Das wurde auch Zeit! Die Diskussionen der EU, Holz und Holzprodukte aus illegaler Quelle vom europäischen Markt zu verbannen, haben sich lange genug hingezogen. Dabei startete bereits 2003 das europäische Aktionsprogramm „Forest Law Enforcement, Governance and Trade“ (Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor) – kurz FLEGT-Prozess.

- Tropisches Hartholz aus der Demokratischen Republik Kongo
Die äußerst mühseligen Verhandlungen dauern mittlerweile fast zwei Jahre – der erste europäische Verordnungsentwurf kam bereits 2008 auf den Tisch. Das Ergebnis war damals wenig zufriedenstellend, denn die Vorschläge des Rates wurden komplett verwässert! Um sicherzustellen, dass ein wirklich effektives Gesetz gestaltet wird, hat Greenpeace diesen Prozess verfolgt. Gemeinsam mit anderen NGOs haben wir zuletzt im Juni 2010 im Vorfeld der Triloggespräche zwischen Europäischem Rat, dem Parlament und der Kommission in einem Positionspapier klare Empfehlungen für ein starkes Holzhandelsgesetz ausgesprochen.
Letztendlich zeichnet sich nun ein Kompromiss ab. Die aktuelle Lösung weist dementsprechend einige Schwachstellen auf. Es gibt keine EU-weiten Standards für Strafmaßnahmen. Druckerzeugnisse, wie zum Beispiel Bücher, bleiben außerdem für mindestens fünf Jahre von den neuen Regelungen ausgeschlossen. Die Verordnung muss jetzt „nur“ noch im Juli 2010 durch das Europäische Parlament und anschließend durch den Ministerrat gehen. Hoffentlich eine Formsache, denn der Großteil der europäischen Mitgliedsstaaten steht hinter dem Kompromiss. Widerstand leisten jedoch noch eine Handvoll Länder, allen voran Schweden und Portugal. Ist das Gesetz erst einmal durch, bleibt zumindest das illegale Holz von Firmen, die vom gesetzeswidrigen Holzhandel und Waldzerstörung profitieren, vom europäischen Markt ausgeschlossen.
Die internationale Nachfrage nach möglichst billigem Holz hat die unkontrollierte Waldzerstörung massiv vorangetrieben. Als Verbraucher konnte man die genaue Herkunft der Holzprodukte nicht nachvollziehen. Bisher stammen vermutlich bis zu 19 Prozent der EU-weiten Holzimporte aus illegalen Quellen! Die europäischen Händler sollten zukünftig über die Lieferkette die Herkunft des Holzes nachprüfen können. Hoffen wir, das dass dies zu durchgreifenden Verhaltensänderungen in der Holzindustrie führen wird.
Erst letzte Woche war mein afrikanischer Kollege René Ngongo zu Besuch in Berlin und kommentierte im Interview die Konsequenzen der zerstörerischen Holzindustrie in der Demokratischen Republik Kongo. René berichtet, dass der kongolesische Umweltminister Holztitel vergibt; wegen des noch geltenden Moratoriums ist dies eigentlich illegal. Wie wird mit diesem Holz umgegangen, wenn es auf den europäischen Markt gelangt? Das neue Gesetz ist sicherlich ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die illegale Entwaldung. Es wird aber nicht ausreichen, die Probleme der Waldwirtschaft und der Zerstörung intakter Urwälder im Kongo lösen.