Warum wir Richtung Moskau segeln

23. April 2010 · von Wolf Wichmann
Am Dienstag, dem 20. April hat das Greenpeace-Schiff “Beluga II” den Hamburger Hafen verlassen und sich zur Fahrt nach Moskau aufgemacht. Von der Reise nach Russland berichten für uns im Blog Crewmitglied Birte Lohmann und Wolf Wichmann als Mitglied des Wissenschaftlerteams an Bord.
Am Steuerrad - fürs Foto... © Greenpeace/Max Seiler CC-Lizenz BY-NC-ND

Am Steuerrad - fürs Foto...

Wenn die Arbeit an Bord getan ist, finde ich Zeit, mich auf meine eigentlichen Aufgaben während unserer Kampagne in Russland vorzubereiten: Unsere Mission während unseres Aufenthaltes in russischen Gewässern wird es sein, unsere Kollegen aus dem Greenpeace-Büro in Moskau bei ihrer Kampagne zum diesjährigen Ministertreffen der HELCOM-Staaten logistisch und strukturell zu unterstützen. Die Konferenz findet erstmalig in Moskau statt und ein Großteil der politischen Aufmerksamkeit Europas wird zwischen dem 18. und 20. Mai 2010 ohne Zweifel auf die Hauptstadt der russischen Föderation gerichtet sein. Russland hat im Vergleich zu seinen Nachbarländern viel nachzuarbeiten in Sachen Umweltschutz und der Schutz der Ostseeregion ist dabei erst ein Anfang.

Die Kampagne des Moskauer Greenpeace-Büros wird einen Schwerpunkt auf die Einleitung von Schadstoffen in die russischen Seen, Kanäle und Flüsse setzen. Hauptaufgabe unserer Expedition wird es sein, durch die Entnahme und Analyse von Wasserproben vor Ort die internationale Politik und Öffentlichkeit auf die Dringlichkeit geeigneter Maßnahmen zur Reduzierung der Gewässerbelastungen hinzuweisen und die russische Regierung dazu aufzufordern, die entsprechenden Maßnahmen rasch einzuleiten.

Versprechen zu dem Thema hat der russische Premier Vladimir Putin ja erst vor kurzem abgegeben. Anlässlich eines Ostseegipfeltreffens im Februar dieses Jahres in Finnland etwa, an dem neben Vertretern von Kommunen, Forschungsinstituten, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen insgesamt acht Staatsoberhäupter, sechs Minister und etliche hochrangige Regierungsvertreter der Ostseeanrainerstaaten teilnahmen. Dort kündigte Putin große Investitionen in die Abwasserentsorgungssysteme von Kaliningrad und St. Petersburg an. So soll beispielsweise bis zum Jahr 2015 die Stadtentwässerung von St. Petersburg die HELCOM-Standards zu 98 Prozent erfüllen.

Große Tropfen auf heiße Steine vielleicht, aber möglicherweise ein Anfang, wenn den Ankündigungen nun auch Taten folgen sollten.

Wie es um die Realität in Russland bestellt ist, werden wir ja bald mit eigenen Augen sehen können. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein westliches Schiff die Wasserstraßen der russischen Föderation befahren darf, um an sensiblen Stellen die Wasserqualität zu überprüfen. Ich bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit unseren russischen Kollegen und freue mich auf unsere gemeinsamen Aktivitäten…

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