Da liegt sie, die Rainbow Warrior III! Ein Aufschrei geht durch unseren Bus. Mit den aufragenden Masten und dem Greenpeace-Regenbogen ist sie nicht zu übersehen. Im strahlenden Sonnenschein blitzt sie funkelnagelneu. Eine kleine Delegation von MitarbeiterInnen fuhr pünktlich mit dem Bus um 10 Uhr in Hamburg los, denn wir durften bei der Taufe der Rainbow Warrior III dabei sein!
Welch ein Geschenk des Himmels, dass zu diesem besonderen Ereignis auch von höheren Mächten der Tag durch ein Superwetter gekrönt wird. Festzelte stehen bereit, eine kleine Rednertribüne, eine Outdoorausstellung mit Fotos unserer Entstehungsgeschichte. Mitarbeiter der Fassmer Werft, viel Presse, Sprachgewirr – ein spannungsvolles Gewusel umgibt mich.
Neugierig, vorsichtig, andächtig betreten wir das Schiff. In den Gesichtern der Anderen spiegeln sich meine eigenen Gefühle. Wenn es etwas wie ungläubige Freude gibt, dann habe ich so etwas erlebt. Die Kabinen, der Kampagnenraum, die Messe, die glänzende Kombüse, der IT-Raum, der sterile Krankenraum, alles so neu. Eine Weltkarte an der Wand – so nach dem Motto: wo werden wir denn gebraucht, wo soll der Törn hingehen?
Auf der Kommandobrücke bin ich für einen Moment ganz allein. Was wird hier noch alles passieren und entschieden, denke ich mit einer gewissen Ehrfurcht. Wortfetzen lassen erkennen, dass es schon einige Fachkundige an Bord gibt. Im Maschinenraum begegnet mir Roland Hipp, unser Kampagnendirektor. Auch bei ihm ein feines glückliches Lächeln im Gesicht und seine Worte sind: Es ist alles so neu, und es ist alles für uns und unsere Zwecke gemacht!
Ich knipse einfach drauf los, um alles irgendwie festzuhalten. Der offizielle Teil beginnt. Als erstes erzählt der Chef der Werft, wie gern er mit uns dieses Öko-Projekt entwickelt und durchgeführt hat. Eine Frau, die auf der Rainbow Warrior I gefahren ist, berichtet, der Projektleiter von Greenpeace International, der griechische Kollege, der fachlich zur Seite stand, der letzte Kapitän der Warrior II, der neue Kapitän und dann spricht Melina Laboucan Massimo, vom Stamm der Cree, die Täuferin des Schiffes, bewegend. Als Kumi Naidoo, unser internationaler Geschäftsführer, ans Mikro tritt, rücken die Journalisten dichter ran. Eindringlich und mitreißend sind seine Worte, das ist eine Stärke von ihm. Und weil es in Afrika üblich ist bei einem Ritual zu singen, stimmen wir mit ihm ein einfaches afrikanisches Friedenslied an.
Als dann Melina bereit steht, die Flasche an den Bug zu werfen, sehe ich nur noch Fotografenarme, die sich in die Höhe recken, um ein Bild zu erhaschen. Nach dem Taufspruch und dem Knall der Flasche tutet das Schiff, großer Jubel aller Anwesenden. Der Name des Schiffes wird feierlich enthüllt und ich sehe so manche Träne der Rührung im Augenwinkel aufblitzen und spüre auch meine eigene Rührung. Ich kann mich an dem Geschehen nicht satt sehen.
Apropos satt: auf alle Gäste wartet im Festzelt ein wunderbares Essen. Viele Begegnungen, viel Austausch. Eine wahrlich bunte Schar – gern würde ich einige fragen, woher sie kommen und wie ihr Bezug zur Feier ist. Spannende Menschen. Ich möchte so gern diese besondere Stimmung für Euch rüber schieben können. So viel Zuversicht, Hoffnung und Zufriedenheit.
Auf dem Weg zum Bus kommen mir Fragen in den Sinn: Was macht jetzt eigentlich die Crew? Die erste Nacht an Bord? Sind hinter den riesigen Kühlschranktüren schon die Essensvorräte?
Auf der Heimfahrt kein Regenbogen, aber ein gigantisch-wunderschöner Sonnenuntergang.
Eure glückliche und etwas gefühlsduselige Annett
P.S.: Und hier noch mehr Infos zur Taufe.















