Vogelwelt vom Öl bedroht

22. Juli 2010 · von Michelle Bayona

Unsere Kollegen bei Greenpeace USA sind seit Beginn der Ölkatastrophe im Golf, um die Auswirkungen zu dokumentieren. Gar nicht so einfach, denn BP sorgt dafür, dass Greenpeace und die Medien sich kein allzu genaues Bild von der Unfallstelle im Golf machen können.

Greenpeace-Expertin Jessica Miller berichtet im Video:

Auch Joao Talocchi von Greenpeace USA befürchtet massive Folgen für die Vogelwelt. Er hat erst vor einigen Tagen ein sogenanntes „Bird Rehabiliatation Center“ in Louisiana besucht und berichtet:

Wir sahen Dutzende Vogelarten, die mit Reinigungsmitteln, Wasser und Zahnbürsten vom Öl gesäubert und markiert wurden. Sie werden beobachtet und dann in die Freiheit entlassen. Bis jetzt hat das Rehabilitationszentrum mehr als 500 Vögel behandelt – eigentlich sehr wenig, wenn man bedenkt, dass mehr als 885 Kilometer Küste von der Deepwater Horizon-Katastrophe betroffen sind.

Über den Sommer werden hunderttausende Zugvögel die Sumpfgebiete und Gewässer in der Golfregion für einen Zwischenstopp nutzen. Sie sind auf dem Weg in andere Regionen des Golfs oder nach Südamerika. Viele Sing- und Wasservogelarten werden in den betroffenen Gebieten dem giftigen Öl hilflos ausgeliefert sein. Joao Talocchi warnt vor einer Kettenreaktion: Vogelarten, die im Amazonas wichtige Verteiler von  Baumsamen sind, können mit ihrer Zwischenlandung im Golf das Gift aufnehmen und die Folgen der Ölpest in die Wälder des Amazonas tragen.

Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass die empfindlichen Ökosysteme eng miteinander verbunden sind.

Auch wenn BP jüngst gemeldet hat, das Loch sei dicht, können wir nicht voraussehen, wie lange die Natur braucht, um sich zu erholen. Die Zugvögel sind nur eins von vielen Beispielen für die Langzeitfolgen der von BP verursachten Ölpest. Die Millionen Liter Öl, die bereits ausgetreten sind, werden der Golfregion in den nächsten Jahren noch schwer zu schaffen machen.

Um solche Katastrophen zukünftig zu verhindern, brauchen wir so schnell wie möglich einen dauerhaften Stopp der Tiefseebohrungen.

Kommentare

  • melanie

    auch ihr habt familien den es gesund und munter gehen soll!!
    STOP!!

    23.7.2010 um 07:55 Uhr · Antworten

  • Energiesparfuchs

    Mit Biowasserstoff würde so etwas überhaupt nicht mehr passieren. Deshalb ist es auch für mich unverständlich, warum Greenpeace die Halbierung des Treibstoffverbrauchs bei PKW (Smile-Konzept) als wichtigen ersten Schritt fordert. Schließlich sehen die Fördergebiete für Erdöl an Land auch z.T. nicht schöner aus, wie der Fall Nigeria beweist. Für die Herstellung von Kunststoffen sind heute Erdöl und Erdgas unerlässlich (auch für den Smile). Auf einen Teil der Kunststoffe wird man verzichten können, auf einen anderen nicht. Der nichtenergetische Verbrauch von fossilen Energieträgern wird bei Zukunftsszenarien zur Energiegewinnung komplett ausgeblendet. Das ist unverständlich. 100 % Ökoenergie bedeuten noch lange nicht 0 % Ölförderung und -transport auf der Welt. Die einzige ökologische Option ist Synthesegas aus Biomasse als neue Rohstoffgrundlage in einer echten Wasserstoffwirtschaft.

    Es gibt da einige Widersprüche in der eigenen Kommunikation, mit denen Greenpeace offenbar erst einmal fertig werden muss. Erdölförderung und Schutz der Natur, das schließt sich per se gegenseitig aus.

    23.7.2010 um 20:51 Uhr · Antworten

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