Oily People bei Oettinger

15. Juli 2010 · von Michelle Bayona

Es ist schwarz-braun, es ist klumpig, es stinkt – und trotzdem kein Vergleich zu dem, was im Golf von Mexiko tagtäglich Meer, Vögel, Pflanzen und Fische verseucht. „Ist das echt?“ war sicher eine der häufigsten Fragen der Passanten vor dem Berlaymont, dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel. Dort forderten Mittwoch rund siebzehn Greenpeace-Aktivisten aus Belgien, Frankreich und Deutschland öltriefend:

Stopp Tiefseebohrungen

Der Anlass: EU-Energiekommissar Günther Oettinger und sein Kollege für Umwelt Janez Potocnik hatten am gleichen Tag die europaweit aktiven Ölfirmen zu einem ernsten Gespräch geladen. Antreten mussten unter anderem BP, Shell, ExxonMobil, Statoil und Chevron, um Aufschluss über den Stand ihrer Sicherheitsstandards zu geben. Angesichts des maroden Katastrophenmanagements von BP fürchtet man bei der Kommission zu Recht ähnliche Ölunglücke für Europa. Energiekommissar Oettinger hatte sich in den vergangenen Tagen weit aus dem Fenster gelehnt und medienwirksam ein Moratorium auf Ölbohrungen in der Nordsee gefordert. Für uns trotzdem nicht weit genug: Greenpeace fordert, dass Ölbohrungen in Tiefen von 200 Metern und mehr verboten werden.

Damit die EU-Kommissare unter den zahlreichen Öl- und Verkehrslobbyisten das Ausmaß der Tragödie nicht aus dem Blick verlieren, waren wir mit deutschen, belgischen und französischen Greenpeace-Aktivisten vor Ort. Die „oily people“ erregten große Aufmerksamkeit – viele applaudierten, quasi jeder nahm sich Infomaterial zu unserer Kampagne gegen Tiefseebohrungen mit. So lustig die Öltaufe sich auch anfangs gestaltete – das Thema ist ernst genug.  Für die nötige Dramatik sorgten kurz nach Start der Aktion allerdings Gewitterwolken und heftige Sturmböen, die unserer Aktion ein jähes Ende bereiteten.

Immerhin, die EU mischt sich ein und nutzt ihre Einflussmöglichkeiten auf die Mitgliedsstaaten. Die dürfen bisher ihre Ölbohr-Lizenzen unabhängig vergeben und kontrollieren. Oettingers Vorschlag: Bis die technischen Ursachen der Katastrophe im Golf analysiert sind, sollen vorerst keine neuen Bohrtürme und Plattformen zugelassen werden. Konkrete Gesetzesvorschläge der EU-Kommission werden für frühestens Herbst erwartet. Höchste Eisenbahn, wenn man sich anschaut, wie die Ölindustrie ohne Netz und doppelten Boden munter weiter agiert. Irland gibt ein riesiges Seegebiet für Ölbohrungen frei und seit einigen Tagen betreibt der schottische Ölkonzern Cairn Energy Explorations-Bohrungen vor der westgrönländischen Küste

Die Aussage der Internationalen Vereinigung der Öl- und Gasproduzenten nach dem Gespräch bei Oettinger gibt wenig Anlass zur Hoffnung: “Unsere Empfehlung lautet, das Antragsverfahren [für die Genehmigungen von Ölbohrungen] wie in der Vergangenheit fortzusetzen”, sagte der OGP-Vorsitzende  Michael Engell-Jensen. „Eigentlich müsste man den Ölfirmen das Zeug aus dem Golf unter die Nase packen!“ -  dieser Vorschlag aus der Aktivistenrunde vor dem Gebäude kommt vielleicht gar nicht zu unrecht.

Und BP?

Beim BP-Konzern wollte man Mittwoch Nacht eine neue Auffangkappe testen, die Montags bereits in anderthalb Kilometer Tiefe installiert wurde. Diese Tests sind nun erst einmal aufgeschoben – ein neues Leck ist der Grund.  Also heißt es weiter: Druck aufbauen. Und nicht vergessen: bei der Greenpeace-Unterschriftensammlung für ein Ende der Tiefseebohrungen mitmachen.

Kommentare

  • Energiesparfuchs

    Fragt sich, wer hier vor wem antritt. Die ökonomische Macht der Ölfirmen ist so gewaltig, dass es bei gesundem Menschenverstand schwerfällt an die Macht irgendwelcher Politiker zu glauben.

    15.7.2010 um 21:34 Uhr · Antworten

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