In der Ausgabe der japanischen Tageszeitung Asahi Shinbun vom 25. Oktober steht es schwarz auf weiss: 1,8 Milliarden Yen (etwa 17 Millionen Euro) aus dem Förderfond für die Tsunamiopfer wurden an das japanische Institut für Walforschung (ICR, Institute for Cetacean Research) gezahlt. Das ICR ist verantwortlich für den wissenschaftlichen Walfang Nippons und unterhält die in die Jahre gekommene japanische Walfangflotte.
Pikant ist, dass die Summe fast ausschließlich verwendet wurde, um das erwirtschaftete Defizit des Institutes auszugleichen. Dies kam ans Licht als der Prüfbericht der entsprechenden Kontrollinstanz vorgelegt wurde. Der Leiter der japanischen Fischereibehörde, Kazuyoshi Honkawa, präsentierte den Geschäftsbericht 2011 des ICR und gab an, die Gewinne des Institutes beliefen sich “nahe Null”. Das heisst, die üblicherweise aus den Verkäufen des im sogenannten Wissenschaftswalfang erzielten Gewinne blieben im Jahr 2011 aus. Der Grund: Auch in Japan will keiner mehr Wale essen.
Um so weniger nachvollziehbar wird daher die Entscheidung der japanischen Regierung, in die Neuausrüstung des Fabrikschiffes der japanischen Walfangflotte, der “Nisshin Maru” investieren zu wollen. Dies gab die japanische Fischereibehörde vor einigen Wochen bekannt. Allerdings seien die notwendigen Reparaturen so aufwändig, dass man darüber nachdenke, in diesem Jahr den Walfang in der Antarktis auszusetzen. Damit hätten die südpolaren Wale zumindest ein Jahr lang Ruhe vor Japans Harpunen.
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Marco Köhrsen
Schockierend und absurd, dass da anscheinend Gelder die dafür gedacht sind den Leuten dort vor Ort zu helfen, dafür genutzt werden den Walfang wirtschaftlich zu stützen. Ob nun direkt oder indirekt,
Mal wieder triumphieren wirtschaftliche Interessen vor Vernunft. ;(
26.10.2012 um 11:01 Uhr ·
Thorsten
Unglaublich, das so etwas möglich ist.
Ich würde ja gerne mal Wissen ob das den Menschen dort vor Ort ausreichend bekannt ist.
Erst gefährdet und zerstört “die Wirtschaft” ganze Landstriche für hunderttausende von Jahren und macht diese unbewohnbar und dann zwackt Sie Gelder ab, die für die hilflosen Menschen in dieser schlimmen Situation gedacht sind.
Mal wieder ein Armutszeugnis für die Japanische Politik und Ihre Machthaber.
26.10.2012 um 16:02 Uhr ·
Techniker
Komisch, im Titel steht “Geld für die Tsunami-Opfer”. Das muss wohl ein seltsamer Tsunami gewesen sein, der das Land für Hunderettausende Jahre unbewohnbar gemacht hat.
Ich fühle mich bestätigt: In Deutschland hat man die wahre Tragödie vergessen, und erinnert sich nur noch an die Reaktorkatastrophe.
Und selbst die vergleichbar geringen Flächen, die von dem Fallout betroffen sind, werden nicht “Hunderttausende Jahre” unbewohnbar sein – das ist hoffnungslos übertrieben. Die ersten Bewohner kehren schon zurück.
27.10.2012 um 10:57 Uhr ·
Bruno Straub
Ja, da haben die Presse, und noch mehr das Deutsche Fernsehen ganze Arbeit geleistet:
Tsunami = Riesenverwüstung = 20000 Tote = Fukushima = Weltuntergang
(Ich fürchte, Thorsten ist nicht der Einzige, der die Botschaft verstanden hat…)
29.10.2012 um 00:46 Uhr ·
Pu244
Es ist pervers den Bedürftigen das Geld wegzunehmen und es in eine Industrie zu Pumpen die sich nicht wirtschaftlich trägt und bei der es offenbar auch keine Aussichten gibt das dies jemals wieder der Fall sein wird (im Gegensatz zu den AKWs die man ja einigermaßen gut verkaufen kann)
Im Grunde genommen ist das eine nationale Spinnerei die nichts bringt und bei der es nur um das Prinzip geht. Mit Argumenten ist da eher wenig zu machen.
Wobei sich da keine Nation zuweit aus dem Fenster lehnen sollte (Gentech Gegner in der EU, AKW Gegner in Deutschland, Autarkiewahn in Polen, Großmachtssucht in Frankreich, Schusswaffen und Angst vor dem “Sozialismus” in den USA, Angst vor dem Verlust der Großmachtsstellung in Russland, die Liste ließe sich ewig fortsetzen). Das sollte man auch berücksichtigen wenn man andere von ihrem Dachschaden kurieren will.
27.10.2012 um 06:06 Uhr ·
Hans
genauso wie bei uns,Politiker die lügen wie armseelig diese Menschen.Sie sollten auf einer einsamen Insel gebracht werden wo sie nicht mehr weg können
28.10.2012 um 22:11 Uhr ·
Erna
Ob eine japanischen Tageszeitung als seriöse Quelle tauglich ist sei mal dahin gestellt. Wenn der Vorgang so wie dort beschrieben ist, ist es natürlich eine Sauerrei. Was GP aber daraus wieder macht ist wie mal VOLKSVERDUMMUNG.
…Der Grund: Auch in Japan will keiner mehr Wale essen…
Ich denke auch GP schaut ab und zu mal die Doku ihres ehemaligen Mitglieds Paul Watson “Whale Wars” an. Sea Shepherd ist letztlich dafür verantwortlich, das die Walfangflotte nur einen Bruchteil der geplanten Tiere gefangen hat und entnervt vorzeitig die Walfangsaison abgebrochen hat. Tatsächlich ist Walfleisch beliebter denn je und die Defizite der Walfangflotte auf die Aktionen von Sea Shepherd zurück zu führen.
29.10.2012 um 08:14 Uhr ·
Andersdenkender
Erna, sind deutsche Tageszeitungen wie die taz oder die Welt nun plötzlich seriöser?
Und sind sie plötzlich zum Verantwortlichen mutiert?
Aus http://de.wikipedia.org/wiki/Japanische_K%C3%BCche#Walfleisch:
Mittlerweile wollen jedoch nur noch wenige Japaner Walfleisch essen. Seit 1987 wird der Walfang offiziell nur noch aus wissenschaftlichen Gründen betrieben, das Fleisch kommt jedoch in den freien Handel. Auf Grund der stark gesunkenen Nachfrage lagerten 2005 aber bereits etwa 4000 Tonnen tiefgefroren in den Lagerhallen. Statistisch essen Japaner jährlich pro Kopf nur noch 40 Gramm Walfleisch, obwohl die Preise stark gefallen sind. Es gibt bereits Werbekampagnen, um den Konsum zu fördern, zum Beispiel kostenlose Lieferungen an Schulen und Flugblattaktionen. Eine Fast Food-Kette bietet Hamburger mit Walfleisch an, jedoch ohne großen Erfolg. Inzwischen wird es auch zu Hundefutter verarbeitet, um die Lagerbestände zu reduzieren. Als Gründe für die sinkende Beliebtheit des Walfleischs werden sein Geschmack und die eher trockene Konsistenz genannt, außerdem erinnere es ältere Japaner an die Notzeit nach dem Krieg.[7][8]
Das bestätigt die Ehrfahrungen die ich auch gemacht habe.
30.10.2012 um 18:41 Uhr ·
Erna
Oh kommt jetzt wieder das hoch wissenschaftliche Wiki zum Zuge?
asienspiegel.ch
…Seit Jahren herrscht auf dem Markt ein Überangebot. Das hat einerseits damit zu tun, dass viel billiges Walfleisch aus Island importiert wird. Zudem bevorzugen die noch wenigen traditionellen Walfang-Regionen Japans, ihren lokal begrenzten, frischen Fang. Als Folge türmen sich die Lagerbestände des gefrorenen Walfleischs des ICR. 2010 waren es rund 4000 Tonnen…
Letztlich wird jetzt also das billigere Walfleisch aus Island gegessen. Im übrigen wird mit Ihrer Argumentation die Darstellung untermauert, dass der Walfang nicht aus kommerziellen sondern rein wissenschaftlichen Gründen geführt wird
31.10.2012 um 11:26 Uhr
Andersdenkender
“Oh kommt jetzt wieder das hoch wissenschaftliche Wiki zum Zuge?”
”
Ja Erna, wissenschaftlicher als Lobbyorganisationen, die sie posten ist es auf jedenfall. Und wenn es das nicht mehr so ganz ist dann bleibt eine Wiki dank der Quellen wenigstens transparent.
“Seit Jahren herrscht auf dem Markt ein Überangebot.”
Eigentlich der wichtigste Satz überhaupt. Walfleisch findet keine Abnehmer.
Nichts anderes vermittelt auch ihre Quelle
“Letztlich wird jetzt also das billigere Walfleisch aus Island gegessen.”
Der Trend ist allgemein rückläufig, auch die Tradition will ich bezweifeln wenn nun Walfleisch importiert wird.
“Im übrigen wird mit Ihrer Argumentation die Darstellung untermauert, dass der Walfang nicht aus kommerziellen sondern rein wissenschaftlichen Gründen geführt wird
Lesen bildet – zumindest manchmal:
“Seit 1987 wird der Walfang offiziell nur noch aus wissenschaftlichen Gründen betrieben, das Fleisch kommt jedoch in den freien Handel.”
31.10.2012 um 16:40 Uhr
Bruno Straub
@Thilo Maack,
der Tsunami hat ja nicht nur 100 Tausend Menschen obdachlos gemacht und 20 Tausend getötet, sondern ganze Dörfer/Städte ausradiert, mit Fabriken, Hafenanlagen und Schiffen.
Ich könnte mir vorstellen, dass da ein gewaltiges Wiederaufbauprogramm läuft.
Über welche Summen reden wir da?
Bist Du sicher, dass die 17 Mio Euro für die “Walschlachtung” aus einem Programm für PERSÖNLICHE Hilfen für Tsunamiopfer genommen wurden?
29.10.2012 um 23:45 Uhr ·