In unserem Waldcamp im Spessart ist auch Volker Oppermann aus der Münchner Ortsgruppe von Greenpeace fleißig dabei, Bäume zu kartieren. Er ist Ansprechpartner für Waldthemen in seiner Gruppe und setzt sich seit vielen Jahren für den Umweltschutz ein. Er hat sich die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu beantworten.
Was hat dich dazu bewogen, beim Waldcamp mitzumachen?
Im Spessart existieren alte Laubwälder, die noch ungenügend geschützt sind. Vielen dieser alten Wälder droht der Holzeinschlag. Die Bayerischen Staatsforsten sowie das Bayerische Umweltministerium halten die konkreten Daten und Karten zu den alten Wäldern in Bayern trotz mehrfacher Anfrage durch Greenpeace zurück. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, bei dem Greenpeace-Monitoring-Camp im Spessart mitzuhelfen, die Daten der dringend zu schützenden Wälder zu erheben.
Was ist so besonders am Spessart?
Alleine im spessarter Forstbetrieb Rothenbuch sollen nach Aussage der BaySF 28 Prozent der Waldbestände älter als 140 Jahre alt sein. Bayernweit sind gerade mal fünf Prozent der Staatswälder älter als 140 Jahre. Somit hat Bayern besonders im Spessart eine besondere, ja eine internationale Verantwortung für alte Wälder. Mich fasziniert die große Artenvielfalt im Spessart. Ich habe sie schon aufgesucht und bewundere sie einfach.
Warum ist besonders Bayern in der Verantwortung, Wälder zu schützen?
Nachdem schon 2007 im Bundesrat mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie einstimmig beschlossen wurde, bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Waldes im öffentlichen Besitz aus der forstlichen Nutzung zu nehmen, drückt sich Bayern um die Verantwortung. Bayern ist das mit Abstand waldreichste Bundesland mit über 2,5 Millionen Hektar und beherbergt 23 Prozent der deutschen Wälder. Der Bayerische Freistaat ist mit etwa 800.000 Hektar einer der größten Waldbesitzer in Mitteleuropa. Hinzu kommen noch viele öffentliche Wälder im Bundes- und Kommunalbesitz. Der Bayerische Staat muss endlich handeln. Erst letztes Jahr hat die Regierung die fachlich dringend nötige Ausweisung eines Nationalpark Steigerwald zugunsten der Holznutzung erst einmal zurückgestellt. Anstatt neue Flächen als echte Schutzgebiete auszuweisen, wird intensiver Holz aus den alten Laubwälder herausgeholt – und das nicht nur im Spessart oder im Steigerwald. Ein Einschlagstopp der alten öffentlichen Laubwälder in den gesamten öffentlichen Wäldern Bayerns ist dringender erforderlich denn je.
Ist in Bayern nicht schon (zu) viel Wald geschützt?
Es gibt viele Schutz-Label wie Naturpark, Landschaftsschutzgebiet, FFH-Gebiet, Vogelschutzgebiet, Naturschutzgebiet oder Biosphärenreservat. Nur in wenigen Schutzgebieten wie Naturwaldreservat oder Nationalpark-Kernzone wurde wirklich jede forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt. Bislang hat Bayern nach meinen Berechnungen erst etwa 1,3 Prozent seiner Wälder geschützt. Forstminister Brunner und die BaySF werden nicht müde zu erzählen, dass in Bayern 30 Prozent des Staatswaldes geschützt sei – dabei machen Naturparks, Landschaftsschutzgebiete und Natura2000-Gebiete fast 100 Prozent dieser Schutzgebiete aus. In diesen Schutzgebietskategorien gibt es keinerlei Einschränkung für die Forstwirtschaft. Statt nennenswerte Anstrengungen zur Ausweisung von weiteren echten Schutzgebieten wie Naturwaldreservaten oder Nationalparken zu unternehmen, ernten die Bayerischen Staatsforsten immer mehr Holz aus unseren Wäldern.
Die Bayerischen Staatforsten (BaySF) integrieren doch den Naturschutz im Wald, oder?
Das Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten fördert zwar Biotop und Totholz, welches eine wichtige Grundlage für viele Arten ist, aber die belassene Menge an Totholz in der Fläche ist noch unter den Schwellenwerten, die für viele Arten notwendig sind. Mit Erschrecken musste ich im Spessart feststellen, dass auch in den von den BaySF als “Klasse 1 Wäldern” (Buchenwälder älter als 180 Jahre und Eichenwälder älter als 300 Jahre) normale Forstwirtschaft betrieben wird. Im Naturschutzkonzept werden diese als Wälder mit Hiebsruhe bezeichnet – Nur noch einzelne “Wertträger” sollten hier ausnahmsweise aus größeren Beständen geerntet werden – so die Aussagen der BaySF. Die Realität hat sogar mich überrascht. Schon am zweiten Tag der Kartierung sind wir auf einen Holzeinschlag in über 180 Jahre alten Beständen gestoßen. Nicht mal diese wenigen alten Wälder (bayernweit weniger als ein Prozent der Staatswälder) werden vom Holzeinschlag geschont.
Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen. Ihr könnt auch selbst einen Beitrag dazu leisten, den Wald zu schützen und bei unserer Protestmailaktion mitmachen!
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Erna
Also bisher habe ich mich ja bewußt beim Thema zurückgehaöten, da ich davon nun wirklich kein Hintergrundwissen habe. Aber was bitte soll die Behauptung
…Statt nennenswerte Anstrengungen zur Ausweisung von weiteren echten Schutzgebieten wie Naturwaldreservaten oder Nationalparken zu unternehmen, ernten die Bayerischen Staatsforsten immer mehr Holz aus unseren Wäldern…..
Gemäßder Statistik seit 1996 hat sich nicht wirklich etwas getan. http://www.baysf.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/pdfs/Statistikband2011_BaySF.pdf
Wir sollen halt mal wieder – wie so oft – einfach für dumm verkauft werden.
16.2.2012 um 13:16 Uhr ·
Lisa
@ Erna: Ist die Frage von WEM wir für dumm verkauft werden!? Weder du noch ich wissen wie die zahlen vor 1996 aussehen! Und die Statistik gibt auch nicht an WAS für Holz eingeschlagen wurde ! Schliesslich reden wir hier über Buchenwälder. Also ist die von dir genannte Quelle irrelevant weil sie gar nichts aussagt über die Entwicklung des Einschlags in alten Buchenbeständen. Und nichts desto trotz finde ich eine Anhebung des Einschlags um 6% schon ganz schön viel!
16.2.2012 um 15:53 Uhr ·
jennerwein
Na wieviel ist denn viel aus ihrer sicht? 50 efm/ha,80efm/ha? subjektive eindrücke sind nicht unbedingt zielführend… Wieviel fm wachsen pro jahr/ha nach ? Wie hoch ist der vorrat pro hektar? Das hört sich aus laiensicht arrogant an, aber diese kennzahlen sind ausschlaggebend für eine beurteilung! Desweiteren spielt die waldbauliche situation und zielsetzung eine wichtige Rolle… Vom heimischen schreibtisch zu sagen, 6% seien “ziemlich viel“ ohne die forsteinrichtungswerke und das bestandesbild zu kennen, ist sehr schwierig, und erfordert sehr viel erfahrung.
16.2.2012 um 16:11 Uhr
Erna
@Lisa,@jennerwein
Ich kann Zahlen lesen. Ich hoffe Sie auch und vielleicht sollte man sich einfach mal angewöhnen den kompletten Bericht zu lesen!!! Vorher macht die Diskussion keinen Sinn aber die Jugend von Heute kennt halt offensichtlich nur noch die Schrei-Mentalität (wer es am Lautesten kann hat Recht).
Nun aber mal zu den Tatsachen. Wo bitte steht nachvollziehbar, dass immer mehr Holz (von mir aus Buchen was aber im Blog so nicht steht) geerntet wurde? Ohne jeglichen Nachweis solche Behauptungen aufzustellen ist einfach nur Massenverdummung die ja bei Einigen zu wirken scheint.
16.2.2012 um 17:13 Uhr
Lisa
@ erna.Schön, dass sie gleich darüber urteilen können wer ich bin oder was ich für einen Hintergrund habe. Leider ist mir auch bei genauem Durchlesen ihres Links keine Zahlen begegnet.Vielleicht können sie mir da in ihrer Weisheit weiterhelfen WO genau steht, wie sich der Einschlag der alten Buchenwaldbestände (denn darum geht es ja hier ) die älter sind als 140 Jahre ! genau entwickelt hat. Denn leider ist die Jugend von heute ihnen sicher auch viel zu schnelllebig und hektisch und hat leider keine Zeit sich den ganzen Statistikband von 2011 reinzuziehen. Viele Grüße und einen schönen Tag.
17.2.2012 um 10:21 Uhr
Lisa
@jennerwein OK, vielleicht kann man das ja nicht sagen.Ich wollte nur auf die Zahlen eingehen, die Erna einem um die Ohren haut.All diese Kennzahlen hat die BaySF aber sie gibt sie leider nicht raus. Deshalb müssen wir selber messen und hoffen, dass wir die fehlenden Daten irgendwann noch von der BaySF bekommen.
17.2.2012 um 10:25 Uhr
Erna
@Lisa
Sorry aber ich muss wirklich an Ihnen zweifeln. Dort ist doch eindeutig nachvollziehbar, dass sich die gesamt Holzernte seit 1996 mit rund 5 Mio. Fm nicht wirklich erhöht hat. Dort ist nachvollziehbar, dass der Buchenanteil an der Ente 2011 ca. 13 % = 658 TFm beträgt bei einem Baumbestand von rund 30%. Mit den berichten aus den Vorjahren lässt sich nachvollziehen, das auch das Schlagen von Buchen nicht zugenommen hat. Also was soll das Ganze. Wo bitteschön ist ein nachvollziehbarer NACHWEIS für die Greenpeacebehauptung, dass immer mehr Holz aus dem Wald geholt wird??? Ich bin für jeden Link dankbar.
18.2.2012 um 13:13 Uhr
Waldfreund
@Greenpeace,
Sara Westerhaus
Auch durch die gebetsmühlenartige Wiederholung ihrer Argumentation durch ihre Aktivisten (hier: Herr Volker Oppermann) werden ihre Argumente dadurch nicht glaubhafter.
An dieser Stelle sollte m. E. Greenpeace erst einmal in eine Denkpause (Blogpause) eintreten, damit sie die noch offenen Fragen zahlreicher Kommentatoren zu ihrer “Spessartkampange” glauhaft und sauber recherchiert beantworten können.
16.2.2012 um 15:01 Uhr ·
Sara Westerhaus
@alle Norbert Panek hat ein Gutachten im Auftrag von Greenpeace angefertigt. Diese Studie “Deutschlands internationale Verantwortung: Rotbuchenwälder im Verbund schützen” könnt ihr hier abrufen:
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/waelder/Studie_Buchenwaelder_April_2011.pdf
Sie befasst sich u.a. mit dem internationalen und nationalen Bestand und
Schutzstatus der Rotbuchenwälder, den Rahmenbedingungen für ein Schutz- und Nutzungskonzept und einer Analyse der Kulissen und Identifizierung der Handlungsräume. Dort werden viele eurer Fragen ausführlich beantwortet.
16.2.2012 um 17:32 Uhr ·
Energiesparfuchs
Gern lese ich Gutachten, denn sie beinhalten in der Regel Worte wie würde – hätte – könnte (Gutachterstil !!!) auf x-Seiten.
Tut mir leid, aber an dieser Stelle steige ich aus. Warum beantwortet ihr unsere Fragen und Hinweise nicht mit euren eigenen Worten ?
Was zeichnet denn die Rotbuche gegenüber anderen Laubbäumen im besonderen aus ? Ich verstehe das alles nicht mehr.
16.2.2012 um 19:31 Uhr ·
Waldfreund
@ sara westerhaus
Ich habe mal das 72 – seitige von “Greenpeace in Auftrag gegebene Gutachten” des Herrn Norbert Panek “über ROTBUCHENWÄLDER IM VERBUND SCHÜTZEN “mehr oder weniger überflogen.
Es bringt mir einen kleinen Eindruck davon, wie und auf welcher Weise die Forderungen seitens von GP abgeleitet und abgesichert werden.
Darin sind auch für die Förster durchaus bedenkenswerte Informationen enthalten,
aber auch Aussagen, die durch andere Gutachten und Erfahrungen widerlegt werden.
Dies trifft u.A. auch auf die Aussage über die ökonomischen Synergien und Vorteile beim ältesten Deutschen Nationalpark Bay. Wald zu, oder zur Sortenverteilung bei der Buche.
Mit Durchschnittswerten ist das so eine Sache: Ein Bein in der Backröhre und das andere im Eisbad ergibt im Durchschnitt zwar eine angenehme Durchschnittstemp.
aber an den jeweiligen Beinen einen unangenehmen Extremwert.
In dem GP – Gutachten habe ich leider noch keine einzige Antwort auf die noch ausstehenden Fragen verschiedenster Kommentatoren gefunden.
Es wäre für alle Leser Ihres Blogs hilfreich, wenn Sie die I. E. zutreffenden Inhalte und Passagen Ihrer Gutachten in einer Zusammenfassung in den Selbigen einstellen würden.
Sonst laufen Sie m. E. Gefahr, sich des Vorwurfes einer gewissen Beliebigkeit aus zu setzen.
Also dann hoffen ich mal weiter, dass Sie die verschiedenen Blog – Fragen noch beantworten werden.
16.2.2012 um 22:39 Uhr ·
jaichbinvomfach
Sehr geehrte Damen und Herren von Greenpeace,
es ehrt Sie, dass sie sich so viel Mühe geben den Wald (neben vielen anderen wichtigen Dingen) so intensiv zu schützen versuchen und wie sie dies selbst bei den zuletzt unangenehmen Witterungsverhältnissen durchziehen. Diese Arbeit ist im Allgemeinen wichtig und hat auch schon zum Umdenken in mancher Forstverwaltung geführt (Umweltschutz allgemein). Wie soll ich die nun folgende Kritik nur schonend beschreiben, ohne Sie vor den Kopf zu stoßen? Mit dem letzten Artikel haben Sie leider Ihre Inkompetenz zum Thema Wald ausgedrückt (zumindest teilweise). FFH-Gebiete als Gebiete ohne forstliche Restriktionen zu beschreiben ist schlicht falsch. Ich hoffe in diesem Fall, dass Sie tatsächlich unwissend sind, andernfalls wäre diese Aussage eine LÜGE! Ich arbeite in einem zu gut 80 % von FFH betroffenen Forstamt, weitere Schutzgebietskategorien liegen ebenfalls auf den Flächen.
Auflagen (Auswahl):
- keine Durchforstungen von März bis Ende August
- Belassen eines B° von 0,5 in Verjüngungsbeständen (sprich: mehr als die Hälfte des verwertbaren Holzes in Altbeständen bleibt grundsätzlich erstmal auf der Fläche! Der ZielB° in Pflegebeständen ist 0,8)
- “Verschlechterungsverbot” – in der Natur gibt es kein besser oder schlechter, aber es darf nicht schlechter werden -nach Kriterien der Bürokraten in Brüssel
–> Erhalt der niedergeschriebenen Baumartenanteile
- Erhalt sämtlicher Horst-, Höhlen- und Habitatbäume in Verjüngung, bis Jungbestand (Und das bei einem B° von 0,5 im Oberstand!)
Reicht das für’ s Erste? Zum Glück lassen die Leute von der UNB mit sich reden, dass Ausnahmen möglich sind (z.B. Einschlag im März, wenn keine brütenden und seltenen Vogelvorkommen bekannt sind). Ich möchte nicht gegen diese Maßnahmen schreiben, aber das sind eindeutig Auflagen. Zugegeben, ob die auch in Bayern gültig sind, bin ich nicht sicher, aber es soll niemand pauschal behaupten, das FFH habe keinerlei forstliche Auswirkungen!
Ich hoffe, dass Sie Ihre Angaben und Argumente künftig besser prüfen. Sonst ergeht es Ihnen womöglich wie gewissen Politikern, denen auch keiner mehr glaubt…
PS: Schade, dass Sie noch keine Antwort auf meine Frage zum Blogeintrag vom 12.02. gefunden haben…
17.2.2012 um 08:05 Uhr ·
Michse
@jaichbinvomfach
Auf welchen Artikel beziehen sie sich jetzt? In hatte nicht den Eindruck dass in diesem Blogeintrag “FFH-Gebiete als Gebiete ohne forstliche Restriktionen” beschrieben werden.
Volker bezog sich doch hauptsächlich auf die von Bayern als geschützt bezeichneten Gebiete.
Unabhängig davon kann man doch fordern dass ein Teil des Waldes noch besser geschützt wird als es die FFH Regelungen vorsehen.
17.2.2012 um 11:11 Uhr ·
Waldfreund
@ Michse
Sie haben selbstverständlich Recht, dass man einen besseren Schutz der Wälder als nach den geltenden FFH – Regelungen fordern kann.
Diese Forderung bzw. noch mehr deren Umsetzung sollte aber nicht ausschließlich mit dem Blick durch die Brille des örtlichen und überörtlichen Naturschutzes erfolgen.
M. E. muss zwingend einer solchen Schutzmaßnahme vorab eine Folgenabschätzung für sämtliche Bereiche vorausgehen, die in einer Wirkungsbeziehung zu dem angestrebten Schutzobjekt (Altbuchenwälder) stehen.
Schnellschüsse sollten vermieden werden, weil sie sonst anderenorts zu erheblichen negativen Auswirkungen führen werden.
Das ist wohl auch der Grundtenor vieler kritischer Kommentare im GP – Blog zu der laufenden GP – Aktion im Spessart.
17.2.2012 um 12:09 Uhr
Sara Westerhaus
Im Interview heißt es: “Es gibt viele Schutz-Label wie Naturpark, Landschaftsschutzgebiet, FFH-Gebiet, Vogelschutzgebiet, Naturschutzgebiet oder Biosphärenreservat. Nur in wenigen Schutzgebieten wie Naturwaldreservat oder Nationalpark-Kernzone wurde wirklich jede forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt.”
Es wird also gar nicht gesagt, dass in FFH-Gebieten keine forstwirtschaftliche Nutzung stattfindet.
17.2.2012 um 14:57 Uhr ·
waldfreund
@Erna
Ja da bin auch ich gespannt, wie GP Ihre berechtigte Frage und noch viele andere
ausstehende beantworten wird.
18.2.2012 um 13:26 Uhr ·
Marina
Zur Zeit steht der geplante Nationalpark Teutoburger Wald – (später auch) Senne
zur Diskussion.
Die Meinungen darüber gehen sehr auseinander. Es gibt viele Befürworter, aber auch viele Gegner.
Die Stadt Horn-Bad Meinberg hat sich mit einer bindenden Entscheidung dagegen ausgesprochen, ihren Stadtwald in die Fläche eines Nationalparks einbeziehen zu lassen. Ich finde das sehr schade. Aus der knappen Information aus den Medien ging leider nicht hervor, welche Gründe die Stadt bewogen, obige Entscheidung zu treffen.
Allgemein sind mir z.B. die übliche Nutzung des Waldes und das generell beliebte Argument Sicherung der Arbeitsplätze als Gründe bekannt, welche die Gegner des geplanten Nationalparks auch hier ins Feld geführt haben könnten.
Wenn diese rein ökonomischen Gesichtspunkte jedoch die Hauptargumente oder die alleinigen Gründe wären, die gegen das Projekt sprächen,
wäre das in meinen Augen zu kurz und recht einseitig betrachtet, und zwar in jeder Hinsicht.
Die von Frau Westerhaus angegebene Studie von April 2011 gibt es, soweit ich weiß, in Lang- und Kurzform.
Sobald sich die Gelegenheit für mich ergibt, werde ich mich zumindest mit der
Kurzform etwas näher befassen.
Folgende Gründe, die für ein solches Vorhaben, wie geplant, sprechen, sind z.B.:
- die früher in Urwälder vorgekommenen Arten von Tieren und Pflanzen
können sich wieder ansiedeln, wo Totholz zum Vermodern liegenbleibt und nicht
von der Forstverwaltung wie in den “blank geputzten” Nutzungswäldern üblicher
Art weggeschafft wird. Die alten neuen Tierarten finden im Totholz Lebensraum
und entsprechende Nahrung, die es in allgemein bekannten Wäldern kaum oder
im Grunde gar nicht gibt. Andere und weitere Arten werden quasi angezogen.
Eine vielseitigere Nahrungskette und entsprechendes Angebot von Tier-
und Pflanzenarten entsteht, was bei der üblichen Waldbewirtschaftung so gut
wie überhaupt nicht möglich wäre.
Ist es nicht so, dass, wenn der Mensch die Natur intensiv für seine Zwecke nutzt,
Tier- und Pflanzenarten nicht mehr vorkommen und vielleicht sogar vom Aussterben bedroht sind?
- Was heißt: Arbeitsplätze gehen verloren? Die bestehenden Arbeitsstellen können
sozusagen umgewandelt werden. Hierzu wären aber Kurzausbildungen oder
sogar nur entsprechende Umschulungen nötig. Sollten Arbeitnehmer heutzutage
nicht flexibel sein?
- Durch keine Abholzung auf als Schutzgebiet ausgewiesenen Waldflächen wird
auch CO2 gebunden, bedeutet demnach, dass entsprechende Emissionen von
anderer Stelle aus vom Wald, der stehenbleibt, verringert wird. Pflanzen benötigen
CO2 und geben an die Umgebung O2 ab. Der Wald ist gewissermaßen die grüne
Lunge.
Außerdem: Wie stehen wir da, wenn wir an die Bevölkerung in Gegenden, wo tropi-
sche Regenwälder vorherrschen, appellieren, sie sollten diese schonend nutzen, im Grunde gar nicht abholzen, wenn wir mit unseren Wäldern hier im Lande anders verfahren?!
Wo bleibt unsere Glaubwürdigkeit? Wir wären vielleicht als Gringo verschrieen, dem besser zu Gesicht stände, sich da nicht einzumischen, sondern eher vor der eigenen Haustür zu kehren. Womit die dort ansässigen indigenen Völker vollkommen recht hätten!
Sicherlich gibt es auch noch andere Gründe, die einen Nationalpark befürworten.
Im Moment sind mir lediglich die o.a. kurzerhand eingefallen. – - -
18.2.2012 um 13:33 Uhr ·
waldfreund
@Marina
Ihre durchaus berechtigten Fragen sind im GP – Blog der letzten Tage zum allergrößten Teil schon recht “munter” diskutiert worden.
Wenn bei Ihnen im Teuteburger Wald die Totholzsituation tatsächlich so ist, dass der Wald mehr oder wie ein “Kurpark” gefegt ist, dann ist das sicherlich nicht mit einer naturnahen Forstwirtschaft vereinbar.
Die aktuelle GP – Aktion im Spessart in den Wäldern der Bay. Staatsforsten findet aber an einer Stelle des deutschen Waldes statt, wo dieser Zustand gänzlich anders ist als wie von Ihnen beschrieben.
Nachweislich steigen in den Wäldern der Bay. Staatsforsten sowohl die Holzvorräte als auch der Totholzanteil.
Dies wird durch ständige laufende Inventuren überwacht und dokumentiert.
Dort wird mit einem integrativen Nutzungsansatz angestrebt, allen Funktionen des Waldes auf der Gesamtfläche zu dienen.
In diesen NATURNAH BEWIRTSCHAFTETEN LAUBWÄLDERN des Spessarts sind xylobiontär im und am Holz lebende Insekten wie Hirschkäfer, Nashornkäfer oder der Eremit und viele andere heimisch. Das beweist doch m.E., dass es unter den Bedingungen eines Nachhaltigkeitsprinzipes, welches aus dem harmonischen Dreiklang aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Verantwortung besteht, einen für alle Seiten tragbaren Ausgleich zu finden.
Nun zur CO2 – Bindung (CO2 – Senke) von Natur- u. Wirtschaftswäldern:
Selbstverständlich bilden älter werdende Bäume und Wälder eine CO2 – Senke.
Wenn allerdings Holz durch Nutzung (Wirtschaftswald) aus dem natürlichen Zerfallsprozessen und der damit einhergehenden CO2 – Freisetzung entzogen wird, dann entlastet es hiermit die CO2 – Bilanz; und dies umso mehr, je längerfistig das Holzprodukt genutzt wird ( Stichwort: Holzhaus, langlebige Möbel etc pp.)
Das gilt u. a. insbesondere für Buchenholz, weil es im natürlichen
Kreislaufprozess durch Pilze, Bakterien und Microrganismen im Gegensatz zu Kernhölzern sehr schnell zu Humus umgewandelt wird.
Ein weiterer positiver CO2 – Effekt tritt bei der Holznutzung dann ein, wenn Holz andere energieintensive Materialien wie z.B. Stahl oder Beton ersetzt.
Selbst die energetische Nutzung von Holz ist unter den Bedingungen der Nachhaltigkeit und moderner umweltfreundlicher Verbrennungstechnik sinnvoll, weil Holz zum Einen gespeicherte Sonnenenergie ist und zum Anderen i.a.R.
andere fossile Energieträger wie Öl, Kohle oder Gas ersetzt, die bei der Verbrennung, im Gegensatz zur Holzverbrennung, im Boden gespeichertes CO2
der Atmosphäre zuführen u. damit den CO2 – Kreislauf zusätzlich antreiben.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Selbstverständlich sind unsere allgemeinen Energieprobleme nicht mit der energetischen Nutzung von Holz allein zu lösen.
Ein solches Handeln wäre fatal! Gleichwohl kann aber Holz gerade im ländlichen Raum einen wichtigen, vernünftigen und umweltfreundlichen Beitrag bei der Energieerzeugung leisten (siehe z.B. im FSC – zertifizierten Stadtwald Lübeck)
Zum Schluss gestatten Sie mir, dass ich Ihnen eine Gegenfrage stelle:
Woher kommt eigentlich das benötigte Holz, wenn allerorten in Deutschland grosse Teile der öffentlichen Wälder unter Schutz gestellt und aus der Bewirtschaftung heraus genommen werden?
Umweltschutz bei uns zu Lasten anderer, meist ärmerer Staaten – wäre das sinnvoll?
18.2.2012 um 15:08 Uhr ·
Marco Schüler
@ Waldfreund
Je mehr Ihrer Kommentare ich lese, desto deutlicher wird mir, dass Ihre durchaus von umfangreichen Kenntnissen geprägten Forderungen kaum von dem abweichen was von Greenpeace vertreten wird. Eine forstwirtschaftliche Nutzung soll ja weiterhin im größten Teil der Waldflächen stattfinden, allerdings sollen einzelne Flächen der Natur überlassen werden – ähnlich wie es in dem von Ihnen genannten Lübecker Stadtwald (übrigens mit Unterstützung von GP) geschehen ist.
Weiterhin wäre auch eine Wiederaufforstung denkbar und wünschenswert (wie Sie ja sicher wissen, war Deutschland vor einigen Jahrhunderten größtenteils von Wald bedeckt). Dies würde eine Verringerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen erfordern, wie sie durch Energieeffizienz und eine Verringerung der intensiven Tierhaltung zwecks Fleischmassenproduktion befördert werden könnte. Auch dies sind Ziele, die von GP und anderen Umwelt- und auch Tierschutzorganisationen unterstützt werden.
Was hielten von der Idee, Greenpeace als Aktivist oder Fördermitglied zu unterstützen? Ich denke, das wäre ein sehr guter Weg, Ihre (von mir größtenteils geteilten) Interessen an einer umweltfreundlichen Waldnutzung zu fördern
18.2.2012 um 20:02 Uhr ·
Waldfreund
@ Marco Schüler
Sie haben recht, wenn Sie feststellen, dass ich mit vielen der GP- Aktionen konform gehe; aber mit dieser Aktion in dieser Form habe ich erhebliche Probleme.
Meine Gründe hierfür habe ich in diversen Kommentaren “zum Besten” gegeben.
Ihre Einlassungen zur Erhöhung des Waldanteiles durch Aufforstung von landwirtschaftlichen Flächen ist ein Gedankenansatz, den ich so nicht teilen kann.
Eine Intensivierung der Landwirtschaft zu Gunsten der Erhöhung des Waldanteiles
bei der Bodennutzung in Deutschland halte ich für ziemlich problematisch.
Es gibt doch heute schon erhebliche ökologische Probleme durch unsere intensive
Landwirtschaft (Stichwort: Nitratbelastung, Wasserverschmutzung, Dünger- u. Herbizideinsatz, genverändertes Saatgut, Biodieselerzeugung, überbordender Maisanbau, Artenverarmung in der Landflur, Biogasanlagen, Zerstörung bestehender landwirtschaftlicher Srukturen in Entwicklungsländern durch subventionierte landwirtschafliche Export aus der EU etc.pp.).
Des Weiteren scheint mir eine Veringerung der landwirtschaftlichen Anbauflächen
im größeren Stil schon deshalb für schwierig, weil wir weltweit eine massiv ansteigende Weltbevölkerung haben.
Mein Ansatz in der Landwirtschaft wäre der der Extensivierung (Stichwort: weniger
Dünger und Herbizide, weniger Fleischkonsum, höherwertigere Lebensmittel und
dadurch höhere Einkommen für unsere Landwirte – möglichst ohne Subventionen ).
Sollten dann noch landwirtschaftliche Flächen zur freien Verfügung stehen, könnten diese ev. mit schnellwachsenden Baumarten im Kurzumtrieb aufgeforstet werden.
Solche Kurzumtriebsplantagen haben eine deutlich bessere Ökobilanz ( kein Herbizideinsatz, höhere Artenvielfalt) als z.B. die konkurrierenden Maisanbauflächen für Biogasanlagen. Die jährliche Zuwachsleistung solcher Kurzumtriebsplantagen sind groß und würden dem Bauern eine sichere Rendite ohne Subvention durch den Staat oder EU bringen.
Das mit der Greenpeacemitgliedschaft muss ich mir noch mal genau überlegen. Ich habe zur Zeit aber das Gefühl, dass viele Unterstützer mit einer Menge von Idealismus (nicht negativ gemeint) agieren, der in meinem Fall manchmal den Blick für die Realität erschwert.
Aus meinem Wirkungskreis weiß ich, dass vieler der GP – Ziele auch anders erreichbar sind.
18.2.2012 um 21:25 Uhr ·