An Bord der Arctic Sunrise V – Wachgequietscht

25. November 2011 · von Gastautor/in

Die Arctic Sunrise ist derzeit im Nordostatlantik unterwegs, um gegen die zerstörerische Tiefseefischerei zu protestieren. Mit an Bord: Yve Tiede. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen an Bord. (zur Blogreihe)

7:24 Uhr. “Ha! Da war es wieder!” Verdutzt öffne ich die Augen und schaue auf die Uhr meines Handys. Ein ungewöhnliches Quietschen hat mich aufgeweckt. Es ist leise, aber auffallend anders als die normalen Schiffsgeräusche. Aber schon klopft es an meiner Tür: “Wake-up-Call – good morning!”, der persönliche Weckdienst an Bord der Arctic Sunrise. Ich mache mich bereit für einen normalen Tag an Bord. In der Messe esse ich gemütlich mein Müsli, während ich die anderen Crewmitglieder beim Wachwerden beobachte.

8:00 Uhr. Klos oder Flure?

Zu gemütlich darf ich es mir aber nicht machen, um acht Uhr beginnt das Putzen der Wohnbereiche an Bord. Bei 30 Leuten auf engem Raum spielt Hygiene eine große Rolle. Jeden Morgen werden also Toiletten, Duschen, die Waschküche, Lounge und Flure geputzt. Beim Verteilen der Aufgaben gilt das Motto “Der frühe Vogel fängt den Wurm”, denn wer sich zuerst in die Putzliste einträgt, der hat noch die Wahl zwischen Klos und Fluren…

9:00 Uhr. Ich melde mich bei Tuomas, dem Bootsmann. Er ist für die Einteilung der Arbeitsaufgaben zuständig. Auch für uns Aktivisten findet sich immer etwas: von der Herstellung von Schlüsselanhängern aus Plastikeimern, Lappen schneiden aus alten Klamotten, über das Sortieren von Arbeitskleidung und Schuhen, bis hin zum Anstreichen von Reling und Co. und natürlich dem typischen Deckschrubben, ist alles dabei.

Dolphin Time! (c) Greenpeace

Dolphin Time! (c) Greenpeace

10:54 Uhr. “Dolphin-time!”, Tuomas unterbricht mich bei meiner Arbeit. Ich hatte die Lautsprecherdurchsage gar nicht gehört, alle anderen sind schon an Deck. Die Arbeit darf für solche Ereignisse selbstverständlich unterbrochen werden.

Alle drängeln sich am Bug des Schiffes, lehnen sich über die Reling. Da sind sie, die Delfine. In unserer Bugwelle lassen sich über zehn von ihnen von unserem Schiff anschieben. Sie spielen herum, schwimmen voraus, machen einen Bogen, drehen sich auf die Seite und machen kleine Sprünge und typische Delfingeräusche. Daher kam also das Quietschen, das ich morgens in der Kabine gehört habe! In einiger Entfernung sehen wir eine weitere Gruppe herannahen. Während ich die Tiere weiter beobachte bekomme ich richtig gute Laune. Es ist ein schönes Gefühl, diese tollen Tiere so nah sehen zu können – und das während wir mit einer Kampagne unterwegs sind, um uns auch für ihren Lebensraum einzusetzen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht gehe ich zurück zu meiner Arbeit.

12:00 Uhr. Ich stehe in der Schlange am Mittagsbuffet an. Es duftet verführerisch. Wie Wendy, die Köchin es schafft in der kleinen Schiffskombüse so geniale Menüs zu zaubern, bleibt mir ein Rätsel.

13:00 Uhr. Es geht weiter mit der Arbeit an Deck. Um 15:00 Uhr freue ich mich über die kleine Pause mit Kaffee, Tee und Keksen.

17 Uhr. Es ist schon wieder “beer-o’clock”: Feierabend. Punkt 18:00 Uhr lade ich mir dann noch einmal meinen Teller voll mit Wendy’s Köstlichkeiten. Ganz nach Lust und Laune mache ich es mir dann in der Lounge bei einem guten Buch oder Film gemütlich oder geselle mich – so wie heute – zu der Runde im Schiffsbug.

(Autorin: Yve Tiede)

Die Tiefseefischerei ist eine der schlimmsten Fischereimethoden in Europa. Riesigen Netze dringen in Tiefen zwischen 400 und 1.500 Metern ein, wo niemand den angerichteten Schaden sieht. Auf der Suche nach Fisch zerstören sie einzigartige Lebensräume.
Die Tiefseefischerei ist ein perfektes Beispiel dafür, was in der EU-Fischereipolitik falsch läuft. Zwischen 1996 und 2010 sind aus den Steuern der europäischen Bürger mehr als 140 Millionen Euro Subventionen in die spanische Tiefseefischerei geflossen. Spanische und französische Fischer sind für fast 70 Prozent der Tiefseefänge in Europa verantwortlich.

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