Ankunft im russischen Firefighter-Camp

16. Juli 2012 · von Gastautor/in

Mahlzeit im Camp. (c) Daniel Müller/Greenpeace

Die 29-jährige Verena Mohaupt aus Bielefeld und der 26-jährige Sven Willner aus Leipzig besuchen für knappe zwei Wochen ein “Firefighting-Camp” in Russland. Sie lassen sich dort für die Bekämpfung von Waldbränden ausbilden und werden gegebenenfalls bei Bränden helfen. In einer Blogreihe erzählen sie von ihren Erfahrungen. Im ersten Teil berichtet Sven von der Ankunft im Camp.

Es ist bereits nach Mitternacht. Aus dem Autoradio tönt Country-Musik. Die Ausrüstung, die sich hinter uns auftürmt, verströmt einen leichten Benzingeruch. Aber müde, wie wir sind, stört sich niemand daran. Ganz unerwartet biegt unser Fahrer Anton scharf rechts ab und wir verlassen die Asphaltstraße. Zwischen den Birken führt ein im Dunkeln nur schwer auszumachender Sandweg entlang. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt öffnet sich der Wald zu einer Lichtung, in deren Mitte die letzten Reste eines Lagerfeuers glimmen.Hier liegt das Camp, in dem wir die nächsten beiden Wochen verbringen. Wir werden mit Tee in Empfang genommen, aber viel Zeit und Energie für lange Gespräche bleibt nicht. Kaum ist das Zelt aufgeschlagen, fallen wir in tiefen Schlaf. Es war eine lange Reise ab Leipzig.

Das Camp liegt am Rande eines flachen Sees, mitten im dicht bewaldeten Meschorski Nationalpark. Moskau ist weniger als 200 Kilometer von hier entfernt und doch erscheint es nach der langen Anreise weit weg. Ebenso wenig ist hier die Hektik der Riesenmetropole zu spüren.

Rückblick: Vor wenigen Stunden erst drängten wir uns mit den Menschenmassen durch die wunderschön gestalteten und mit Marmor und Verzierungen ausgeschlagenen Schächte der Moskauer Metro. Auch wenn ich neugierig versuche, so viele kyrillischen Beschriftungen wie möglich zu entziffern, wird das Auge doch hier und da wie von selbst zu den spärlichen, aber vertrauten lateinischen Buchstaben hingezogen. In all dem Gedränge fällt es schwer, sich vorzustellen, wie im Sommer 2010 die Stadt unter Rauch verschwand. Die bislang heftigsten Waldbrände vor den Toren der Stadt ließen bald nur noch eine Sicht von unter zwanzig Metern zu. Selbst in den Metroschächten roch es verbrannt.

Lagerfeuer im Camp. (c) Daniel Müller/Greenpeace

Dennoch, das Leben in der Stadt ging seinen gewohnten Gang, berichtet uns Michail, Leiter des Programms für Naturschutzgebiete bei Greenpeace Russland. Der kleine Mann mit dem kurzen Bart und dem gutmütigen Blick erzählt gerne von seiner nunmehr zwölfjährigen Erfahrung in der Brandbekämpfung und kommt dabei von einer Geschichte zur nächsten. Wie die meisten Firefighter war auch er im Sommer des vorletzten Jahres in der Nähe von Moskau im Einsatz. Hauptstützpunkt der Greenpeacer war das Camp, in das wir jetzt fahren. Zu der Zeit organisierten sich viele Menschen als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Der große Zulauf, den auch Greenpeace genoss, ermöglichte einzugreifen, wo Behörden zu spät kamen oder unzureichend ausgerüstet waren.

Während vor dem Zugfenster Bäume vorbeiziehen, die Rinde ganz schwarz und verkohlt, berichtet Mischa von zwei Dörfern, die damals  in der Nähe abgebrannt sind. Jedes Jahr brennen Wiesen, Torfmoore und Wälder in den meisten Teilen Russlands. Doch gerade die Großbrände von 2010 nahe Moskau haben das Problem der Öffentlichkeit bewusst gemacht. Die Tendenz ist alarmierend: Im Schnitt steigt die abgebrannte Fläche von Jahr zu Jahr. Mittlerweile sind es – je nach Zählweise und Quelle – mehr als 10 Millionen Hektar im Jahr.

Die Hitze des nächsten Tages lässt die Luft flimmern und die Mücken tanzen. Das Camp erklingt vom Hämmern und Sägen der Aufbauarbeiten. Manche zimmern neue Toilettenhäuschen, einige bauen weitere Zelte auf, wieder andere bereiten die nächste Mahlzeit vor. Aus Restholz bauen wir Regale für das Ausrüstungszelt und heben das Loch für den Kompost aus. Es gibt viel zu tun für die mittlerweile dreißig Helferinnen und Helfer. Bald beginnt das Brandbekämpfungstraining.

Kommentare

  • Dietmar Kress

    Liebe Verena, lieber Sven,
    danke,dass ihr diese Sache macht und einen so schönen blog angefangen habt. Ich hoffe, ihr werdet viel lernen, von den Menschen und ihren Problemen berichten können und grüßt bitte die russischen Freunde. Die machen seit vielen Jahren hervorragende Arbeit, das nötigt den allergrößten Respekt ab.

    Herzlichst
    D. Kress

    16.7.2012 um 17:29 Uhr · Antworten

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  • [...] Verena und Sven sind seit gut einer Woche im russischen Firefighter-Camp, wo sie sich zum Kampf gegen das Feuer ausbilden lassen. Jedes Jahr brennt in Russland ungefähr eine Fläche von zehn Millionen Hektar Wiesen, Torfmooren und Wälder ab. Im ersten Blogteil berichtete Sven über ihre Ankunft im Camp, welches im Meschorski Nationalpark li… [...]

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