Gastautor Lars Konnertz ist einer der Aktivisten, die letzten Freitag an einer Protestaktion gegen Gazprom-Ölförderungen in der russischen Arktis teilgenommen haben. Der 29-Jährige ist dabei gemeinsam mit fünf weiteren Aktivisten – darunter Greenpeace International-Geschäftsführer Kumi Naidoo – auf die Ölplattform Prirazlomnaya in der Petschorasee geklettert. In seinem Beitrag berichtet er von dem Erlebnis.
Die fest auf dem Meeresboden installierte Gazprom-Plattform mit dem fast unaussprechlichen Namen “Prirazlomnaya” ist die erste Plattform, die im arktischen Ozean Öl fördern soll. Noch vor Beginn der Ölförderung, mit der Gazprom im nächsten Jahr loslegen will, haben sich bereits die riesigen technischen Schwierigkeiten offenbart, die mit dem Betrieb der Plattform verbunden sind: Die Plattform verlor etwa jüngst eine Leiter, die u.a. der Evakuierung dient, durch Wellengang und wurde vom Eis verschoben.
Die möglichen Folgen solcher Schwierigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt wären riesige Ölunfälle, die unter den arktischen Bedingungen kaum zu bekämpfen wären – zumal Gazprom den Großteil des Ölunfall-Einsatzgerätes in Murmansk lagert. Mit dem Schiff ist man nach Murmansk zwei Tage unterwegs, das Öl könnte in dieser Zeit mehrere Naturschutzgebiete verschmutzen.
Duch das Schmelzen des Meereises können Ölkonzerne in bisher uneereichbare Gebiete vordringen, um nach Öl zu bohren. Somit profitieren sie vom Klimawandel, für den sie selbst hauptverantwortlich sind. Das empfinde ich als eine Verhöhnung von Umwelt und Menschen.

Aktivisten fahren mit Schlacuboot auf Gazprom-Plattform Prirazlomnaya in der russischen Petschorasee zu - (c) Denis Sinyakov - Greenpeace
Um dagegen zu demonstrieren, machten wir uns auf Schlauchbooten am Freitagmorgen um zwei Uhr auf den Weg zur Prirazlomnaya. Wir konnten in zwei Teams mit je drei Kletterern – darunter auch der Chef von Greenpeace International, Kumi Naidoo – an Festmacherleinen an der Außenseite der Plattform hochklettern und errichteten in etwa 15 Metern Höhe jeweils ein Camp – dieses Bestand aus einer Portaledge, einer Art hängendem Zelt, wie es normalerweise bei Mehrtages-Kletterrouten in Felswänden verwendet wird. Währenddessen wurden wir von oben (etwa zehn Meter über uns waren Gangways, auf denen Arbeiter waren) beobachtet, wobei die Reaktionen der Arbeiter zunächst überwiegend neutral, teilweise sogar freundlich waren.
Wir haben uns dann in den nächsten Stunden so gemütlich eingerichtet, wie das zu dritt in einem Zwei-Personen-Zelt möglich ist und haben uns auf einen längeren Aufenthalt eingestellt. Zwischenzeitlich gab es dann Anzeichen, dass wir doch zügig geräumt werden würden (es flogen Helikopter ein, angeblich mit Spezialkräften der Polizei, Funksprüche an die Arctic Sunrise kündigten eine Räumung an etc.) – das stellte sich dann aber doch als Bluff heraus. Stattdessen hieß es dann “morgen kommt die Polizei und bis dahin passiert nichts”. Das stimmte dann aber auch nicht wirklich. Statt “nichts” passierte am frühen Nachmittag dann recht viel.
Wir wurden von der Plattform aus mit Feuerlöschschläuchen ordentlich geduscht. Unter dem Zelt der Portaledge konnten wir es anfangs gut aushalten und es war zunächst auch eher ein heftiger Regen. Aber mit der Zeit wurde der Druck auf dem Wasserschlauch immer weiter erhöht und es flogen zusätzlich auch noch Metallstücke auf uns (beziehungsweise glücklicherweise nur auf die Portaledge, es wurde niemand getroffen). Nach etwa zwei Stunden gab das Zelt der Portaledge dann Stück für Stück nach und wir mussten uns mit einer Isomatte und den Zeltresten begnügen, um uns vor dem Wasserstrahl zu schützen. Es zeichnete sich ab, dass wir es nicht mehr lange aushalten würden, denn komplett ohne Schutz wäre es nicht möglich gewesen, länger zu bleiben.

Greenpeace International-Geschäftsführer Kumi Naidoo (links) und fünf weitere Aktivisten protestieren an Gazprom-Ölplattform Prirazlomnay - (c) Denis Sinyakov
Nach langen Verhandlungen zwischen Plattform und Arctic Sunrise wurde der Wasserbeschuss eingestellt, um uns die Möglichkeit zu geben, die Plattform zu verlassen. Dann hieß es allerdings, dass wir auf die Plattform kommen sollen, um dort festgehalten zu werden – eine Aussicht, die uns nach Bewurf mit Metallteilen und etwa drei Stunden Wasserbeschuss nicht sehr attraktiv erschien – denn Polizei oder Küstenwache waren nicht vor Ort und wir wären somit von den gleichen Leuten festgehalten worden, denen es kurz vorher noch egal war, ob sie uns verletzen oder nicht (später erfuhren wir, dass einer der Plattform-Mitarbeiter das tatsächlich über Funk explizit so gesagt hat).

Aktivisten im Schlauchboot während der Aktion an der Gazprom-Ölplattform - (c) Denis Sinyakov - Greenpeace
So fiel dann die Entscheidung, dass wir uns auf den Rückzug machen. Gegen 17 Uhr verließen wir nach etwa 15 Stunden unser Camp und und sind dank eines super Einsatzes unserer Boot-Teams alle heil und mit einem Großteil des Materials wieder zurück auf die Arctic Sunrise gekommen. Auch wenn ich traurig bin, dass wir unseren Protest nicht länger fortsetzen konnten, so weiß ich doch, dass Gazprom uns mit Feuerwehrschläuchen zwar von der Plattform vertreiben kann, aber nicht den weltweiten Protest gegen die Ausbeutung der Arktis wegspülen und so weitermachen kann, als wäre nichts gewesen.
Wenn auch du unseren Protest unterstützen willst, unterschreibe den Aufruf zum Arktisschutz unter savethearctic.org und werde selbst aktiv, z.B. indem du weniger Öl verbrauchst, erneuerbare Energien nutzt und so einen Beitrag dazu leistest, der Ölindustrie ihre Basis zu entziehen.
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Sun Wu
Diese Diskrepanz in der Berichterstattung zwischen diesem Blog und den Aussagen von DOKTOR Kumi Naidoo in Bezug auf die ‘brave workers who are held hostage by Oil-industry and do not have an option…’
Wollten die Euch nun verletzen, oder haben sie Euch mit Peace-Zeichen unterstützt?
Es ist wohl langsam an der Zeit, die Diskussion um Diskrepanzen in DOKTOR Naidoos Biography und Wirken von der Greenpeace International Website nach Deutschland zu holen.
Sorry guys, Amageddon was yesterday…today Greenpeace has a problem!
30.8.2012 um 10:32 Uhr ·