Volkswagen: nachrechnen bitte!

19. September 2012 · von Christoph von Lieven

VW-Chef Winterkorn behauptet, der neue Golf sei bis zu 100 Kilo leichter und bis zu 23% sparsamer. Leider ist das bislang eher eine Sensationsmeldung als Realität: Keines der bislang vorgestellten Golf 7-Modelle ist 100 kg leichter im Vergleich zum Vorgängermodell. Und keine Spritersparnis ergibt – im Vergleich zum Vorgängermodell – 23% CO2-Reduzierung.

Protest von Greenpeace bei der Präsentation des Golf 7

Greenpeace-Protest für Klimaverantwortung bei der Präsentation vom Golf 7 in Berlin

100 Kilo leichter als die Golf 6-Modelle? Das müsste eine größere Spritersparnis geben, als von VW für die neuen Modelle angekündigt. 23% sparsamer – auch das klang nach Sensation. Hat VW endlich den 3-Liter-Golf herausgebracht? Nachgerechnet kommt der kleinste Golf (BlueMotion Technology 1,2 TSI) auf eine Gewichtsreduktion von 29 Kilo. Das entspricht einer Reduzierung von 121 auf 113 Gramm CO2 pro Kilometer. Also 8 Gramm weniger, keine 10%. Ganz ähnlich beim größeren Modell: Der  Golf 1,6 TDI BlueMotion Technology erreicht eine Gewichtsersparnis von 23 Kilo und eine CO2-Reduzierung von 107 auf 99 Gramm. Wieder magere 8 Gramm, aber keine 10%. Und wir sind nicht die einzigen, die den Rechenschwindel kritisieren.

Winterkorn im Handelsblatt

VW-Chef Winterkorn: "Der neue Golf ist de facto ein Dreiliterauto." (Handelsblatt vom 30.08. | Nr. 169)

Für Herrn Winterkorn ist der neue Golf ein 3 Liter Auto – ob er sich da nicht verrechnet? Wenn wir davon ausgehen, dass alle vier momentan verfügbaren Golf 7-Modelle zu gleichen Anteilen verkauft werden, würden wir einen theoretischen Durchschnittsverbrauch von 4,52 Liter pro 100 Kilometer erreichen. Das mag klingt möglicherweise erstmal gut. Nicht aber nach einem 3-Liter-Auto. Der Unterschied mag auf das einzelne Fahrzeug wenig erscheinen, nicht aber in der Summe des Massenmodells Golf. Das Fahrzeug wird millionenfach verkauft und jedes dieser Autos fährt tausende Kilometer. Jedes Gramm potenziert sich ums Milliardenfache!

Wir haben gerade in unserem Golf-Report gezeigt, dass Gewichtsreduktion eine wichtige Rolle hin zu mehr Effizienz spielt. In unserer Simulation am Beispiel des Golf 6 kann jeder selbst testen, wie sich Fahrzeugleergewicht auf die Effizienz des Autos auswirkt.

Deshalb fordern wir von VW den 3-Liter-Golf. Mit konsequenter Spartechnik kann die Golf 7-Flotte ein Drittel des Verbrauchs, also viele Millionen Tonnen CO2 einsparen, den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre reduzieren und die Folgen des Klimawandels begrenzen.

Kommentare

  • Lottina

    Gerade lese ich Neues zum Thema Arktis. Das Schwinden des Eises durch Menscheneinfluss hat eine neue Dimension erreicht. Wärmere Arktis bedeutet, dass wir in Europa strengere Winter bekommen, der Meerwasserspiegel schneller als erwartet steigt… Wadhams (Eisforscher) vermutet, das schon 2016 die Arktis eisfrei sein könnte. (Zur Erläuterung: Man kann nachweisen, wo der Mensch verantwortlich ist)
    Was muss eigentlich noch geschehen, damit auf vielen Gebieten endlich konsequent gehandelt wird?
    Dazu gehört auch die Diskussion um sparsamere Autos.
    Vielleicht sollte man auch mal über Güter auf der Bahn wieder nachdenken, dann wären auch leichtere Autos auf Autobahnen gefragter.
    Ich denke, egal mit welcher Begründung, wir kommen nicht daran vorbei, Millionen Tonnen CO2 einzusparen, besonders beim Auto.

    19.9.2012 um 15:09 Uhr · Antworten

    • Andersdenkender

      Also wenn da das Eis schmilzt steigt nicht der Meerespegel. Einfach mal googeln ” was passiert wenn das eis schmilzt?” ;)

      19.9.2012 um 15:19 Uhr · Antworten

      • stefan

        im nördlichen polarraum gibt es nicht nur meereis, sondern auch an land gebundenes eis – z.b. grönland. wenn dieses eis schmilzt, steigt der meeresspiegel sicherlich. hinzu kommt, dass auch ein eisfreies arktisches meer durch veränderung der meeresströmungen zu lokalen pegelveränderungen führen wird.

        19.9.2012 um 17:51 Uhr

  • Nase Weis

    Was passiert, wenn man nach einem Bremsvorgang den Fuß von der Bremse nimmt? Bei allen Scheibenbremsen schleifen die Beläge weiter mit 2 – 5 Nm pro Rad. Weil Kunden es nicht wissen, werden ein paar Cent für Rückstellfedern gespart, obwohl der Kraftstoffmehrverbrauch über die Belaglebensdauer dazu in keinem Verhältnis steht. Hoffentlich kostet der Liter Sprit bald 3 Euro, damit Kunden endlich aufwachen und dieser Irrsinn aufhört.

    19.9.2012 um 19:45 Uhr · Antworten

  • Bruno Straub

    … vielleicht will man damit die Bremsscheiben auf Temperatur halten :-)

    19.9.2012 um 20:17 Uhr · Antworten

  • Nase Weis

    Nein Bruno, will man bei Autos nicht. Aber eine Motorraumheizung kann ich noch anbieten: Servolenkungen mit ständig laufender Pumpe. Bei Geradeausfahrt wird die Energie von mindestens 0,3 l / 100 km über das Steuerventil abgespritzt. Aber wir haben´s ja . . .

    19.9.2012 um 20:28 Uhr · Antworten

  • Bruno Straub

    Wenn das Einsparen von CO2 so wichtig ist, warum plädiert GP denn für das Abschalten der AKW?
    (Autoverkehr Deutschland ca. 150 Mio t CO2 p.a., Einsparung AKW (statt Kohle) ca. 150 Mio t CO2 p.a.)
    Da sind die Golfe doch nur peanuts!

    19.9.2012 um 22:53 Uhr · Antworten

    • stefan

      bruno, wieder! wir ersetzen doch nicht die gesamte kernenergie von heute auf morgen 1:1 mit kohle. von 2010 bis 2011 haben erneuerbare energien von den 5% weniger anteil der kernenergie am strommix 3% übernommen, kohle 2%. 2012 dürfte es noch besser aussehen. das ist ein mehr an co2, das sehr ärgerlich ist, allerdings einige größenordnungen unter deinen angaben liegt.

      20.9.2012 um 07:15 Uhr · Antworten

      • Bruno Straub

        stefan, ich behaupte doch nicht, dass wir die Kernenergie 1:1 durch Kohle ersetzen….
        Was ich behaupte, bzw. feststelle: Wir schaffen mit erheblichem Aufwand EE. Das heißt, dass wir logischerweise in entsprechendem Umfang “alte” Stromerzeugungskapazitäten stilllegen können. Wir schalten aber ausschließlich AKW ab und behalten gezwungenermaßen die KohleKW (im GP Jargon: CO2- Schleudern). Was bedeutet, dass wir CO2-mäßig keinen mm weiterkommen!
        - Schade für das Klima!

        21.9.2012 um 00:14 Uhr

    • stefan

      genau genommen hat sich die bruttostromerzeugung durch kohle verringert:
      1990: 312 mrd kwh
      2000: 291 mrd kwh
      2010: 263 mrd kwh
      2011: 262 mrd kwh
      quelle: http://www.ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=65 (untere pdf)
      hinzu kommt, dass sowohl bei braun- als auch bei steinkohle die abwärme immer effektiver genutzt wird. das bedeutet einen rückgang der co2-emissionen pro kwh bei braunkohle von 1153 g auf 729 g, bei steinkohle von 949 g auf 622 g.

      20.9.2012 um 07:37 Uhr · Antworten

      • stefan

        quelle für die co2-emissionen: http://www.co2-emissionen-vergleichen.de/Stromerzeugung/CO2-Vergleich-Stromerzeugung.html

        20.9.2012 um 07:37 Uhr

      • stefan

        wenn man deiner argumentation folgt, die im sinne des klimawandels ja durchaus nachvollziehbar ist, und nicht erst aus der atomenergie sondern zunächst aus der kohlekraft aussteigt, kommt man maximal auf folgende jährliche co2-einsparung: von 2010-2011 sind 32,5 mrd kwh pa weniger kernenergie “produziert” worden. nehmen wir an, wir hätten diese menge an braunkohle ohne kwk eingespart, wären das 32,5 mrd * 1121 g (die 32 g co2-emission der kernkraft abgezogen) = ca. 36,5 mio t co2. nicht 150 mio t.
        dass in diesem szenario die großen vier niemals zugestimmt hätten, kohlekraft durch ee zu ersetzen, sondern auf den für sie viel lukrativeren ausbau der kernkraft gesetzt hätten, und wir auf dem weg zu französischen verhältnissen wären, lassen wir mal außen vor. ebenso, dass der atomausstieg primär aus anderen gründen als dem klimawandel beschlossen wurde. und dass wir durch den ausstieg jetzt nicht mehr co2 emittieren, habe ich oben schon dargestellt.

        20.9.2012 um 09:43 Uhr

      • Bruno Straub

        stefan,
        …. zur Zeit blasen wir natürlich noch weniger als die ca. 150 Mio t CO2 in die Luft. Wir haben ja noch nicht alle AKW abgeschaltet…..
        Wo ist denn das Problem?
        AKW-Abschalten geht bei uns halt vor Klimaschutz. Das muß man nur “realisieren”…..

        20.9.2012 um 19:54 Uhr

  • Ingo

    Hallo es ist sogar unter 3 liter auf 100km drinne man schaue sich 5 Takt Motoren an..

    20.9.2012 um 12:42 Uhr · Antworten

  • JoeLake

    daß rechnen generell schwierig ist, erlebe ich tag täglich. daß Statistiken und somit Auswertungen jemals objektiv sein werden, gehört in das Reich der Fabeln und Märchen. Worauf ich hinaus will: natürlich baut VW seit Jahrzehnten Drei-Liter-Autos, ich darf sie nur nicht starten, sprich – mit einem EU-Zyklus schafft das niemand. dazu muß man nämlich vorausschauend, defensiv und vor allem etwas langsamer als alle anderen fahren – so bekomme ich meinen 10 Jahre alten 5er auf unter 7 Liter seit mehreren 10000 km.
    Abgesehen davon – wer nach meinem Verständnis heute noch Energie und somit erhebliche Finanzmittel in den antiquierten herkömmlichen Antribsstrang investiert, hat per seh sogar schon mittelfristig verloren. Es sei denn, es gelingt uns, eine 100%ige Alternative zu dem schwarzen Gold zu finden, denn dieses so sinnlos zu verblasen grenz an fortgesetzte Dummheit – da hilf auch das Zetern der Industrie nichts und das dümmliche Politikgehabe erst recht nicht – Machen ist das Stichwort, nicht Schuld- und Verantwortungszuweisungen auf Kosten anderer.

    24.9.2012 um 07:30 Uhr · Antworten

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