Walfang: Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht

08. Dezember 2011 · von Gastautor/in

Es ist ein Skandal, über den Greenpeace schon im Oktober berichtet hat: Teile des von der japanischen Regierung angelegten Hilfsfonds für die Opfer der Katastrophe von Fukushima sollen in den Walfang investiert werden. Meine Kollegen in Japan sowie eine Reihe anderer NGOs protestierten daraufhin vor Ort. Sie forderten die japanische Regierung auf, die veranschlagten zusätzlichen 21 Millionen Euro für konkrete Maßnahmen zu nutzen, die den Menschen in der Region Fukushima zugute kommen, anstatt sie für die antiquierte Jagd auf Wale zu verwenden.

Diese Woche ist in Japan die Walfangflotte ausgelaufen. Sie wollen in der Antarktis Jagd auf knapp 1.000 Wale machen, darunter etwa 50 der gefährdeten Finnwale.

Das sagt eigentlich schon genug aus:  Japan hat, was den Walfang in heutigen Zeiten angeht, nichts dazu gelernt. Die Walfangflotte setzt sich damit über internationale Gesetzte hinweg. Hinzu kommt in diesem Jahr die Unterstützung der japanischen Regierung zum Schutz der Flotte aus Geldern, die eigentlich den Opfern der Katastrophe von Fukushima vorbehalten war. Die vereinigte Gruppe aus NGOs in Japan hat daher einen offenen Brief geschrieben. Darin fordert sie die Verantwortlichen der Regierung auf, die Subventionen für den Walfang einzustellen und für humanitäre Projekte zu verwenden.

Zu dieser Verschwendung von Steuergeldern drückt sich mein japanischer Greenpeace-Kollege absolut treffend aus. Er meint: „Nicht nur, dass die Walfang-Industrie ohne steigende finanzielle Hilfe der Regierung gar nicht in der Lage wäre zu überleben, es werden jetzt zudem noch Gelder von den Menschen abgezogen, die sie derzeit am dringendsten benötigen. Dies stellt einen neuen Tiefpunkt für die schamlose Walfang-Industrie dar, unterstützt von kaltschnäuzigen Verantwortlichen in der Regierung“.

Der Markt für Walfleisch in Japan ist seit Langem überschuldet und nicht mehr profitabel. Außerdem lehnt die große Mehrheit der Bevölkerung den Walfang ab. Zeitgleich sieht sich Japan mit den Folgen der Katastrophe von Fukushima konfrontiert. Wie viele Argumente gegen die Jagd auf Wale müssen eigentlich noch hervor gebracht werden, bevor die Verantwortlichen eine neue Richtung einschlagen?

(Autor: Sebastian Buschmann)

Kommentare

  • stefan

    absolut unverständlich. bezogen auf das ausmaß der bedrohung der meeressäuger weitaus schwerwiegender ist jedoch ein umstand, der vielen nicht bewusst ist und mit jedem nicht nachhaltigen fischkonsum unterstützt wird: jährlich verenden weltweit rund 300.000 wale und delphine in treib- und stellnetzen der kommerziellen, auch europäischen fischerei. im vergleich zu dem direkten walfang durch japan, norwegen und island also etwa die 100fache menge.
    daher mein appell: unterstützt die meeresschutzkampagne von gp, nutzt den fischratgeber (wird momentan aktualisiert), wenn ihr fisch essen wollt und verfolgt die neuverhandlungen der eu zur gemeinsamen fischereipolitik, die bis 2013 abgeschlossen sein sollen. macht gegebenenfalls druck auf die entscheidungsträger, in deutschland z.b. frau aigner, in europa frau damanaki.

    17.12.2011 um 22:27 Uhr · Antworten

  • Martin

    Schön wäre es auch wenn GP nach langer “Abstinenz” mal wieder Schiffe in das Südpolarmeer entsenden würde. Die Esperanza und die Artic Sunrise sind beides Eisklassenschiffe und könnten einen wertvollen Beitrag zur Beendigung des japanischen Walfanges leisten. Man muss ja nicht gleich Seite an Seite mit Seashepherd fahren, aber mit diesen beiden Schiffen wären dann insgesamt 5 Schiffe vor Ort und somit wahrscheinlich sogar eine zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber der japanischen Flotte. Die finanziellen Mittel sollten vorhanden sein, nur der Wille fehlt (?).

    22.12.2011 um 18:46 Uhr · Antworten

  • Michael Mittelstädt

    “Schön wäre es auch wenn GP nach langer “Abstinenz” mal wieder Schiffe in das Südpolarmeer entsenden würde”

    Schön ja, aber unwahrscheinlich.

    “Die finanziellen Mittel sollten vorhanden sein, nur der Wille fehlt (?).”

    Aktionen im Südpolarmeer gegen die japanische Waljagd sind meiner Meinung nach seit einigen Jahren kein Thema für GP, weil man dort in direkter Medienkonkurrenz mit der Sea Shepherd Conservation Society (SSCS) für sich selbst nichts oder zumindest nur wenig in Sachen Medienarbeit etc. erreichen kann. Würde aber, muss man nüchtern sehen, GP viel Geld kosten. Solange viele Leute aufgrund alter Bilder und Filme glauben, dass GP im Südpolarmeer noch aktuell aktiv ist und ggf. spenden, muss man ja auch nichts machen. Eine direkte Zusammenarbeit mit / Unterstützung der SSCS ist aus den schon zigfach in diesem Blog diskutierten Gründen wohl b.a.w. auszuschließen. Ich hielte zwar viel davon, wenn noch mehr und neutralere Kameras im Südpolarmeer unterwegs wären als die von SSCS und ICR, aber das bleibt wohl ein persönlicher Traum.

    Die Sea Shepherds haben übrigens das Fabrikschiff der japanischen Waljagdflotte,die Nisshin Maru, dieses Jahr sehr frühzeitig durch den Einsatz einer Drohne (unbemanntes Kleinflugzeug) bereits gefunden. Am 24.12.11 kam die Meldung bei der SSCS, kann man bei Interesse dort nachlesen.

    26.12.2011 um 10:30 Uhr · Antworten

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