Shell-Ölbohrer verlassen die Arktis

02. November 2012 · von Benjamin Borgerding

Das Eis kommt, die Ölbohrer gehen. Die Noble Discoverer und die Kulluk verlassen derzeit ihre Bohrstellen vor der Küste Alaskas. Der Ölkonzern Shell verlegt das Bohrschiff und die schwimmende Plattform in manövrierbares Gewässer im Süden, denn Tschuktschen- und Beaufortsee werden in den kommenden Wintermonaten zufrieren.

Eine von dutzenden Pannen: Shells Bohrschiff "Noble Discoverer" läuft vor dem Dutch Harbour auf Grund.

Eine von dutzenden Pannen: Shells Bohrschiff "Noble Discoverer" läuft vor dem Dutch Harbour auf Grund.

Für den Konzern verlief das Jahr X seines 4,5 Milliarden Dollar schweren Arktis-Projekts alles andere als nach Plan. Pannen und fehlende Genehmigungen sorgten für eine immer weitere Aufschiebung des Bohrbeginns. Ursprünglich geplant waren insgesamt sechs Bohrlöcher, man wollte bis in ölführende Schichten vordringen. Nach sogenannten Top Hole-Bohrungen hinterlässt Shell am Meeresgrund nun lediglich zwei oberflächliche Löcher, an denen die Arbeiten im nächsten Jahr fortgesetzt werden sollen.

Shell kommt wieder, keine Frage. Bei anderen Unternehmen hat sich der Enthusiasmus für Bohrungen in der Arktis jedoch merklich abgekühlt. Statoil verschiebt nach der diesjährigen Shell-Pleite ein eigenes Bohrprojekt für den arktischen Ozean um mindestens ein Jahr; TOTAL-Chef Christophe de Margerie erklärte jüngst, dass Ölbohrungen in der Arktis wegen zu hoher Umweltrisiken nicht durchgeführt werden können.

Sicherheit und Öl: Zwei Begriffe die komisch aussehen, wenn sie nebeneinander stehen. Wie schreibt es Rex Weyler in seinem Blogbeitrag “Oil Wars” so treffend: “Wenn du hörst, wie Politiker behaupten, dass es beim nächsten Krieg ‘nicht ums Öl geht’, kannst du dir sicher sein: Es geht ums Öl.” Im Interview mit The European hat der Schweizer Energie- und Friedensforscher Daniele Ganser einen konkreten Vorschlag zur Güte. Wie wäre es, fragt er, wenn man das Pentagon-Budget von 700 Milliarden Dollar in die Energiewende investieren würde:

Dann hätten wir sofort eine finanzierbare, haltbare und dezentrale Energieversorgung. Wir wissen, wie Geothermie funktioniert. Wir wissen, wie man ein Drei-Liter-Auto baut. Wir wissen, wie man ein Haus isoliert oder Solarzellen installiert. Die Frage ist, ob wir den Mut haben, Geldströme umzuleiten und statt Ressourcenkriegen die Energiewende zu finanzieren.

Amen. Dass es auch hierzulande ganz entscheidend an politischem Willen und ausreichend Mut mangelt, zeigt bereits ein flüchtiger Blick in die alltägliche Debatte um die Energiewende.  Jüngstes Beispiel: Die von der Bundesregierung beabsichtigte Deckelung der Windkraft, die sie trotz höherer und ökonomisch vorteilhafter Ausbauziele vieler Bundesländer durchzusetzen gewillt scheint.

Kommentare

  • Amflora

    Gute Nachrichten aus Afrika:
    “Die Erdgasproduktion auf dem afrikanischen Kontinent könnte sich bis 2035 verdoppeln. Sie könnte somit zu einem Antriebsmotor der Entwicklung und Industrialisierung ganzer Landstriche werden, wenn globale Trends hin zu saubereren Energien anhalten und afrikanische Regierungen die Chancen des Sektors nutzen.”

    03.11.2012 um 23:06 Uhr · Antworten

    • andersdenkender

      Yeaaah! Aber Moment mal, war da nicht mal das gleiche mit Öl und Nigeria?
      Afrika geht es nicht gut, trotz seiner Rohstoffe und da wird auch das Gas nichts mehr ändern.

      03.11.2012 um 23:42 Uhr · Antworten

      • Marina

        Bei manchen Politikern in Afrika – kein Wunder, und diese werden noch von ausländischen Unternehmen tatkräftig unterstützt, es ist fast so wie zur Kolonialzeit, und diese Denke haben vielleicht sogar manche afrikanische Politiker übernommen – die stecken sozusagen noch tief in den Kinderschuhen.

        04.11.2012 um 16:36 Uhr

  • Energiesparfuchs

    Drei-Liter-Erdöl-Autos bauen, Haus mit Styropor isolieren und Solarzellen in Gegenden aufstellen, die max. 1.000 Stunden im Jahr Stromproduktion zulassen.
    Das findet GP geil. Also weiter mit Erdöl fahren, die Gebäude mit Erdölprodukten bekleben und verschimmeln lassen sowie uneffektive Solartechnik am Nordpol für hunderte Milliarden Euro installieren.
    Ihr seid so lächerlich.

    04.11.2012 um 09:08 Uhr · Antworten

    • andersdenkender

      Jo, Umweltschutz ist lächerlich ;)

      04.11.2012 um 09:49 Uhr · Antworten

      • Energiesparfuchs

        Nee, eure Vorschläge sind lächerlich.

        04.11.2012 um 11:11 Uhr

      • andersdenkender

        Mach mal bessere – von heute auf morgen ist ne nachhaltige Wirtschaft halt nicht zu machen…

        04.11.2012 um 11:23 Uhr

      • Techniker

        Ja wie wär’s damit: pro Kilogramm CO2 eine Steuer von xx Cent (dieser Betrag steigt pro Jahr um yy Cent), alles andere überlässt man der Wirtschaft, die gleiche treibende Kraft, die uns unseren heutigen Lebensstandart gebracht hat, der ständige Optimierungsdrang der Wirtschaft wird dann genutzt, um ein nachhaltiges System aufzubauen. Die Theorie dahinter ist, dass jede andere Regelung nur zu Ineffizienzen führen würde, denn ein Außenstehender wie GP kann die Lage nie so gut beurteilen, wie z.B. ein Manager, dem die Zahlen für sein besonderes Unternehmen in seiner besonderen Lage vorliegen. Damit würden auch sinnlose Programme wie das EEG obsolet werden. Denn ein erneuerbarer Strom der wegen mangelnder Leitungen nicht genutzt werden kann, bringt damit auch keine Vergünstigung. (Aktuell wird z.B. bei intensiver Sonne und lokal geringem Stromverbrach der Strom einfach “verheizt”, bezahlt wird er aber trotzdem.

        04.11.2012 um 14:33 Uhr

      • Marina

        @Energiesparfuchs:
        Wie wäre es, wenn Sie einige Vorschläge machen würden, wenn alles andere im Grunde nur lächerlich ist?!
        Machen Sie doch einfach mal Verbesserungsvorschläge, vielleicht können andere von Ihnen z.B. etwas lernen …

        04.11.2012 um 16:40 Uhr

  • andersdenkender

    Jo, guter Vorschlag und genau so würde ich es (mehr oder weniger) auch machen. Warum das wohl niemand macht? Tja, ich weiß nicht.

    04.11.2012 um 15:48 Uhr · Antworten

  • Techniker

    Wär hält recht unsexy, dann bräuchte man nicht so viele Energiexperten, und die Meinung von GP wäre nicht so häufig gefragt — die Diskussion wäre relativ primitiv, es ginge nur darum wie hoch die Steuer sein sollte.- — -

    04.11.2012 um 16:10 Uhr · Antworten

    • Andersdenkender

      Was ja bestimmt den Unternehmen völlig wurscht sein würde ;)

      04.11.2012 um 16:52 Uhr · Antworten

      • Techniker

        Naja, die, mit einem unterdurchschnittlichen Ausstoß wären bestimmt dafür…

        04.11.2012 um 17:07 Uhr

      • Andersdenkender

        Die mit nem unterdurchschnittlichen Austoß haben aber leider kein Geld für Lobbyarbeit da sie vorzeitig alles in umweltfreundlichere Produktionsanlagen gesteckt haben – ja und dann haben sie zu wenig Energie verbraucht um als stromintensiver Betrieb befreit zu werden…
        Da ist man lieber kein Betrief mit unterdurchschnittlichen Außstoß :D

        04.11.2012 um 20:18 Uhr

      • Techniker

        Leider erfolgt die Einstufung als stromintensiver Betrieb nach Branche, nicht nach individuellen Verbrauch. Die Alu-Industrie z.B. KANN aufgrund von Physikalischen Gesetzen nicht weniger verbrauchen…
        Deine anti-Wirtschafts Einstellung geht mir ehrlich gesagt auch etwas auf den Nerv!

        04.11.2012 um 20:35 Uhr

      • Andersdenkender

        Ich bin wohl noch der wirtschaftsfreundlichste unter den Usern hier, ich bin auch nicht “Anti-Wirtschaft”, ich hab nur was gegen Lobbyismus.
        Ich weiß grad echt nicht wie du darauf kommst…
        Und diese Beispiel das ich oben genannt ist real, ein Betrieb hatte investiert und hatte dann einen Schaden dadurch das Konkurrenten von der Umlage befreit wurden.

        04.11.2012 um 21:04 Uhr

      • Techniker

        Belege?

        04.11.2012 um 21:24 Uhr

      • Techniker

        GP ist auch eine – ziemlich mächtige – Lobby. Jeder der eine Meinung hat seine Interessen vertritt ist Lobbyist. Und nur weil jemand Lobbyist ist, heißt das nicht, dass du deswegen seine Argumente ignorieren darfst.

        04.11.2012 um 21:32 Uhr

      • Andersdenkender

        Belege, puh, ich werde mal mich umschauen. Ich lese sehr viel zu dem Thema und weiß nicht immer woher das dann nochmal herkommt.
        Aber ich denke man kann erkennen das das eine durchaus logische Handlung einer Minderheit der Unternehmen war bzw. ist.
        Ja und wenn du sowas als Lobbyist verstehst dann ist auch Greenpeace eine Lobbygruppe, ein Lobbyist ist für mich vielmehr einer der Geld von einem Unternehmen erhält um die “Interessen zu vertreten”, wie es so schön heißt.
        Und wenn jemand von der Wirtschaft finanziert wird habe ich zumindest großen Zweifel an den Zahlen, der Übergang zwischen Lobbyismus und Manipulation ist in den USA fließend. Wer zu mir mit ner anderen Meinung kommt und offen ist, mit den kann man diskutieren. Lobbyisten sind nicht offen, sondern kriegen Geld dafür Meinung A zu verbreiten. Solche Diskussionen sind wenig fruchtbar.

        04.11.2012 um 22:47 Uhr

  • Marina

    Ich finde, Kreativität ist gefragt, Erfindungsgeist – auch in puncto Energiefragen …
    Warum alles den großen Energiekonzernen überlassen? Die wissen doch auch nicht alles, und denen geht es doch hauptsächlich um schnellen Profit und viel weniger um die Versorgung der Bevölkerung.
    In solchen Dingen sollte die Bürger daran beteiligt werden – z.B. bzgl. Windparks …
    Da sind auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen, oder bei der Geothermie die tiefe Bodenbeschaffenheit. D.h. je nachdem, wie die Konditionen in der Umgebung sind, muss dementsprechend entschieden werden, welche Energieform sich wo am besten eignet, wobei der Bürger bei (Groß-) Projekten auch ein Mitspracherecht haben sollten.
    Und nicht einfach auf Teufel komm raus z.B. große Windparks entstehen lassen,
    da sollte nach Möglicht schon im Vorfeld alles in Betracht gezogen und geklärt werden – nicht allein die Nutzen- und Kostenfrage! Sonst wird es u.U. früher oder später ein Flop. Wie in Staufen in Baden-Württemberg, wo viele Häuser nicht mehr richtig bewohnbar sind, statt der Geothermie hätte man besser eine andere Energieform gewählt. Aber hinterher ist man eh immer schlauer: Aus Schaden wird man eben klug, nur für die Betroffenen in Staufen hilft es wenig.

    04.11.2012 um 17:00 Uhr · Antworten

    • Techniker

      Bürgern ein Mitsprachenrecht zu geben ist eine ganz schlechte Idee… Denn wer hat am wenigsten Ahnung? Diejenigen, die sich nicht schon seit Jahren damit beschäftigen, die Bürger.

      04.11.2012 um 17:13 Uhr · Antworten

    • Andersdenkender

      Man darf sich nicht über die Interessen anderer hinwegsetzen, aber Mitspracherecht ist ein weiter Begriff. Was genau meinst du damit?

      04.11.2012 um 20:15 Uhr · Antworten

    • Techniker

      Es gibt gewisse Angelegenheiten, die kann man als Außenstehender ohne entsprechende Fachkenntnisse nicht beurteilen. Wo ich mich nicht auskenne, da rede ich auch nicht mit. Leider machen das viele nicht so, dann kommt es wie bei S21, wo Tausende wegen ein paar Käfern auf die Straße gehen. Deswegen finde ich das sich die Öffentlichkeit aus Großprojekten raushalten sollte. Man sollte einfach darin Vertrauen haben das die Verantwortlichen nicht dumm sind, alles durchgespielt haben, und dies offensichtlich so die beste Möglichkeit ist. Durch unwissende Außenstehende wurde schon eine ganze Branche zugrunde gerichtet – zumindest in Deutschland.

      04.11.2012 um 20:50 Uhr · Antworten

      • Andersdenkender

        So ist es, wobei Stuttgart 21 wirklich berechtigte Gründe lieferte auf die Straße zu gehen. Ich will das gar nicht vertiefen. Kam ja lange genug in den Nachrichten.
        Großprojekte sind für die Öffentlichkeit also sollte man alleine um Prozesskosten zu sparen sich mit den Sorgen der Bürger beschäftigen, manchmal sind diese auch berechtigt. Der Planer beim neuen Hauptstadtflughafen würde ich nicht trauen, auch wenn die Politik involviert war. Ein Einzelner kann kein Projekt stemmen, ohne Austausch zwischen allen Beteiligten geht es nicht.

        04.11.2012 um 21:11 Uhr

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  • [...] Wie berichtet haben Shells Bohrschiffe die Arktis verlassen. Man ist mittlerweile fast dankbar dafür, dass sie die Beaufort- und Tschuktschenseen in der kurzen Zeit ihres Aufenthalts nicht in Schutt und Asche gelegt haben. Dass an den Bohrstellen vor der Küste Alaskas zur Stunde nicht barrelweise Rohöl in arktische Gewässer sprudelt, liegt allerdings auch daran, dass lediglich sogenannte “Top-Hole”-Bohrungen durchgeführt wurden. Bei diesen Bohrungen wird gar nicht bis in ölführenden Schichten vorgedrungen. [...]

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