Firefighter-Camp: Auf den Spuren der Zerstörung

31. Juli 2012 · von Gastautor/in

Die 29-jährige Verena Mohaupt aus Bielefeld und der 26-jährige Sven Willner aus Leipzig besuchen für knappe zwei Wochen ein “Firefighting-Camp” in Russland. Sie lassen sich dort für die Bekämpfung von Waldbränden ausbilden und werden gegebenenfalls bei Bränden helfen. In einer Blogreihe erzählen sie von ihren Erfahrungen. Im fünften Teil berichten sie von Gesprächen mit Betroffenen aus den Gebieten der Waldbrände von 2010.

Wir stehen in einem Waldreststück in der Luchovitzkij-Region, die von den Waldbränden 2010 besonders betroffen war. Die verbrannte Rinde der Bäume dort löst sich leicht vom Stamm und zerbröckelt zwischen den Fingern, auf denen sie schwarze Aschespuren hinterlässt. Die Kiefern und Birken tragen hier seit zwei Jahren kein Laub mehr. Die nur äußerlich verbrannten, aber toten Bäume werden vom Wind umgeweht oder von Waldarbeitern gefällt und abtransportiert. Einige der Waldarbeiter treffen wir auf dem Weg zurück zum Auto. Die rotgebrannten Männer mit der ledrigen Haut sind recht wortkarg, aber ein wenig können wir doch erfragen. Von den 13.000 Hektar, für die sie zuständig sind, ist damals über die Hälfte abgebrannt. Seitdem beseitigen sie die Schäden und forsten auf, wohl noch für weitere fünf Jahre.

Die sandigen Gräben entlang der Straße, die sie als Brandschneisen ziehen, haben damals nicht geholfen. Zu stark war der Wind, zu heftig das Feuer. Heiß sei es gewesen, von Hilflosigkeit sprechen sie nicht – da sprechen die Auswirkungen für sich. Von dem unweit gelegenen Dorf Machavoye ist nur noch eine große Lichtung im Wald geblieben, auf der vereinzelt verfallene Steinhäuser stehen. Bloß am Rande der Geisterstadt wird ein neues Holzhaus gebaut. Immerhin, die Menschen hier hatten mehr Glück als die fast 8.000 Toten, die Russlands Brände und die Folgen ihres Rauches jedes Jahr fordern; hier ist damals niemand umgekommen. Auf die Frage, ob es wieder so wie 2010 kommen könne, zuckt der ältere Waldarbeiter Sergej nur mit den Schultern: „Alles ist möglich“.

Mehr als ein Drittel der russischen Bevölkerung lebt in Gebieten, die für jegliche Feuerwehr nur schwer zugänglich sind. Auch Irina stand vor zwei Jahren mit ihren Nachbarn im Dorfzentrum und wartete auf ihre Evakuierung. Die engagierte Lehrerin berichtet von der Angst, die sie damals packte und wie sie half, die Tierkadaver aus dem vollkommen niedergebrannten Nachbardorf zu beseitigen. Nur die größeren Kühe schafften es, sich einen Weg aus den Flammen zu schlagen und brachen erschöpft auf der Straße zusammen. Akut Brandschneisen durch den Wald zum Schutz des Dorfes zu schlagen, war den Bewohnern damals unmöglich gemacht worden; die Behörden hatten angekündigt, jeden gefällten Baum in Rechnung zu stellen.

Wir fahren weiter auf unserer Kontrollfahrt, stets mit Blick auf den Horizont. Zum Glück stellen sich die dünnen Rauchsäulen nicht als Waldbrände heraus. Jemand erzählt von den Waldbränden, die gerade in Sibirien und Südrussland wüten, zu weit weg für die meisten Freiwilligen. Auch Greenpeace Russland konzentriert sich zunächst auf den europäischen Teil Russlands. Die Firefighter-Freiwillige Natascha auf dem Beifahrersitz ist bedrückt: „Es beschämt mich, zu sehen, wie wenig wir als kleine Gruppe tun können angesichts der schieren Größe Russlands.“ Doch im Westen des Landes haben sie schon viel erreicht, auch im Bewusstsein der Menschen und Behörden. „Ich muss Optimistin sein.“

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