Holzverbrennung im Namen des Klimaschutzes? Warum eine gute Idee nach hinten losging

09. Oktober 2012 · von Gesche Jürgens

Heute und morgen trifft sich die internationale Holzpellet-Branche zum 12. Industrieforum Pellets in Berlin. Im Blickpunkt steht unter anderem die Marktentwicklung – sowohl in Deutschland als auch weltweit. Aus Branchenperspektive sieht diese sicherlich rosig aus, denn weltweit steigen Produktionskapazitäten und Verbrauch. Die großen Energieversorger wie RWE, Vattenfall und E.on sind auch schon an Bord. Immer größere Mengen an Holz landen nicht mehr im Kachelofen, sondern in Großkraftwerken. Dies führt zu großen Problemen für die Wälder, aber auch für unser Klima.

Doch zunächst ein Rückblick: Erst Anfang dieses Jahrtausends erlebte das Heizen mit Holz – zum Beispiel in Form von Holzpellets – ein großes Revival, nicht zuletzt durch technischen Fortschritt, politische Förderung und erfolgreiche Vermarktung.

Die Idee, die ursprünglich dahinter steckte, war eigentlich gar nicht schlecht: in Sägewerken anfallende Späne anders zu verwerten als Spanplatten daraus zu pressen. Sie sollten stattdessen zu Holzpellets gepresst und energetisch genutzt werden, idealerweise natürlich im Umkreis des Sägewerks, um lange Transportwege zu vermeiden. Klingt ökologisch. Kann es auch sein, muss es aber nicht.

Energieholz boomt – zu welchem Preis?

Denn mittlerweile gibt es einen wahren Boom bei der energetischen Holznutzung.

Holzverwendung (c) VHI 2010Die Grafik zeigt, dass in Deutschland nicht nur erheblich höhere Mengen Holz verbraucht werden als noch vor zehn Jahren, sondern dass der Großteil des Mehrverbrauchs verbrannt wird. Was für Konsequenzen hat dies für unsere Wälder?

Schon länger geht es nicht mehr nur um Sägeabfälle, die bei der Holzverarbeitung entstehen, sondern vermehrt auch sogenanntes „Waldrestholz“. Dies ist Holz, das nach einem Hieb im Wald verbleiben sollte, zum Beispiel Baumkronen und Äste. Doch mittlerweile werden immer größere Mengen davon aus dem Wald entnommen, teilweise mit den kleinsten Ästen und Blättern oder Nadeln. Was auf den ersten Blick wie eine Freude für die besonders ordnungsliebenden Waldbesucher wirkt, ist ein Riesenproblem für den Wald.

Denn gerade mit Rinde, Nadeln und Laub verschwinden auch die Nährstoffe, die sonst bei der Zersetzung wieder dem Boden zugeführt würden. Dies schädigt den Boden und seine für die Waldgesundheit wichtigen Funktionen. Sobald also nicht mehr nur Sägeabfälle verwertet werden – sondern der Wald förmlich leergefegt wird – kann von umweltfreundlicher Energie- und Wärmeerzeugung nicht mehr gesprochen werden.

Holz verbrennen: nicht CO2 neutral

Auch das Klima profitiert bei diesem Trend nicht: Denn immer noch besteht die Annahme, Holz verbrenne CO2-neutral. Dabei entstehen bei der Verbrennung von Holz ebenso CO2-Emissionen wie bei der Verbrennung von Öl. Dazu kommen noch Trocknung, Verarbeitung und Transport. Und natürlich wachsen alle Bäume, die für die anschließende Verbrennung gefällt werden, nicht weiter und können der Atmosphäre auch kein CO2 mehr entziehen. Wissenschaftler haben mittlerweile darauf hingewiesen, dass es völliger Quatsch ist, im Namen des Klimaschutzes Holz zu verbrennen und dafür zusätzliche Bäume zu fällen.

Dennoch wird genau dies derzeit massiv befördert. Zum Beispiel dadurch, dass Kohlekraftwerke ihre Klimabilanz durch die Mitverbrennung von „CO2 neutral“ verbrennendem Holz aufwerten können. So wandern mittlerweile große Mengen Holz in Kraftwerke, und dies absurderweise auch noch im Namen des Klimaschutzes und der Energiewende.

Nicht nur ein deutsches Problem

Auch in anderen Ländern führt die zunehmende Verbrennung von Holz zu ökologischen Problemen. Unsere Kollegen aus Kanada berichten, dass die Nachfrage nach Energieholz die kanadischen Wälder massiv bedroht. Holzpellets werden auch dort zunehmend nicht mehr aus Sägeabfällen hergestellt, sondern aus ganzen Bäumen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Kanada noch riesige Urwaldgebiete, auf die der Druck nun noch mehr wächst. Derzeit werden sowohl in Kanada als auch in den USA riesige Produktionskapazitäten zur Pelletherstellung aufgebaut (Partner des diesjährigen Pelletforums sind übrigens, wen wundert’s – der kanadische und der amerikanische Pelletverband). Mit an Bord sind auch RWE und der größte deutsche Pelletproduzent German Pellets, die dort eigene Werke bauen. Die Zielsetzung ist ganz klar der Export nach Europa. Was das heißt? Im schlimmsten Szenario wandern dann pelletierte Urwälder „völlig klimaneutral“ in unsere europäischen Kraftwerke. Geht’s noch?

Umweltverbänden kann man es natürlich nie recht machen: nach Atom, Kohle und Öl wollen wir jetzt noch nicht mal, dass Holz verbrannt wird? Falsch, aber energetische Nutzung von Holz kann nur eine Nischenenergie sein und nicht die Energiewende stemmen. Der aktuelle Trend geht jedenfalls in die völlig falsche Richtung.

Zum Schluss ein kurzer TV-Tipp: Naturwald bietet mehr Lebensraum (ab Minute 8:30) aus der Sendung Nano auf 3sat. Dieser Bericht zeigt deutlich die Unterschiede zwischen einem bewirtschafteten und einem naturbelassenen Wald auf.

Kommentare

  • Pu244

    Ich war in Sachen “Bio”energie immer schon sehr skeptisch.

    Am Anfang der Industrialisierung verschwanden riesige Wälder als Holzkohle in den Hochöfen, es war nur eine Frage der Zeit bis alle Wälder des Planeten vollständig abgeholzt wären. Zum Glück kam die Steinkohle und beendete das Abholzen fast komplett so das die Wälder den Einschlag für Energie verkraften konnten. Man sollte die knappe Bioenergie für das aufsparen was wirklich schwer zu ersetzen ist, den Flugverkehr zum Beispiel oder auch den Schiffstransport. Für Wärme, Strom und Mobilität auf dem Land gibt es bessere Alternativen

    12.10.2012 um 06:39 Uhr · Antworten

  • Moleshovel

    Wenn auch Holz nur eine Nischenenergie sein kann, womit sollen wir denn dann heizen ??? GP sagt immer nur was nicht geht, was nicht gemacht werden darf, aber wo sind die konstruktiven, innovativen Lösungen ???
    Stellt sich auch die Frage womit GP heizt ?!

    23.11.2012 um 23:06 Uhr · Antworten

    • Nur mal so gesagt

      Eine “innovativen Lösungen” wäre beispielsweise mal über die Reduzierung des Ressourcen-Verbrauchs nachzudenken – und da kann jeder bei sich selbst anfangen.

      18.1.2013 um 10:06 Uhr · Antworten

  • Van

    Ein Super Bericht. Ich war immer der Meinung eine Holzpelletheizung sei super für die Umwelt und das ist in den Köpfen der Bürger auch so zementiert worden.

    18.1.2013 um 09:44 Uhr · Antworten

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