Braunkohletagebau Welzow-Süd II: Vattenfall verteilt Beruhigungspillen

16. Oktober 2012 · von Gerald Neubauer

Gerald Neubauer von Greenpeace (links) im Gespräch mit Herrn Weymanns, dem Chef der brandenburgischen Braunkohleplanungsbehörde.

Vor etwa sechs Wochen hatte Greenpeace ein geologisches Gutachten zu Rutschungsgefahren nahe Lieske in der Lausitz veröffentlicht. Seitdem leben die Menschen dort in großer Sorge. Bei einer Bürgerversammlung in dem kleinen Dorf, gaben sich Vattenfall und das Landesbergamt am 15.10.2012 alle Mühe die Bürgerinnen und Bürger wieder ruhigzustellen. Doch die meisten der etwa 80 Teilnehmer glaubten Vattenfall kein Wort.

Die 100 Einwohner von Lieske sind beunruhigt seit Vattenfall 2007 den neuen Braunkohletagebau Welzow-Süd II beantragte. Nach den Plänen des Konzerns würde das Dorf auf einem schmalen Streifen Land eingeklemmt. Auf der einen Seite der Tagebau, auf der anderen Seite der 60 Meter höher gelegene Sedlitzer See.

Aus dem Greenpeace-Gutachten, erstellt vom Geologen Dr. Ralf Krupp, geht hervor, dass an der am See errichteten Dichtwand ein sogenannter hydraulischer Grundbruch droht. Das bedeutet, dass sich im schlimmsten Fall das Wasser des Sedlitzer See eine Bresche zum Tagebau schlägt und dabei das Dorf mit sich reißt.

Bei der Infoveranstaltung stellte sich heraus, dass das Landesbergamt die Grundbruchgefahr bei Lieske noch nicht untersucht hat. Eigentlich sollte der geologische Dienst des Amtes die Untersuchung bis zum Herbst nachholen. Doch ein Ergebnis liegt nicht vor. Trotzdem behauptet der Amtspräsident Freytag, dass für das Dorf keinerlei Gefahr bestehe. Das Landesbergamt vertraut scheinbar vollständig auf die Angaben von Vattenfall.

Ein Konzernvertreter zeigte auf der Bürgerversammlung eine aufwändige Präsentation zur Standsicherheit von Lieske, ging aber auf die zentralen Kritikpunkte des Greenpeace-Gutachtens nicht ein. Er konnte weder die Existenz einer Tonschicht am Fuße der Dichtwand belegen – ohne diese droht eine Unterspülung – noch die Gefahr von Suffosionsprozessen entkräften. Diese können zur Erosion der Dichtwand führen und die Dichtwand bei Lieske besteht weitgehend aus Sand. Die Zweifel an der Standsicherheit bleiben.

Noch nie wurde ein Tagebau so nahe an einen sogenannten Restlochsee herangeführt, wie bei Lieske geplant. Das Landesbergamt muss endlich eine neutrale Untersuchung durchführen und alle Untersuchungsergebnisse veröffentlichen. Am sichersten wäre es, die Planungen für den neuen Tagebau sofort einzustellen. Das wäre nicht nur für die Menschen in Lieske die beste Lösung, sondern auch für den Schutz des Weltklimas.

Kommentare

  • Sarah

    Vielen Dank für den Bericht zum Tagebau, hoffentlich wacht das Landesbergamt dort bald auf und stellt die Vorbereitung für diese unnütze Projekt bald ein.

    24.10.2012 um 10:41 Uhr · Antworten

  • George

    Leider neigen Konzerne immer dazu, jegliche Moral und Umweltschutz zu missachten, aber ich hoffe die Lobbyisten fliegen irgendwann noch aus der EU…

    24.10.2012 um 11:35 Uhr · Antworten

  • Lottina

    Eine neutrale Untersuchung und vermutlich schneller Stopp wäre auch für den Steuerzahler sinnvoll, denn das Geld für große Schäden bezahlt vermutlich letztlich er.

    25.10.2012 um 10:58 Uhr · Antworten

  • Erna

    Na ja, jeder hat halt seine Meinung dazu.

    http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/692888/

    25.10.2012
    Gericht weist Klage gegen Tagebau Welzow-Süd zurück

    Potsdam/Cottbus – Das Verwaltungsgericht Cottbus hat die wasserrechtliche Genehmigung des Tagesbaus Welzow-Süd in der Lausitz bestätigt. Nach einer mündlichen Verhandlung hat das Gericht eine Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen die Erlaubnis abgewiesen. Die Genehmigung stehe im Einklang mit den wasserrechtlichen Anforderungen. BUND, Greenpeace und Grüne bedauerten die Entscheidung. Im Tagebau Welzow-Süd baut der Energiekonzern Vattenfall Braunkohle ab. Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe hatte dem Konzern eine wasserrechtliche Erlaubnis erteilt. Demnach darf Vattenfall für den Tagebau bis zum Jahr 2022 Grundwasser absenken und ableiten. Um das entstehende Lausitzer Seenland zu schützen und Rutschungen zu verhindern, wird eine mehr als zehn Kilometer lange Dichtwand errichtet. Der BUND hält den Verlauf der Dichtwand für falsch und stellte vor diesem Hintergrund die wasserrechtliche Genehmigung infrage. Das Landesbergamt ist jedoch nach Ansicht des Gerichts zu Recht davon ausgegangen, dass die Dichtwand den notwendigen Schutz für die Sanierungsziele der Seenkette entfaltet. Es sei kein Fehler in der Genehmigung erkennbar. BUND und Greenpeace befürchten, dass die Dichtwand unterspült werden könnte. Dies könne zu einem Erdrutsch führen, der das nahegelegene Dorf Lieske gefährden würde. dapd

    25.10.2012 um 13:20 Uhr · Antworten

    • Andersdenkender

      “Die PNN wurden 1951 unter dem Namen Brandenburgische Neueste Nachrichten als Organ der DDR-Blockpartei NDPD für das Land Brandenburg, bzw. die späteren Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus gegründet und erhielten nach der politischen Wende in der DDR ihren heutigen Namen.”
      http://de.wikipedia.org/wiki/Potsdamer_Neueste_Nachrichten
      Jeder hat eine eigene Meinung, auch Rechte. Das ist Ok, solange jeder weiß wann sie sich einschalten.

      30.10.2012 um 18:47 Uhr · Antworten

      • Erna

        Was soll von von Ihnen auch anderes erwarten? Die NDPD der Ex-DDR als rechts zu bezeichnen ist schon mehr als dumm. Da Sie die Wahrheit aber mit Sicherheit kennen zeigt dies eigentlich nur ihre immer dünner werdende Argumentation. Wenn Sie es tatsächlich nicht wissen, hätten Sie einfach mal weiter klicken sollen
        ….Sie wurde 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet und unterstützte die Politik der SED. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen FDP auf….
        Im übrigen war nahezu jede Tageszeitung der neuen Bundesländer früher ein organ einer Blockpartei.
        .
        Letztlich ändert dies aber nichts am Gerichtsurteil. Da können Sie noch so viel Unsinn – unter den schlafenden Augen von GP – schreiben und versuchen vom Thema abzulenken.

        31.10.2012 um 18:50 Uhr

  • Pu244

    Tja,
    wer gedacht hat man könnte die AKWs alle abschalten ohne das irgendjemand einen Preis dafür zahlen muß war auf dem Holzweg. Das ist aber in dem Fall nicht so schlimm da hier die Verursacher (also “die Deutschen”) zu Kasse gebeten werden. So richtig schlimm ist der Klimawandel und die damit verbundene Zerstörung der Heimat von Hunderten Millionen Unschuldiger, das ist ein echtes Verbrechen.

    Die Hoffnung das der Braunkohletagebau schnell abgewickelt wird kann man ja bis mindestens 2046 quasi aufgeben.

    27.10.2012 um 06:18 Uhr · Antworten

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