Klimaschutz mit Augenmaß – Atomausstieg 2015

08. April 2011 · von Viktoria Thumann

Solidarität ist eine Haltung der Verbundenheit oder, wie der Duden schreibt, ein „unbedingtes Zusammenhalten“. „Die Welt braucht Atomkraft, um den Klimawandel zu bekämpfen“. So in etwa wurde Sarkozy vergangene Woche bei seinem „Solidaritätsbesuch“ in Japan zitiert. Ob Sarkozy in diesem Moment als Botschafter der französischen Bevölkerung gesprochen hat oder sich mit der Atomlobby solidarisch zeigen wollte, darüber darf spekuliert werden.

In Deutschland ist man schon einen kleinen Schritt weiter. Bundeskanzlerin Merkel wünscht sich eine “Energiewende mit Augenmaß” und ihr Chefberater Hans Joachim Schellnhuber lässt verlauten, dies sei bis zum Jahr 2020 hinzubekommen.

„Wir reden”, erklärt Schellnhuber, “nicht über kosmetische Reparaturen am gemeinsamen Haus der Menschheit, sondern über eine Nachhaltigkeitsrevolution.”

Richtig. Während Herr Sarkozy noch vollkommen im Dunkeln tappt, ist man im Hause Merkel auf gutem Wege. Doch einen wirklichen Plan hat scheinbar keiner der beiden.

Dabei gibt es den Plan. Schon 2009 hat Greenpeace „Energiekonzept: Plan B 2050“ herausgebracht – und damit sozusagen eine Steilvorlage für Schellnhubers „Nachhaltigkeitsrevolution“ geliefert. Das Dokument ist seitdem öffentlich und jedem verfügbar, Frau Merkel hätte einfach nur zugreifen müssen und loslegen können. Im „Plan B“ hätte sie Antworten gefunden, wie sich bis 2015 aus der Atomkraft aussteigen und gleichzeitig der Klimaschutz befördern lässt. Die Kanzlerin hatte vermutlich Besseres zutun. Oder wie ließe sich sonst erklären, dass auch heute noch von einem Ausstieg 2020 gesprochen wird? Oder vor weniger als neun Monaten eine Laufzeitverlängerung beschlossen wurde, weil dies angeblich die besten Effekte für das Klima habe?

Auch wenn Frau Merkel herumgetrödelt hat und seit der Veröffentlichung von „Plan B“ bald zwei Jahre vergangen sind: Der Atomausstieg bis 2015 ist immer noch möglich. Deutschland kann die dank Moratorium abgeschalteten Schrottmeiler gleich vom Netz lassen. Die werden nicht mehr gebraucht. Nie wieder. Und noch eine gute Nachricht: JA, Klimaschutz UND ein Ausstieg aus der Atomenergie sind möglich.

Am Dienstag wird Greenpeace eine überarbeitete Version von Plan B vorstellen – Den Plan – basierend auf aktuellen Fakten und neuesten Berechnungen zur Energierevolution. Darin wird dargestellt, wie eine Laufzeitverkürzung für AKW den Klimaschutz sogar befördern kann.

Atomkraftwerke sind zu unflexibel, um auf die schwankende Einspeisung von Wind- und Solarstrom zu reagieren – somit als „Brückentechnologie“ ungeeignet. Mit Erdgas ließe sich eine stabilere Brücke bauen. Denn klar ist, dass Atomenergie nicht durch klimaschädliche Kohlekraftwerke ersetzt werden darf.

Investitionen in neue Gaskraftwerke, Kraft-Wärme-Kopplung und Erneuerbare Energien sind nötig. Die neun derzeit stillgelegten Meiler können problemlos abgeschaltet bleiben, weil der bestehende Kraftwerkspark enorme Überkapazitäten und Reserven vorweist. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden außerdem rund 20 neue Erdgaskraftwerke und 10 Windparks ans Netz gehen. Bis 2020 werden im Bereich Erneuerbarer Energien zusätzliche Kapazitäten von über 30 Gigawatt (GW) Solarstrom- und 20 GW Windenergie-Leistung entstehen. Problematisch ist, dass in den Jahren 2011 und 2012 vier neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen. Dabei werden weit weniger dieser CO2-Schleudern benötigt, als sich zur Zeit im Bau befinden. Ab 2013 und verstärkt ab 2016 ließen sich alte Kohlekraftwerke vorzeitig abschalten – wenn zuvor in klimafreundlichere Kraftwerkszubauten investiert würde.

Fakt ist, Deutschland kann seinen Ausstoß schädlicher Klimagase bis 2020 um 46 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Bundeskanzlerin Merkel muss jetzt handeln und zeigen, wie es geht. Vielleicht geht dann auch Herrn Sarkozy ein Licht auf.

Kommentare

  • Energiesparfuchs

    “Frau Merkel hätte einfach nur zugreifen müssen und loslegen können.”
    Oh nein, so einfach kann sich GP die Sache nicht machen. Schließlich müssen die Bürger die ganze Sache ausbaden (bezahlen).
    Ich bin für eine demokratische Entscheidung (Volksentscheid) in Sachen EE-Konzept – so wie es bei S 21 auch geschehen soll. Dann müssten sich GP mit Plan B und “der Plan”, Herr Karl-Heinz Tetzlaff mit “Biowasserstoff” und gern auch andere mit alternativen Plänen der Öffentlichkeit stellen und um Zustimmung bei der Bevölkerung werben.
    Damit würden auch die Vor- und Nachteile der einzelnen Konzepte wesentlich deutlicher zu Tage treten und jeder wüßte genau, worauf er sich da einlässt.
    Mit der Atomkraft ist uns schon einmal eine Mogelpackung verkauft worden, das sollte sich bei EE nicht wiederholen.

    09.4.2011 um 10:21 Uhr · Antworten

    • greg

      Oh je…denk doch schon allein an die Gefahr eines Super-GAUS bei einem Windkraftwerk und den volkswirtschaftlichen Schaden. Sind die überhaupt ausreichend versichert? Und dann muss doch das Sonnenlicht und der Wind auch irdendwie zu den Anlagen transportiert werden. Und über den gefährlichen Abbau dieser endlichen Ressourcen macht man sich auch keine Gedanken.
      Dazu kommt noch das Problem, dass man mit den verarbeiteten Wind potentiell Massenvernichtungswaffen herstellen könnte. Diese Gefahrenstoffe müssen bewacht werden.
      Und der Müll, der in den Solarzellen anfällt…statt sie zu recyceln könnten wir die doch auch für Milllionen Jahre endlagern…
      “Damit würden auch die Vor- und Nachteile der einzelnen Konzepte wesentlich deutlicher zu Tage treten und jeder wüßte genau, worauf er sich da einlässt.”

      Sorry…dabei wollt ich nicht unhöflich klingen…

      09.4.2011 um 14:35 Uhr · Antworten

      • Energiesparfuchs

        Keine Ahnung, was sie mit ihrem Beitrag sagen wollen. Es geht lediglich darum, dass mehrere Konzepte, die alle auf erneuerbaren Ressourcen beruhen, der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden sollen.
        Das beste Konzept soll gewinnen und das muss nicht zwangsläufig von GP kommen.
        Noch ein kleiner Tipp – auch das Biowasserstoff-Konzept von Herrn Tetzlaff beinhaltet die Nutzung von Windkraftanlagen u.a.. Somit ist ihr Beitrag hier auch völlig absurd.

        09.4.2011 um 14:54 Uhr

    • Sven

      Einen Volksentscheid traut ihr euch doch gar nicht. Oder vielleicht doch ?
      Die Basis schon, aber diejenigen die von euch schon “oben” auf den Sesseln sitzen doch nicht.

      06.5.2011 um 13:53 Uhr · Antworten

  • greg

    Wie es scheint, hab ich Ihren ersten Beitrag missverstanden. Darum reden wir hier grade aneinander vorbei….

    09.4.2011 um 17:51 Uhr · Antworten

  • Schlüsselspeicher

    Um den Ausstieg aus den Fossilen Energien zu schaffen und Erneuerbare Energien wirklich nutzbar zu machen benötigen wir ua. endlich Speicher!!!!

    Enorm viel wird geredet aber umgesetzt wird davon sehr wenig!

    Die Antwort hat ua. Gildemeister mit ihrem Produkt cellcube. Bei einem Besuch in Bielfeld bin ich an dem Konzept vorbeigefahren. Energie wird dort produziert (Solar und Wind) gespeichert (Großbatterie) und in Sonnen- Wind Armen Zeiten entweder als “grüne” E-Tankstelle oder zum Versorgen des Bürogebäudes bereitgestellt. Die In einem Gespräch mit einem Zuständigen der Firma kann die Batterie 100kWh speichern. Ende des Jahres wird eine Megawatt Batterie fertig sein die kann dan 2MWh speichern.

    Regierung wo bist du????????

    11.4.2011 um 11:59 Uhr · Antworten

    • Energiesparfuchs

      Mit klein-klein kommen wir nicht weiter. Die Erdgasspeicher in D können viele TWh speichern. Wasserstoff ist unschlagbar.

      11.4.2011 um 16:57 Uhr · Antworten

    • chris

      Hallo sie schrieben was von einer 2MW Batterie. Haben sie nähere Details wie z.B. zur Bauform und Wirkungsgrad sowie zur Größe. Das Problem was sie schildern sehe ich auch als eines der gravierensden an. Wir haben einfach bisher keine Speicher. Ich frage deswegen weil ich gern wissen würde ob derartige System auch für die Schwerindustrie taugen wo zum Teil enorm kritische Verbraucher betrieben werden wie z.B Elektrolichtbogenöfen (bis 150MW sind keine Seltenheit). Mich würde interessieren wie groß dann Batterien für derartige Anlagen ausfallen müssten, ob es überhaupt machbar ist.

      danke schonmal im Vorraus

      11.4.2011 um 23:14 Uhr · Antworten

    • Sven

      Ja auch hier dazu meine Meinung. Während der Heizperiode haben wir in Deutschland doch ca. 6 Millionen Wärmespeicher mit einer mittleren Kapazität von 4kW. Diese könnten bei entsprechender Ansteuerung bedarfsgerecht Strom zu 100% in Wärme umwandeln. Macht 24.000.000 KWh pro Stunde welche gespeichert werden könnten.

      06.5.2011 um 13:56 Uhr · Antworten

  • Amflora

    Wie der Westen seine CO 2 -Emissionen versteckt: http://bit.ly/l16blv
     
    “Wie die Autoren zeigen, haben die Industrieländer ihre CO 2 -Emissionen zuletzt in grossem Umfang in die Schwellenländer «exportiert» (vor allem nach China). Wenn der CO 2 -Gehalt aller von dort gekauften Güter berücksichtigt wird, hat Europa von 1990 bis 2008 seine CO 2 -Emissionen nicht verringert, sondern im Gegenteil deutlich ausgeweitet.”

    03.5.2011 um 15:10 Uhr · Antworten

    • Bruno Staubehälter

      Interessanter Artikel.
      Beschweren sie sich bei der “Klima-Kanzlerin”.

      03.5.2011 um 16:18 Uhr · Antworten

      • Amflora

        Mir genügt es, zu verdeutlichen, wie Greepeace völlig Abseits der Realität steht.

        03.5.2011 um 16:26 Uhr

    • Bruno Staubehälter

      Vieleicht hat Greenpeace ja einen Weg gefunden wirklich CO²-Emissionen zu sparen. Durch Abschalten der Kohlekraftwerke zum Beispiel. (Wie oben erwähnt)

      03.5.2011 um 18:32 Uhr · Antworten

      • Amflora

        Aha. Wieviel Kohlekraftwerke schaltet GP denn in China ab? Oder in anderen Ländern, wohin die deutsche/europäische Produktion abwandert, weil der Strom dort billiger ist?

        03.5.2011 um 19:55 Uhr

      • Energiesparfuchs

        Herr Staubehälter,
        das mit den Kohlekraftwerken ist doch die reinste Lachnummer. In China gibt es derzeit möglicherweise 1.000 Stück davon.
        In den nächsten Jahren ist geplant (neben der Windkraft, Wasserkraft, Atomkraft) bis zu 400 neue Kohlekraftwerke zu bauen (Quelle: neuestes GP-Magazin) und wir stellen uns in D hin und verhindern 20 oder 25 neue “Kohlemeiler”.
        Das interessiert doch mit Verlaub gesagt “gar keine Sau” und die Asiaten schon gar nicht, ob in D ein Sack Kartoffeln umfällt.
        Die “Klimagase” haben schon völlig ihren Verstand benebelt. Und immer wenn es in der Diskussion brenzlig wird und nachprüfbare Fakten auf den Tisch kommen, dann kommt nichts mehr von ihnen.
        Es ist ja auch alles so völlig normal, was im Hintergrund von GP und der “Ökobewegung” alles so abläuft. Mit Umweltschutz hat das alles nichts mehr zu tun. Mit schwachbrüstiger EE lässt sich ein Milliarden-Volk innerhalb von 20 Jahren nun mal versorgen, das haben jedenfalls die Chinesen und Inder begriffen.

        03.5.2011 um 21:44 Uhr

      • Bruno Staubehälter

        @amflora:
        Der Sinn ist doch nicht das wir Strom aus anderen Ländern importieren, sondern das wir langfristig (für die CDU wahrscheinlich zu kurzfristig) eine stabile Versorgung aus Erneuerbaren Energien aufbauen.

        04.5.2011 um 17:41 Uhr

      • Amflora

        @Staubehälter
        Über Sinn und Unsinn entscheidet aber nicht GP, sondern der Markt. Das sieht man ja genau daran, daß wir unsere Emissionen mit der Produktion ins Ausland verlagern.

        05.5.2011 um 17:45 Uhr

      • Bruno Staubehälter

        Der Markt will günstig produzieren und dazu ist ihm auch (so ziemlich) jedes Mittel recht. Was soll daran sinnvoll sein?
        Deutschland verlagert seine Stromproduktion nicht ins Ausland. (siehe Wiki – Stromim- und export)
        Welche Produktion meinen sie bitte?
        Auch eine Quelle parat?

        06.5.2011 um 17:22 Uhr

      • Amflora

        Ah, Mißverständnis. Nicht die Strom-, sondern die Warenproduktion wird verlagert, wie in dem Artikel beschrieben: http://bit.ly/l16blv
        Für Firmen und Konsumenten ist das natürlich sehr sinnvoll. Daß EU / D ihre CO2-Emissionen reduziert hätten oder das in Zukunft täten, ist ein Märchen. Nur die Arbeitsplätze werden verlagert, eben dahin, wo der Strom billig ist.

        09.5.2011 um 12:05 Uhr

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