Endich da – auf dem Schiff!

21. November 2011 · von Gastautor/in

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit im Nordostatlantik unterwegs, um gegen die zerstörerische Tiefseefischerei zu protestieren. Mit an Bord: Yve Tiede. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen an Bord. (zur Blogreihe)

Yve mit Ingwer vor der Arctic Sunrise / (c) Greenpeace

Yve mit Ingwer vor der Arctic Sunrise / (c) Greenpeace

Ganz oben in Schottland, auf den Äußeren Hebriden, gehe ich an Bord der Arctic Sunrise. Vier Wochen war sie schon unterwegs, um große Tiefsee-Fischtrawler im Nordatlantik aufzuspüren, die mit ihren riesigen Netzen die Meere leerfischen. Ihr Einlaufen in den Hafen von Stornoway habe ich um eine Stunde verpasst. Schade, ich hätte ich sie gerne begrüßt. Jetzt arbeiten schon alle fleißig an Deck und ich muss erstmal herausfinden, wo ich hin muss.

Aber was mache ich eigentlich hier? Vor wenigen Wochen saß ich noch im Unihörsaal und habe Vorlesungen über Ökosysteme und deren Schutz gelauscht. Als frisch gebackene Bio-Bachlorette bin ich jetzt ganz schön neugierig, was hier in den nächsten Wochen auf uns zukommen wird. Ausgerechnet im November auf einem Schiff im Nordostatlantik – das könnte einer der unbequemsten Orte sein, die man sich aussuchen kann. Vielleicht ist es aber auch einer der interessantesten und spannendsten Orte.

Am Ende siegt die Neugier: Wie wird es sein, für längere Zeit auf einem Schiff zu leben, den internationalen Teil der Greenpeace-Welt kennenzulernen und an einem großen Projekt teilzunehmen? Bis jetzt kenne ich nur das deutsche Büro.

Dass man dabei seine eigenen Grenzen kennenlernen und vielleicht sogar erweitern kann, macht die Sache nur noch besser. Außerdem muss ja irgendjemand die Erde retten oder wie in diesem Falle, die Tiefsee vor ausbeutender Fischerei schützen!
Die letzten Aktionen der Kampagne habe ich gespannt im Internet verfolgt. Ein Trawler wurde im Hafen gestellt, einer auf See. Das nächste Mal werde ich dabei sein. Es macht mich total wütend und ich finde es extrem unverantwortlich, wenn die zuständigen Leute, sich nicht darum kümmern, dass die Vielfalt des Ökosystems erhalten bleibt. Wer die Möglichkeiten und Hebel hat, muss dafür sorgen, dass es auch in Zukunft noch genügend Fische in den Ozeanen gibt!

Kaum an Bord erklärt mir Chris, der für die Logistik zuständig ist, die Basics auf dem Schiff. Doch trotz Schiffstour durchblicke ich das vermeintliche Chaos der Gänge nur schwer. Ich weiß auch meist nie so richtig, auf welchem Deck ich gerade bin: Geht es jetzt zur Messe (dem Essensraum) nach oben oder nach unten? Und wo war noch gleich das Klo?

Das Thema Nummer 1 unter den Neuankömmlingen an Bord ist – aufgewiegelt durch die lebhaften Erzählungen der Stammcrew – Seekrankheit. Das können ja heitere Wochen für den Magen werden! Die Arctic Sunrise ist bei allen berüchtigt für ihre besonders starke Schaukelei.
Ich habe schnell noch die Chance genutzt und mir im örtlichen Supermarkt eine große Ingwerknolle gekauft. Das soll gut sein gegen Seekrankheit. Mal sehen, ob’s hilft…

(Autorin: Yve Tiede)

Die Tiefseefischerei ist eine der schlimmsten Fischereimethoden in Europa. Riesigen Netze dringen in Tiefen zwischen 400 und 1.500 Metern ein, wo niemand den angerichteten Schaden sieht. Auf der Suche nach Fisch zerstören sie einzigartige Lebensräume.
Die Tiefseefischerei ist ein perfektes Beispiel dafür, was in der EU-Fischereipolitik falsch läuft. Zwischen 1996 und 2010 sind aus den Steuern der europäischen Bürger mehr als 140 Millionen Euro Subventionen in die spanische Tiefseefischerei geflossen. Spanische und französische Fischer sind für fast 70 Prozent der Tiefseefänge in Europa verantwortlich.

Kommentare

  • Lars Linden

    Wünsche Dir viel Glück und am besten keine Seekrankheit auf deiner Fahrt……und natürlich immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel….:-)

    01.12.2011 um 16:50 Uhr · Antworten

  • Yve

    Danke – die Seekrankheit kam mit dem Wind… 4 Tage hat bei mir Innen und Außen alles geschaukelt, aber das nehme ich gerne hin, um mich für eine bessere Fischerei einzusetzen!
    Das mit dem Wasser unter dem Kiel ist dabei natürlich kein Problem: Tiefseefischer treiben sich vorwiegend da herum, wo 400 Meter Wassersäule unter ihrem Trawler besteht…

    01.12.2011 um 18:01 Uhr · Antworten

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