Wenn Fischer mal mit “denen da” reden

29. Juli 2010 · von Gastautor/in
beluga borkum - © Stefan Bluemer/ Greenpeace

Die Beluga II im Yachthafen von Borkum, etwas ab vom Schuss

Wie schon im letzten Blogbeitrag erwähnt, veranstalteten wir unser Open Ship in Borkum etwas abseits im Yachthafen. Deshalb hatten wir keinen Massenandrang. Aber die Besucher, die kamen, waren sehr offen für eingehende Gespräche und ließen ihrer Neugier freien Lauf. Auffällig war, wie betroffen unsere Gäste waren, sobald sie Informationen zu Umweltproblemen bekamen, die ihnen bis dahin nicht bewusst waren. Der kleine Fischführer hat mir dabei sehr geholfen. Hoffentlich nutzen ihn bald noch mehr Leute! Die meisten Verbraucher sind bereit, ihr Konsumverhalten zu ändern. Weil sie aber von der Industrie falsch oder gar nicht informiert werden, können sie kaum erkennen, welchen Fisch sie bedenkenlos kaufen können.

morgenstimmung - © Stefan Bluemer/ Greenpeace

Morgenstimmung auf See vor Juist

Am Abend lagen drei Krabbenkutter neben uns. Als freundlicher Hafennachbar und neugieriger Mensch bin ich zu den Fischern gegangen, um einen netten Plausch zu halten. Sie empfingen mich aber sehr ablehnend. Bis auf einen jüngeren Burschen wendeten sich alle mit den Worten ab, wenn ich von „denen da“ (gemeint war Greenpeace) käme, wollten sie nicht reden. Der Grund: Greenpeace hatte im Naturschutzgebiet vor Sylt große Steine im Meer versenkt, um das Gebiet endlich vor Fischern zu schützen.

Der jüngere Fischer war immerhin auch der Ansicht, dass es wichtig sei, Schutzzonen für Meerestiere einzurichten. Denn nur so sei auch für sein Gewerbe das Überleben gesichert. Die versenkten Steine hätte nur eben nicht genau dort sein müssen. Die Fischer würden ja ohnehin nicht überall ihre Netze auswerfen. Naja, ob wirklich alle Fischer so nachhaltig denken? Dass in der Emsmündung kaum noch Plattfische gefangen werden, schob der Fischer alleine auf die Ausbaggerung. Damit die Ozeanriesen, die in Papenburg gebaut werden, aufs offene Meer fahren können, wird die Ems regelmäßig vertieft.

Norderney - © Stefan Bluemer/ Greenpeace

Großer Andrang in Norderney

Die intensiven Gespräche auf Borkum gingen auch der Frage auf den Grund, ob man durch ehrenamtliche Arbeit bei Greenpeace mehr für seine Ideale erreichen kann, als in der Politik. Dazu konnte ich nur sagen, dass bei Greenpeace die Arbeit direkt vor Ort sichtbar ist und man mitunter auch sofort etwas erreicht. Ob man in einer Partei auch sofort selbständig und effektiv Dinge verändern kann, wage ich zu bezweifeln.

Inzwischen sind wir von Borkum nach Norderney gesegelt. Weil hier die lokale Presse unser Kommen angekündigt hat, ist am Boot sehr viel los. Mona war – wie immer – sehr seekrank, wirft sich jetzt aber schon wieder ins Getümmel, um für die gute Sache zu werben. Ich muss auch auf Deck. Daher für jetzt:

Moin moin aus Norderney!

Euer Stefan

Stefan Bluemer arbeitet in Mülheim ehrenamtlich für Greenpeace. Zurzeit unterstützt er die Besatzung der Beluga II auf ihrer Nordseetour. Beim Open Ship informiert die Crew über Umweltprobleme, wie Tiefseebohrungen und Überfischung. Darüber berichtet Stefan hier im Greenpeace Blog.

Kommentare

  • Funghi

    Hallo Stefan,
    auch in Parteien kann man in Ortsvereinen selbstständig und durch eigenes Engagement etwas erreichen. Unsere Demokratie braucht Menschen, die sich in Parteien engagieren, denn sonst wird Politik immer mehr als etwas wahrgenommen, was “die da oben” machen.
    Ich finde eure Arbeit gut, aber die Basisarbeit in Parteien ist auch wichtig!
    Ich glaube nicht, daß Du bei Greenpeace als Ehrenamtlicher im Ortsverein mehr Freiraum hast als in einer Partei.
    Schnell “sichtbar” sind nur Eure Aktionen – für wirkliche Erfolge muß Greenpeace aber auch immer einen langen Atem haben.
    Ob jemand seine Ziele erreicht, das liegt am Menschen selber und nicht am Verein, in dem er sich bewegt – ob NGO oder Partei.
    Ich würde mich da über etwas mehr Offenheit freuen.
    Politik ist nicht immer “böse”;-)

    Gruß,
    Funghi

    29.7.2010 um 21:21 Uhr · Antworten

  • Stefan

    Es hat auch niemand behauptet, Politik oder Parteien seien böse!
    Ich fürchte eben nur, dass man in Parteien an vielen eingefahrenen Strukturen abstumpft, ehe man “wirklich” etwas bewegen kann.
    Nix für ungut, ich bin auch der Ansicht, dass sich möglichst viele engagieren sollten – auch in Parteien.

    30.7.2010 um 16:21 Uhr · Antworten

    • Funghi

      Hallo Stefan,
      ich hatte “böse” ja auch extra in Anführungsstriche gesetzt. Hatte da so eine gewisse Verachtung deinereits gegenüber der Politik rausgehört.
      Sorry, wenn ich da falsch lag.
      und das soll bei Greenpeace wirklich anders sein?
      Gibt es da keine eingefahrenen Strukturen?
      Abgestumpftheit und Betriebsblindheit?
      Was kann man denn im Ortsverein bei Greenpeace “wirklich” bewegen?
      Würd mich mal interessieren, vielleicht hast du ja Beispiele.
      Greenpeace ist doch genauso hirarchisch organisiert wie eine Partei.
      Würde mich schon sehr wundern, wenn man da als “einfacher Ehrenämtler” mehr Spielraum hat.
      Ebenfalls nix für ungut;-) Ich find ja gut, was ihr macht.
      Gruß,
      Funghi

      30.7.2010 um 19:14 Uhr · Antworten

  • Stefan

    Guten Abend!
    Ich bin heute von der BELUGA II abgestiegen und nach dieser Woche völlig “platt”.
    Werde morgen eine richtige Antwort schreiben.
    Schönen Restsonntag noch
    Stefan

    01.8.2010 um 22:02 Uhr · Antworten

  • Stefan

    Hallo Funghi,
    sicher gibt es auch bei GP eingefahrene Strukturen.
    Aber das beste Beispiel, dass man als absoluter “Frischling” bei GP etwas anschieben kann, bin ich selber.
    Ich bin erst seit Mai 2010 dabei, also erst seit der Gründung der Gruppe in Mülheim.
    Bisher habe ich die Arbeit vor Ort so erlebt, dass wir sehr frei in dem sind, was wir tun. Wenn wir an den Themen arbeiten, die gerade bei GP auf der Agenda stehen, bekommt man richtig gute Unterstützung: Informationen, Material und Kontakte.
    Und wenn ich noch so neu bei GP bin und dann schon an Bord der BELUGA II gehen darf, um die Nordsee-Tour mitzumachen, finde ich das auch einfach nur bemerkenswert und motivierend. Vergleichbares bei einer Partei zu erleben, halte ich für ziemlich ausgeschlossen, ehe man sich seine Sporen durch Plakatekleben verdient und somit höchste Kompetenz bewiesen hat ;-)

    Ob GP ansonsten betriebsblind ist, kann ich noch nicht so richtig sagen. Da aber der Durchsatz und Austausch zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen ziemlich groß ist, glaube ich schon, dass in der Hamburger Zentrale immer wieder Prozesse angestoßen werden, die eine Betriebsblindheit zumindest verlangsamen, vielleicht ja sogar auch weitgehend verhindern.

    Meine ersten Monate bei GP waren jedenfalls ziemlich motivierend, sehr engagiert weiter zu machen und ich kann nur jedem raten, einfach mal bei einer der vielen Ortsgruppe vorbei zu schauen, um sich selber ein Bild zu machen und für die gute Sache einzusetzen.

    In diesem Sinne:
    grünfriedliche Grüße vom
    Stefan

    02.8.2010 um 13:30 Uhr · Antworten

    • Fughi

      Na also bei soviel Motovation kann das ja nur gutgehen.
      Weiterhin viel Spaß und Erfolg für Euch in Mülheim!
      Schiffe hat die Politik natürlich eher weniger zu bieten,
      aber ein bissl mehr als Plakate kleben ist gelegentlich schon drin;-)

      Gruß,
      Funghi

      02.8.2010 um 20:29 Uhr · Antworten

      • Fughi

        PS: ich glaube das Wort heisst “Motivation”;-)

        02.8.2010 um 20:30 Uhr

  • Stefan

    …und was z.B. hat eine Partei zu bieten, damit jemand, der ganz neu dabei ist, schnell zumindest das Gefühl bekommt, wirklich was bewegen zu können?
    Ob Motovoton oder Mitivition ist doch egal. Hauptsache es dreht sich was ;-)

    02.8.2010 um 21:55 Uhr · Antworten

    • Fughi

      Naja, also wiegesagt – Schiffe halt nicht.
      Stellt sich andererseits die Frage, inwiefern man man etwas bewegt, wenn man mit einem Schiff mitfährt. Versteh mich nicht falsch, ich will das nicht madig machen, und auch nicht NGOs gegen Parteien ausspielen – wär ja blöd!
      Aber letzten Endes gehts doch um die Inhalte.
      Und es ging ja um die Frage “wo kann ich als Neueinsteiger mehr bewirken” und nicht “wo habe ich als Neueinsteiger mehr Spaß”. Auf nem Schiff mitzufahren ist mit Sicherheit ein sehr schönes Erlebnis, aber seien wir doch ehrlich: So ganz konkret auf der Weltverbesserungsskala bringt das nicht wirklich was.
      Zumindest ist bei mir jetzt ncht wirklich angekommen, was Ihr/Du mit der Tour “wirklich bewegt” habt/hast. Das war doch ne Info-Tour, oder?
      Und da finde ich, ist es egal, ob ich am Infostand von Greenpeace stehe oder am Infostand einer Partei. In beiden Fällen versuche ich idealtypischerweise den Menschen meine Ideale und Werte nahezubringen. (nebenbei natührlich auch Wähler bzw. Spender gewinnen;-) )

      Ich will dir insofern Recht geben, als das man bei Greenpeace anscheinend schnell persönliche Erfolgserlebnisse haben kann, aber wirklich mitgestalten geht doch anders oder? Eigene Ideen umsetzen? Also wenn ich mich z.B. in einen Gemeinderat wählen lasse, habe ich ganz konkret Mitgestaltungsmöglichkeiten.
      Zugegeben – dahin kommt man eher selten nach ein paar Monaten Parteizugehörigkeit.

      03.8.2010 um 01:13 Uhr · Antworten

      • Stefan

        Ganz konkret gestalten kann man bei solch einer Info-Tour vor allem, was und wie man mit den Menschen umgeht und spricht.
        Zudem ist für die meisten Leute, die an Bord gekommen sind, Greenpeace zum Anfassen einfach ein Erlebnis und GP hat ohnehin eine gewisse Sonderstellung.

        Konkret haben wir natürlich Infoarbeit geleistet – wie es im Prinzip sicher auch bei Parteien an Infoständen möglich wäre.

        Aber wir sind mit konkreten Themen unterwegs und wenn ich nur an die Reaktion vieler Leute auf den kleinen Fischführer denke, gerade an der Nordsee, denke ich, werden wir bei vielen Leuten schon eine Menge bewegt haben. Und sei es nur, dass sie z.B. jetzt keinen Rotbarsch oder Seeteufel mehr kaufen.
        Große Veränderungen fangen aber nun einmal oft im Kleinen an.

        Dass die Leute in den Ortsverbänden der Parteien das auch so machen möchten, glaube ich ja gerne.
        Aber, mal ehrlich, haben die Leute vor Ort nicht schon deshalb verloren, weil die “Großen” in der Politik doch unter dem Generalverdacht stehen, beinahe immer zu lügen, wenn sie den Mund auf machen?
        Und dass Politiker einen solch miesen Ruf haben, haben sie sich selber zuzuschrieben. Wer immer von allen möglichen Seiten Geld einsteckt, darf eben nicht darauf hoffen, dass man ihm glaubt, nicht gleichzeitig auch für den, der Geld gibt, zu agieren.
        Würde Parteien und Politiker kein Geld von Unternehmen oder Verbänden annehmen, wäre die Glaubwürdigkeit wohl viel höher, dass wirklich nach Sachlage unabhängig entschieden wird. So aber werden oft Entscheidungen durchgepaukt, wo jeder klar denkende Mensch sofort erkennen kann, dass nicht das Land und das Volk einen Vorteil haben, sondern nur wenige Leute einer bestimmten Interessengruppe.

        Und an der Stelle ist GP ja absolut sauber und achtet penibel darauf, von keiner Seite Geld anzunehmen, wo nachher jemand die Unabhängigkeit von GP anzweifeln könnte. Kleinspender, die bis zu 100 Euro im Jahr geben, bilden it weitem Abstand das Gerüst, damit GP agieren kann. Spenden von Parteien, Firmen oder Firmenbossen werden nicht angenommen.

        Politik ist eben viel zu oft ein dreckiges Geschäft, nicht per se, aber leider durch die Menschen, die einen Fitzel Macht in Fingern halten. Der Mensch ist nun einmal kein Gutmensch und das Sprichwort :”Man geben dem Menschen macht -und er wird sie missbrauchen” ist ja leider, leider viel zu oft in der Wirklichkeit bestätigt worden. Gerade in der Politik.

        Damit soll nicht der kleine “Parteisoldat” herabgewürdigt werden.Wenn Jan und Jupp im Ortskreis zusammen sitzen und sich vermutlich auch oft genug kopfschüttelnd fragen, was Merkel und Westerwelle, was Gabriel und Künast da in Berlin anstellen, ist das bedauerlich für die “Kleinen”, die wirklich in der Partei sind, weil sie überzeugt sind, für eine gute Sache einzustehen.
        Zu dumm, dass von der guten Sache in den Kreisverbänden bis zu den entscheidenden Stellen der Politik nix, aber auch gar nix mehr übrig bleibt, sondern die “Großen” oft sogar in ganz kleinen Zirkeln entscheiden und dann die Fraktion nur noch abnicken darf. Wie zuletzt bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Da haben ja ganz sicher sehr, sehr viele Wahlmänner und -frauen gegen ihre eigene Meinung gestimmt und damit letztlich sogar die Verfassung mit Füßen getreten und dem Amt des Bundespräsidenten geschadet. Aber sei es drum. Das ist nun Geschichte und ja auch nur ein winziger Mosaikstein im Gesamtbild einer Politik, vor dem ich mich ekele.

        Wegen dieses Gesamtbilds glaube ich einfach nicht (mehr), dass jemand, der wirklich nur für die Sache eintritt, in Parteien die Chance bekommt, nach vorne zu gelangen.
        Da sind doch letztlich nur die, die sich rücksichtslos und mit Seilschaften innerhalb der Partei Mehrheiten verschaffen.

        Ich bedauere dies zutiefst, weil unser Land dadurch ganz viel Schaden nimmt und insgesamt viel ärmer wird. Und insofern habe ich auch großen Respekt vor den Leuten, die sich TROTZDEM noch in der Politik engagieren, ohne nur persönlichen Eigennutz daraus ziehen zu wollen.

        03.8.2010 um 10:33 Uhr

      • Fughi

        Stefan, du hast mit all dem absolut Recht. Und gerade deshalb ist es wichtig, daß sich Leute in der Politik engagieren. Denn wenn alle engagierten, idealistischen Menschen nur zu Greenpeace gehen und wir die Politik den Arschkriechern und Karrieristen überlassen, können wir das Projekt “Demokratie” gleich seinlassen…

        Also denn, wünsche uns allen viel Erfolg;-)

        03.8.2010 um 20:47 Uhr

  • Stefan

    Hey Funghi!
    Ja natürlich wünsche ich uns allen viel Erfolg und finde es ja auch wichtig und gut, wenn es Leute gibt, die in den Parteien als Basis versuchen, den Großkopferten hier und da Denkanstöße zu geben. Ich fände es echt super, wenn es mal jemand schaffen würde, sich in der Partei “nach oben” zu dienen, der dann wirklich noch an Ideale glaubt und diese dann auch noch gegen alle Lobbyisten -die natürlich nicht das Gemeinwohl im Auge haben- durchsetzen würde.
    Mir fällt nur gerade kein einziges Beispiel ein, wo das in den letzten 20 Jahren passiert wäre.. ;-)
    Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt.
    In diesem Sinne: Weiter arbeiten, damit unsere Urenkel noch eine lebenswerte und artenreiche Welt vorfinden.

    04.8.2010 um 13:43 Uhr · Antworten

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