Da hat sich BPs Top-Manager Doug Suttles kurz vor seinem Positionswechsel in den Bereich Exploration noch einmal ordentlich verplappert: Suttler ließ verlauten, der Ölmulti schließe zukünftige Bohrungen in der Nähe der Unglücksstelle nicht aus. O-Ton:
Da ist noch eine Menge Öl und Gas, und wir werden irgendwann darüber nachdenken müssen, was wir damit machen.
Kaum war der Satz - in Anwesenheit von Journalisten – über die Lippen und die mediale Empörung groß, reagierte BP flugs mit einer Pressemitteilung mit der Ansage: “Klarstellung: Kommentare von Doug Suttles (BP) zur Zukunft der Ölquelle.” Über eine mögliche zukünftige Nutzung der Ölquelle würde man derzeit doch keine Überlegungen anstellen. Ne, ist klar.
Gekonnt ist gekonnt
Solche blitzschnellen Reaktion schüttelt das zunehmend krisenerprobten BP-Team mittlerweile aus dem Handgelenk. Schließlich ist man von Noch-BP-Chef Tony Hayward so manche verbale Entgleisung gewohnt:
Der Golf von Mexiko ist ein sehr großer Ozean. Die Menge an Öl und Chemikalien, die wir dort hineintun, ist winzig im Vergleich zur gesamten Wassermenge.
Schützenhilfe gab es in diesem Fall übrigens kürzlich von Seiten der US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA): Über drei Viertel des Öls sei bereits verschwunden. Das bisschen, was von der winzigen Menge an Gift noch übrig bleibt, sollte dann quasi nicht mehr der Rede wert sein. Oder doch? Kaum war der Bericht veröffentlicht, meldeten weltweit die ersten Wissenschaftler ungläubig Zweifel an Berechnung der Werte an. Greenpeace übrigens auch.
“Eine Menge Öl und Gas”
Rund ein Drittel der Öl- und Gasfelder des Konzerns liegen im Golf von Mexiko und vor dem Dementi deutete BP laut einem AP-Bericht an, dass die Leitungen der Entlastungsbohrungen in irgendeiner Weise zukünftig genutzt werden. Thad Allen, der Krisenkoordinator der US-Regierung, betont weiterhin, dass davon keine Rede sein könne; über die Entlastungsbohrungen werde mittels des “Bottom Kill”-Verfahren das Ölleck wie geplant versiegelt. Im Hause BP möchte man sich zwar zu möglichen Verkaufsplänen nicht äußern, aber: Allein das vom Unfall betroffene Reservoir, so die Aussage Haywards im Juni 2010, sollte schätzungsweise mehr als sieben Milliarden Liter Öl (grob 50 Millionen Barrel) bergen. Etwa 780 Millionen Liter sind ausgelaufen – der Rest könnte immerhin noch um die 3,7 Milliarden US-Dollar wert sein.
Fast das Doppelte (6,1 Millarden US-Dollar) hat BP die Ölpest bereits gekostet. Versiegelung des Bohrlochs, Beseitigung der Umweltschäden und Ausgleichszahlungen für Betroffene. Da kommt schnell etwas zusammen, wenn man die 20 Milliarden für den Entschädigungsfonds dazurechnet.
Alles richtig gemacht?!
Das Mitleid mit dem Krisen-Konzern hält sich jedoch in Grenzen – dafür sorgt fast zeitgleich ein Pressebericht der Sunday Times: Bereits vor der Havarie seien 390 Wartungsarbeiten mehr als vier Wochen überfällig gewesen. Nicht die ersten Sicherheitsmängel, die man BP im Erdölgeschäft vorwerfen kann, und endlich die Antwort auf Tony Haywards Ausruf:
Was zur Hölle haben wir getan, damit wir das verdient haben?
Gut, dass man beim britschen Ölmulti niemals die Zuversicht verliert:
Wir sind gespannt.
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