An Bord der Arctic Sunrise IV – Grün im Gesicht

24. November 2011 · von Gastautor/in

Die Arctic Sunrise ist derzeit im Nordostatlantik unterwegs, um gegen die zerstörerische Tiefseefischerei zu protestieren. Mit an Bord: Yve Tiede. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen an Bord. (zur Blogreihe)

Es hilft alles nichts

Liebevoll wird die Arctic Sunrise intern auch “die Waschmaschine” genannt. Vor meiner Abfahrt von Stornoway in Schottland hatte ich noch eine extra Portion Ingwer gekauft, in der Hoffnung, mich damit vor Seekrankheit retten zu können. Doch ich werde eines Besseren belehrt.

Seekrank arbeiten auf der Arctic Sunrise. (c) Greenpeace

Seekrank arbeiten auf der Arctic Sunrise. (c) Greenpeace

Dabei ging die Reise so friedlich los (na ja, zumindest im Hafenbecken): Abends abgelegt, ins Bett gegangen, sanft schaukelnd eingeschlafen. Doch dann mit dem Wecken am nächsten Tag, draußen auf See, gilt der erste Guten-Morgen-Gruß dem Mageninhalt. Das Schiff schwank dramatisch in alle Richtungen. Ich liege bleich-gelb im Bett, neben mir schwebt das Handtuch im 45° Winkel von der Wand meiner Kammer. Tapfer versuche ich aufzustehen und am Tagesgeschehen teilzunehmen. Ich stelle tröstend fest, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Erkennungszeichen: roter Eimer, apathischer Blick und der bemühte Versuch, wenigstens ein paar Schlucke Ingwertee hinunter zu bekommen. Alle Tipps besagen: normal Weiteressen. Die sind lustig!

Mich hat es besonders hart erwischt. Vier Tage brauche ich, um mein Gehirn davon zu überzeugen, dass das Schwanken so in Ordnung ist.

Aber wer im November auf den Nordatlantik rausfährt, ist wohl selber Schuld.

Alles bewegt sich

Eigentlich hätte ich schon im Hafen skeptisch werden müssen. Da hat mir Wendy, die Köchin stolz die neu angeschweißte Halterung für den (massiven Stahl-!) Herd gezeigt Der hatte sich beim letzten Sturm selbstständig gemacht und war durch die Küche gerutscht. Wirklich alles an Bord ist festgebunden, JEDE Tür und Klappe hat eine zusätzliche Sicherung. Schon bei der ersten Schiffführung werden wir gewarnt: “All things that can move will move!”

Seebeine

Jetzt macht es endlich Spaß. Ich arbeite zusammen mit den anderen Aktivisten auf dem Poopdeck (ganz hinten auf dem Schiff)und bereite die Rettungsinsel vor, die bei der nächsten Aktion verwendet werden soll. Dabei ist es schon eine Herausforderung, sich allein auf den Beinen zu halten. Immer wieder finde ich mich plötzlich jemand anderes umklammernd, um nicht umzufallen, zusammen halten wir uns an dem nächst besten Seil fest, das wir greifen können. Auf dem Deck schwappt eine riesige Pfütze von einer Seite zur anderen, der ich versuche, aus dem Weg zu tanzen.

Wendy beobachtet mich amüsiert und stellt fest: “Da hast Du also endlich Deine Seebeine* bekommen.”

*Seebeine: Fähigkeit, trotz Schlingern und Stampfen auf Deck zu gehen.

(Autorin: Yve Tiede)

Die Tiefseefischerei ist eine der schlimmsten Fischereimethoden in Europa. Riesigen Netze dringen in Tiefen zwischen 400 und 1.500 Metern ein, wo niemand den angerichteten Schaden sieht. Auf der Suche nach Fisch zerstören sie einzigartige Lebensräume.
Die Tiefseefischerei ist ein perfektes Beispiel dafür, was in der EU-Fischereipolitik falsch läuft. Zwischen 1996 und 2010 sind aus den Steuern der europäischen Bürger mehr als 140 Millionen Euro Subventionen in die spanische Tiefseefischerei geflossen. Spanische und französische Fischer sind für fast 70 Prozent der Tiefseefänge in Europa verantwortlich.

Kommentare

Kommentar schreiben

Pflichtfeld

Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

optional

Trackbacks

Permalink

Dieser Blogbeitrag ist unter folgender Adresse dauerhaft erreichbar:
http://blog.greenpeace.de/blog/2011/11/24/von-bord-der-arctic-sunrise-iv/trackback/