Auf den ersten Blick gibt es heute nichts interessantes zu berichten. Doch ich habe das sehr subjektive Gefühl, dass sich etwas verändert. Wir fangen an uns richtig kennenzulernen. Die Bindung zwischen mir und den drei Schiffsleuten verstärkt sich von Tag zu Tag. Das ist ein sehr schönes Gefühl. An Bord geht es schon fast familiär zu. Man achtet aufeinander und obwohl es hier recht beengt ist, habe ich selten das Gefühl einmal allein sein zu müssen. Denn wir gehen sehr respektvoll miteinander um. Ist jemand in seiner Kajüte und die Tür ist zu, kommt auch niemand rein. Naja, Marko hat die Angewohnheit sich morgens laut über faule Langschläfer aufzuregen – und das vor meiner Tür. Da muss ich dann irgendwann aufstehen.
Das Verhältnis zu den Neuen entwickelt sich in eine ähnlich Richtung, wenn auch nicht ganz so schnell. Wir fangen gerade an, die Menschen hinter dem ersten Eindruck kennenzulernen. Jeder hat Stärken und Schwächen. Das Ziel dieser Gruppe ist, beides zu akzeptieren und damit zurechtzu kommen. Ob wir das auch schaffen, kann ich im Moment noch nicht sagen. Aber ich finde es läuft sehr gut, obwohl wir alle sehr unterschiedlich sind (Alter, Herkunft, Lebenserfahrung usw.) Wir haben viel Spaß zusammen. Am Tisch müssen wir oft so viel lachen, dass wir gar nicht zum Essen kommen.
Im Moment sitze ich gerade in der Brücke und schau den Männern bei der Arbeit zu. Natürlich haben sie dabei meine volle Unterstützung. Ich koche Kaffee und verteile Haferkekse. Wir sind auf dem Weg nach Sylt, die nächste Station unserer Tour. Es ist schon fast Mitternacht und wir haben gerade die Segel gehisst. Die Stimmung ist entspannt: Uwe studiert mit einer Tasse Kaffee in der Hand die Seekarten und Sepp und Marko machen draußen irgendeine Arbeit, die ich wahrscheinlich nicht verstehen würde – auch wenn sie sie mir erklären würden. Ab und zu kommen sie sich ein paar Haferkekse holen.
Ich verspreche, morgen noch spannenderes zu berichten.
Eure Mona
Ramona Reichart arbeitet in Augsburg ehrenamtlich für Greenpeace. Zurzeit unterstützt sie die Besatzung der Beluga II auf ihrer Nordseetour. Beim Open Ship informiert die Crew über Umweltprobleme, wie Tiefseebohrungen und Überfischung. Darüber berichtet Mona hier im Greenpeace Blog.
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Kurt-Dieter Jünger
Ich finde, Deine persönliche Schilderung hinsichtlich Interaktion, Verständnis und Akzeptanz in Gruppenprozessen und auf engstem Raum sehr spannend.
Unsere frühere auss.männliche Crew auf der Jenny von Westphalen hatte bei kleineren Trips manchmal arge Akzeptanzprobleme.
Also weiterhin toi, toi, toi und Schiff ahoi.
Gruß
Dieter aus Oberhausen
26.7.2010 um 18:18 Uhr ·