Die Ausstellung „1:1 Riesen der Meere“ im Ozeaneum Stralsund wird im Sommer um vier Riesen reicher. Es sind allesamt Fische, jeder origineller als der andere: In Dresden entsteht ein Mantarochen als Diplomarbeit; in Berlin feilt der Künstler Roland Heppert an perfekten Nachbildungen von Riemenfisch, Mondfisch und Riesenhai. Meine Kollegin Nicoline Haas war auf Werkstattbesuch in Berlin und hat sich die Arbeit von Roland Heppert und seinem Team mal etwas genauer angesehen.
“Schwungvoll striegelt Roland Heppert über den schlanken, beigefarbenen Rücken. Staub wirbelt umher, als sei das Tier zuvor durch eine trockene Steppe galoppiert – wenn es nicht ins Meer gehörte. Aus formstabilem, aber kreideähnlich zerreiblichem Hartschaum modelliert der Gestalter den Körper eines Riemenfisches, eines von vier neuen Exponaten für die Ausstellung „1:1 Riesen der Meere“ im Ozeaneum Stralsund.
Sieben Meter lang, aber nur rund 18 Zentimeter dünn, ähnelt das exotische Tier eher einer Schlange als einem Fisch. Flankiert wird es von nicht minder ausgefallenen Wesen: von dem Modell eines neun Meter langen Riesenhais und dem eines rund 4 x 2,50 Meter großen Mondfisches. Hepperts Werkstatt Bezirk Prenzlauer Berg platzt aus allen Nähten.
Als viertes Fischmodell ist ein Manta in Arbeit. Der majestätisch wirkende Riesenrochen entsteht in Dresdner Werkstatt des Figurenbauers Peter Ardelt, der schon den Bau der ersten sechs Meeresriesen für das Ozeaneum leitete. Dieses Mal legt eine seiner Studentinnen Hand an. Anne Rauschenberg gestaltet den Großfisch als Diplomarbeit.
„1:1 Riesen der Meere“ ist ein Gemeinschaftswerk von Deutschem Meeresmuseum und Greenpeace und eines der Highlights im Ozeaneum.In einer knapp 20 Meter hohen Halle hängen an Stahlseilen bis jetzt ein 26 Meter langer Blauwal, ein schwarzweißer Orca, ein Buckelwal mit Kalb und ein Pottwal in kämpferischer „Umarmung“ mit einem Riesenkalmar. Außerdem wächst vom Grund bis zur zweiten Etage ein Riesentang empor. Die Modelle faszinieren, da sie die echten Dimensionen dieser gigantischen Lebewesen zeigen, die in Natura kaum ein Mensch je zu Gesicht bekommt.
„Die Messlatte im Ozeaneum liegt hoch“, sagt Heppert. „Schummeleien oder Ungenauigkeiten bei den Modellen gehen gar nicht. Alles muss biologisch richtig sein: von der Körperform und Körperhaltung, über Hautstruktur, Farbe und Glanz bis hin zu Details wie Kiemen, Mundöffnungen und Augen.“
Der Riesenhai hat eine fürchterlich große Klappe, aber nicht viel dahinter. Er ist ein Planktonfresser. Mit weit aufgerissenem Maul schwimmt er durchs Meer und filtert Nahrung aus dem Wasser. Seine Kiemen– von außen sieht man fünf breite Spalten links und rechts –bilden einen Filterapparat. Untypisch für einen Hai. Mit bis zu elf Metern ist er nach dem Walhai der zweitgrößte Fisch der Welt. Riesenhaie werden für ihr Fleisch und die öl- und vitaminreiche Leber gejagt. Manche Asiaten interessieren sich besonders für die Flossen. Als Suppeneinlage. Der Riesenhai steht auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten.
Um die Meerestiere perfekt zu kopieren, studiert Roland Heppert Fachbücher, Fotos und Filme – soweit vorhanden: So gelang es Forschern erst vor kurzem, einen lebendigen ausgewachsenen Riemenfisch zu filmen. Im zweiten Schritt fertigt Heppert einerseits exakte technische Zeichnungen an, andererseits freie Gemälde als Farbmuster. Damit die Modelle später lebendig wirken, stellt Heppert sie in einer typischen, möglichst dynamischen Bewegung dar: „Eine Momentaufnahme wie ein Schnappschuss“, so Heppert.
Ein Riemenfisch wirkt allerdings selten dynamisch. Wahrscheinlich bewegt er sich langsam, verharrt lange regungslos auf der Stelle und lauert so auf seine Beute. An Kopf und Bauch hat der Fisch feuerrote fühlerartige Flossenstrahlen. Er lebt in tropischen und gemäßigten Meeren wie dem Mittelmeer. Auf seinem Speiseplan stehen kleine Fische, Kalmare und Plankton.
Rund und plump, verkörpert der Mondfisch das krasse Gegenteil zum Riemenfisch. Statt eines Schwanzes hat das bis 5 x 3 Meter große Tier einen gewellten Hautsaum, und seine Rücken- und Bauchflosse schwingt er langsam hin und her – als würde es Gymnastik machen. Seine schuppenlose, feste Haut scheint der Mondfisch zu blass zu finden, oft treibt er waagerecht an der Wasseroberfläche und sonnt sich. Mondfische leben unter anderem im Atlantik und Mittelmeer. Sie können über 120 Jahre alt werden, soweit sie vorher nicht im Maul eines großen Räubers landen.
Modelle von Meeresriesen in Originalgröße zu bauen, erfordert sowohl grobe Muskelkraft als auch feine Kunstfertigkeit. Heppert leistet beides und profitiert von seiner Vielseitigkeit. Er hat klassische Malerei und Grafik in Heiligendamm gelernt und später auf Burg Giebichenstein in Halle Architektur studiert. Außerdem arbeitete er einige Jahre als Messegestalter.
Dass Heppert dieses Jahr 70 wird, merkt man ihm – abgesehen vom grauen Schopf und Bart – nicht an. Unermüdlich turnt er Leiter rauf, Leiter runter durch die Werkstatt. Und das Herumfuhrwerken an den Exponaten mit diversen Sägen, Messern, Raspeln, Feilen und Sandpapieren wirkt bei ihm so spielerisch wie Kuchenbacken.
Seine Erfahrung merkt man ihm aber allemal an. Seit den 1970er Jahren arbeitet er zu Meeresthemen für das Deutsche Meeresmuseum. Beraten von Meeresbiologen und anderen Experten, gestaltete Heppert viele Ausstellungsvitrinen, Grafiken und Objekte.
Riemenfisch, Mondfisch und Riesenhai sind seine bislang größten Kunstwerke. In der Werkstatt lagern die Kolosse auf rollbaren Arbeitsböcken mit Metallrohr-Fixierung. Innen stabilisiert sie ein filigranes Stahlskelett. „Sie dürfen nicht zu schwer werden, damit sie auch noch transportabel und problemlos aufzuhängen sind“, betont Heppert. „Der schwerste Kerl mit rund 450 Kilo wird der Hai.“ Nach dem das „Fleisch“ der Modelle aus Hartschaumblöcken in Form modelliert ist, wird es durch eine Schicht aus glasfaserverstärktem Polyester verfestigt. Erst dann kommt Farbe ins Spiel – inklusive einer zarten Silberschicht für den typisch fischigen Glanz. Mit Pinseln und Farbe wird Roland Heppert wahrscheinlich im Mai beginnen. Im Sommer sollen die Exponate dann fertig sein und ihre Reise per LKW nach Stralsund antreten.
„Das ist schon eine tolle Herausforderung, aus einem Material lebensnahe Formen zu gestalten – aus etwas Totem etwas scheinbar Lebendiges“, erklärt Heppert. Die Schönheit und Vielfalt der Natur inspiriere ihn immer wieder aufs Neue. Dabei seien Meerestiere eindeutig seine liebsten Musen. „Ich bin froh, dass ich mit den Fischmodellen etwas zur Bildung von Menschen beitragen kann. Wenn sie dann auch noch begeistert sind und bestenfalls angespornt, sich für den Meeresschutz einzusetzen, macht mich das besonders froh.“ Eine „Liebeserklärung an die Meere“ sind Hepperts Arbeiten – ganz im Einklang mit dem Leitspruch des Ozeaneums.”
Die Slide-Show ist übrigens entstanden, als ich mit meinem Kollegen Christian Bussau in der letzten Woche in Berlin im Atelier waren. Wie es dort weiter geht, erfahrt ihr demnächst von mir.
Viel Spaß und bis in Kürze!
Angela














Tierfreund
Hey, Danke. Super Post
Ich habe deinen Blog gleich mal per RSS abonniert
VG der Tierfreund
15.5.2010 um 01:42 Uhr ·
fischliebhaber
hey leute
07.6.2011 um 10:13 Uhr ·