An Bord der Arctic Sunrise II

22. November 2011 · von Gastautor/in

Die Arctic Sunrise ist derzeit im Nordostatlantik unterwegs, um gegen die zerstörerische Tiefseefischerei zu protestieren. Mit an Bord: Yve Tiede. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen an Bord. (zur Blogreihe)

Sonnenuntergang von Bord der Arctic Sunrise. (c) Yve Tiede/Greenpeace“900 crew-briefing in the mess” – steht da in weißer Kreideschrift an der Wandtafel im Frühstücksraum. Schon seit ein paar Stunden kursiert hier an Bord das Gerücht, ein Trawler sei in Sichtweite der Arctic Sunrise. Alle sind aufgeregt, zumal kaum jemand am zweiten Tag schon mit einer weiteren Begegnung gerechnet hatte.

Mit dem Crew-Briefing fängt die Besatzung an, sich für die bevorstehende Aktion fertig zu machen. Wie ein Ameisenhaufen wuseln sie alle herum – jeder weiß, was er zu tun hat: schnell noch die letzten Banner fertig malen, Schlauchboote fertigmachen und zu Wasser lassen, Trockenanzüge anziehen und so weiter.

“STOP Überfischung” wird in fünf unterschiedlichen Sprachen auf gelben Stoff gebracht: Klar, die Meere gehören allen Menschen, das macht die Kampagne auch so international. Menschen aus Frankreich, Spanien, Polen, Deutschland und aus englisch-sprachigen Ländern werden die Forderung in ihrer Sprache lesen können.

Doch bevor das soweit ist, werden die Schlauchboote im aufgewühlten Nordatlantik in Position gebracht. Los geht’s: Hinter dem fischenden Trawler wird eine große, aufblasbare Rettungsinsel ins Wasser gelassen. Daran ist ein Banner mit der Aufschrift “Stop destructive fishing” festgemacht. Eigentlich wollen sollte die Rettungsinsel mit vier Besatzungsmitgliedern drauf an den Trawler gehängt werden. Aber hinter dem Schiff herrschen raueste Bedingungen. Das Wasser ist extrem aufgewühlt und die Rettungsinsel lässt sich nicht befestigen. Die Botschaft wird dadurch aber nicht geschmälert: Die Tiefseefischerei muss ein Ende haben. Und, dass dieses Treiben auch noch durch EU-Fördergelder unterstützt und gefördert wird, ist ein echtes Unding.

Der Trawler zieht von dannen und die Aktivisten kommen zurück an Bord. Schlauchboote und Rettungsinsel werden wieder eingeholt und das Deck aufgeräumt. Die Aktivisten pellen sich aus den Trockenanzügen.

Ich bin müde und voll von neuen Eindrücken. Zufrieden, hoffe ich, dass wir bald schon den nächsten Trawler bloßstellen können. Und ich glaube, das geht jedem an Bord genau so.

(Autorin: Yve Tiede)

Die Tiefseefischerei ist eine der schlimmsten Fischereimethoden in Europa. Riesigen Netze dringen in Tiefen zwischen 400 und 1.500 Metern ein, wo niemand den angerichteten Schaden sieht. Auf der Suche nach Fisch zerstören sie einzigartige Lebensräume.
Die Tiefseefischerei ist ein perfektes Beispiel dafür, was in der EU-Fischereipolitik falsch läuft. Zwischen 1996 und 2010 sind aus den Steuern der europäischen Bürger mehr als 140 Millionen Euro Subventionen in die spanische Tiefseefischerei geflossen. Spanische und französische Fischer sind für fast 70 Prozent der Tiefseefänge in Europa verantwortlich.

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