Meine Kollegin Iris Menn, Meeresbiologin, begleitet den Aufbau des Greenpeace-Büros in Dakar im Senegal zur Fischereipolitik. Sie war bisher viermal dort. Meistens ist Iris für zwei bis drei Wochen vor Ort. Zuletzt war sie vor vier Wochen in Dakar.
Ich möchte im ersten Teil dieser Interviewreihe mit Iris mehr erfahren über ihre Arbeit für Greenpeace in Afrika/Senegal. leere Netze
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Liebe Iris, was ist deine Aufgabe im Büro in Dakar?
Ich bin ja für das ganze Jahr immer wieder im Senegal und unterstützte praktisch den Aufbau des Büros dort.
Das begann damit, dass das Büro komplett eingerichtet wurde; was bedeutete Tische, Kühlschrank und Vorhänge kaufen, den Ablauf im Büro zu arrangieren, aber vor allem auch die Kampagne zur Fischereipolitik für Westafrika zu erarbeiten.
[Lesetipp: Afrika ernährt Europa - Online-Magazin zur Kampagne "SOS - Rettet unsere Meere]
Wir treffen uns mit anderen Entscheidungsträgern/Stakeholdern, die vor Ort sind. Das heißt zum einen, das Büro und Greenpeace zu etablieren – aber längerfristig Kampagnen aufzubauen.
Was ist der größte Unterschied zwischen der Arbeitsweise/ Atmosphäre zwischen dem deutschen Büro und dem afrikanischen Büro ?
In Dakar ist es ein ganz kleines Büro mit nur drei Räumen.Wir sind nur zu viert und sprechen englisch miteinander. Es gibt zwei Kolleginnen und einen Kollegen:Oumy ist Sengalesin, Prudence kommt aus dem Camerun und der Kollege Raoul kommt aus dem Kongo.
Es gibt keine Presseabteilung, wo ich mal hingehen kann, keine Fotoabteilung und kein Materiallager, wo ich mir Stifte organisieren kann. Aber es gibt eine Internetverbindung. Es ist alles viel kleiner und übersichtlicher als im deutschen Büro in Hamburg.
Gibt es ehrenamtlich Engagierte?
Ja, wir haben bereits ein paar Ehrenamtliche. die uns unterstützen. Die erste öffentliche Aktivität die wir gemacht haben, war während des World Social Forums, das in Dakar stattfand. Damals sind viele Leute, hauptsächlich Studenten, an den Stand gekommen und wollten sich engagieren. Die helfen uns jetzt immer mal wieder, wenn wir Unterstützung brauchen.
Ist Greenpeace im Kongo/Senegal und Afrika bekannt?
Im Kongo und in Südafrika kennt man Greenpeace. Im Senegal ist Greenpeace neu, es gibt dort andere Umweltschutzorganisationen wie den WWF und IUCN. Aber gerade unter den Fischern und Politikern ist Greenpeace schon bekannt. Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen.
Das Büro arbeitet hauptsächlich zum Thema Fischerei und Meere. Was ist aktuell geplant?
Im Augenblick machen wir hauptsächlich Hintergrundarbeit und dabei wird geklärt: Was gibt es für Probleme? Was gibt es für Lösungen?
Wir treffen uns mit den Fischern, anderen NGOs und mit Entscheidungsträgern aus der Politik, um sie kennenzulernen und heraufzufinden, was man gemeinsam planen kann.
Dieses Jahr planen wir auch einen Workshop mit den lokalen Fischern. Das bedeutet, dass wir diese alle einladen und dann diskutieren: Was sind deren Ziele, wo könnten wir zusammenarbeiten und wo nicht? Das hilft uns, ein besseres Gefühl für die Sicht der Fischer zu bekommen. Wir werden auch die Kampagne zur gemeinsamen Fischereipolitik von Europa unterstützen.
Hast du das Gefühl, dass unsere Hilfe erwünscht ist?
Ja, das kann man glaube ich schon sagen. Unsere Arbeit dort im Senegal ist natürlich mit Erwartungen verknüpft und der Hoffnung, dass sich etwas zum Positiven hin ändert.
Aber es kann auch sein, dass es schnell schwierig wird, weil wir eben sehr konsequente Forderungen haben, um die Situation zu retten.
Im Senegal gibt es mittlerweile 17.000 Fischerboote sogenannte Pirogen. Noch vor zehn Jahren waren es nur 7000 Pirogen und da haben die Wissenschaftler schon gesagt die Fischbestände sind überfischt. Es wird also allerhöchste Zeit, dass weniger gefischt wird.
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Marina
Es ist wirklich gut, die Leute und ihren Alltag auch mit ihren Sorgen und Problemen vor Ort kennenzulernen.
Nur so können sich echte Lösungsvorschläge erarbeitet werden und an weitere wichtige Stellen in der Organisation weitergetragen werden — bis hin zu maßgeblichen Personen in Politik und Wirtschaft auf nationaler und internationaler
Ebene …
Denn die Überfischung ist ein ernst zu nehmendes Problem, was unbedingt angegangen werden muß — bis hin zur höchsten Stelle.
Wo gibt es denn nochähnliche Büros in Afrika oder auch woanders weltweit, denn das Problem geht uns allen Menschen weltweit an, Fisch oder jegliches andere Meeresgetier ist für viele, auch für uns Europäer z.B. eine wichtige Nahrungsquelle
und auch Lebensgrundlage?
Nicht auszudenken, wenn wir sie alle nicht mehr nutzen können durch die Überfischung (z.B. Schleppernetzen, Fischfangfabriken u.dgl.) seitens der nimmersatten Industrienationen!
Da können kleine Dörfer an Afrikas Küste mit ihren bescheidenen
Fangmethoden natürlich nicht mithalten und gehen daher wohl meistens leer aus,
die aber von ihrer Hauptgrundlage Fisch doch leben müssen.
Ich wünsche von ganzem Herzen, daß gerade die Verursacher für die Überfischung
einsehen und einlenken, Schonfristen einführen, andere, moderate Fangmethoden anwenden – schnellstens per Gesetz auf internationaler Ebene, damit sich die
gefährdeten und deutlich bedrohten Fischbestände wieder erholen können. Es darf keinerlei Ausnahmen geben. Zuwiderhandlungen müssen geahndet werden, eine Aufsichtsbehörde weltweit, bestehend aus verschiedendsten Beauftragten von möglichst allen betroffenen Ländern, soll rigoros Kontrollen durchführen. Ebenso eine Gerichtsbarkeit in der Hinsicht (auch) auf internationaler Ebene.
Es ist schon weit 12 Uhr!
Hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Reißen wir also das Steuerrad gemeinsam schnellstmöglich um – für uns alle und vor allem für unsere künftigen Generationen weltweit! – - -
29.7.2011 um 10:15 Uhr ·
Martin Regelsberger
Liebe Greenpeaceleute,
Ihr schreibt da, oder zumindest Kristine Läger-Kiehne schreibt:
“Im Senegal gibt es mittlerweile 17.000 Fischerboote sogenannte Pirogen. Noch vor zehn Jahren waren es nur 7000 Pirogen und da haben die Wissenschaftler schon gesagt die Fischbestände sind überfischt.”
Das finde ich jetzt nicht so toll. Ihr müßt genauso gut wie andere wissen, dass im die französische und spanische Flotte vor Senegal fischt, dass die “marée” in Frankreich, also der Frischfisch oder Tagesfang in Frankreich zu einem guten Teil von Westafrikas Küsten kommt. Ihr wißt sicher auch vom Krieg, den es zwischen der kommerziellen europäischen Fischerei und den Dorffischern gibt. Das geht bis zu versenkten Pirogen aber es fängt damit an, dass die ausländischen Fangschiffe in den Küstengewässern der westafrikanischen Länder illegal fischen. Die europäische Marine wehrt nicht nur die verzweifelten Versuche der Menschen ab, die, um ihren Unterhalt gebracht, ihre Boote dafür benutzen, über die Kanarischen Inseln nach Europa zu kommen, sie schützt auch den illegalen Fischfang (genau wie vor Somalia, wo die ehemaligen Fischer zu recht erfolgreichen Piraten geworden sind). Die europäischen Fangschiffe nehmen den einheimischen Fischern auch gleich auf See den Fang ab. Sie bezahlen zwar, aber dann gibt es zu Hause trotzdem keinen Fisch auf dem Teller, der aber eine wichtige Eiweißquelle wäre. Und natürlich sind die ausländischen Boote mit allem modernen Schnickschnack ausgerüstet, um ja keinen Fisch entwischen zu lassen.
Das Problem der Überfischung dieses Küstensteifens auf die Zunahme der Pirogen zu wälzen, finde ich nicht sehr geschmackvoll, zumal Ihr es sicher besser wisst. Ich lade Euch jedenfalls ein, in Euren Nachforschungen und Aktionen die europäische Fischerei genau zu verfolgen.
Alles Gute,
Martin
03.8.2011 um 13:14 Uhr ·
Kristine Läger-Kiehne
Hallo Martin,
danke für die Infos – genau das machen wir doch gerade:
http://sos-oceans.greenpeace.de/magazin/132#page-0
und hier :
http://www.greenpeace.de/themen/meere/nachrichten/artikel/eu_fischerei_steuergelder_fuer_pluenderei_vor_westafrika/
und das auch schon seit über 10 Jahren:
http://www.greenpeace.de/themen/meere/fischerei/artikel/piratenfischer_beutezuege_ausser_kontrolle/
herzliche Grüße
aus Hamburg
Kristine
04.8.2011 um 15:04 Uhr ·