Herbizidtolerante Pflanzen: ein kommerzielles Erfolgsmodell auf dem Weg nach Europa?

10. Juli 2012 · von Dirk Zimmermann

Berlin, 28.02.2010: 500 Greenpeace-Aktivisten bilden eine Botschaft gegen Gentechnik am Brandenburger Tor.

Der Gentechnik-Gigant Monsanto blickt auf ein ausgesprochen erfolgreiches erstes Quartal 2012 zurück: die Umsätze mit dem Saatgut von herbizidtoleranten Gen-Pflanzen wuchsen zweistellig. Monsantos Glyphosat-resistente „Roundup-ready“-Pflanzen haben bei Soja, Baumwolle, Mais, Raps und Zuckerrübe vor allem in Amerika große Anteile erobert. Überrascht zeigten sich internationale Medien von den ebenfalls gesteigerten Umsätzen mit Agrochemikalien, insbesondere Herbiziden – dabei ist dieses Wachstum ebenso logisch wie gewollt. Immerhin gehört es zum Konzept, zum Saatgut das passende, sogenannte „Komplementärherbizid“, zu verkaufen. Zunehmend dürften also auch die Umsätze mit weiteren Unkrautvernichtern steigen – und zwar im gleichen Maße wie die herbizidtoleranten Gen-Pflanzen in der Praxis versagen.

Die Unkräuter entwickeln Resistenzen

Immer mehr Unkräuter entwickeln nämlich Resistenzen gegen das Gift Glyphosat und müssen mit anderen Wirkstoffen bekämpft werden – oder aber mit mehr Glyphosat. Die Entwicklung ist wenig vorteilhaft für den Landwirt, verspricht aber kommerziellen Erfolg für die Firmen. Und dieser dürfte – allen Problemen zum Trotz – anhalten. Unternehmen wie Monsanto bieten nun neue Scheinlösungen an, die das grundsätzliche Systemproblem jedoch nicht in Angriff nehmen. In Kanada wartet beispielsweise ein Gen-Raps auf Anbauzulassung, der höhere Glyphosat-Dosen toleriert als die bisher vorhandenen Sorten. Monsanto spricht von „neuen Lösungen“ und „größerer Flexibilität“. In der Praxis steigen allenfalls ausgebrachte Pestizidmenge und Unternehmensgewinn parallel an.

In den USA bereitet man sich unterdessen schon auf die Post-Glyphosat-Ära vor. Sollte der Wirkstoff angesichts der rasanten Resistenzentwicklung unter den Unkräutern seine Wirksamkeit endgültig verloren haben, warten weitere Lösungen aus dem Labor. Zum Beispiel ein Gen-Mais mit Resistenz gegen das Herbizid 2,4-D, dessen goldenes Zeitalter längst überwunden geglaubt war. Und weitere Kombinationen aus Gen-Pflanze und Herbizid warten längst in der Schublade.

Herbizid-resistenter Raps bald auch in Europa?

Herbizidtolerante Kulturpflanzen könnten auch in Europa bald Realität werden. So hat kürzlich eine gegen Glyphosat resistente Gen-Soja die positive Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bekommen. Die Behörde erkennt gewisse Gefahren und Risiken sogar durchaus an – sie sieht aber trotzdem nicht die nötige Relevanz für eine Ablehnung der Pflanze. Immerhin ist die Soja mit der Bewertung noch längst nicht für den Anbau zugelassen.

Schon diesen Herbst stehen Landwirte in Europa vor der Wahl, einen herbizid-resistenten Raps anzubauen. BASF bietet dafür erstmals sogenannten „Clearfield“-Raps an. Die Pflanzen sind resistent gegen den Wirkstoff Imazamox. Die Eigenschaft wurde wohlgemerkt durch herkömmliche Zuchtmethodik in die Pflanzen eingebracht – zahlreiche Probleme werden aber die gleichen wie bei der durch Gentechnik eingebrachten Eigenschaft sein.  Sollte sich die Eigenschaft bei Raps am Markt behaupten, werden wohl als nächstes „Clearfield“-Zuckerrüben auf Europas Äckern wachsen. Auch wenn es sich in beiden Fällen nicht um Gen-Pflanzen handelt – das Praxisversagen herbizidtoleranter Pflanzen in Amerika sollte deutlich genug sein, um einen offensichtlichen Fehler in Europa nicht zu wiederholen.

Kommentare

  • Marina

    Was soll man dazu sagen?!
    Die negativen Meldungen, die aus Übersee rüberschwappen, sind doch allgemein bekannt (!) – und trotzdem sind vor allem die politisch Verantwortlichen deutschland-und EU-weit in der Hinsicht regelrecht RESISTENT!
    SONST würden sie doch die Gentechnik hier in Europa NICHT zulassen …
    Nun ja, Dummheit ist sozusagen vergleichsweise auch RESISTENT, weil wohl kein wirksames Mittel dagegen zu wirken scheint, DENN SONST würde man doch aus den Fehlern anderer – nämlich in Amerika – lernen
    und logischer- und konsequenterweise GEGEN Gentechnik hierzulande agieren,
    ODER NICHT?!
    Sorry – für meine Bissigkeit – in Richtung auf die betreffende Politik in EU und auch in Deutschland. – - -

    10.7.2012 um 19:36 Uhr · Antworten

  • Lolek

    Warum die Anbaumengen herbizidtloleranter Pflanzen in den USA über die Jahre laufend zunahmen und jetzt auf hohem Niveau konstant bleiben kann man mit einem “Praxisversagen herbizidtoleranter Pflanzen in Amerika” aber nicht erklären…

    http://www.transgen.de/anbau/eu_international/189.doku.html

    Welches Praxisversagen soll den dabei so deutlich sein, dass die Landwirte in den USA fleissig weiter Ihren herbizidtoleranten Soja anbauen ?

    11.7.2012 um 15:53 Uhr · Antworten

  • kristina heuken-goossen

    bissigkeit, marina, kann oder sollte manchmal angebracht sein. wegen verschiedener anliegen, sei es atomreaktoren, fracking usw habe ich diverse eu-politiker angeschrieben. netterweise bekam ich antwort. meist gut einen monat später. die antworten waren nicht wirklich rühmlich. abgedroschene phrasen a la vorabgefertigt.
    es ist nicht die dummheit, die resistenz zeigt, es ist die pure ignoranz gepaart mit sturheit. aber dagegen ist auch ein resistentes kraut gewachsen: ausdauerndes und mutiges aufstehen und demonstrieren und niemals aufgeben ;)

    11.7.2012 um 20:14 Uhr · Antworten

  • Bruno Straub

    Können Monsanto und Co nicht mal was entwickeln, was die Menschheit wirklich weiter bringt?
    Ich denke hier an einen herbizidtoleranten Rasen. Da könnte man dann mit einem Spezial Round-down alles “Unkrautartige” niederspritzen. Vielleicht sogar Moos(?).
    Dazu gehört dann ein “Halmverkürzer” – wie z.B. beim Getreideanbau, mit dem man die Graslänge je nach Mischungsverhältnis variabel einstellen kann. (EU-Norm 45 mm)
    Was man da an Arbeits-/Freizeit sparen könnte!

    11.7.2012 um 23:48 Uhr · Antworten

  • Jawoll!

    Jawoll! Einen solchen Rasen würde ich mir sofort in den Garten säen. Mein Ideal: trockenresistent (jeden zweiten Abend gießen ist schon lästig, einmal die Woche würde doch reichen) und langsam wachsend – und es soll mir keiner erzählen, dass diese Rasensorte statt der gängigen Rasensorten ökologisch schlechter wäre. Schließlich spart er Wasser und Sprit/Strom für den Rasenmäher. Ein solcher Gen-Rasen wäre quasi ein Öko-Rasen, auch wenn’s gleich von den Ökos einen Aufschrei gibt. Hallo? Wo bleibt die ökologisch korrekte Empörungsrhetorik?

    15.7.2012 um 22:46 Uhr · Antworten

    • andersdenkender

      Ist ein Genrasen den “umweltschützend” (=ökologisch)?
      Schwierig zu sagen wenn er sich unkontrolliert ausbreitet, aber wahrscheinlich eher nicht…

      16.7.2012 um 13:37 Uhr · Antworten

  • Lottina

    Ergänzen würde ich hier gern, nachdem ich in den Ergebnissen der Studie von Reuter gelesen habe, dass hinsichtlich der VERWENDUNG von Herbiziden und anderen Giften vorsorglich lieber gehandelt werden sollte als genverändernd zu produzieren.. Denn Menschen scheinen danach nicht unbedingt unempfindlich zu sein. Erschreckend finde ich die Hinweise auf Zusammenhänge mit Parkinson und Gewebestrukturveränderung in tierischen Hoden…
    Vorbeugen scheint (übrigens auf EU Ebene) doch wohl sicherer als Heilen.

    31.8.2012 um 13:48 Uhr · Antworten

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