Markt verdrängt
    Außerdem könnten solche Aktionen wie bei Amflora zur Folge haben das die Firmen auswandern und dann ohne irgendeine auflage zu erfüllen weitermachen siehe China

    31.5.2010 um 20:25 Uhr · Antworten

  • Oliver

    Bei der “Fortuna” ist doch nur so eine Art Antigen gegen ein Pilz hinzugefügt, nicht mal ein Markergen ist dabei. Also ich weiß nicht was man dagegen haben kann, denn diese Pilzsorte hatte Regelmäßig zu Ernteausfällen geführt.
    Wieso Argumentiert dagegen bzw. welche Argumente habt ihr dagegen?
    Soetwas könnte man auch durch züchtung erreichen (bezogen auf Fortuna) oder nicht?

    17.6.2010 um 16:45 Uhr · Antworten

  • amitié

    @ Oliver, Fortuna ist eine von der BASF Plant Science entwickelte Kartoffelsorte, die mit Hilfe gentechnischer Methoden für die Pommes-frites-Herstellung in Europa bestimmt ist.
    Warum keine Genmanipulation? siehe hier:http://gesunde-ernaehrung.suite101.de/article.cfm/genmanipulierte-lebensmittel

    17.6.2010 um 22:40 Uhr · Antworten

  • Oliver

    Ja, aber Allergien gibt es überall, das ist eine traurige Tatsache(ich bin selber davon betroffen). Aber die Bakterien die im Darm sind kann man leicht dort hinausbefördern, außerdem kann/macht das ein Mensch schon ganz ohne Medizin (damit meine ich Durchfall)
    Wie ich ja schon schrieb es ist zumindest bei Fortuna auch durch züchtung erreichbar, aber das würde deutlich länger dauern. Hinzukommt das Fortuna gaer keine Resistenz gegen ein Antibiotikum enthält, also sehe ich bei der Kartoffel nicht so wirklich das Problem. Aber ich muss sagen das es ohne Vereine wie Greenpeace mit der Gentechnik drunter und drüber gehen würde. Schlagt doch so eine Art Kompromiss vor, das die Gentechnik erst mal hinreichend erforscht werden soll und bietet dann doch an (damit das auch vielleicht gemacht wird) das die Gentechnik wenn sie sich als ungefährlich herausgestellt hat von euch toleriert wird.

    18.6.2010 um 13:27 Uhr · Antworten

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