Rio+20: Willkommen in der alten Weltordnung

15. Juni 2012 · von Martin Kaiser

Genau 20 Jahre nach dem Erdgipfel in Rio, der als Meilenstein in der internationalen Umweltpolitik gefeiert wurde, beginnt am 20. Juni die Folgekonferenz Rio+20. Martin Kaiser berichtet in der Blogreihe Rio+20 täglich von dem politischen Ringen und twittert von der Konferenz.

Die Vorverhandlungen zum Erdgipfel, dessen Themen auf verschiedene Konferenzräume aufgeteilt waren, haben spätestens am Nachmittag eines deutlich gemacht: Die Welt verhandelt immer noch in der Ordnung von vor zwanzig Jahren. Auf der einen Seite sind die USA. Sie versuchen, alle konkreten Zahlen und Festlegungen auf Jahresdaten aus dem Abschlussdokument heraus zu bekommen, um erst gar keine Verbindlichkeit für den ‚American way of life’ aufkommen zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es die Gruppe aller Entwicklungsländer. Diese Gruppe beheimatet mittlerweile auch Industrieländer wie Singapur, Südkorea oder Saudi Arabien. Auch innerhalb der EU variieren die ökonomischen Verhältnisse enorm.

Der größte Verschmutzer der Atmosphäre, China, fühlt sich immer noch der Gruppe der Entwicklungsländer zugehörig – oder sollen wir sagen nutzt sie? Also der Gruppe, in der vor allem die Länder versammelt sind, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Erst diese Woche ist klar geworden, dass China 20 Prozent real mehr verschmutzt als bisher gedacht. Die Verhandlungen zur Green Economy und zu zukünftigen Zielen zur nachhaltigen Entwicklung wurden erst verlangsamt und dann unterbrochen. Erst einmal war zu klären, ob die Industrieländer der alten Weltordnung überhaupt bereit sind, innerhalb einer Mobilisierungsinitiative Geld für die Umsetzung bereit zu stellen.

Der neue französische Präsident François Hollande wird nach Rio kommen – anders als unsere Kanzlerin. Für die strittige Geldfrage hat er einen Lösungsansatz im Gepäck: Er will eine globale Finanztransaktionsteuer zur Finanzierung von Klimaschutz und Armutsbekämpfung einführen. Wie das funktioniert, ist am zum Beispiel in einem Spot mit Heike Makatsch und Jan Josef Liefers zu sehen.

Die Vorverhandlungen sollen heute Abend abgeschlossen sein. Vermutlich wird es aber über das Wochenende weitergehen. Es fängt an, spannend zu werden in Rio.

20 Jahre nach dem Erdgipfel in Rio ist vom damaligen Optimismus und Veränderungswillen nur noch wenig zu spüren. Einen Rückblick auf 1992 und worauf es jetzt ankommt, ist auf unserer Webseite nachzulesen. Mehr zum Thema Rio+20 und viele Hintergrundpapiere gibt es bei Greenpeace International.


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