Wir prangern die Abholzung des Urwalds in Amazonien an – und sollten uns doch an die eigene Nase fassen. In Brasilien stehen 30 Prozent der Wälder unter Schutz – hierzulande sind es nichtmal 1 Prozent. Dabei war Deutschland einst zu 90 Prozent mit Buchenwäldern bedeckt – bewohnt von Luchs, Wolf und unzählig vielen anderen Tier- und Pflanzenarten. Greenpeace hat jetzt im Spessart ein Waldcamp errichtet. Warum? Das erzählt Greenpeace-Waldexpertin Gesche Jürgens.
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Weitere Infos über Buchenwälder findet ihr auf unserer Kampagnenseite www.greenpeace.de/buchenwaelder. Dort erfahrt ihr auch, wie ihr aktiv werden könnt.
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Ruschen Cetinköprülü
Frau Jürgens wird als “Waldexpertin von Greenpeace” tituliert. Sie hat allerdings augenscheinlich erhebliche Defizite in Pflanzensoziologie, Waldbau, nachhaltiger Waldwirtschaft und Waldgeschichte. Ich bin gerne dazu bereit ihr und ihrer Truppe in einer eintägigen Führung im Spessart die Grundlagen näher zu bringen.
Als “Waldexpertin” sollte frau Jürgens wissen, dass sich die Buche im Spessart im Optimum befindet. Die vorherrschende Waldgesellschaft ist das Luzulo Fagetum. Die Eiche könnte hier ohne menschliche Hilfe nicht existieren. (siehe Naturschutzgebiet Metzger bei Weibersbrunn). Sie ist keine natürliche Baumart im Spessart. Grundsätzlich verjüngen wir Buchenbestände nicht im Kahlschlagverfahren. Der Verjüngungsprozess verläuft in der Regel über einen Zeitraum von 40 Jahren. Nur wenn wir uns entscheiden auf einer ehemaligen Buchenfläche Eiche zu verjüngen, dann wird der Buchenbestand ganzflächig geräumt, da die Eiche ja eine Lichtbaumart ist. Dies ist aber kein Kahlschlag im Sinne einer Exploitationswirtschaft, wie in den USA oder Neuseeland, sondern ein sehr teures und aufwendiges Verfahren zur künstlichen Erhaltung des Eichenanteiles im Spessart.
Unsere Förster sind bestrebt durch Waldbewirtschaftungs- und Waldumbaumaßnahmen möglichst naturnahe Wälder zu erziehen. Der Entscheidungsprozess verläuft wie folgt: Zunächst werden die Standortfaktoren ermittelt: Bodenart, Niederschlag, Temperaturen, Höhenlage, Exposition; Dann untersucht man, welche Bodenpflanzen vorherrschend sind und schließt dann mit Hilfe der Planzensoziologie auf die Waldgesellschaft, die an diesem Standort natürlich vorkommen würde. Die Waldinventur beschreibt den Status quo. Mit Hilfe aller dieser Informationen wird ein Plan erarbeitet, wie der momentane Wald in einen Wald, der natürlich an diesem Standort vorkommen würde, umgewandelt werden kann.
Ich bin als Holzhändler weltweit in Wäldern unterwegs. Ich habe nirgendwo auf der Welt so eine naturnahe Waldbewirtschaftung erlebt, wie in Bayern. In Neuseeland wurde z.B. 94% des Primarwaldes gerodet und stattdessen Radiata Plantagen gepflanzt. Vor 2 Wochen war ich im Südosten der USA in Southern Yellow Pine (Pinus patula) Plantagen. Die Forstbewirtschaftung dort läuft so: grossflächiger Kahlschlag, maschinelle Bodenbearbeitung, kräftiger Herbizideinsatz und Düngung. Nach 11 Jahren 1. Durchforstung. Wieder Düngung. nach 20 Jahren 2. Durchforstung, Herbizideinsatz oder kontrolliertes Brennen zur Vernichtung der Bodenvegetation (einschl. Fauna), Düngung und nach 30 Jahren wieder Kahlhieb. Das Holz dieser Plantagen, sowie viele Radiata Bestände (die vorher Primärwald waren) sind FSC zertifiziert!!! Gegen diesen Etikettenschwindel sollte Greenpeace einmal vorgehen
13.2.2012 um 19:37 Uhr ·
spargeltarzan
Absolut lächerliche Aktion seitens Greenpeace! Naturschutz wird bei der baysf beachtet, und es gibt kaum eine natürlichere Maßnahme als Forstwirtschaft.durch diesen Beitrag werde ich als Greenpeace Mitglied sehr misstrauisch. Wenn alle Mitarbeiter so ein enormes wissen haben wie diese Baum Expertin war es das mit meiner Mitgliedschaft…woher erlangte denn diese Expertin ihr wissen?
Ich stimme ruschen absolut zu und fordere eine sinnvolle Antwort von Seiten Greenpeace!
Als Forst Student In meinen Augen eine Schande für Greenpeace!
13.2.2012 um 19:57 Uhr ·
sophistoph
Scheinbar ist Greenpeace ein Tummelplatz vieler „Experten“ aller Art.
Ich wusste schon immer, warum ich diesen Begriff niemals traute und mochte.
13.2.2012 um 20:43 Uhr
Waldfreund
@ Ruschen Cetinköprülü
Bravo!
In den letzten Tagen haben zahlreiche Kommentatoren in ähnlicher Weise auf die
Defizite in der GP – Logik bzgl. der betriebswirtschaftlichen u. waldbaulichen Behandlung der Spessartwälder in verschiedenen GP – Blocs hingewiesen.
Aber da kommt halt kaum essentielles zurück. Wir drehen uns im Kreis.
Ich bin gespannt, was Greenpeace morgen Abend in Lohr – Steinbach neues zu bieten hat. (19 Uhr, im Gasthaus “Adler”).
13.2.2012 um 22:18 Uhr ·
Andre Schönfeldt
Ich kann Herrn Cetinköprülü nur voll und ganz zustimmen. Er spricht mir, und wohl jedem dem unserer Wald am Herzen liegt, aus der Seele. Es gibt nicht immer nur “schwarz und weiß” auf der Welt. Ein allzu schnelles Urteil ist dabei schnell gefasst, hier sollte man sich jedoch lieber auf die wirklichen “Experten” im Wald verlassen. Und das sind die mit Hochschulstudium, die eine jahrelange, komplexe und umfassende Ausbildung durchlaufen haben und jeden Tag in unseren Wäldern “still und heimlich” wirklich großes Leisten. Nämlich die Erfüllung ALLER Funktion des Waldes auf ein und der gleichen Fläche (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion). Man denke nur mal an die Millionenbeträge die durch Schutzwaldsanierungen etc. in den bayerischen Alpen durch die BaySf ausgegeben werden.
Diese negative Darstellung, die durch solch unbegründeter Propaganda verursacht wird, haben unsere Förster nicht verdient.
13.2.2012 um 20:35 Uhr ·
sophistoph
Kann mich ihrer Meinung nur anschließen.
Der Wald sollte nicht zur Spielwiese zwielichtiger Propagandisten werden.
13.2.2012 um 20:47 Uhr ·