Merkel braucht eine Vision für den Klimaschutz-Prozess vor Durban

18. November 2011 · von Martin Kaiser

Vom 28. November bis 9. Dezember 2011 findet im südafrikanischen Durban die 17. Internationale Klimakonferenz (COP17) statt. Für uns vor Ort: Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik bei Greenpeace. (zur Blogreihe)

Noch im Juli 2011 hat Bundeskanzlerin Merkel auf dem Petersberger Dialog in Berlin zu über 40 Ministerinnen und Ministern gesagt:

Das, was uns die Finanz- und Wirtschaftskrise noch einmal gelehrt hat, sollten wir auch in anderen Politikbereichen beherzigen, nämlich dass wir nachhaltiges Arbeiten brauchen, dass wir nicht von Thema zu Thema hüpfen dürfen, sondern dass wir die Themen langfristig im Auge behalten müssen. Das gilt allemal für den Klimaschutz und die Bewältigung des Klimawandels.

 Anlässlich des "Atom-Treffens" von Bundeskanzlerin Angela Merkel protestieren Greenpeace-Aktivisten am Brandenburger Tor.  © Gordon Welters/Greenpeace

Anlässlich des "Atom-Treffens" von Bundeskanzlerin Angela Merkel protestieren Greenpeace-Aktivisten am Brandenburger Tor. © Gordon Welters/Greenpeace

Das ist wohl wahr. Es ist aber nicht das Einzige, was wir aus der Finanz- und Wirtschaftskrise lernen können. Verbindliche, ordnungsrechtlich verankerte Leitplanken sind für die Wirtschaft (in der Klimakrise) unabdingbar. Ein Atomausstieg durch ein freiwilliges Übereinkommen mit der Atomindustrie wäre für Merkel eine Lachnummer geworden. Ein Klimaschutzvertrag muss deshalb  – so, wie es das Kyoto-Protokoll vorsieht – verbindliche Grenzwerte für Staaten und ihre Öl- und Kohleindustrie festlegen. Diese müssen den Empfehlungen des Weltklimarats entsprechen.

Der Atomausstieg und die Energiewende in Deutschland dürfen nicht das Ende von Merkels umweltpolitischem Engagement sein. Sie sollten nur am Anfang eines mutigen und konsequenten Einsatzes für den Klimaschutz stehen – für die Menschen und nicht für die Unternehmen, wie die energieintensiven Industrien! Sie sollte vor Durban die EU auf diesem Pfad mitnehmen und – wir warten darauf seit 2007 – wieder Lokomotive des internationalen Klimaprozesses werden. Beim Petersberger Klimadialog II hat sie angekündigt:

Meine Damen und Herren, Deutschland als Teil der Europäischen Union strebt eine einzige rechtsverbindliche Übereinkunft an. Wir wären auch bereit, eine zweite Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll zu prüfen. Aber wir sehen natürlich auf beiden Wegen erhebliche Schwierigkeiten. Auf jeden Fall können Sie aus Deutschland und auch aus Europa mitnehmen, dass wir entschlossen sind, mutig voranzugehen.

Dieses mutige Vorangehen erwarten wir von Frau Merkel! Es könnte den Klimaschutz auch als ein dringend notwendiges Leuchtturmprojekt für die zerfaserte EU darstellen, eine positive Vision geben (nach den schlechten Schlagzeilen in der letzten Zeit). Merkel und die EU sollten gemeinsam mit den Inselstaaten, den Ländern Afrikas, Brasilien, Südafrika und China einen Weg ausloten und skizzieren, der hilft dem Klimaschutz eine positive Perspektive zu geben – mit den USA in Durban oder ohne die USA nach Durban. Denn auch die Kosten des Nichthandelns sind hoch: Ohne eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls wird die Öl- und Kohleindustrie versuchen auch die europäische Klimagesetzgebung anzugreifen.

Das Ziel für eine Vision hat Merkel schon während des Petersberger Klimadialogs II skizziert, als sie sagte

„…wenn man das Zwei-Grad-Ziel akzeptiert –, dann sehen wir, dass wir ein CO2-Emissionsniveau von etwa zwei Tonnen pro Kopf als weltweiten Durchschnitt brauchen. …

Dieses Ziel ist ehrgeizig, wenn wir uns einmal die heutige Lage vor Augen halten. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben eine Pro-Kopf-Emission von rund 20 Tonnen, Deutschland hat etwa zehn Tonnen, China liegt auch schon deutlich über vier Tonnen. Das heißt, alle haben hier eine riesige Aufgabe. Das Vorbild aber müssen die Industrieländer sein.

Andreas Sieber ist als Vertreter der Greenpeace Jugend vor Ort. Hier erzählt er aus seiner Perspektive.

Kommentare

  • Energiesparfuchs

    “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen” (Zitat Ex-Buka Helmut Schmidt). Klimaschutz ist so eine Vision.
    China und Indien können ihre Wirtschaft nur mit Kohle in Schwung halten, mit Solarpaneelen funktioniert das nicht. Ohne leistungsfähige EE auf Basis von Gasification bleibt es bei Wunschträumen.

    18.11.2011 um 12:34 Uhr · Antworten

    • MA56

      “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen”

      Ist die Biowasserstoff-Welt nicht eventuell auch so eine Vision?

      18.11.2011 um 13:06 Uhr · Antworten

      • Energiesparfuchs

        Ich würde das genau wie die Solartechnik (z.b. Andasol-Kraftwerke) erst mal erproben.
        Überlegen sie einmal, wieviel DESERTEC-VEB-Kombinate (Investsumme 400 Mrd. Euro für eines) mit Abnahmegarantie zum Festpreis für Mega-Konzerne und -banken errichtet werden müssten, um auch nur 15 % des benötigten Stromes in China und Indien zu erzeugen.
        Bedenken sie auch den Zeitrahmen. Das ist alles unrealistisch. Wer sollte in diesen Ländern mit großer Armut Energiepreise nach deutschem EEG aus der Apotheke bezahlen ?

        18.11.2011 um 14:56 Uhr

      • MA56

        Ja, weitgehend Zustimmung, aber die von Dir so gepriesene Biowasserstofftechnik ist doch von einer Umsetzung mindestens ebensoweit entfernt, das wollte ich damit sagen. Ohne Visionen keine Realität. Soll nicht bedeuten, daß jede Vision Realität wird.

        18.11.2011 um 15:25 Uhr

      • Energiesparfuchs

        Nicht ganz, in Hagfors (Schweden) wird gerade von einem deutschen Anlagenbauer eine Referenzanlage für Biomasse errichtet. Leistung 115 MW(th) mit Option auf Vergrößerung. Schauen sie mal im Netz nach Värmlandsmethanol. Die Anlage wird es im Betrieb auf 8.000 Stunden pro Jahr bringen.
        Statt Methanol kann man mit dieser Technik natürlich auch H2 produzieren.
        Das Gasnetz für die Verteilung von H2 ist in D schon da. Die BZ-Hersteller sind in der Endphase der Feldtests. Bereits vorhandene Brennwertkessel für Erdgas laufen auch mit H2.

        18.11.2011 um 17:12 Uhr

      • MA56

        Bestreite ich nicht, finde ich auch interessant und richtig. Aber von einer Versorgung von “China und Indien”, was dein Argument gegen Solarstrom war, ist das Projekt ja auch noch ein Stück etfernt.

        18.11.2011 um 17:54 Uhr

      • Energiesparfuchs

        Immerhin lassen sich grundlastfähige Werke mit Leistungen zwischen 50 bis 500 MW(th) damit aufbauen.
        Nach GP haben wir ja bis zum Jahr 2050 Zeit für die komplette Umstellung auf EE. Bis dahin arbeiten die neuen Kohle-KW und -Vergasungsanlagen in China und Indien sowieso weiter (40 Jahre Reisezeit).
        Deswegen ist Klimaschutz eine Vision. Mehr nicht.

        18.11.2011 um 18:34 Uhr

      • MA56

        OK, dann brauchen wir den ganzen Quatsch mit Solar und Biowasserstoff ja nicht und können jetzt alle nach Hause gehn.

        18.11.2011 um 19:10 Uhr

      • Energiesparfuchs

        Könnte man so sehen, wenn da die Kostenfrage der “alternativlosen Energiewende” in D nicht wäre.

        18.11.2011 um 19:37 Uhr

    • Michse

      Schon wieder Gas?….. Kennst du keine Grenze?

      18.11.2011 um 13:32 Uhr · Antworten

  • Marina

    Warum NUR Biowasserstoff? Sollten wir nicht MEHRERE Eisen im Feuer haben?
    Und je nach den örtlichen Gegebenheiten, wird diese oder jene Energie erzeugt …
    vielleicht sogar eher dezentral.
    Vielfalt und Flexibilität sind gefragt.
    Wie ich gehört habe, soll es bzgl. Energiewende CHAOTISCH – sozusagen auf Teufel komm raus – zugehen — OHNE Plan gewissermaßen.
    Und warum?!
    Weil Finanz-, Schulden- und Eurokrise quasi die Show stehlen. Außerdem – DAFÜR steht ein Haufen Geld zur Verfügung, die zum großen Teil elitäre Spekulanten im allgemeinen Finanzwesen verursacht haben! Sollen doch DIESE sozusagen eine HANDVOLL Leute SELBST die Suppe auslöffeln, die sie der BREITEN Öffentlichkeit durch ihre maßlose Profitgier eingebrockt hat!
    DAS wäre mehr als gerecht!
    Aber NEIN, sie – aus der ach so feinen Gesellschaft – werden von der allgemeinen Politik mit Glacehandschuhen angefasst, indem sie finanziell geschont werden, anstatt dass sie persönlich für ihre Untaten haften, wie es sich gehören würde!
    Wochenlang oder noch viel länger waren die o.a. Krisen das Gesprächsthema in den Medien, während ebenso wichtige, wenn nicht sogar noch wesentlichere Themen wie ATOMAUSSTIEG, ENERGIEWENDE und KLIMAWANDEL etc.
    einfach brach zu liegen scheinen.
    Es reicht!
    Mir platzt der Kragen, wenn ich so aus den Medien vernehme, wie es in der letzten
    Zeit verlaufen ist!
    IMMER geht es fast NUR um die Belange der OBEREN ZEHNTAUSEND – der sogenannten ELITE -, anstatt dass die Politik ENDLICH etwas für die MEHRHEIT tut!
    Ehrlich gesagt, habe ich leider WENIG Hoffnung, dass in Durban ENDLICH das Steuer
    herumgerissen wird.
    Laßt doch die USA und weitere Staaten, die eher blockieren als mitziehen, was
    grundlegende und weitreichende Klimaziele anbelangt, einfach links liegen!
    Sie haben sich schon lange vorher aus der Gemeinschaft ausgeklinkt, OBWOHL
    WIR ALLE im ein und demselben Boot sitzen … Es gibt im Grunde kein Entfliehen!
    MITGEFANGEN – MITGEHANGEN — SO sieht es aus!
    Wann kapieren die USA u.a. dies ENDLICH?!
    Es wird JETZT ALLERHÖCHSTE ZEIT, die Klimaschutzziele anzupacken, d.h. zu realisieren!
    Könnten nicht Greenpeace wie auch andere ähnliche Organisationen DIESE BESAGTEN
    LÄNDER WACHRÜTTELN, weil es längst höchste Eisenbahn ist?!
    Die angesprochenen Länder denken wirklich NUR von 12 Uhr bis mittags – und DAS nur aus rein EGOISTISCHEN Motiven heraus — HIER müßten sie wirklich
    GLOBAL denken — an ALLE und für ALLE!
    SO gehts und NICHT anders. – - -

    18.11.2011 um 20:34 Uhr · Antworten

  • Bruno Straub

    “”Merkel braucht eine Vision für den Klimaschutz”"- warum eigentlich?
    Soll sie doch mal ihren Kollegen wie Sarkozy und Cameron den Vortritt lassen. Die können dem Weltklima durch Abschalten ihrer AKW noch einen (Bären)dienst erweisen….
    Deutschland gibt bereits ein wunderbares Beispiel!

    18.11.2011 um 21:32 Uhr · Antworten

    • Energiesparfuchs

      Japan ist der nächste “Klima-Gau”. Weil die zu blöd waren ihre AKW`s tsunamifest an der Küste zu bauen (fehlende Schutzmauersysteme, Hochlegung der elektrischen Ausrüstung usw.), laufen jetzt Kohle-, Öl- und Gaskraftwerke mit verstärkter Leistung.
      Wenn die jetzt dauerhaft sofort alle AKW abschalten müssten (das will doch GP, oder ?), dann hängt eine Nation mit 126 Mio. Einwohnern erst mal mindestens 20 Jahre an fossilen Brennstoffen. Das ist 1,5 x DEUTSCHLAND.
      Warum soll ich dann bei mir zu Hause noch das Licht ausschalten, wenn ich vom Klo komme oder mit Solarpaddeln auf dem Hausdach (der Schrecken jeder Feuerwehr wegen des anliegenden Stromes und ein patentes Brandbeschleunigungssystem bei Feuer wegen dem automatisch entstehenden Kamineffekt zwischen Solarmodulen und der Dachoberfläche – es gibt schon Versicherungen, die solche Häuser mit Solar nicht mehr versichern !!!) hilflose Rettungsversuche unternehmen.

      19.11.2011 um 08:14 Uhr · Antworten

      • Michse

        Natürlich wäre ein sofortiges Ausschalten schön aber eigentlich solltest du so langsam von dem von GP genannten Konzept wissen. Da plant man mit einem Ausstieg bis 2015. Und dabei wären theoretisch auch die CO2 Reduktionsziele der BRD zu schaffen gewesen.

        19.11.2011 um 10:46 Uhr

      • somanto

        Richtig Fuchs, und man braucht auch seinen Mitmenschen nicht mehr mit Wasserstoff auf den Senkel gehen.

        19.11.2011 um 13:09 Uhr

      • Energiesparfuchs

        Dann hört mit dem Klimagejammer auf, auch das geht den Leuten auf den Senkel. Wir reden hier über Asien und 3 Mrd. Menschen, nicht über D mit mikrigen 80 Mio.

        19.11.2011 um 18:18 Uhr

  • Marina

    @Energiesparfuchs u.a.:
    Fangen wir doch alle bei uns selber an.
    Das ist, wie wenn man einen Stein ins Wasser wirft …
    An der Stelle, wo der Stein ins Wasser eingetaucht ist, entsteht eine kreisförmige Welle, von der aus sich weitere und immer größer werdende Kreiswellen ziehen.
    Oder der Dominoeffekt …
    Irgendwo ist immer ein Anfang … warum also nicht bei uns selbst?!
    Es ist völlig falsch, den anderen den Vortritt zu lassen und möglicherweise warten
    bis zum Nimmerleinstag, bis überhaupt etwas geschieht.
    Was für eine kostbare Zeitverschwendung, wo es doch im Grunde um jede Sekunde geht! Was z.B. den Klimaschutz anbelangt …
    DAHER:
    Packen WIR es doch selber an und sorgen für eine Veränderung, wenn auch in unserem kleinen Kreis wie z.B. in einer Familie!
    Es wird Kreise ziehen. GANZ BESTIMMT!
    Und noch ein paar Worte zu den Solarzellen auf dem Dach:
    Es stimmt schon …
    Aber wäre jetzt die betreffende Industrie nicht gefordert, diesen Umstand zu ändern?
    Also bitte mehr Erfindungsgeist und Mut, um die Sachlage zu verbessern!
    Wie sagt man ganz lapidar?
    Probleme sind dazu da, um sie zu lösen, ODER NICHT?! – - -

    19.11.2011 um 12:50 Uhr · Antworten

  • Erna

    Warum denn soweit reisen wenn das GUTE so nah liegt?

    IV. Internationale Klima- und Energiekonferenz
    Maritim Hotel München, 25.-26. 11. 2011

    IPCC – Warum fast nichts was Sie über das IPCC wissen wahr ist
    Donna Laframboise
    Reale Temperaturmessungen vs. Klima-Alarmismus
    Prof. em. Dr. Horst-Joachim Lüdecke
    Gletscher- und Waldentwicklung in alpinen Hochlagen der letzten 10.000 Jahre
    Prof. em. Dr. Gernot Patzelt
    Anthropogener Meeres-Spiegel-Anstieg: Vom Konstrukt zur Panik!
    Dipl. Meteorologe Klaus-Eckart Puls
    CCS – CO2-Abscheidung und Speicherung – Anmerkungen eines Geologen
    Prof. em. Dr. Friedrich-Karl Ewert
    Klima, Wasser, CO2 und die Sonne
    Prof. Dr. Jan Veizer
    Der Einfluss kosmischer Strahlung auf das Klima – Neuste Erkenntnisse und deren
    Bedeutung für das Verständnis des Klimawandels
    Prof. Dr. Nir Shaviv
    Die klimatische Rolle der Sonne und der kosmischen Strahlung
    Prof. Dr. Henrik Svensmark
    Update zur CERN Studie über Kosmische Strahlung und den Klimawandel
    Prof. Dr. Jan Veizer, Prof. Dr. Nir Shaviv, Prof. Dr. Henrik Svensmark
    Climategate – Die Geschichte einer Vertuschung
    Andrew Montfort
    Der Schein trügt – Was haben windige Verträge mit Windkraft zu tun?
    Dipl. Ing. Tilman Kluge
    Klimawandel zwischen Modellen, Statistik und Ersatzreligion
    Prof. Dr. Werner Kirstein
    Wie akkurate und langfristige Wettervorhersagen möglich sind
    Piers Corbyn
    Die unendliche Geschichte des Hockeysticks
    Andrew Montfort
    Möglichkeiten und Risiken von Investments in alternative Energien
    n.n.
    Green Economy: Die neuesten Formen des Vetternwirtschafts-Kapitalismus
    Dr. Christopher C. Horner
    Deutschlands Energiewende und ihre Kosten – Plan und Wirklichkeit
    Prof. Dr. Gerd Ganteför
    Spuren verwischen: Der “Weltklimarat” IPCC und sein Verständnis von Transparenz
    Dr. Christopher C. Horner
    Klimapolitik – eine Gefahr für die Freiheit
    Prof. Dr. Gerd Habermann

    21.11.2011 um 15:05 Uhr · Antworten

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