Oscarpreisträgerin mit Greenpeace im Kongo

09. Juli 2010

Die französische Schauspielerin Marion Cotillard begab sich im Juni 2010 zusammen mit Greenpeace in die tropischen Regenwälder im Herzen der Demokratischen Republik Kongo. Auf ihrer Reise wurde sie Augenzeugin der Plünderung dieser Wälder.

Von der Ressourcenausbeutung  profitiert nicht etwa die lokale Bevölkerung, sondern hauptsächlich industriell operierende Firmen aus dem Ausland (auch aus Deutschland und Europa) sowie Vertreter der Zentralregierung. Über die derzeitige politische Situation im Kongo, über die marode Forstreform und die Ausbeutung der lokalen Waldgemeinden hat mein Kollege und Träger des Alternativen Nobelpreises, René Ngongo, während seines Deutschlands Besuches im Juni berichtet.

In dem Video schildert Marion Cotillard ihre Eindrücken von ihrem Besuch in der Provinz Oshwe.

Mehr Videos zu ihrem Besuch gibt es in englischer und französischer Sprache bei Greenpeace Frankreich.

Europäisches Holzhandelsgesetz in Sicht

20. Juni 2010

Das wurde auch Zeit! Die Diskussionen der EU, Holz und Holzprodukte aus illegaler Quelle vom europäischen Markt zu verbannen, haben sich lange genug hingezogen. Dabei startete bereits 2003 das europäische Aktionsprogramm „Forest Law Enforcement, Governance and Trade“ (Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor) – kurz FLEGT-Prozess.

Tropisches Hartholz aus der Demokratischen Republik Kongo © Greenpeace / Jiro Ose
Tropisches Hartholz aus der Demokratischen Republik Kongo

Die äußerst mühseligen Verhandlungen dauern mittlerweile fast zwei Jahre – der erste europäische Verordnungsentwurf kam bereits 2008 auf den Tisch. Das Ergebnis war damals wenig zufriedenstellend, denn die Vorschläge des Rates wurden komplett verwässert! Um sicherzustellen, dass ein wirklich effektives Gesetz gestaltet wird, hat Greenpeace diesen Prozess verfolgt. Gemeinsam mit anderen NGOs haben wir zuletzt im Juni 2010 im Vorfeld der Triloggespräche zwischen Europäischem Rat, dem Parlament und der Kommission in einem Positionspapier klare Empfehlungen für ein starkes Holzhandelsgesetz ausgesprochen.

Letztendlich zeichnet sich nun ein Kompromiss ab. Die aktuelle Lösung weist dementsprechend einige Schwachstellen auf. Es gibt keine EU-weiten Standards für Strafmaßnahmen. Druckerzeugnisse, wie zum Beispiel Bücher, bleiben außerdem für mindestens fünf Jahre von den neuen Regelungen ausgeschlossen. Die Verordnung muss jetzt „nur“ noch im Juli 2010 durch das Europäische Parlament und anschließend durch den Ministerrat gehen. Hoffentlich eine Formsache, denn der Großteil der europäischen Mitgliedsstaaten steht hinter dem Kompromiss. Widerstand leisten jedoch noch eine Handvoll Länder, allen voran Schweden und Portugal. Ist das Gesetz erst einmal durch, bleibt zumindest das illegale Holz von Firmen, die vom gesetzeswidrigen Holzhandel und Waldzerstörung profitieren, vom europäischen Markt ausgeschlossen.

Die internationale Nachfrage nach möglichst billigem Holz hat die unkontrollierte Waldzerstörung massiv vorangetrieben. Als Verbraucher konnte man die genaue Herkunft der Holzprodukte nicht nachvollziehen. Bisher stammen vermutlich bis zu 19 Prozent der EU-weiten Holzimporte aus illegalen Quellen! Die europäischen Händler sollten zukünftig über die Lieferkette die Herkunft des Holzes nachprüfen können. Hoffen wir, das dass dies zu durchgreifenden Verhaltensänderungen in der Holzindustrie führen wird.

Erst letzte Woche war mein afrikanischer Kollege René Ngongo zu Besuch in Berlin und kommentierte im Interview die Konsequenzen der zerstörerischen Holzindustrie in der Demokratischen Republik Kongo. René berichtet, dass der kongolesische Umweltminister Holztitel vergibt; wegen des noch geltenden Moratoriums ist dies eigentlich illegal. Wie wird mit diesem Holz umgegangen, wenn es auf den europäischen Markt gelangt? Das neue Gesetz ist sicherlich ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die illegale Entwaldung. Es wird aber nicht ausreichen, die Probleme der Waldwirtschaft und der Zerstörung intakter Urwälder im Kongo lösen.

Gedrückte Stimmung auf der Friedenskonferenz

10. Juni 2010

Vor dem Eingang zur Kongo-Konferenz stehen ein Foto von Floribert Chebeya und eine brennende Kerze. Eine Erinnerung an die Ermordung des engagierten Menschenrechtsaktivisten am 2. Juni 2010. Gemeinsam mit meinem afrikanischen Greenpeace-Kollegen aus Kinshasa, René Ngongo, nehme ich an der Konferenz „Peace Needs in the DR Congo“ in Berlin teil. René kenne ich bereits von meiner Reise nach Bumba.

Im Dezember 2009 ist er für sein hohes Engagement mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Auf die Frage, ob er Angst habe, sagt er, dass er sich der Gefahr bewusst sei. Ausschließen könne er sie nicht:

Jemand muss es im Kongo wagen, zu sagen, was wirklich passiert. Was gut läuft und was schlecht läuft.

Den Berichten der Konferenzteilnehmer zufolge passiert im Kongo eher Letzteres. Jean-Claude Katende von Asadho (Afrikanisches Bündnis zur Verteidigung der Menschenrechte) und Raphael Wekenge von ICJP (Kongolesische Initiative für Recht und Frieden) berichten über die Entwicklung der letzten 50 Jahre, die fehlenden Rechte der Zivilbevölkerung und die Ausbeutung der Ressourcen im Kongo. Auch die Reform der Sicherheitspolitik und das Militär stehen stark in der Kritik, ebenso das Thema Korruption.

Mir ist nach dem ersten Konferenztag schleierhaft, wie sich die angestrebten Reformen im Holzsektor in der kongolesischen Wirklichkeit realisieren lassen. Der 50. Unabhängigkeitstag der Demokratischen Republik Kongo wird kaum als afrikanische Erfolgsgeschichte gefeiert werden können. Ich werde berichten, was der morgige Konferenztag bringt.