Greenpeace-Fotograf Markus Mauthe war unterwegs im Amazonas-Regenwald. Im Greenpeace Blog berichtet er von seinen Erlebnissen und Eindrücken (zum 1. Teil, zum 2.Teil, zum 3.Teil, zum 4.Teil, zum 5. Teil)
Der Besuch bei den Löwenäffchen, die in den Schattenbäumen der Kakaoplantage bis heute überlebt haben, gab uns einen ersten Eindruck vom Charakter des atlantischen Küstenregenwaldes. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war dieser Teil Brasiliens noch fast vollständig mit Urwald bedeckt. In einem Zeitraum von sechzig Jahren hat der Mensch diesen Wald praktisch komplett vernichtet. In den Bergen, die sich über der Bucht von Paranaguá unweit der Hauptstadt Curitiba erheben, sind jedoch noch beachtliche Waldstücke in gutem Zustand vorhanden. Unsere erste Erkundung führt uns auf dem alten Jesuitenpfad “Camino do Itupava” durch diesen Lebensraum. Je näher wir der Küste kommen, desto mächtiger scheinen die Bäume zu werden. Besonders alte Würgefeigen bilden mächtige Brettwurzeln aus, die alle anderen Baumarten recht schmächtig erscheinen lassen.
Immer wieder zischen Kolibris an uns vorbei. Die kleinen Vögel fliegen so schnell, dass man sie kaum wahrnehmen kann. Durch ihre hohe Herzfrequenz müssen sie ständig Energie tanken. Wenn sie dann für wenige Sekunden ihre langen spitzen Schnäbel in Blüten tauchen und dabei bewegungslos in der Luft hängen, besteht die beste Chance, sie zu beobachten. Der Flügelschlag ist dabei so schnell, dass er nur mit dem Blitzlicht sichtbar gemacht werden kann.
In Mangrovenwäldern
Es herrscht immer noch tiefe Dunkelheit, als wir am nächsten Morgen mit dem kleinen Motorboot durch das Gewirr von Wasserstraßen fahren. Wir wollen zum Sonnenaufgang draußen in der Bucht sein, um das bewaldete Küstengebirge vom Wasser aus fotografieren zu können. In der Nacht hat es stark geregnet und noch immer gibt es leichte Schauer. Trotzdem haben wir uns entschlossen, die Tour anzutreten. Mit dem ersten Tageslicht offenbart sich die ganze Schönheit dieser Landschaft aus Wasser, Wald und Gebirge.
Die dem Festland vorgelagerten Mangroven sind in diesem Teil der Bucht völlig intakt. Mangroven sind eine ganz speziell angepasste Baumart. Sie sind Salzpflanzen, die im Gezeitenbereich tropischer Küstenregionen ihren Lebensraum haben. Sie bilden Stelzwurzeln aus, die bei Ebbe gut sichtbar aus dem Wasser ragen. Neben Korallenriffen und den tropischen Regenwäldern zählen Mangroven zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. In den Kronen des Mangrovenwaldes leben Reptilien und Säugetiere. Viele Wasservögel nutzen das reiche Nahrungsangebot und nisten in den Baumkronen.
Die Wurzeln ermöglichen vielen Fischen, Muscheln und Krabben einen sicheren Lebensraum und den Larven und Jungtieren vieler Arten beste Bedingungen. Auf den hölzernen Wurzeln der Bäume finden Schnecken, Algen, Austern, Seepocken und Schwämme ihr Zuhause. Es ist ein lebendiger Naturraum, der ebenso wie viele andere Ökosysteme durch die Unvernunft des Menschen zu verschwinden droht.
Mangrovenwälder sind in vielen Teilen der Welt vor allem durch die Ausweitung von intensiv bewirtschafteten Garnelenzuchten gefährdet. Außerdem gefährden Verschmutzung durch Öl, aber auch Trockenlegungen im Zuge des Siedlungsausbaus im Küstenbereich dieses empfindliche Habitat. Die Erträge der Küstenfischerei gehen dort drastisch zurück, wo die Mangrovenwälder großflächig abgeholzt wurden. Eine Wiederaufforstung wird in manchen Teilen der Welt probiert, ist in den allermeisten Fällen aber extrem schwierig. All das ist bekannt – trotzdem hält die Zerstörung von Mangrovengebieten unvermindert an.
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