Warum sind wir überhaupt im Wald aktiv und kartieren den Bestand, wenn doch in den Jahresberichten der Bayrischen Staatsforsten (BaySF) die statistischen Informationen gesammelt und im Internet abrufbar sind? Martin Hofstetter, Agrarökonom bei Greenpeace, gibt uns Antwort:
Die Jahresberichte der Bayrischen Staatsforsten liefern zwar aufsummiert eine Menge statistischer Informationen über den bayerischen Bürgerwald, doch nichts über deren konkreten Zustand und die Entwicklung wertvoller Waldbestände. Informationen über Einzelbestände fehlen völlig. Vor einigen Wochen hat Greenpeace daher einen Fragenkatalog an die Bayerischen Staatsforsten geschickt. Darin bitten wir um Auskunft über die Umsetzung waldökologischer Ziele auf dem Gebiet der Staatsforsten sowie um weitere Informationen wie zum Beispiel Umfang und Export des geernteten Holzes.
Zum Hintergrund solcher Anfragen: Das Umweltinformationsgesetz (UIG) erlaubt es jedem Bürger, umweltrelevante Informationen und Daten bei Stellen, die öffentliche Aufgaben mit einem Bezug zur Umwelt haben, abzurufen. Umweltinformationen sind beispielsweise alle Daten über den Zustand von Luft, Atmosphäre, Wasser, Boden, Landschaft, natürliche Lebensräume, die Artenvielfalt sowie die Wechselwirkungen zwischen diesen. Aber auch Maßnahmen oder Tätigkeiten, die sich auf die Umwelt auswirken bzw. den Umweltschutz zum Ziel haben wie z.B. Rechts- und Verwaltungsvorschriften, Pläne und Programme sind Umweltinformationen. In der Regel muss dem Antrag binnen eines Monats geantwortet werden. Bei besonders komplexen Anfragen darf die informationspflichtige Stelle für eine Beantwortung zwei Monate in Anspruch nehmen.
Wir wollten in unserem Antrag nun von den Bayerischen Staatsforsten unter Anderem wissen:
Wo genau liegen in bestimmten Regionen Bayerns (z.B. Bundsandstein-Spessart, Frankenhöhe) besonders alte Buchen- und Laubwaldbestände, die in Obhut der bayerischen Staatsforsten sind? Hierfür baten wir um die Übersendung der entsprechenden Karten – möglichst in digitaler Form, da wir den Aufwand so gering wie möglich halten wollten.
Gleichzeitig baten wir für einzelne Regionen um eine Auflistung der alten landeseigenen Laubwaldbestände im Bürgerwald – deren Planung und durchgeführten Maßnahmen. Dabei wollten wir auch wissen, wie diese alten Waldbestände jeweils von den BaySF bewirtschaftet bzw. geschützt werden.Nun kam die Antwort. Doch ein genaues Studium des 9-seitigen Faxes ergibt: leider viel Prosa und wenig konkretes Datenmaterial. Über die Hälfte der Fragen werden unzureichend beantwortet. Bei den zugesendeten Informationen handelt es sich weitgehend um bereits veröffentlichte Daten und Hintergrundmaterial. Entsprechende digitale Bestandskarten lägen nicht vor und könnten auch nicht mit vertretbarem Aufwand erstellt werden, so die BaySF. Und auch eine Liste der einzelnen alten Waldbestände läge so nicht vor bzw. könne ebenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand erstellt werden.
Das verwundert nun doch. Gibt es keine Karten, auf denen die älteren Buchenwaldbestände in den entsprechenden Regionen verzeichnet sind? Für uns ist eigentlich schwer vorstellbar, dass die BaySF keine aussagekräftigen Karten haben, sind sie doch absolute Planungsgrundlage für jede Waldbewirtschaftung. Jeder Forstbetrieb sollte über entsprechendes Kartenmaterial verfügen, um vernünftig wirtschaften zu können. Doch die BaySF führen aus: „Auch keine andere uns bekannte Stelle verfügt über die Karten in der geforderten Form.“ Geforderte Form? Wollen die BaySF uns damit durch die Blume sagen, dass sie noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind, entsprechende Karten aber in einer anderen Form (gerollt oder gefaltet) existieren?
Auch an anderer Stelle wurden Fragen nur begrenzt oder ungenügend beantwortet. So wollten wir wissen, in welchem Umfang Douglasien und Roteichen in den bayerischen Staatsforsten unter Buchenbeständen angepflanzt worden sind.
Dazu die ausweichende Antwort BaySF: “Daten zur Pflanzung von Douglasien und Roteiche konkret unter Buchen- und Eichenbeständen liegen nicht vor.” Es würde nicht erfasst, in welchen Altbeständen diese Pflanzungen erfolgten und es lägen darüber weder entsprechendes Kartenmaterial noch Zahlen vor.
Auch diese Aussage erstaunt uns. Wird denn nicht verzeichnet, wo Neuanpflanzungen von Douglasien erfolgen und ob dort noch Buchenaltbestände stehen?
Wissen die BaySF wirklich so wenig über den Zustand unserer Wälder? Das wäre erschreckend. Wir werden nachfassen und darauf drängen, die noch ausstehenden Informationen zu erhalten. Zu unglaublich erscheint uns das bisher vorgelegte Material. Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, in welchem Zustand sich ihre Wälder konkret befinden, wo besonders wertvolle naturnahe Bestände stehen und wie mit ihnen umgegangen wird.
Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen. Ihr könnt auch selbst einen Beitrag dazu leisten, den Wald zu schützen und bei unserer Protestmailaktion mitmachen!
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Erna
http://www.baysf.de/de/home/unternehmen_wald/aktuelles/detailansicht/article/18/aelter-dicker-mehr.html
….
Wissen sollte man aber auch, dass die schönen Buchenwälder hierzulande nicht nur gottgegeben sind. Generationen von Förstern mit viel Sachverstand und genauso viel Herzblut haben Hand angelegt. Darum ist der Ausdruck vom Waldkulturerbe auch ganz richtig. Denn die Wälder, wie wir sie in Deutschland kennen und lieben, sind fast alle Kulturwälder, also von Menschenhand angelegt, gepflegt und bewirtschaftet. Seit rund dreihundert Jahren arbeitet die Forstwirtschaft streng nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Nicht mehr entnehmen als nachwächst, könnte man etwas vereinfacht auch sagen.
Zur Nachhaltigkeit, wie wir sie leben, gehört die Bereitstellung von Holz für Gesellschaft und Industrie, genauso aber auch der Naturschutz und der Erhalt der Biodiversität. Der immense Artenreichtum in unseren Wäldern ist damit auch das Ergebnis unserer naturnahen Forstwirtschaft. Der immer wieder neu erhobenen Forderung nach pauschalen Flächstilllegungen aus Biodiversitätsgründen kann die deutsche Forstwirtschaft jahrzehntelange Erfahrung im pfleglichen Umgang mit Wäldern und die Integration von Naturschutzaspekten in die Waldbewirtschaftung entgegenstellen.
Wenn wir über den nationalen Tellerrand hinausblicken, zeigt sich, dass dem Naturschutz und auch dem Klimaschutz mehr gedient ist, wenn wir unsere Wälder pfleglich, naturnah und im Rahmen des Prinzips der Nachhaltigkeit bewirtschaften. Denn Studien zeigen, dass bewirtschaftete Wälder eine günstigere Kohlendioxidbilanz aufweisen als nicht bewirtschaftete. Was ja auch logisch ist: Wird doch Jahr für Jahr CO2 in Form von Holz entnommen und in Dachstühlen, Möbeln und Holzböden gespeichert. Gleichzeitig bindet das nachwachsende Holz neues CO2. Darüber hinaus ersetzt Holz energieintensive Materialien wie z.B. Stahl oder Beton.
Hinzu kommt, dass wir für jeden Hektar Wald, der bei uns aus der Nutzung genommen wird, Holz importieren müssten – und das aus Ländern, wo Raubbau an der Natur an der Tagesordnung ist und Naturwälder durch Plantagen in Form von Monokulturen ersetzt werden. Mit Naturschutz und Erhalt der Biodiversität hätte das nichts zu tun, sondern eher mit einer regional begrenzten Sichtweise auf die Dinge.
Mit der Forderung nach pauschalen Flächenstilllegungen einher hinkt immer wieder der Vorwurf, die Wälder würden ausgeplündert. Die bayerischen Wälder können damit nicht gemeint sein, denn nachprüfbar nehmen seit Jahrzehnten die Waldfläche und auch der Holzvorrat in den Wäldern zu. Die Wahrheit ist: Der Wald in Bayern setzt Speck an. Übertragen auf die Buche sind die Zahlen der letzten Jahre sogar überdurchschnittlich positiv: Im bayerischen Staatswald wird seit Jahren nur etwas mehr als die Hälfte dessen geerntet, was an Buchenholz zuwächst. Unsere Buchen werden, vor allem in Altbeständen, älter und sie werden dicker, oder wie der Forstmann sagt: stärker. Dem durch nichts belegten Vorwurf der Gefährdung der Buchenwälder steht eine Realität gegenüber, die durch umfangreiche Waldinventuren belegt ist.
Zu glauben, man müsse den Wald vor denjenigen schützen, die über viele Jahrzehnte den guten Zustand des Waldes hergestellt haben, ist widersinnig. Genauso widersinnig ist die Forderung, die über viele Jahrzehnte etablierte naturnahe Forstwirtschaft, die im Staatswald auf eine Optimierung aller Waldfunktionen abstellt, von der Mensch und Natur profitieren, zugunsten einer kontraproduktiven Käseglockenmentalität abzuändern.
Gerade die Buchenbestände im bayerischen Staatswald sind das beste Beispiel für eine funktionierende, den Naturschutz integrierende naturnahe Forstwirtschaft.
22.2.2012 um 15:06 Uhr ·
mumu
Kauft nur bei Bayerischen Staatsforsten, die bauen die besten Buchen wo gibt!
22.2.2012 um 16:30 Uhr ·
Andreas
“Informationen über Einzelbestände fehlen völlig” sagt Martin Hofstetter! Ich bin selbst Förster und wundere mich. Alle Daten in Statistiken, die durch die “Forsteinrichtung” beschrieben werden, sind doch ursprünglich in “einzelnen Beständen” aufgenommen. Das heißt, der zuständige Förster kennt die Baumart, das Alter, die Menge des vorhandenen Holzes, den Zuwachs auf der Fläche und den möglichen Nutzungssatz, evtl. sogar mit der Angabe vorhandener Sortimente. Für den Einsatz der “Waldarbeiter, Maschinen, Rücker, Holzfuhrleute” sind Karten in verschiedenen Maßstäben vorhanden, in denen selbst kleinste Unterschiede in der Bestandeszusammensetzung berücksichtigt werden. Es kann sein, dass das Alter der Bestände, das durch Altersklassen zusammengefasst ist, schlecht farblich zu erkennen ist, weil man in den hohen Altersklassen (ab 200 Jahre aufwärts) keine mögliche Farbintensität mehr zur Verfügung hat. (Baumarten werden durch verschiedenen Farben dargestellt)……
Außerdem rühmen sich doch die meisten Forstverwaltungen, dass sie nach dem PEFC System zertifiziert sind. (also nachhaltig, Rücksicht nehmend auf die verschiedenen Waldfunktionen etc.)
“Zertifiziert wird nur, wer folgende Bedingungen erfüllt*(PEFC Richtlinie):
am Beispiel “Bewirtschaftungsplan”
Leitfaden 1
Wie sollte ein Bewirtschaftungsplan gestaltet sein?
Forstbetriebe mit einer Flächengröße von über 100 ha sollen Forsteinrichtungswerke bzw.,sofern solche nicht vorliegen, schriftliche Bewirtschaftungskonzepte erstellen, die mindestens folgende Angaben enthalten:
1. Flächenverzeichnis
2. Kartenwerk
3. Bestandesbeschreibungen oder Betriebsbeschreibung „Forst“
4. Altersklassenübersicht (nach Baumarten getrennt), auch Ergebnisse einer Stichprobenerhebung möglich
5. Zuwachs- und Vorratsberechnung
6. Zieldefinition (einschließlich langfristig anzustrebendes Baumartenverhältnis mit
Aussagen zu ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen im Sinne von PEFC)
7. Mittelfristige Betriebsplanung
8. Bemessung des Nutzungssatzes
Betriebsgutachten für Forstbetriebe mit einer Flächengröße von unter 100 ha sollen mindestens die unter Punkt 1, 2, 5 und 8 aufgeführten Angaben enthalten. An die Stelle der Berechnung von Zuwachs und Vorrat (Punkt 5) kann eine Schätzung mit Hilfe von Ertragstafeln treten.
Alle Waldbesitzer ohne schriftliche Betriebsplanung sollen gegenüber dem Zertifizierer ihre Ziele und Planungen (Nutzung, Pflege, Verjüngung) detailliert darlegen.”*
Beim nächsten “Audit” sollten die Verantwortlichen dem Bayerischen Landesforstbetrieb ggf. die Zertifizierung nach PEFC wieder weg nehmen, wenn weiterhin behauptet wird, man hätte keine “aussagekräftigen” Daten über die eigenen Waldbestände.
Ich stelle also für mich fest, dass die Verantwortlichen (meinetwegen auch der Forst-Minister) keinen “Bock” darauf haben, die vermutlich dürftigen Ergebnisse (Anzahl der Buchenbestände über 300 Jahre) der Öffentlichkeit vorzustellen.
Den Aktivisten im “Waldcamp” und den Freiwilligen von Greenpeace wünsche ich viel Erfolg. Den FörstInnen wünsche ich mehr Gelassenheit. Es geht den “Aktivisten” nicht darum, die im “Wald arbeitenden Menschen” herauszujagen.
22.2.2012 um 21:16 Uhr ·
supiflo
Nur noch Förster hier. Ts, ts.
22.2.2012 um 21:26 Uhr
Sara Westerhaus
@Erna:
Greenpeace fordert an keiner Stelle, dass Laubwälder nicht mehr bewirtschaftet werden.Unsere Forderung des Einschlagsstopps gilt lediglich für Buchenwälder, die älder als 140 Jahre sind (2-3% der deutschen Waldfläche) und zwar bis 10% der Wälder der öffentlichen Hand aus der forstlichen Nutzung genommen worden sind.
Die Entwicklung natürlicher Prozesse steht in den aus der Nutzung genommenen Wälder an oberster Stelle. Sie sind wichtige Weiserflächen, Rückzugs- und Reproduktionsräume für Tierpopulationen, sowie Kohlenstoffspeicher. Da die Überlebensfähigkeit vieler Tierarten von der Intaktheit und Ungestörtheit ihrer Lebensräume abhängt, spielen große, nicht durch menschliche Nutzung gestörte Gebiete eine bedeutende Rolle im Artenschutz (vgl. auch Greenpeace: “Rotbuchenwälder im Verbund schützen, http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/waelder/Studie_Buchenwaelder_April_2011.pdf.)
Deutschland ist ein Nettoausfuhrland und exportiert mehr Holz als importiert wird. (vgl. http://literatur.vti.bund.de/digbib_extern/bitv/dn049040.pdf): Während 2010 schätzungsweise 128,2 Mio m³ (r) Holz- und Papierprodukte aus Deutschland exportiert wurden, wurden im Gegenzug 122,9 Mio m³ (r) importiert, um unseren Bedarf zu decken. Der Einschlagstopp in Buchenwäldern, die älter als 140 Jahre sind, wird also nicht zu einem Engpass in der Holzversorgung führen!
In Deutschland wachsen jedes Jahr 110 Millionen Vorratsfestmeter Holz nach, 54 Millionen fm wurden 2010 eingeschlagen. Das liegt immer noch weit unter dem, was nachwächst. Diese von der Holzindustrie immer wieder vorgeführte Milchmädchenrechnung, die rein auf die Holzmasse abzielt, geht leider nicht auf. Wald besteht aus mehr als nur Holz, das nachwächst. Weder im Hinblick auf Kohlenstoffspeicherung noch für die Artenvielfalt lassen sich alte Wälder, in denen eingeschlagen wird, ersetzen. Der Holzeinschlag verhindert die natürliche Entwicklung. Alte Bäume (die schon Lebensraum an sich sind) werden entnommen, die Lichtverhältnisse verändern sich, der Boden wird befahren und verdichtet, natürliche Alters- und Zerfallsphasen können sich nicht ausprägen.
Aber in weiten Teilen Deutschlands hat die Forstwirtschaft selbst den Pfad der Massen-Nachhaltigkeit verlassen. In einzelnen Forstbetrieben wird häufig sehr viel mehr Holz eingeschlagen, als nachwächst. Zudem ist der Wald in Deutschland längst keine Senke für das Treibhausgas CO2 mehr. Deutschland gibt offiziell zu, dass die Senkenleistung der Wälder von ehemals 80 Millionen Tonnen CO2 in 1990 auf nahezu Null (UNFCCC) zusammengeschrumpft ist. Grund dafür ist die ‚Privatisierung’ der öffentlichen Landesforstverwaltungen und die Industrialisierung der Holznutzung.
27.2.2012 um 15:49 Uhr ·
wildkatze
@Andreas
Klar, und wie weit soll diese Informationsflut gehen?
So kann man auch einen Betrieb an die Wand fahren.
Verwaltung als Selbstzweck – prima Idee!
22.2.2012 um 21:46 Uhr ·
Andreas
Wildkatzen finde ich gut.Ich habe nur aus den derzeit gültigen PEFC Richtlinien zitiert! Die Bay. Landesforsten sind zertifiziert, müssen also schon bereits jetzt die Punkte 1-7 erfüllen. Wenn also dort die Verwaltung behauptet, sie hätte keine “Bestandesdaten”, dann stimmt das nicht. Im praktischen Betrieb “Holzeinschlag” ist dies keine Informationsflut, sondern das Mindestmaß an Informationen, damit überhaupt ein Holzeinschlag durchgeführt und die anschließende Zielausrichtung (ggf. Pflanzung) des Bestandes entwickelt werden kann. Wenn irgendwo unter Buchenwäldern Douglasien gepflanzt werden, dann ist das kein Zufall, sondern die “Umsetzung” eines Betriebszieles, dass von der Verwaltung vorgegeben wurde. Politisch sollte gefordert werden, dass die öffentliche Forstverwaltung den Auftrag bekommt, ihre Daten und Ziele detailliert zur Verfügung zu stellen. Es geht hier ja um öffentlichen Wald!
23.2.2012 um 18:59 Uhr ·
Wildkatze
@Andreas
Grundsätzlich hätte ich mit vielen dieser Dinge oder Forderungen kein Problem.
Aber ich habe an der Stelle ein Problem, wenn Dinge bewusst oder unbewusst mal eben so eben seitens GP in den Raum gestellt werden, die einer fachlichen Überprüfung kaum standhalten und GP sich der Beantwortung ständig entzieht.
Gleichzeitig wird eine “Verwaltungsmaschinerie” auf teils unhaltbare Vorwürfe in Gang gesetzt, die mit Sicherheit auch andere sinnstiftende Arbeiten erledigen könnte.
Es sei erinnert an profitorientiert, ausstehende Renditevergleiche, Kahlschlagswirtschaft, CO2-Senke, energetische Nutzung von Holz, Verstoß gegen Naturschutzgesetze, kaputte Wege, Tourismus, Holzversorgung der Volkswirtschaft, usw..
Man könnte langsam auch den Eindruck gewinnen, dass hier ein großer Waldbesitzer öffentlich vorgeführt werden soll.
Nicht nur die Glaubwürdigkeit der BaySf ist hier gefordert, sondern mindestens im gleichen Maße auch die von GP.
23.2.2012 um 21:33 Uhr
Jovanni
@andreas
wenn ich das richtig bei Frau Westerhaus lese, dann hat die BaySF nicht behauptet, “die Daten lägen nicht vor”, sondern gesagt, “die Daten liegen in der geforderten Form nicht vor”. Das ist ein Unterschied!
Ich frage mich ohnehin: Was soll die Öffentlichkeit mit dem ganzen “Datenschrott”? Gibt es dann wie beim Fußball in Deutschland 80 Mio. Nationalmannschaftstrainer – Entschuldigung, ich meine Förster?
29.2.2012 um 22:39 Uhr
Ralf
Eindeutig Förster! Schöne Beiträge wie von Erna:
“Wissen sollte man aber auch, dass die schönen Buchenwälder hierzulande nicht nur gottgegeben sind.” So, so. Nur durch Förster sind naturnahe Wälder in Deutschland überhaupt möglich!
“Der immense Artenreichtum in unseren Wäldern ist damit auch das Ergebnis unserer naturnahen Forstwirtschaft.” Daher auch die langen Roten Listen bedrohter Arten im Wald, xylobionte Käfer sind nur ein Beispiel.
Auch in NRW bekommt man natürlich kaum Informationen über die öffentlichen Wälder, soll heißen Staatsforst und kommunale Wälder. Ich bekomme zur Zeit ja nicht einmal eine Übersicht über die Stadtwälder unserer Kommune. Geheimsache? Ich komme nur durch Anwohner befragen weiter. Wer öffentliches Eigentum bewirtschaftet, der sollte keine Angst vor Transparenz haben. Wer gut wirtschaftet, und damit meine ich nicht nur die ökonomische Seite der durch Förster/Forstwirtschafter bewirtschafteten Wälder, denn der Wald hat ja mehrere Funktionen, sollte sich nicht so verstecken. In der Vergangenheit wurden die Roten Listen im Kielwasser der Forstwirtschaft länger und länger. Das muss nicht so sein.
PEFC sehe ich sehr kritisch. Geschaffen nur um der FSC-Zertifizierung zu entgehen.
Liebe Förster: Die Meinung der Öffentlichkeit ändert sich, langsam aber nachhaltig! Ändern Sie ihr Denken!
22.2.2012 um 22:01 Uhr ·
Waldfreund
@ Ralf
Sehr geehrter Ralf
Zum Thema der Sinnhaftigkeit und der Qualität von PEFC, FSC oder anderer Audits könnte man sehr viel anmerken. Es wird so sein, dass auch unter dem Siegel eine solchen Audits Dinge geschehen, die falsch, kritisierbar, fragwürdig oder nicht richtig sind.
Allerdings so einseitig wie Sie mit dem Finger auf das “Schmuddelaudit” PEFC (nach Lesart eingefleischter Naturschützer) zeigen, ist es in der Wirklichkeit mit Sicherheit nicht.
Interessant in diesem Zusammenhang war für mich z.B. der Kommentar im GP – Blog des Herrn Rushen Cetinköprülü.
Er ist seit vielen Jahren als Holzeinkäufer weltweit unterwegs und berichtete in seinem Beitrag über den Kahlschlag von Primärwäldern und der anschließenden Anlage von MONOKULTUREN z.B. mit der schnellwüchsigen Pinus radiata oder Pinus patula, und das häufig gepaart mit Bodenbearbeitung, Dünger- u. Herbizideinsatz.
Nicht selten werden diese “ökologischen Gewalteingriffe” seitens FSC akzeptiert und diese Betriebe erhalten das begehrte UMWELTFREUNDLICH suggerierende Label.
Vor einigen Wochen lief im 3. Fernsehprogramm des WDR ein kritischer Beitrag
zu der weltgrößten Möbelhauskette IKEA. Dort wurde unter anderem auch die Herkunft der bei IKEA – Möbeln verwendeten Hölzer hinterfragt.
Das Ergebnis dieser Nachfrage war ein ziemlich grosses Desaster für IKEA, die Holzlieferanten – in diesem Fall aus Russland, die Holzverarbeiter in China und das Ökolabel FSC.
Lt. WDR war ein großer Teil des Holzes zwar FSC zertifiziert, aber die lückenlose
Herkunft des selbigen war überhaupt nicht nachweisbar. Eigene FSC – Standards wurden in dem Fernsehbeitrag zuhauf nicht erfüllt.
Mir liegt fern, dass FSC – Label zu beschädigen, aber man sollte schon etwas Vorsicht bei so einseitigen Vergleichen walten lassen. Schwarzweißmalerei nach dem Motto “da die Bösen und da die Guten” hilft letztlich nicht weiter und macht einen selbst letztlich angreifbar.
Zum Thema “Roten Liste” eine kleine Frage bzw. Anmerkung:
Das, was Sie in Ihrer Post zurecht kritisieren…. Könnte es aber auch z. T. in der Systematik der Roten Listen liegen, dass nämlich seltene Arten, die irgendwo neu entdeckt werden, gleich in die Roten Listen aufgenommen werden, weil sie so selten sind und deshalb mit zu einer ständig steigenden Zahl von gefährdeten Arten i.d.s. beitragen?
23.2.2012 um 11:54 Uhr ·
Ralf
@Waldfreund,
nein, es geht um unsere Roten Listen (Länder, Bund), nicht um irgendwelche exotischen und gerade erst entdeckten Arten in Wäldern irgendwo. Die Listen wären nicht so lang, wäre die Forstwirtschaft in Deutschland so naturnah, wie sie sich selber gerne sieht.
Was FSC angeht, so haben Sie in einigen Fällen Recht, aber: PEFC-Wälder werden kaum überprüft, FSC-Wälder schon. PEFC macht so gut wie keine Einschränkungen beim Anbau fremdländischer (standortgerechter) Baumarten, FSC schon. “Leitbild der angestrebten Wirtschaftswäler sind naturnahe Waldökosysteme, in denen die biologische Vielfalt und damit verbundene Werte wie Wasserressourcen, Böden und besondere Landschaften erhalten und gefördert werden.”. Bei PEFC müssen Bewirtschaftungspläne nicht offengelegt werden, bei FSC schon. Usw, usw., siehe:
http://www.intern.tu-darmstadt.de/dez_iv/nachhaltigkeit_2/gruene_tu_darmstadt/waldgebiete/fsc_und_pefc/zertifizierungen_vergleich_standards.de.jsp
FSC ist nicht perfekt, aber eben der bessere Ansatz, während es Förstern schwerfallen dürfte gegen PEFC zu verstoßen, da die Richtlinien bewusst so lax formuliert wurden.
23.2.2012 um 21:24 Uhr ·
waldfreund
@ Ralf
Da muss ich sie korigieren:
Ich kenne Fälle, wo PEFC – zertifizierte Forstbetriebe wegen unzureichender Zustände z.B. im Bereich der Jagd (Wildverbiss) ihr Zertifikat verloren haben.
Nochmals: FSC ist ein guter Ansatz und hat vielleicht weniger aber jedoch auch seine Mängel.
Mit FSC wird dem Verbraucher ein weltweiter Öko- u. Sozialstandard suggeriert, der defacto aber nicht existiert.
23.2.2012 um 21:46 Uhr
Waldfreund
@Greenpeace
Wenn Ihnen die Daten über die Bay. Staatswälder nicht ausreichen, dann gäbe es doch die Möglichkeit, nach dem Bay. UIG über den Verwaltungsrechtsweg juristisch klären zu lassen, welche der von GP geforderten Daten geliefert werden müssen oder eben nicht.
Noch eine Anmerkung zur Verfügbarkeit von digitalen Unterlagen:
Ihnen ist doch sicherlich bekannt, dass die von Ihnen gewünschten Unterlagen sich in der sogenannten Forsteinrichtung eines jeden Forstrevieres befinden. Die Forsteinrichtung wird i.d.R. alle 10 oder 20 Jahre durchgeführt.
Zahlreiche Forsteinrichtungen liegen überhaupt noch nicht in digitaler Form vor.
Im Zuge der regelmäßigen Forsteinrichtungen wird sukzessive eine Digitalisierung
der FE – Daten erfolgen.
Eine kurzfristige Digitalisierung der Daten würde m. E. sehr viel Geld kosten und unnötig Steuermittel oder Betriebsmittel binden.
23.2.2012 um 12:59 Uhr ·
Volker
@Waldfreund – gibt es denn keine Kopierer mehr? Das tuts doch auch, oder? (Aber bitte auf Recyclingpapier!)
23.2.2012 um 23:00 Uhr ·
waldfreund
@Volker
Kommt darauf an, was man denn alle haben will.
23.2.2012 um 23:08 Uhr
waldfreund
@Ralf
Unsere Betriebe wurden bisher regelmäßig durch PEFC kontrolliert.
Dabei wurde übrigens durchaus über naturnahe Bewirtschaftung oder Herbizideinsatz geredet und kontrolliert. Vielleicht hat da ja auch Umdenken stattgefunden.
Apropos: Chemieeinsatz im Ausland ist bei FSC durchaus keine Seltenheit (Siehe älterer Blog).Bei uns seit Jahren trotz PEFC absolut out.
23.2.2012 um 22:20 Uhr ·
Volker
@ Waldfreund – schön wenn bei der PEFC-Kontrolle bei Ihnen über Herbizideinsatz geredet wird. Leider sind die PEFC-Deutschland Kriterien hierzu sehr mau:
“2.2. Bekämpfungsmaßnahmen unter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln finden nur als letztes Mittel bei schwerwiegender Gefährdung des Bestandes oder der Verjüngung und ausschließlich auf der Grundlage eines schriftlichen Gutachtens einer fachkundigen Person statt. …
Polterspritzung … sind ohne schriftliches Gutachten zulässig. …
Eine Person gilt dann als fachkundig, wenn sie eine forstliche Ausbildung an einer
Universität oder Fachhochschule abgeschlossen hat.” https://pefc.de/tl_files/dokumente/fuer_waldbesitzer/pefc_Standards_01012011.pdf
Da könnte man ja fast meinen, dass man sich die Genehmigung – wenn man sie überhaupt braucht – als Förster selber schreiben kann.
FSC-Deutschland hat nicht nur in diesem Falle viel strengere Regeln
23.2.2012 um 22:52 Uhr ·
Sara Westerhaus
Wir haben unsere Anfragen und die Antwort der BaySF nun auch veröffentlicht: http://blog.greenpeace.de/blog/2012/02/29/intransparenz-der-bayerischen-staatsforsten-viele-fragen-wenige-antworten/
29.2.2012 um 17:33 Uhr ·