Ein Abschlussbericht der Greenpeace-Wanderung von Stuttgart in den Schwarzwald (Autor: Philipp Sommer, Greenpeace Mannheim-Heidelberg).
In der vergangenen Woche wanderten wir sieben Tage lang von Stuttgart nach Baiersbronn (Kreis Freudenstadt). In den letzten drei Tagen durchquerten wir Pfalzgrafenweiler, hörten einen Vortrag in Freudenstadt und sind gestern in Baiersbronn angekommen, wo wir dem Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e.V.
das Nationalpark-Willkommensschild übergaben.
Am Freitag ging es von Nagold in das Bioenergiedorf Pfalzgrafenweiler und Samstag ging es dann weiter nach Freudenstadt, wo wir uns auf dem Marktplatz wieder viel mit den Kritikern und Befürwortern des Nationalparks auseinandersetzten. Dabei trafen wir nicht nur einheimische Befürworter. Ausnahmslos alle Touristen, mit denen wir sprachen, waren für einen Nationalpark. Sie kamen oft aus anderen Bundesländern, die ja (im Gegensatz zu Baden-Württemberg und (noch) Rheinland-Pfalz) alle einen Nationalpark haben.
Diese Chance zur Inspiration durch schon bestehende Nationalparks wollten wir nutzen und organisierten, zusammen mit dem Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e.V., einen Vortrag mit Dr. Friedhart Knolle, Pressesprecher vom Nationalpark Harz. Das knapp 247 Quadratkilometer große Gelände ist nach den Kriterien der IUCN international als Entwicklungsnationalpark anerkannt und einer der größten Waldnationalparks in Deutschland. Auch er war zu Beginn ein stark umstrittenes Projekt. Aber: „Heute muss man schon sehr genau suchen, um Kritiker des Nationalparks in den umliegenden Gemeinden zu finden“, meinte Dr. Knolle. „Ehemalige Skeptiker – zu denen ich selber anfangs gehörte – kommen jetzt auf mich zu und entschuldigen sich für ihren damaligen massiven Widerstand gegen die Nationalparkgründung.“
Bis zu 1,1 Millionen Besucher sind nach seiner Aussage jedes Jahr auf dem Brocken, der sich mitten im Nationalpark befindet. Auch der Harz ist wie der Schwarzwald ein vor allem fichtendominierter Wald. Die umliegenden Wirtschaftswälder hätten aber, so Knolle, durch das sich selbst überlassene Waldgebiet, in dem in der Kernzone keine Bekämpfung stattfindet, kein stärkeres Borkenkäferproblem. Im Gegenteil, die Sicherung der natürlichen Walddynamik, die auch im Nationalpark Harz an erster Stelle steht, biete große Vorteile für die dortige Region und besonders für die Natur. Während der Diskussion meinte er zu der kritischen Anmerkung, dass es doch bereits jetzt im Schwarzwald viele Bannwälder und eine oft naturnahe Waldbewirtschaftung gibt, dass diese bei weitem nicht das leisten können, was ein Nationalpark mache. Das Bannwald-Konzept in Baden-Württemberg lobt und befürwort er, aber diese Gebiete seien schlicht zu klein und hätten andere Funktionen als ein Nationalpark. Auch sei es nicht möglich, in einem Wirtschaftswald durch die Holzentnahme den vollständigen natürlichen Ablauf des Waldkreislaufs zu gewährleisten – eine naturnahe Waldbewirtschaftung kann deshalb einen Nationalpark nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.
Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Baiersbronn. Hier liefen wir mit knapp 35 Leuten (teils vom Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e.V., teils von Greenpeace) von Freudenstadt nach Baiersbronn, wo wir Greenpeacer uns schweren Herzens von unserem Schild trennten. „Rückblickend war es eine sehr gute Wanderung mit vielen Einblicken und Diskussionen mit den Schwarzwäldern,“ meinte Luis Scheuermann, Wald-Experte bei Greenpeace und Hauptkoordinator der Wanderung. „Ich freue mich, dass die Gespräche stets sachlich blieben, es keine polemischen oder beleidigenden Angriffe gab und wir immer freundlich empfangen wurden.“ Sobald die Baugenehmigung da ist, wird das Schild nun vom Freundeskreis in Baiersbronn aufgestellt. „Ich freue mich, dass es im Schwarzwald Bewohner gibt, die sich ehrenamtlich für die Einrichtung eines Nationalparks einsetzen“, meinte Luis, selber Mitglied des Freundeskreises Nationalpark Schwarzwald e.V. seit der ersten Stunde. „Baden-Württemberg muss als eines der reichstenBundesländer seiner Verantwortung für die Biodiversität und den Waldschutz gerecht werden und jetzt endlich einen Nationalpark im Schwarzwald einrichten. Bis 2020 müssen zehn Prozent der öffentlichen Wälder unter Schutz stehen. Auch wir im Südwesten dürfen uns davor nicht drücken.“
Wer die Forderung nach einem Nationalpark im Schwarzwald unterstützt, kann sich den Befürwortern durch seine Unterschrift anschließen. Der Freundeskreis freut sich außerdem über weitere Mitglieder, die dabei helfen, die Befürworter in der Schwarzwald-Region zu stärken.
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EiTa
Toll, dass das mit dem Nationalpark angelaufen ist und sich die Widerstände dagegen reduziert haben, bzw. fast verschwunden sind.
18.9.2012 um 13:51 Uhr ·
Petra Mernie
Hallo Philipp,
ich finde es sehr löblich, wie sich für die Wälder eingesetzt wird. Schließlich ist die Natur ja lebensnotwendig für uns Menschen, daher ist der Schutz unabdinglich!
Dein Bericht hat mir sehr gut gefallen.
Viele Grüße,
Petra
20.9.2012 um 12:01 Uhr ·