Raus aus der Tiefsee

01. Juli 2010 · von Christoph von Lieven
Aktivistin vor ESSO-Zentrale in Hamburg © Hannah Schuh/Greenpeace

Aktivistin vor ESSO-Zentrale in Hamburg

Shell plant trotz der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, weiter die Tiefsee auszubeuten! Greenpeace-Aktivisten protestieren deshalb heute vor den Zentralen von BP, Shell und Esso.

Ich stehe gemeinsam mit etwa 20 weiteren Greenpeace-Aktivisten vor der Deutschland-Zentrale von Shell in Hamburg. Heute Morgen ging es bereits in aller Frühe los: Ölverschmierte Fässer wurden aufgebaut und zwischen zwei Bohrturm-Attrappen ein Transparent aufgehängt: Deepwater Horizon auch bei Esso und Shell möglich – Raus aus der Tiefsee!

Greenpeace-Protest vor Shell in Hamburg © Doerte Hagenguth/Greenpeace

Greenpeace-Protest vor Shell in Hamburg

Meine Kollegen haben sich vor den Zentralen von BP in Bochum und von Esso in Hamburg postiert. Per Telefon habe ich gerade erfahren, dass die Greenpeace-Aktivisten vor dem ESSO-Gebäude in Hamburg bereits einige hundert Flyer verteilt haben – die Leute waren erwartungsgemäß sehr interessiert! Ähnliches meldet mein Kollege aus Bochum. Vor der Zentrale von BP Deutschland gäbe es leider wenig Passanten. Wer allerdings vorbeikommt, sei begeistert, manche applaudieren laut! Von Seiten Shells und ESSOs hat sich noch nichts gerührt.

Die Aktivisten vor BP haben, wie ich gerade gehört habe, mittlerweile mit der Presseabteilung sprechen können. Die Dame von BP und der Herr von Aral haben gekonnt ihren Charme spielen lassen (“Was können wir denn für Sie tun?”), um die Situation zu meistern. Kein Wunder, alles andere würde das bereits angeschlagene Konzernimage noch mehr schädigen. Nach einigem verbalen Hin und Her haben meine Kollegen nochmal den offenen Brief an den BP-Vorstandvorsitzenden ausgehändigt und warten nun auf ein Gespräch.

Wo Aral drauf steht, ist BP drin! © Ulrich Baatz/Greenpeace

Wo Aral drauf steht, ist BP drin!

Erst kürzlich ist das Moratorium von US-Präsident Obama aufgehoben worden. Am 30. Juni haben wir deshalb in einem offenen Brief  an die Branchengrößen diese aufgefordert, aus dem Tiefseegeschäft auszusteigen. Mit unserer Aktion direkt vor den Zentralen der Ölmultis weisen wir noch einmal darauf hin, dass ähnliche Katastrophen wie die havarierte Plattform Deepwater Horizon jederzeit und überall passieren können.

Wie zynisch kann man sein, angesichts des Unglücks weitere Tiefseebohrungen zu planen? Der vermeidbare Vorfall hat elf Menschenleben gekostet und weitet sich zu einer ungeheuerlichen ökologischen Katastrophe aus. Shell beabsichtigt trotzdem, das Tiefseegeschäft auszubauen, BP Deutschland und Esso haben sich vorsichtshalber bislang nicht dazu geäußert. Tiefseeförderung ist im Falle eines Unfalls nicht mehr kontrollierbar – das zeigt auch der Blick in die Vergangenheit! Tod und Zerstörung werden von den Ölkonzernen wissentlich in Kauf genommen!

Hier geht’s zur Ölseite von Greenpeace

Update 2. Juli 2010:
Martin Hausding von der Greenpeace-Gruppe Berlin war vor Ort und sprach mit Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern über die Aktion, was in Hamburg genau passierte und wie der aktuelle Stand rund um die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist. Hier geht’s zum Podcast

Kommentare

  • Karpfenpeter

    Sehr schön, weitermachen!
    Ich frage mich ja die ganze Zeit schon, welche Auswirkungen diese Ölkatastrophe auf die Nahrungskette haben wird. Der Fische, die das Ölwasser ja durch ihre Kiemen filtern, nehmen das Zeug ja auf und irgendwann essen wir diesen Fisch. Kollege meinte letztens noch, selbst wenn wir den Fisch nicht direkt essen, kommt er auf zahlreichen Umwegen in unsere Nahrungskette, weil Fisch ja auch als Tierfutter verwendet wird und und und.

    Kann man dazu, wie der kontaminierte Fisch in unsere Nahrungskette reinkommt, irgendwo etwas nachlesen?
    Könnt mir Links gerne auch per Twitter senden: http://www.twitter.com/karpfenpeter

    Danke und Gruss, Peter

    01.7.2010 um 15:31 Uhr · Antworten

  • Energiesparfuchs

    Zu fürchten haben die Ölfirmen derzeit nichts. Das Spiel wird weitergehen, solange das Erdöl die beherrschende Rolle im globalen Energiemarkt, gekoppelt an den Dollar spielt. Proteste, offene Briefe und Petitionen führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Die Branche kann nur erschüttert werden, wenn eine Energiealternative so mächtig ist, dass sie die etablierten Energieträger von sich aus ökonomisch verdrängen kann ( http://www.bio-wasserstoff.de). Dann werden auch keine neuen Atomkraftwerke in Schweden und Finnland gebaut. Tja und Klimaschutz gibt es gratis dazu.

    01.7.2010 um 18:53 Uhr · Antworten

  • Sealhunter

    Is ja typisch, dass Greenpeace wieder rumheult.
    Wir brauchen das Öl halt, und manchmal zahlt man halt den Preis dafür.
    In diesem Fall halt ne Ölpest. Schade isses sicher, aber letztendlich is nich BP daran Schuld, sondern US Behörden, die sich haben bestechen lassen, aber davon redet niemand.
    Jedenfalls find ich, dass man den Ölkonzern nich mit solch plumpen Demos in den Rücken fallen sollte. Schließlich versorgen sie uns mit Öl. Und dafür sind halt Tiefseebohrungen nötig, auch wenn Tod und Zerstörung sichlich stets die präsente Gefahr sind. Wieso das Öl da unten lassen?
    Dieser ganze Ökowahn geht mir persöhnlich und den meisten andern Menschen in Deutschland tierisch auf die Nerven. Ich will kein scheiß Elektroauto oder PV Anlagen aufm Dach. Dass es niemanden juckt sieht man an der Beteiligung bei dieser Demo.
    Also gebt einfach auf, die Ölkonzerne, dem Himmel sei dank, sind eh zu mächtig.
    Lg

    21.7.2010 um 17:51 Uhr · Antworten

    • ladida

      Ja wir brauchen das Öl, aber das ist kein Grund die Sicherheitsbestimmungen zu vernachlässigen. Es geht beides, nach Öl bohren und die Umwelt sauber halten. Aber das würde ja die Gewinnspanne ein wenig senken. Und dafür leben die Leute ja in der heutigen Zeit schließlich.
      Arme Welt. Wenn die Massen nur wüssten das das Geld eh nicht gedeckt ist und der Wert nur von der gerade im Umlauf befindlichen Menge abhängig ist, so wie den glauben daran.

      21.7.2010 um 18:05 Uhr · Antworten

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