Mit Hilfe von Wind und Tide werden wir heute am späten Mittag in See stechen: nach Westen. Nachdem die Nordseetour der Beluga II bisher in Nordfriesland Open Ship veranstaltet hat, bereisen wir in den beiden nächsten Wochen Ostfriesland. Die Beluga II segelt heute über die offene Nordsee. Achim, Andreas, Thorsten und Stefan müssen kräftig mit anpacken, um die Segel zu setzen. Piek und Klau holen sind beim Besansegel noch echte Handarbeit und die harten Fallen sind nichts für zarte Pianistenhände.
Als die Segel gesetzt sind, wird der Motor abgeschaltet. Dann herrscht himmlische Ruhe! Vorher ist man einfach auf einem Schiff gefahren, jetzt ist es das Gefühl von echter Seefahrt. Großartig, dass das Wetter mitspielt und wir mit knapp sechs Seemeilen pro Stunde vorwärts kommen.
Jetzt ist die Beluga II (fast) CO2-neutral unterwegs und ohne das Tuckern des Motors kommt man der Entschleunigung der Zeit sehr nahe. Bis auf die, die mit dem leichten Wellengang Probleme haben, sind alle sehr entspannt – Kapitän Uwe eingeschlossen. Kann er ja auch sein, bei DER Crew! Marko hat den Landratten das höchste Lob eines Bootsmanns ausgesprochen: Nicht gemeckert ist genug gelobt. Das kenne ich sonst nur von schwäbischen Patriarchen.
Die Dämmerung birgt wundervolle Eindrücke: Helgoland liegt im abendlichen Dunst und der Schiffsverkehr fährt auf den Hauptrouten Richtung Elbe und Weser. Wir queren diese Schiffahrtsstraßen sehr vorsichtig. Am großen Verkehr lassen sich die Dimensionen des Güterverkehrs erahnen, der auf den Weltmeeren unterwegs ist. Auch hier lauern gewaltige ökologische Probleme. CO2-Ausstoß, Ölverklappung und natürlich die schier unfassbaren Mengen Müll, die Tag für Tag einfach über Bord gehen. Inzwischen soll das Meer die größte Müllkippe sein. Das schreibt Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace, in seinem Blogbeitrag.
Am nächsten Morgen erreichen wir Borkum. Dort liegen wir im Yachthafen und sind deswegen ziemlich weit ab vom Schuss. Entsprechend haben wir zunächst relativ wenig Gäste an Bord. Dafür sind die einzelnen Gespräche umso intensiver. Es geht an die Substanz und die Frage nach den Gründen, sich für Greenpeace zu engagieren, werden tiefgehend diskutiert. Davon aber im nächsten Blog mehr.
Euer Stefan
Stefan Bluemer arbeitet in Mülheim ehrenamtlich für Greenpeace. Zurzeit unterstützt er die Besatzung der Beluga II auf ihrer Nordseetour. Beim Open Ship informiert die Crew über Umweltprobleme, wie Tiefseebohrungen und Überfischung. Darüber berichtet Stefan hier im Greenpeace Blog.
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