Vorrausschickend möchte ich zwei Punkte klarstellen: Wir waren, sind und werden immer gegen den kommerziellen Walfang sein. Seit dem Bestehen des Walfangmoratoriums von 1986 wurden im wissenschaftlichen, norwegischen und isländischen Walfang über 35.000 Wale getötet.
Auch bei der diesjährigen IWC war die Agenda übervoll, die Aufregung im Vorfeld groß. Es ging um Waltötungsmethoden, die Eingeborenen-Waljagd, wissenschaftliche Fangquoten und die Einrichtung von Schutzgebieten. Kernstück der diesjährigen IWC-Verhandlungen war allerdings ein Vorschlag des Vorsitzenden, der beiden Seiten – Walfängern und Walschützern – gleichermaßen gerecht werden sollte.
Eine Gruppe aus 12 Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland hatte den Vorschlag erarbeitet. Greenpeace war von Anfang an gegen den Vorschlag in der bestehenden Form. Trotzdem es gab darin Elemente, die auch aus unserer Sicht einen großen Schritt nach vorn bedeutet hätten. Dazu gehören:
- die Einrichtung eines neuen Walschutzgebietes im Südatlantik,
- ein Schutzprogramm-Komitee,
- ein Handelsverbot von Walfleisch- und anderen Produkten,
- sowie die Annahme eines strikten Kontroll- und Sanktionsprogramms.
Im Gegenzug hätten sich die Walfänger unter die Kontrolle der IWC begeben. Das heißt, der wissenschaftliche Walfang und die Möglichkeit, die Entscheidungen der IWC formal nicht anzuerkennen, wären beendet worden.
In einer Tabelle wurden Quotenvorschläge für die drei Länder gemacht und man plante, während dieser zehn Jahre die genannten Probleme zu lösen. Woran sich der Streit letztendlich entzündete, waren die Zahlen in eben dieser Tabelle. Wir kritisierten vor allen Dingen die Tatsache, dass es Quoten im antarktischen Schutzgebiet und auf bedrohte Arten gegeben hätte und außerdem, dass die vorgeschlagenen Quoten nicht auf Null geführt werden sollten. Dies hätte den Ausstieg aus dem kommerziellen Walfang bedeutet.
Jetzt ist der Vorschlag wieder vom Tisch und wir feiern. Doch diese Feierlaune wird getrübt! Während ich dies schreibe, …
- ist die japanische Wissenschaftsflotte im Nordpazifik unterwegs, um 260 Großwale – darunter bedrohte Arten wie Sei- und Brydeswale – zu schießen;
- werden an der japanischen Küste weitere 120 Minkewale “erforscht”;
- steht die Quote in der Antarktis bereits fest und ab November wird sich die japanische Flotte wieder aufmachen, um knapp tausend Großwale zu töten;
- läuft in Norwegen die diesjährige Walfangsaison und die isländische Flotte wartet auf ein Signal zum Auslaufen.
Beide Seiten machen sich gegenseitig für das Nichtzustandekommen des Vorschlages verantwortlich. Die Walschützer werfen den Walfängern Inflexibilität vor, während die sich darüber aufregen, die Walschützer würden nicht einen Wal getötet sehen wollen. Schuldig sind letztendlich beide: die Walfangnationen, weil sie nicht akzeptieren wollen, dass der Walfang keinen Platz mehr hat im 21. Jahrhundert. Und die Walschutzstaaten, weil sie nicht das notwendige politische Gewicht in die Waage geworfen haben, um die Walfänger einzufangen.
Also beantwortet mir bitte die Frage: Gratulieren oder Grämen?
Tweet










Veith Schörgenhummer
Die ganze Diskussion wird nicht zu einem befriedigenden Ende geführt – Wale werden aus Tradition oder aus Gier getötet. Vielleicht ist es an der Zeit, das Netz radikaler gegen die Walfangnationen einzusetzen – mit Eure Orang Utan-Kampagne als Vorbild.
“SeaShepherd reibt sich die Hände” – die Aussage verstehe ich nicht. SeaShepherd kämpft für die gleiche Sache, nur mit anderen Mitteln. Warum die Häme?
25.6.2010 um 12:08 Uhr ·
Achim
In Japan gehen 2 GP Aktivisten ins für die Ziele Gefängnis ! Wie kann ich dann gratulieren. Ich kann mich nur Grämen. Für andere Organisationen mag das Ergebnis o.k. sein – aber nicht für GP und auch nicht für mich.
25.6.2010 um 18:46 Uhr ·
Michael Aundrup
In Japan sind die Lager der Fischhallen noch voll Walfleisch, da bricht die Flotte schon wieder auf,da die Öffentlichkeit in Japan immer mehr auf Walfleisch verzichtet, so das bestimmt Mengen an Walfleisch wegen der Haltbarkeit vernichtet werden müssen !!! Zwei, Japaner die Heldenarbeit geleistet haben, und jetzt ins Gefängnis müssen! Traurig, aber gegen die japanische Justiz ist man anscheinend machtlos !!! Auch finde ich , das Grönland , jetzt wieder Buckelwale töten darf, mehr als beschämend, ebenso, Norwegen , die jagen dürfen, einfach nur beschämend !!! Hingegen der Tötung von Walen , durch Torpedos mit Sprengsatz, dass die Tiere mindetens 30 min. zu Tode quälen, wurde meines Wissen nichts konkrets durchgesetzt: internationales Tierschutzgesetz (Tiertötung, Tierquälerei). Da hilft nur ein radikaler Ansatz , zum Schutz der Wale!!! Ich verstehe die Welt nicht mehr im Jahre 2010!!!!!
25.6.2010 um 20:32 Uhr ·
amitié
Wie kann Laune zum feiern oder nur getrübt sein,wo doch wohl nun feststeht,das auch Buckelwale in Grönland gejagt werden dürfen.Sorry GP,aber da habe ich kein Verständnis für und während ich das schreibe,treibt es mir die Tränen in die Augen und ich denke,Menscheit wird sich so nicht ändern,weil sie einfach immer mehr ohne “Liebe” sind.Der Eine oder Andere wird es mit Sicherheit verstehen,was ich damit meine und für die,die es nicht verstehen,ist es vielleicht ein Ansatz mal darüber nachzudenken,warum alles auf der Erde so daneben läuft.
25.6.2010 um 23:07 Uhr ·
Beate
Hallo, wie ich Thilo verstehe, grämt er sich und wundert sich darüber, dass es andere gibt, die das Ergebnis der IWC als Erfolg feiern …
26.6.2010 um 13:56 Uhr ·
basti
Ich hab einfach nur das Gefuehl, dass die Menschen ueberall kein wirklichens Bewusstsein dafuer haben, was hier passiert.
Und wenn sich der grossteil der Menschheit auch aendern wuerde, dann wuerden immer noch Schmiergelder fliessen und erstmal laeuft alles weiter wie bisher. Damit meine ich Lobbyismus, der das ganze funktionieren laesst..
Es muss leider viel zu oft erst irgendwas schlimmes passieren, bis die Menschen dafuer Verstaendnis bekommen. Und ich glaube das Thema Wale interessiert die Menschen leider viel zu wenig. Das Bewusstsein bekommen sie groesstenteils durch Faelle wie derzeit im Golf von Mexiko oder Atomkatastrophen.
lg
26.6.2010 um 15:58 Uhr ·
Michael Mittelstädt
“Gratulieren oder Grämen?”
Sehr geehrter Herr Maack,
ich denke, dass in den News von Greenpeace bereits eine Antwort auf Ihre Frage gegeben wurde:
“Einerseits ein Erfolg, denn der Vorschlag des Vorsitzenden hätte zur Rückkehr des kommerziellen Walfangs geführt. Andererseits ist die Chance verpasst, den Vorschlag zu verändern und so zu einem Sieg für die Wale zu machen.”
Meine Meinung nach ist die Nichtzustimmung zu dem inhaltlich nicht ausgereiften sogenannten Kompromissvorschlag zunächst ein Erfolg, allerdings kein dauerhafter und keiner, auf dem man sich ausruhen sollte.
Als Erfolg werte ich auch, dass sich die Parteien im Bundestag sich auf die Position geeinigt haben, Deutschland solle den Ausstieg aus jeglichem kommerziellen Walfang sowie ein umgehendes Ende des Fangs bedrohter Walarten und in Schutzgebieten fordern.
Wie Sie treffend beschrieben haben, ist jetzt unverändert die Situation, dass drei Staaten eigene Quoten festlegen und die Waljagd legal betreiben können. Die sogenannte “wissenschaftliche” Waljagd Japans ist in ihrem Umfang ein offensichtlicher Missbrauch der Ausnahmeregelung, aber formal leider zulässig. Die Buckelwalquote für Grönland ist auch nicht gerade als Erfolg für den Walschutz zu werten.
Mit Ausnahme von Aktivitäten ganz weniger NGOs verhindert somit b.a.w. nichts direkt das Schlachten der Wale durch Waljäger der drei Nationen. Indirekt begrenzen die relativ geringe Akzeptanz von Walfleisch auf den eigenen Märkten, die erreichbaren Marktpreise, das CITES-Handelsverbot und sowie die hohen Kosten den Umfang der Waljagd. Ob Australien mit seiner Klage vor dem Internationalen Gerichtshof etwas erreicht, bleibt abzuwarten.
Die IWC ist unverändert eine in sich gelähmte Walfangorganisation, die die innere Reform zur Walschutzorganisation nicht geschafft hat. Im Prinzip hat die IWC wie auch CITES das gleiche Grundproblem: Es sind in der internationalen Staatengemeinschaft in den einschägigen internationalen Gremien keine Mehrheiten für weitreichenden Artenschutz von Meerestieren findbar. Der Artikel “Die ewige Blockade” bei spektrumdirekt beschreibt die Situation recht gut: http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1037466
Die Gründe sind vielfältig.
Insofern stimme ich Ihnen zu, dass in dem sogenannten Kompromissvorschlag gute Elemente gab, die weiter verfolgt werden sollten.
“Schuldig sind letztendlich beide: die Walfangnationen, weil sie nicht akzeptieren wollen, dass der Walfang keinen Platz mehr hat im 21. Jahrhundert. Und die Walschutzstaaten, weil sie nicht das notwendige politische Gewicht in die Waage geworfen haben, um die Walfänger einzufangen.”
Die Auffassung, dass Waljagd per se keinen Platz im 21. Jahrhundert hat, findet nicht automatisch und unwidersprochen weltweit Zustimmung, nicht einmal innerhalb Europas. Da muss noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Im Kern geht es m.E. nüchtern betrachtet um Artenschutz bedrohter Tierarten. Da kann und muss man mit wissenschaftlichen Zahlen argumentieren wie Bestandszahlen, Reproduktionsraten, Bedrohungen der Bestände etc.. Dazu gibt es noch viel wissenschaftliche Arbeit zu leisten. Bzgl. Artenschutz von Walen haben wir Europäer gegenüber Japan und anderen nichteuropäischen Staaten m.E. allerdings ein gravierendes Glaubwürdigkeitsproblem in der Argumentation, solange wir das Waljagdproblem nicht einmal innerhalb Europas in den Griff bekommen und europäische Boote und Schiffe sich weltweit massiv an der Überfischung vieler Arten z.B. in der Tiefsee und dem artenbedrohenden Killen vieler Haiarten beteiligen.
Viele Walschützer glauben bzw. hoffen, dass man mit genügend Druck in der Öffentlichkeit Japan, Norwegen und Island zur Aufgabe der Waljagd zwingen kann. Ich wäre über einen Totalausstieg der drei genannten Länder aus der Waljagd auch sehr froh, habe aber Zweifel an der Durchsetzbarkeit durch äußeren Druck. Bei Island vielleicht, das Land will schließlich in die EU. Bei Norwegen und Japan glaube ich nicht, dass dort in den nächsten Jahren eine Zustimmung zu einem Komplettverzicht der Waljagd und des Handels mit Walprodukten durchsetzbar ist, sondern nur maximal eine Quote, eine Beschränkung der gejagten Arten und eine enge Überwachung der Quote sowie des internationalen Handels mit Walprodukten.
26.6.2010 um 17:48 Uhr ·
amitié
Ich denke,im Moment sollte man sich mehr Gedanken zu dem Öl im Meer machen,da der Schaden viel grösser ist,wie zuvor angenommen.Es ist nur eine Frage der Zeit,wie weit es sich immer mehr ausbreitet.Mit Chemie dagegen ankämpfen,ist glaube ich auch nicht ideal,da man nicht weiß,welche Auswirkungen der Einsatz hat.Langsam frage ich mich wirklich,wann Menscheit aufwacht,was bringt im Moment ein Papier mit Quoten,wenn die Meere mit Öl verseucht werden und “keiner” so richtig die Ausmasse kennt,bzw. alles vertuschht wird,bis es womöglich zu spät ist.Was passiert mit dem “Loch” im Meer,wenn alles Öl ausgelaufen ist? Usw.Fragen über Fragen!
Ich finde es ziemlich erschreckend und ich kenne Berichte und Bilder,wo vieles beschrieben ist,aber nicht umbedingt für jederman zu lesen und zu sehen ist,deshalb werde ich hier aus verschiedenen Gründen keinen Link posten.
27.6.2010 um 23:40 Uhr ·
Antje
Hallo,
Ich glaube
Es gibt einfach zu wenig Leute auf der Welt, die helfen gegen soetwas wie Walfang zu kämpfen.
Ich habe manchmal das Gefühl die Leute haben gar kein Gewissen mehr.
Wer wirklich etwas tun will, der KANN auch!
Ich sage: ,,Walfang sollte aufhören!”
Dann kommt entweder ein halbherziges “Ja, stimmt!” als Antwort und gleich wird es wieder vergessen, oder es wird gesagt “Wieso denn?”
Die Menschen wollen von Natur aus die Wahrheit nicht sehen.
Wie es auch Al Gore gesagt hat: Alles unbequeme Wahrheiten.
Es gibt keine Argumente gegen Walfang, außer, dass die Wale aussterben. “Na und?” Kommt zur Antwort, “was stört uns das?”.
Sicher hat alles irgendwann auch Nachteile für den Menschen, was in der Natur passiert, aber die Erde stört es selbst nicht, wenn Wale, oder am Ende sogar der Mensch ausstirbt.
Es stört alleine uns.
Nicht die Älteren, die Jüngeren und deren Kinder.
Aber ich habe das Gefühl gerade die kümmern sich am wenigsten um die Umwelt.
Du merkst es vielleicht nicht sofort, wenn irgendwo ein Wal dahingeschlachtet wird, aber die Sache an sich ist ein Verbrechen! Und genauso ist es ein Verbrechen wegzuschauen!
29.6.2010 um 15:25 Uhr ·
Thomas Buiter
Moin Antje
naja am Ende sind die Fleischesser schuld am Untergang des Planeten.
Liebe Grüsse
Thomas
29.6.2010 um 16:20 Uhr ·
Ingo Wendt
Die Menschen töten, bis nichts mehr übrig bleibt. “Erst wenn der letzte Fluss vergiftet …” … Ihr wisst schon. Es ist raurig, aber scheint wahr.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich langsam an ein Aufwachen und Nachdenken der Menschen nicht mehr glaube. Wir brauchen uns nur die G20 ansehen … oder Frau Merkel, die nichts anderes macht, als Sprüche zu klopfen und nichts zu unternehmen. Es gibt Lösungen, was wir ändern müssen, damit wir auf unserem Planeten bleiben können, doch wir machen weiter wie bisher.
Weil es immer nur um noch mehr Geld geht. Die Vernunft setzt dabei aus.
Und so versucht man in Brandenburg CO2 zu lagern, obwohl keiner vorhersagen kann, wann wo die Erde aufbrechen könnte … und Grönland (das ja durch Dänemark auch zur EU gehört) darf die größte Sänger der Meere, die Buckelwale, jagen ….
29.6.2010 um 18:46 Uhr ·