Laase: das ist da, wo die beiden möglichen Transportstrecken von Dannenberg nach Gorleben zusammentreffen, sechs Kilometer vor dem Zwischenlager. Strohballen glimmen, weißer Rauch, der Wind steht in Richtung Castorstrecke, Lichtmasten der Polizei, acht Wasserwerfer rücken abwechselnd vor und halten das Dorf in Schach.
Wie ein Angriff der Klingonen: Wummernde Technobässe aus riesigen Lautsprechern und die Anfeuerungsrufe der BI-Vorsitzenden vom mobilen Musikkampfwagen heizen die Stimmung an. Die Wasserwerfer haben weniger Watt, Polizeidurchsagen flüstern. Jetzt Polizeipferde in die Menge. Erdklumpen fliegen. Tränengas aus Literpullen vom Pferd aus. Kein Sprühnebel, sondern flüssig, direkt in die Gesichter. Demosanis sind sofort da. Dann wieder Entspannung.
Seit einer Stunde sitzen die Fahrer in den Zugmaschinen vor den Castor-Tiefladern. Es soll erst losgehen, wenn die 19,3 Kilometer Strecke komplett geräumt ist. Unter den Demonstranten auch Mitglieder der Ini 60, ungläubig verfolgen sie die Szenerie, laute Bassmusik gab es früher nicht zur Demo. Aber irgendwie entspannt der Rhytmus auch die Demonstranten.
18.40 Uhr: der Castor ist losgerollt in Dannenberg. Die Wendlandfahnen werden in der Menge gehisst. Gorleben soll leben!
Tweet










Carsten Fink
Ich bin absoluter Atomkraftgegner und finde die Demonstrationen gegen den Castor wirkolich ganz stark von Greenpeace! Aber warum BLOCKIERT ihr diesen Zug????
Euch ist doch wohl klar, dass durch ewiges Warten des Zuges die Umwelt in diesem Gebiet extrem belastet wird. “Der Castortransport mit der höchsten Verspätung” herzlichen Glückwunsch! Ihr könnt auch schreiben “Der Castortransport, der die Umwelt am stärksten schädigte” Das Argument gegen den Castor-Transport in einem Greenpeace-Artikel “die Gesundheit der Polizeibeamten würde dadurch Schaden nehmen” ist richtig schlecht. Erstens ist euch das Wohl von Polizisten normalerweise doch sowas von scheißegal und ihr würdet euch doch freuen wenn es denen schlechter geht. Und zweitens warum müssen denn soviele Polizisten dabei sein? Wegen irgendwelchen “friedlichen Demonstranten”, die sich an die Gleise ketten und damit den Zug behindern.
Die Organisatoren des Castortransport hatten außerdem ein Projekt geplant, dass jeder Greenpeace-Befürworter gut finden würde. Doch durch die Kosten für Polizei, Gleisarbeiten, … kann dieses Projekt nicht durchgeführt werden.
Und am Ende kann ich nur noch sagen, dass ihr extrem Glück diesmal hattet. Was wäre denn wenn verrückte, betrunkene Demonstranten einen der Wagons versucht hätten zu zerstören und das Zeug ausgetreten wäre oder wenn ein extrem starkes Unwetter losgegegangen wäre oder ein Terroranschlag? Oder die noch realistischere Theorie was wäre wenn alle Polizisten und der Zugführer auf einmal abgezogen wären? Dann stände das Zeug jetzt noch darum und würde schön alles in der Umgebung zersetzen.
Weitsicht habt ihr bei der Aktion nicht bewiesen! Die Proteste dagegen sind gut aber ich hätte wenigstens von Greenpeace erwartet, dass es bei durchdachten Demonstrationen bleibt.
29.11.2011 um 18:33 Uhr ·
kleinerhobit
@Carsten: Meinst du das wirklich ernst, wasw du schreibst? Dieser Castortransport war, ist und bleibt illegal. Aufgrund der Strahlenwerte im Zwischanelager Gorleben hätte er niemals genehmigt werden dürfen. Infolge dessen waren die friedlichen Proteste dagegen notwendig und legitim. Im übrigen hat sogar die Gewerkschaft der Polizei die Absage des Transportes gefordert. Und zweitens ist die Polizei nicht der Gegner von Greenpeace, sondern die Energiekonzerne und ihre Erfüllungsgehilfen in der Politik. Vieleicht kommst du nächstes Mal (das hoffentlich nie kommt) selber ins Wendland und machst dir selbst vor Ort ein Bild von der Sache.
29.11.2011 um 21:55 Uhr ·
Stefan
Ich bin Carstens Meinung!
Illegal oder nicht, spielt keine Rolle. Ihr verfahrt nach dem Motto, er hat mich bestohlen, also bestehle ich ihn auch wieder. Aus zwei mal illegal wird nicht legal.
Wenn es illegal ist, muss man klagen!
Wenn der Castor zu hohe Strahlenwerte hat, halte ich ihn nicht noch zeitweise auf. Denn letztendlich ändert das nichts.
Aber das schlimmste ist, dass ihr Krawallmachern eine Rahmen bietet in dem diese ihren Krieg gegen die Polizei führen kann.
Ich bin dankbar für die Arbeit, die ihr macht. Jemand muss kontrollieren und mahnen, demonstrieren und Öffentlichkeit herstellen. Aber das geht viel zu weit.
30.11.2011 um 14:05 Uhr ·
Lottina
Leider sind Gerichte langsamer als der Castorzug. Berechnungsgrundlagen werden schon mal falsch übernommen, der Weg durch die Instanzen ist schwer.
Von der Problematik der Castorstrahlung, dem ungeeigneten Lager in Gorleben, das dennoch weiter ausgebaut wird, …
nimmt die Öffentlichkeit ohne Proteste kaum Notiz.
Die Krawalle sind nicht von Greenpeace und der Mehrzahl der Demonstranten ausgegagen.
Randalierer gibt es inzwischen auch beim Fußball.
Schade ist, dass Politik ohne Öffentlichkeit oft nicht bereit ist, Konsequenzen zu ziehen. Dann müsste der Konflikt nicht auf Polizistenrücken ausgetragen werden, die an diesem Wochenende auch lieber daheim gewesen wären. Sie werden so zum Prellbock und leider oft auch zu Opfern von einigen Randalierern.
30.11.2011 um 16:21 Uhr ·
Lottina
Außerdem werden Polizisten immer diese Züge sichern müssen (schon wegen der Terrorgefahr) und damit Strahlung ausgesetzt. Es muss so wenig wie möglich Müll produziert werden, nicht nur hier, um das zu vermeiden.
30.11.2011 um 16:24 Uhr ·
Bruno Straub
Für die “Bewachung/Sicherung” der Züge bräuchte man vielleicht 500 – 1000 Polizisten. Die übrigen 19000 könnten zu Hause bleiben.
(Und das dumme, verantwortungslose Gequatsche über die “Terrorgefahr” sollte man langsam lassen!)
30.11.2011 um 22:30 Uhr ·
jenni
also da ich selbst Polizistin bin, möchte ich kurz was dazu sagen: ich kann es verstehen, dass es bürgerlichen Protest gibt, ich würde auch nicht wollen, dass bei mir in der nachbarschaft solch ein Lager existiert, das ist die eine sache, die andere ist, dass es mittlerweile Gewalt Tourismus gibt und das haben wir Beamten in der letzten Woche leider erfahren, schlimmer als ich es je erlebt habe!!! es ist NICHT gerechtfertigt, dass ich die Schädigung der beamten in Kauf nehme, ja sogar herbeiführe, durch Brennsätze, Zwillenbeschuss, durchbohrte Golfbälle oder Leuchtspurmonition!! das ist krank!!!!! alle die so handeln sind krank und mehr als bescheuert im Kopf!!! wasserwerfer, Tränengas und schlagstöcke sind die RE-aktion und nicht die Aktion, aber leider geht das in die Kleinhirne der entsprecenden leute nicht rein!!!! also beschwert euch nicht, wenn Demonstranten von Polizeipferden überrantt werden, oder ihr mit Tränengas besprüht werdet, da kann ich nur sagen, selbst Schuld!!!!
30.11.2011 um 21:38 Uhr ·
Lottina
Selbst Schuld gilt für Militante, die durch diese Waffen (anders kann man das nicht nennen) immer wieder auffallent, allerdings gibt es hier bei aller verständlichen Aufgebrachtheit Grundregeln, von denen ich hoffe, dass sie eingehalten werden. Polizisten sind aber auch Menschen, die geschützt werden müssen.. Demonstranten an sich befinden sich immer auf dem Boden des Grundgesetzes wie Polizisten auch.
Demonstrieren heißt Meinung zeigen, das ist ausdrücklich in der Verfassung vorgesehen.
Allerdings verstehe ich die aufgebrachten Polizisten, die – wie übrigens auch beim Fußball und überhaupt – immer mehr attackiert werden. Politik muss Inhalte so verantworten, dass Polizisten nicht die Puffer für Auseinandersetzungen werden. Mir tun alle Leid (egal auf welcher Seite) die einer Eskalation zufolge verletzt werden.
30.11.2011 um 22:38 Uhr ·
Bruno Straub
Demonstranten, die schottern, Gleise beschädigen oder sich an Gleise anketten, befinden sich keineswegs “”immer auf dem Boden des Grundgesetzes”", wie Du uns da suggerieren willst.
30.11.2011 um 22:48 Uhr
Michse
Die Existenz weniger Krawallmachern darf keine Rechtfertigung dafür sein die rechte aller Demonstranten derart einzuschränken. Die meisten Opfer der Polizeigewalt waren doch friedliche Demonstranten. Ich habe gesehen wie Teilnehmer einer Sitzblockade die sich vorbildlich hingesetzt haben um einfach getragen zu werden wie Gegenstände über den Boden geschleift und Meter weit über Zäune geworfen wurden oder hörte dass oft erst Schmerzgriffe angewendet wurden um Sitzende dazu zu bewegen auf zu stehen.
Ich bin selber gegen Gewallt und möchte dies nicht rechtfertigen aber ich kann es verstehen wenn einige Aufgrund der ungerechtfertigten extremen Gewallt die von der Polizei aus ging versuchten sich zu wehren.
01.12.2011 um 14:40 Uhr ·
Lottina
Bruno, Du kennst mich doch schon, lies lieber genau, bevor Du mir Blödsinn unterstellst. Die Rechtsgrundlage ist doch geklärt.
30.11.2011 um 22:53 Uhr ·
Derek Murphy
As long as you people continue to take – and condone – illegal activities against others who are not, you will have no support from me.
01.12.2011 um 09:00 Uhr ·
Lottina
Greenpeace ruft nicht zu Straftaten oder Gewalt auf.
01.12.2011 um 09:08 Uhr ·
dieraute
Mal eine Frage. Ich hab mal nachgeforscht weil ich wissen wollte wie hoch die natürliche Strahlenbelastung für Menschen in Deutschland ist. Dabei viel mir auf dass fast ganz Süd und Mitteldeutschland Werte von 0,4 mSv bis manchmal hoch zu 1,2mSv, aber jenseits irgendwelcher kerntechnischen Anlagen, als gewöhnlichen Jahresmittelwert besitzten. Am Zaun von Gorleben gelten 0,3 mSv als Grenzwert. Warum so niedrig? Und warum dann so eine Aufregung?Quelle: http://www.radon-info.de/images/bmu_exp_de03.gif. Oder gelten diese Werte nur für bestimmte ionisierende Strahlung. Obohl das nicht sein kann oder besser darf. Da Castoren ja hermetisch abgeschirmt sprich dicht sind, somit auch nur Gammastrahlung auftreten sollte. Alpha und Beta Strahlen sind ja Partikelstrahlung welche leicht anschirmbar ist. Weiss es jemand wirklich? Danke…
02.12.2011 um 00:23 Uhr ·