Gestern standen wir mit 25 Greenpeacern aus Baden-Württemberg und 47 Bannern vor dem Stuttgarter Landtag und demonstrierten für einen Nationalpark im Nordschwarzwald. Warum? Baden-Württemberg hat sich klar für einen Nationalpark ausgesprochen: Die ein mal zwei Meter großen Banner waren mit Unterschriften aus insgesamt 38 baden-württembergischen Städten gefüllt. Außerdem hat das Forsa-Institut eine Umfrage durchgeführt, in der sich 65 Prozent der Baden-Württemberger für einen Nationalpark aussprachen. Kritik zum Nationalpark gab es lediglich von 22 Prozent. Damit kommen auf einen Kritiker fast drei Befürworter im Land. In fast jeder Altersklasse (bei den über 60-jährigen waren es „nur“ doppelt so viele Befürworter wie Kritiker) zeigte sich diese oder eine noch größere Zustimmung. Auch im Regierungsbezirk Karlsruhe, zu dem der Nordschwarzwald gehört, zeigte sich dieses Stimmungsbild. Baden-Württemberg wünscht sich den Nationalpark!
Bürger wollen mehr Waldschutz
Die gleiche Frage wurde von der Landesregierung bereits im Juni gestellt, dort waren 64 Prozent für und 30 Prozent gegen einen Nationalpark. Das zeigt: der Nationalpark erfährt einen Zuwachs an Zustimmung, nicht zuletzt durch die informative Arbeit der Unterstützerorganisationen. Aber unsere Umfrage geht ja noch viel weiter: 42 Prozent finden, dass es zu wenig Naturschutzgebiete in Baden-Württemberg gibt. Das ist bei knapp einem Prozent geschützter öffentlicher Waldflächen auch verständlich. Nur vier Prozent empfinden es schon jetzt als zu viel. Auch zeigte sich, dass auf die Schutzfunktion der naturbelassenen Wälder im Bezug auf das Klima (73 Prozent) und der Buchenwälder im Bezug auf die heimischen Tiere und Pflanzen (71 Prozent) ein sehr viel stärkerer Fokus gelegt werden soll, als auf das Erzielen eines möglichst hohen wirtschaftlichen Ertrags durch Holzeinschlag (elf Prozent). Über die Hälfte der Baden-Württemberger legen außerdem besonderen Wert auf die Erholungsfunktion des Waldes.
Das sind genau die Aspekte, die durch einen Nationalpark nachweislich erfüllt werden. In einem Nationalpark steht der Schutz des Waldes und der heimischen Artenvielfalt im Vordergrund. Außerdem bietet er die unvergleichliche Möglichkeit, Natur hautnah zu erleben und vom Alltag abzuschalten. Natürlich darf man nicht vergessen, dass gerade im Schwarzwald ein großer Teil der Bevölkerung vom Wald lebt. Hier zeigen jedoch Studien aus anderen Nationalparks, wie zum Beispiel dem Bayerischen Wald, dass besonders der Tourismus und auch der Försterberuf vom Nationalpark profitieren, in dem viele neue Jobs geschaffen werden. Auch wurde bewiesen, dass ein Nationalpark aus ökonomischer Sicht potenziell mehr leisten kann als ein Wirtschaftswald.
Der Nationalpark hat also auf jeden Fall die Möglichkeit, der Region sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Sicht zu helfen. Um das zu garantieren, brauchen wir den Dialog mit der Bevölkerung im Schwarzwald.
Schritt für Schritt zum Nationalpark
Diesen Dialog wollen die Aktivisten anstoßen und fördern. Die lokale Bevölkerung soll sich in konstruktiver Art und Weise in das Gutachten, das zurzeit im Auftrag der Landesregierung erstellt wird, einbringen. Als Symbol für diesen zu bestreitenden Weg, wandern sie deshalb in einer siebentägigen Tour von Stuttgart in den Nationalpark-Suchraum. Dabei ziehen sie ein zwei mal zwei Meter großes Schild mit sich mit der Aufschrift „Willkommen Nationalpark Schwarzwald“. Es geht nicht darum, die Betroffenen im Schwarzwald zu überrumpeln, sondern gemeinsam mit ihnen ein Konzept zu entwickeln.
Während der Tour werden den Baden-Württembergern Einblicke in die Region, in die Thematik und in die Sorgen und Ängste in der Region geliefert. Es sollen sachliche Inhalte präsentiert werden, um diesen Dialog zu fördern. Gestern sind wir damit um 12 Uhr am Stuttgarter Landtag mit 16 Aktivisten gestartet und haben zunächst eine kürzere Strecke bis nach Vaihingen zurückgelegt. Nach starken körperlichen Anstrengungen, das etwa 100 Kilogramm schwere Schild die Weinsteige hochzuziehen, sind wir schließlich in Stuttgart-Vaihingen angekommen, wo wir Infomaterialien verteilten und weitere Leute motivierten, auf einem Unterschriftenbanner zu unterschreiben. „Nach der vielen Organisation in den letzten Tagen und den ganzen Aktionen heute freue ich mich, auf mein Bett,“ meinte Tanja aus Esslingen zu mir, die sich bei unserer Aktion besonders um die Betreuung und Mobilisierung der Wanderer gekümmert hat. „Jetzt müssen wir hier aber auf jeden Fall noch einmal ran!“ sagte sie bei der Kundgebung und ging prompt auf die Leute zu, um ihnen Infos zu geben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Den wohlverdienten Schlaf hat sie aber trotzdem erst (nach weiteren drei Kilometern laufen) bekommen. Wir übernachteten im Reitstall in der Jugendfarm Vaihingen-Möhringen, ein für mich bis jetzt einmaliges und sehr spannendes Erlebnis.
(Autor: Philipp Sommer, Greenpeace Mannheim-Heidelberg)
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Erna
http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=10298458/1tdzahp/index.html
Kommentar
Schwarzwaldmädel) 10.09.2012 , 18:25
Wie man bei 1000 Anrufern von einem klaren Votum sprechen kann, ist mir bis jetzt schleierhaft. Es handelt sich um eine kleine Umfrage. Interessant wäre auch in welchen Landesteilen die Umfrage erfolgte. Im betroffenen Gebiet kenne ich keinen,der angerufen wurde. Ich wünsche Greenpeace eine schöne Wanderung. Sie sollten es nicht versäumen einen Abstecher über Röt und Tonbach zu machen, um sich ein Bild darüber zu machen, wie es nach einem Sturm ausieht und während es aktuell noch aufgeräumt und neu aufgeforstet wird, wird dies in Kernzonen eines NLP nicht mehr der Fall sein. Desweiteren hoffe ich,dass sie sich mit den baurechtlichen Bestimmungen vertraut gemacht haben,denn nach der anonymen Anzeige beim Regierungspräsidium Karlsruhe wurden Bürger vorort aufgefordert Bauanträge für ihre Schilder einzureichen. In diesem Fall gilt dann hoffentlich gleiches Recht und gleiche Verpflichtung für alle.
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Ach ja und eine neuen Greenpeace-Waldexperte haben wir ja auch schon wieder. Diesmal Herr Luis Scheuermann.
11.9.2012 um 14:10 Uhr ·
stefan
jetzt kopierst du schon kommentare von anderen webseiten? kannst du deine meinung nicht selbst formulieren?
11.9.2012 um 17:05 Uhr ·
Andersdenkender
in zeiten des internets zählt halt nicht qualität sondern quantität, aber traurig ists schon
11.9.2012 um 18:05 Uhr
Bruno Straub
und dann gibt es noch ein paar ganz clevere, stefan wird es bestätigen, die posten nen link und sonst nix….
11.9.2012 um 21:04 Uhr
stefan
tjahaha, hast du wohl recht. wenn’s allerdings nur um fakten geht, und man grad nicht so die zeit hat, finde ich das durchaus legitim.
11.9.2012 um 21:28 Uhr
stefan
guckst du kein fußball, bruno?
11.9.2012 um 21:30 Uhr
Erna
@stefan
Nö ich wohne nicht im oder am Schwarzwald. Ist doch aber interessant, was die die dort wohnen zur Aktion und Forderung sagen. Bekanntlich waren ja auch die Betroffenen im Spessart etwas anderer Meinung wie GP (um es mal vorsichtig zu formulieren).
12.9.2012 um 14:08 Uhr
Lorenz
Hallo Greenpeace-Wanderer,
ich wünsche euch eine gute und erfolgreiche Tour “Schritt für Schritt zum Nationalpark!”. Klasse Idee, die hoffentlich auf viele offene Ohren stößt.
Die Forsa-Umfrage fand ich sehr aufschlussreich. Wenn DAS Umfrage-Institut von einer repräsentativen Umfrage spricht, sollte man diese Zahlen ernst nehmen. Viele Baden-Württemberger finden es anscheinend schade, dass ihr Land das einzige ist, welches der Natur keinen wirklich größeren Rückzugsraum gibt. Rheinland-Pfalz ist ja gerade im Begriff, einen Nationalpark einzurichten.
Ich wünsche euch viel Erfolg dabei, die Menschen vor Ort zu erreichen. Ich bin sehr angetan davon, dass ihr nicht am Rechner oder sonst wo über die Frage des NLP diskutiert, sondern in die Region selbst geht.
Und lasst euch von polemischen Kommentaren nicht die Laune verderben…
11.9.2012 um 15:18 Uhr ·
trivial
aber falls die Menschen eine Ahnung von den zu erwartenden Kosten hätten dann würden sie ganz schnell anders entscheiden.
Die Kosten werden auch nie und nimmer durch das plus an Tourismus wieder reinkommen können, denn hierzu müssten sich die Zahlen verdoppeln und der Nordscharzwald hat schon sehr hohe tourizahlen.
P.s. mit dem Bayr. Wald und deren Tourizahlen ist der Nordschwarzwald nicht zu vergleichen und wer dies trotzdem macht zeigt einmal mehr das keine Ahnung vorhanden ist.
Die Menschen vor Ort werdet ihr durch diese Fehlinfos definitv nicht erreichen.
11.9.2012 um 20:13 Uhr ·
Marina
Ist mal wieder klar, dass die Geldfrage aufgeworfen wird!
Es geht nicht allein darum, es gibt viele andere Vorteile, die UNBEZAHLBAR sind.
Und die haben weitaus größere Werte aufzuweisen als alles Geld zusammen!
Tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass Sie einfach zu kurz gedacht haben – wie viele andere auch, die gewissermaßen nur von 12 Uhr bis mittags zu denken pflegen!
Sorry, ohne Sie wirklich beleidigen zu wollen, Sie machen aber – in der Hinsicht – Ihrem Namen alle Ehre, wenn ich es so sagen darf.
- – -
12.9.2012 um 12:53 Uhr ·
trivial
Liebe Marina, ich habe ihnen schon mal empfohlen auf Waldwissen.net sich schlau zu machen und dann würden sie auch endlich begreifen das der Schwarzwald schon viel viel intensiver in der guten alten Zeit genutzt wurde als er heute genutzt wird.
Auch würden sie begreifen das ein Naturpark in einer der dicht besiedelsten Regionen in Europa nicht ohne Pflege auskommen wird. Und was dann ensteht ist eine Disney-Park für Greenpeace, Nabu BUND und weitere und keine Natur!
Falls diese Gruppierungen dies wollen dann sollen sie ihren Spielplatz auch selbst bezahlen und nicht mit halbgaren Argumenten und einer nicht demokratischen Legitimation (Umfragen sind keine Wahl) die Öffentlichkeit zu manipulieren.
P.s. Will ihnen nicht zu nahe treten aber von Natur scheinen sie keine Ahnung zu haben denn sonst würden sie irgendwelche möglichen Zukuntsvorhersagen nicht mit nichtssagenden blumigen Worten umschreiben sondern würden dies mal beschreiben.
Aber dafür müsste man ja etwas Wissen …
13.9.2012 um 22:54 Uhr
Bruno Straub
Und was favorisieren die Befragten? Was sagt forsa?
: 73% den Schutz des Klimas durch naturbelassene Wälder
: 71% den ökologischen Schutz heimischer Tiere und Pflanzen in alten Buchenwäldern
Über das Märchen vom Klima wollen wir hier mal nicht streiten. Aber die alten Buchenwälder im Nordschwarzwald würde ich gerne mal sehen…..
11.9.2012 um 21:06 Uhr ·
Erna
Also woher GP seine Zahlen und Rückschlüsse zum Nationalpark Bayerischer Wald her hat weiß ich nicht. Fakt ist, dass wir seit über 25 Jahren so alle 2 Jahre für 1-2 Wochen dort sind und es dort seit etwa 10 Jahren kontinuierlich bergab geht. Während früher die Ferienmonate nahezu komplett ausgebucht waren und sogar einige Bettenburgen errichtet wurden ist jetzt allgemein aber gerade in den kleineren Gemeinden Untergangsstimmung. Hallenbäder schließen da unrentabel, Cafes/Restaurants schließen, Saisonaufschläge sind kaum noch durchsetzbar, Zimmer sind selbst in der Hochsaison zu Billigpreisen zu bekommen und die Jugend zieht besser Heute als Morgen weg. Es gibt zwar noch Vorzeigeprojekte wie den neuen Baumwipfelpfad in Neuschönau aber insgesamt sieht es doch eher trübe aus. Wandernde Jugend ist eine Seltenheit und auch der kurzzeitige Mountainbikeboom ist schon wieder vorbei. Wenn nicht so viele Rentner kommen würden sehe es noch schlechter aus. Und zum Thema Jobs sollte sich GP vielleicht auch besser informieren. Das ganze Tourismusgeschäft läuft immer mehr auf 400 Euro-Basis mit Rentnern die sich etwas dazuverdienen, da die Vollzeitstellen keiner mehr bezahlen kann. Selbst für Arbeitskräfte aus Tschechien lohnt es sich oft nicht mehr zu pendeln.
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Also die Chancen die solch ein Nationalpark dem Schwarzwald in Bezug auf den Tourismus und Jobs bringen soll kann ich nicht erkennen. Schön wäre nur, wenn damit die Vogel- und Fledermausschredder verhindert werden könnten.
12.9.2012 um 14:04 Uhr ·
Philipp Sommer
Hallo Erna,
die Studien, aus denen diese Zahlen stammen sind von Herrn Professor Job und die Zusammenfassungen sind ebenfalls oben im Blog verlinkt. Ich füge gebe sie hier aber gerne nochmals an:
Zum Einen ist das die Studie “Der Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor” (http://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/service/publikationen/berichte/heft4.htm) und “Opportunitätskosten des Naturtourismus im Nationalpark Bayerischer Wald bezogen auf die Forst- und Holzwirtschaft” (bzw. im Englischen “opportunity costs of nature-based tourism in the bavarian forest national park in relation to the forestry and wood-processing sector”, http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/english/doc/en_job_study.pdf).
Freundliche Grüße aus Herrenberg, heute auf dem Weg nach Nagold
Philipp Sommer
13.9.2012 um 09:22 Uhr ·
Erna
@Philipp Sommer
Einen Zeitungsartikel von 2 Seiten als Studie zu bezeichnen ist schon recht vermessen zumal die Ansätze darin mal wieder die typische “Lobhudellei” wie man es eben braucht darstellt. Entscheidend ist doch vielmehr wieviele Touristen zum Vergleich denn in den “Wirtschaftwald” kommen würden. Das sind aus meiner Sicht nicht weniger und somit ist die Rechnung einfach Blödsinn. Genau so ist zu hinterfragen, wie der regionale Wirtschaftsfaktor ohne Nationalpark aussehen würde. Als einfacher Ansatz wäre mal zu untersuchen ob die Igel-Busse mit Sperrung von Straßen und die fehlenden Mountainbike-Strecken Heutzutage nicht mehr Touristen abhalten statt im anderen Falle zu vergraulen.
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Nicht übersehen sollte man einfach die Tatsache, dass der Tourismus im BayW seit Jahren rückläufig ist und vor allem junge Leute (außer Kinder die “mit müssen”) kein Interesse zeigen, weil es offensichtlich für die Mehrheit von Ihnen uninteressant ist..
17.9.2012 um 21:04 Uhr
Richi
Ein Nationalpark im Ländle wäre eine feine Sache. Ich befürchte, daß wir darauf aber noch länger warten müssen. Leider.
22.11.2012 um 19:22 Uhr ·