Zeit, Nestlé an seine Versprechungen zu erinnern!

29. April 2010 · von Corinna Hölzel

Hartnäckigkeit lohnt sich offensichtlich. Noch am vergangenen Freitag recherchierten meine indonesischen Kollegen in Aktenbergen. Ihr Ziel: Handfeste Beweise für die illegalen Regenwaldabholzungen des Palmölgiganten Sinar Mas finden. Tatsächlich wurden sie schnell fündig. Es hat sich wieder einmal bestätigt, dass der größte indonesische Palmölkonzern Sinar Mas ein unbelehrbarer Wiederholungstäter in Sachen Urwaldzerstörung ist – auch wenn er wortstark das Gegenteil versichert. Meine Kollegen machten sich mit einigen Journalisten gleich auf den Weg in die betreffenden Waldgebiete und machten Fotos vom Tatort. Von ihrer abenteuerlichen Fahrt dorthin berichtet er in einem englischsprachigen Blog. Auch die Journalisten des Nachrichtensenders Al Jazeera waren von dem, was sie vorfanden, schockiert. Seit Dienstag ist folgender englischsprachige Nachrichtenbeitrag von Al Jazeera online:

Die illegalen Waldabrodungen und Korruptionsfälle der indonesischen Palmölindustrie sind derzeit ein heißes Thema – nicht nur in Indonesien. Gestern hielt Golden Agri Resources (GAR), über den Sinar Mas sein Palmölgeschäft abwickelt, eine Hauptversammlung in Singapur ab. Ich kann mir vorstellen, dass die Stimmung unter den Aktionären sicher recht gemischt war, angesichts der Tatsache, dass Greenpeace zum zweiten Mal in knapp zwei Wochen illegale Konzernaktivitäten aufgedeckt hat. Die meinungsbildende Macht der Medien hatte Sinar Mas vorsichtshalber ausgeschlossen. Bei der Internationalen Greenpeace-Pressekonferenz in Singapur fanden die ausgeladenen Pressevertreter dann trotzdem ein Plätzchen. Mehr Informationen erhaltet ihr in der englischsprachigen Präsentation aus der Pressekonferenz oder im deutschsprachigen Greenpeace-Artikel auf unserer Homepage.

Nun ist Nestlé am Zug. Greenpeace fordert von dem weltweit größten Lebensmittelkonzern, jegliches Sinar Mas-Palmöl aus seiner Lieferkette zu verbannen. Nestlé hat dies nun in einem ersten Schritt an seine Lieferanten, die mit Sinar Mas-Palmöl handeln, weitergegeben, darunter auch Cargill. Nestlé berichtet:

Cargill hat uns mitgeteilt, dass Sinar Mas bis Ende April auf die Greenpeace-Vorwürfe antworten muss. Cargill hat angegeben, Sinar Mas von ihrer Liste zu streichen, wenn sie keine korrigierenden Maßnahmen ergreifen.

Der Countdown läuft! Die Vorwürfe von Greenpeace bis Ende April aus der Welt zu räumen – mit dem neuen  Beweismaterial wird das dem abgebrühten Palmölgiganten Sinar Mas diesmal hoffentlich sehr schwer fallen.

Was, wenn Cargill den dubiosen Palmöllieferanten Sinar Mas nicht von der Liste streicht?
Ob Nestlé dann endlich Konsequenzen zieht?

Wenn ihr uns weiter unterstützen wollt, dann konfrontiert Nestlé genau mit dieser Frage. Ihr könnt zum Beispiel folgenden Beitrag twittern:
@Nestle If Cargill continues to buy palm oil from forest destroyer Sinar Mas-will you drop them? http://j.mp/alrbxf

Schreibt Nestlé ruhig weiter Emails oder ruft sie an! Erinnert Nestlé höflich an ihr Versprechen!

Kommentare

  • Sad tree friend

    Leute, was kann ich gegen Nestle tun,außer E-mails, anrufen oder keine Produkte kaufen ???

    Bitte um schnellstmögliche Antwort!!!

    06.5.2010 um 20:45 Uhr · Antworten

  • amitié

    Viele ahnen auch nicht,das in vielen Bio-Produkten Palmöl verwandt wird,da weiß man auch nicht wo es herkommt und wer prangert die Firmen an?

    06.5.2010 um 23:49 Uhr · Antworten

    • Michelle Bayona

      In Biodprodukten kann tatsächlich sogenanntes Ökopalmöl stecken; das kommt allerdings in der Regel aus Brasilien oder Kolumbien. Generell empfiehlt Greenpeace trotzdem weiterhin Bioprodukte, da eine ökologische Landwirtschaft zum Klimaschutz, Artenschutz und zum Erhalt der natürlichen Ressourcen wichtig ist. Im Bio-Bereich ist Palmöl oft als Zutat auf dem Etikett aufgeführt. Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf Produkte mit Palmöl verzichten – oder sich beim Hersteller genau nach der Herkunft erkundigen.

      07.5.2010 um 11:06 Uhr · Antworten

  • Regina

    Nur so zur Info liebe Michelle,bevor du dich hier in der Öffentlichkeit verrennst informiere dich doch erst einmal ausführlich über Palmöl aus Kolumbien:

    http://www.robinwood.de/palmoel/

    Desweiteren zu “generellen” Bio Produkten,sehe ich das etwas anders,da ich nicht nur auf die Umwelt achte,sondern auch die humanitären Aspekte sehe.Nur als kleines Beispiel,sind Bio Produkte aus Israel nicht empfehlenswert,da in dem einem Teil des Landes Bio Produkte angebaut werden,Wasser verschwendet wird und im anderen Teil die Menschen nur Wasser mit einem Wagen,je nachdem alle 14 Tage gebracht bekommen,wenn sie Glück haben.Ohne fließend Wasser,kann man sich vorstellen,wie die Bewohner des Landes darunter leiden müssen.Das ist das Problem,was ich immer wieder sehe,sich nur auf eine Sache zu konzentrieren geht nicht,weil vieles in einander greift.

    Lieben Gruß

    Regina

    07.5.2010 um 23:12 Uhr · Antworten

    • Michelle Bayona

      Liebe Regina, beim ökologischem Anbau müssen soziale Aspekte eine wichtige Rolle spielen und das muss auch kontrolliert werden – gerade weil das Anlegen neuer Ölpalmplantagen z.B. in Indonesien und Kolumbien neben Umweltzerstörung nicht selten auch mit Menschenrechtsverletzungen verbunden ist und ungeachtet der Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung geschieht. In Indonesien zum Beispiel vernetzen sich verschiedene Umweltschutz- und Menschenrechtsverbände immer enger, um bzgl. der direkten und indirekten Auswirkungen Lösungen zu finden. Die derzeitigen Nachhaltigkeitsstandards für die Produktion von Palmöl müssen entsprechend verschärft werden. Wie gesagt, wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann einfach Nahrungsmittel, in denen Palmöl verwendet wird, von seinem Einkaufszettel streichen.

      08.5.2010 um 11:48 Uhr · Antworten

  • Regina

    Hier noch etwas zu anderen Firmen allerdings kein Bio,was sagt Greenpeace dazu ?

    http://www.youtube.com/watch?v=MnMccNI20LQ

    07.5.2010 um 23:30 Uhr · Antworten

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